Wirtschaft & Finanzen

Anmut und Reiz von Finanzblasen

1. November 2017

Tatsächlich ist es so, dass die Finanzmärkte, deren Bewegungen und teils gar dramatische Auswirkungen auf unser tägliches Leben, uns mehr oder weniger am Allerwertesten vorbeigehen. Letzteres vorzugsweise dann, wenn wir selbst darin nicht direkt verstrickt sind. Dessen ungeachtet lohnt sich hin und wieder ein ruhiger Seitenblick auf die Entwicklung der Indizes. Spätestens wenn sie nicht mehr den realen Wertzuwachs in einer Ökonomie abbilden, sondern sich nach oben hin verselbstständigen, ist es wieder an der Zeit von „Blasen“ im weiteren Sinne zu reden.

Die Volks- und Betriebswirtschaftslehre, inzwischen längst zur allgemein anerkannten Ersatzreligion geworden, wurde so komplex aufgeblasen, dass die überlieferte Bibel dagegen heute eher als Kinder-Literatur durchgehen muss. Nicht ohne Grund wird diese Geld-Religion so unverständlich wie möglich gehalten (Geld und Gott – Kapitalismus als Religion). Es ist nicht im Sinne ihres Erfinders, dass jedermann diese Strukturen schnell durchblickt. Immerhin dienen die als Wissenschaften getarnten Bereiche einem einzigen Zweck. Das ist „Wachstum“ oder etwas profaner ausgedrückt, die „Heilige Geldmehrung„!

Sind wir jetzt schon zu spät dran? Immerhin besagt eine alte Bankiersweisheit: „Wenn die Börse zur Hausfrau kommt, ist alles zu spät„! Dieses Stadium haben wir eigentlich längst erreicht und auch die Hausfrau kann bequem mit dem Smartphone … am Mixer stehend … in der Finanzwelt zocken gehen. Der Einstieg dazu wird an virtuellen Plätzen wie diesem spürbar erleichert: Vor- und Nachteile von Moneyou. Hat man sich erst einmal dazu durchgerungen, ist es in jeden Fall noch um einiges prickelnder als ein regulärer Casinobesuch.

Lassen wir die ganze Euphorie und Glücksjägerei einmal etwas sacken. Ein Blick auf den DAX 30 und ein anschließender Abgleich mit der harten Realität kann bereits sehr erhellend wirken. Anfang 2009 stand der DAX 30, ausweislich des beigefügten Charts, bei knapp über 3.500 Punkten. Besehen wir uns den aktuellen Stand von rund 13.000 Zählern, ist das fast schon eine Vervierfachung. Zunächst die ernsthafte Frage in die Runde: hat sich ihr Einkommen oder Vermögen in derselben Zeit (acht Jahre) auch fast vervierfacht? Wenn ja, dann gehören sie womöglich zu dem glücklichen „1 Prozent“ unserer Gesellschaft, welches regelmäßig an der „Umverteilung von unten nach oben“ in einem vergleichbaren Ausmaß partizipiert. Wenn nicht, dann ist dieses „bullische Wunder“ an Ihnen spurlos vorübergegangen.

Da also die Vervierfachung der „Assets„, der Realwerte in einem Zeitraum von acht Jahren so gut wie unmöglich ist, also echt „illusorisch“, müssen wir es hier mit einem anderen Phänomen zu tun haben. Selbiges haben wir bereits in der Überschrift anklingen lassen: Blasenbildung! Die aktuelle DAX-Marke von über 13.000 Punkten sollte also eine Erwähnung wert sein. Man kann diesen Umstand auch etwas anders auswerten. Glücklich sind die, die zeitig genug eingestiegen sind und ebenso zeitig genug den Ausstieg schaffen. Denn bei Lichte betrachtet, kommen wir dem Zeitpunkt bedrohlich näher, den wir auch bei Seifenblasen gar nicht sehr schätzen, das Platzen derselben. Das Fundament des aktuellen DAX-Standes ist schon sehr luftig bis abgehoben.