Politik

Geopolitik aus russischer Sicht

22. Oktober 2018

Russland hat seit Beginn der 90er-Jahre ein neues geopolitisches Konzept, das weniger auf Konfrontation als auf ein Miteinander aufgebaut ist. Die Darstellung durch den Westen, Putin sei auf Expansion bedacht und hochagressiv, ist gelogen und falsch. Es ist im Gegenteil der Westen, der hier den geostrategischen Schwachstellen der Russen in letzter Zeit Daumenschrauben anlegt. Seit die EU mit dem Assoziierungsabkommen in der Ukraine die orangene Revolution auslöste, werden die Sicherheitsinteressen Russlands an seiner offenen Westflanke massiv verletzt. Die Nato-Truppen im Baltikum und in Polen treiben das noch auf die Spitze. Der Westen streut uns da Sand in die Augen, wenn von „Östlicher Partnerschaft“ und „Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen“ die Rede ist. Im Pentagon weiß man, was so eine offene Flanke zu belagern bedeutet.

Dass Putin das letzte Großmanöver in den Osten des riesigen Landes legte, zeigt, dass er das aggressive Verhalten der USA umgeht,  überall da Manöver abzuhalten, wo politische Unstimmigkeiten bestehen. Dass die Krim besetzt wurde, war eine geostrategische Notwendigkeit, um nach der vormaligen Positionierung der Ukraine den dortigen Zugang zum Meer zu sichern.

Russland hat, anders als die meisten seiner Nachbarn zum Westen hin, keine natürlichen Barrieren, die bei einem Angriff die Vorwarnzeiten verlängern könnten. Zweimal in der Geschichte mussten deshalb die Russen schon erleben, dass zuerst Napoleon und dann Hitler ohne große Anstrengungen bis Moskau vorstoßen konnten .

Wir müssen die insgesamt friedliche Ausrichtung Putins bei uns so hervorheben, um uns erklären zu können, wenn Russland die Ostukraine in nächster Zeit annektiert. Poroschenko provoziert die Russen wo er nur kann. Nach seiner Sicht sind die nun ein Jahr in Kraft befindlichen Abkommen mit dem Westen „ein Sieg über Russland“. Die Ostukraine wird in Zukunft der notwendige Puffer zwischen den sich entwickelnden Staatengemeinschaften sein.

Auch wenn viele das vielleicht nicht gerne hören – Schröder muss man wegen seiner Rolle beim Nord Stream 2-Pipelineprojekt dankbar sein. Russland beliefert halb Europa zum großen Teil mit Gas und Öl. Nord Stream 2 ist mehr als nur ein Wirtschaftsprojekt, es ist ein Projekt der Völkerverständigung, denn es macht uns unabhängig von Lieferungen durch wankelmütige Amerikaner, die auch schon mal einen Vertrag außer Kraft setzen, wenn ihnen danach ist.


Ad
Ad

Jetzt eintragen und News kostenlos per E-Mail erhalten:

Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad