Whistleblower Politik

Skandal: SAT.1-Talk lädt „Deutsche Umwelthilfe“-Kritiker Ramin Peymani aus fadenscheinigen Gründen aus (+Video)

22. November 2018

Das SAT.1 Frühstücksfernsehen hatte den Publizisten Ramin Peymani als Studiogast in die Sendung vom Mittwoch dieser Woche eingeladen. Er sollte dort über seine Recherchen zu dem umstrittenen Verein „Deutsche Umwelthilfe e.V.“ berichten. Dann aber wurde Peymani jedoch plötzlich mit einer äußerst fadenscheinigen Begründung wieder ausgeladen. Was war passiert? Hatte SAT.1 vielleicht zu spät bemerkt, dass der Publizist merkelkritisch bloggt oder dass er Gründungsmitglied der Vereinigung der Freien Medien e.V. ist und damit für so einen großen Mainstream-Sender wahrscheinlich nicht genug systemkonform?

Wir sprechen mit Ramin Peymani über seine Eindrücke und die mutmaßlichen Hintergründe für die „Spontan-Absage“. Während wir gerade mit dem Gespräch über Skype beginnen wollten, rief der Sender ein weiteres Mal an, um sich für die Umstände zu entschuldigen.

Zur Dokumentation hier der Originalartikel von Ramin Peymani zu seiner Absage bei SAT.1:

Die Spontanausladung: Kein Talk in SAT.1 zur Deutschen Umwelthilfe

Ich bin beileibe niemand, der die Öffentlichkeit scheut. Ganz im Gegenteil. Die Themen, über die ich als Autor und Publizist schreibe, sind mir so wichtig, dass ich mir eine breite Wahrnehmung wünsche. Die vielen Debattenmagazine und Internetplattformen, die meine Artikel übernehmen, verschaffen meinem Anliegen, für die Freiheit des Einzelnen einzutreten, eine Öffentlichkeit, die ich trotz einer sechsstelligen Zugriffszahl auf meinem Blog Woche für Woche nicht erreichen könnte. Ich dränge mich aber nirgends auf. Auch nicht bei SAT.1. Der Sender meldete sich vielmehr am Dienstag um kurz nach elf bei mir, um mich für den kommenden Morgen nach Berlin zur Live-Sendung des Frühstücksfernsehens einzuladen. Der freundliche Redakteur war Feuer und Flamme für meine Kolumne über das Treiben der Deutschen Umwelthilfe und mit mir einer Meinung, dass man dem Abmahnverein das Handwerk legen müsse. Fast 20 Minuten lang sprachen wir über meinen Auftritt als Studiogast. Es konnte dem Redakteur gar nicht schnell genug gehen, mich nach Berlin zu holen, und so schob ich einen anderen Termin gedanklich zur Seite, um ihm eine feste Zusage zu geben. Ich würde kurzfristig alle Details zu Flug und Hotel erhalten, man organisiere außerdem den Transport vor Ort. Ein Rundum-Sorglos-Paket also, um sicherzustellen, dass ich auch wirklich kommen würde. Während ich bereits mit den organisatorischen Vorbereitungen der plötzlichen Reise beschäftigt war, erhielt ich jedoch eine Email. Um 12.19 Uhr wurde ich freundlich, aber unmissverständlich wieder ausgeladen. SAT.1 war eingefallen, dass man schon genug Gäste habe.

Gerne hätte ich die Frage aufgeworfen, wie es sein kann, dass eine nicht vom Wähler legitimierte Organisation die Leitlinien der Politik bestimmt

Gerne hätte ich einem breiteren Publikum am frühen Morgen vor Augen geführt, mit welch dubiosem Verein wir es zu tun haben, der landauf, landab dafür sorgt, dass immer weniger Autos in die Städte fahren dürfen. Ich hätte daran erinnert, dass es der grüne Umweltminister Jürgen Trittin war, der die Rahmenbedingungen dafür geschaffen hatte, dass die Deutsche Umwelthilfe 2004 als klageberechtigter Verbraucherschutzverband anerkannt wurde. Vier Jahre später wurde sie dann vom Umweltbundesamt als klageberechtigte Vereinigung anerkannt, was die Möglichkeiten des juristischen Vorgehens erheblich erweiterte. Ich hätte erläutert, warum insbesondere der japanische Automobilhersteller Toyota sich Jahr für Jahr mit hohen fünfstelligen Beträgen bei der Deutschen Umwelthilfe engagiert und warum auch die amerikanische “Ford Foundation” erhebliche Summen investiert hat. Ich hätte die Frage aufgeworfen, wie es sein kann, dass eine nicht vom Wähler legitimierte Organisation mit rund 100 Mitarbeitern die Leitlinien der Politik bestimmt. Ich hätte dabei gerne die Rolle der Grünen thematisiert, die den Verein brauchen, weil sie selbst als Partei die Klagen nicht anstrengen können. Und ich hätte mahnend auf die Konsequenzen hingewiesen, die es hat, wenn die Bürger das Vertrauen in Gerichte verlieren, die völlig überzogene Fahrverbote aufgrund fragwürdiger Grenzwerte aussprechen. Dass nun gar eine Autobahn selbst von modernen Dieselfahrzeugen nicht mehr befahren werden soll, macht den ganzen Wahnsinn offensichtlich.

Vielleicht fehlt SAT.1 einfach nur der Mut, einen kritischen Publizisten zu Wort kommen zu lassen, der den einen oder anderen wachrütteln könnte

All das werde ich nun nicht tun. Zumindest nicht in Berlin. Jedenfalls nicht am 21. November im SAT.1-Frühstücksfernsehen. Jetzt frage ich mich natürlich, was wohl der Grund für die spontane Ausladung nach dem heftigen Werben um einen schnellstmöglichen Studiobesuch sein könnte. Schwer vorstellbar, dass ein Redakteur des Senders im Überschwang der Begeisterung über meine Kolumne einfach zum Hörer gegriffen haben könnte, um mit mir etwas zu vereinbaren, was er zuvor nicht mit seinen Kollegen abgesprochen hatte. Schwer vorstellbar auch, dass man in der SAT.1-Redaktion erst nach dem Telefonat darauf gekommen ist, mit dem TV-Auftritt einem Mitglied der Freien Medien eine prominente Bühne zu geben. Und ebenfalls schwer vorstellbar, dass der Sender das Thema urplötzlich nicht mehr spannend genug finden könnte, zumal just am 21. November das Urteil des Verwaltungsgerichts Wiesbaden zu einem möglichen Fahrverbot in Darmstadt erwartet wird. Ein besseres Timing für einen Studiogast kann man sich als Macher einer Sendung kaum wünschen. Vielleicht liegt es also am Ende einfach nur daran, dass SAT.1 der Mut fehlt, einen kritischen Publizisten zu Wort kommen zu lassen, der den einen oder anderen Mitbürger wachrütteln könnte. Die Redaktion sollte sich beim nächsten Mal jedenfalls vorher darüber klar werden, ob man auch eine Stunde nach der Einladung noch Lust auf den Gast hat. SAT.1 verpasst mit dem Rückzieher eine Chance, sich an die Spitze der Vernünftigen zu stellen, die den grünen Irrsinn nicht mehr länger hinnehmen wollen.


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