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Politik

#Epstein: Großzügige Spenden, keine Empfänger und ein interessantes Interview

9. August 2019

Großzügige Spenden an amerikanische Krankenhäuser, Spitzenforschungsuniversitäten für Kinder- und Jugendwerke auf den Virgin Islands sowie Forschungsprojekte zur Förderung der künstlichen Intelligenz. Pressemitteilungen der Stiftungen von Jeffrey Epstein malen das Porträt eines wohlhabenden und großzügigen Philanthropen.

Bei genauerem Hinsehen stellt sich jedoch heraus, die inszenierte Großzügigkeit und Barmherzigkeit hält eine genauere Überprüfung nicht stand. Gespräche, Interviews und Mails der Spendenempfänger geben zu Protokoll, die Spendenhöhe war vielerorts kleiner als in der Öffentlichkeit dargestellt. In Wirklichkeit waren die Spendenbeiträge, ob persönlich oder über die Stiftung laufend, wesentlich kleiner und nur ein Tropfen auf dem heißen Stein im Vergleich zu anderen „Wohltaten“ von Persönlichkeiten wie Bill Gates oder Warren Buffett.

Via Pressemitteilungen seiner Stiftungen verlautbarte Epstein, mehr als 100 Organisationen gespendet zu haben. So verschenkte er von 2015 bis 2017 über seine Stiftung, Gratitude America Ltd, 1,84 Millionen Dollar an Wohltätigkeitsorganisationen im ganzen Land, so die Steuererklärungen. Ferner gab Epstein an, 30 Millionen Dollar an die Harvard University gespendet zu haben, bevor er 2008 seinen Deal mit dem damaligen Bundesanwalt Alexander Acosta geschlossen hatte.


Empfänger dementieren Erhalt von Spenden
leistungen

Nun treten erstmals mutmaßliche Empfänger von Epsteins Spenden ins Rampenlicht. Viele geben an, überhaupt keine Gelder erhalten zu haben, andere widersprechen der genannten Spendenhöhe.

Die Zeitschrift Chronicle of Philanthropy hält seit dem Jahr 2006 eine laufende Datenbank über erhaltende Großspenden. So erhielten sie seither mehr als eine Millionen Dollar an Zuwendungen aller Art, doch eine Spendenleistung von Epstein sei nicht dabei, sagte die Personalchefin Maria DiMento.

Der Nachrichtensender NBC kontaktierte 56 Wohltätigkeitsorganisationen, die nach Presseangaben von Epsteins Stiftungen im Zeitraum von 2010 bis 2017 als Empfänger von Spendenmitteln angegeben waren. 32 Organisationen waren zu keiner Mitteilung bereit. Von den 24, die geantwortet haben, gaben 10 an, keinerlei Spenden oder Wohltaten von Epstein erhalten zu haben.

Da wäre beispielsweise das New Yorker Metropolitan Museum of Art. Von 2010 bis 2012 listet Epstein dieses Museum als Empfänger von Beiträgen auf. Laut einem Sprecher des Hauses hat das Museum im genannten Zeitraum keinerlei Spenden erhalten. Anfang der 90er Jahre habe Epstein lediglich Eintrittskarten für zwei Benefizveranstaltungen gekauft.

Weitere Organisationen, welche nach eigenen Angaben ebenso wenig mit Wohltaten von Epstein beglückt worden sind, waren die Duke University, die Ohio State University sowie die Metropolitan Opera, einer Theatergesellschaft am Lincoln Center in New York. Ebenfalls hat die Elton John AIDS Foundation keinerlei Spenden erhalten, obwohl die Unterlagen der Gratitude America dies dokumentieren.

Das Santa Fe Institute hat die letzten Spenden im Jahr 2010 erhalten. Via E-Mail teilte Pressesprecherin Jenna Marshall mit:

Epsteins Verhalten ist entsetzlich. Seit 2010 hat unser Institut keinerlei Gelder mehr von ihm angenommen, nachdem seine Vergehen öffentlich publik geworden waren. Damals schon hielt unser Führungsteam eine Sitzung ab und entschied einstimmig, zukünftig keinerlei Spenden mehr von Epstein anzunehmen…“

Abschließend ist die Harvard University zu erwähnen. Wie bereits bekannt ist, spendete Epstein 2003 insgesamt 6,5 Millionen Dollar. Obwohl die Pressemitteilungen von Epsteins Stiftungen eine Spendenhöhe von 30 Millionen Dollar ausweisen, gibt die Universität an, diese Differenz nie erhalten zu haben bzw. keine Dokumentation darüber zu finden.

Interview mit Buchautor Thomas Volscho

Passend zu dieser Thematik, gab der Buchautor Thomas Volscho, der aktuell an einem Buch über Jeffrey Epstein schreibt, kürzlich ein spannendes Interview. Hier ein kleiner übersetzter Auszug:

Jahrelang, noch bevor alle schmutzigen Details seines persönlichen Lebens bekannt wurden, war es für diejenigen, die über Jeffrey Epstein berichteten, ein Rätsel, wie er genau sein erstaunliches Vermögen aufbauen konnte. Du arbeitest an einem Buch, das genau dieses Thema untersucht. Was konntest du finden?

Er leitete Wohltätigkeitsorganisationen für Leslie Wexner, den Einzelhandelsmilliardär und Epsteins einzigen großen Kunden. Dann wären da seine eigenen Wohltätigkeitsorganisationen, welche jährlich 9 Millionen oder 10 Millionen Dollar an Spenden getätigt haben will. Für mich lag schon immer die Vermutung nahe, dass Epstein massenhaft Gelder unterschlagen hat. NBC hatte kürzlich berichtet, Epsteins gemeldete Spenden seien nie beim Empfänger angekommen. Dies könnte einer der Schlüssel für sein Vermögen sein.

Seit seiner Verhaftung gibt es Unmengen von Verschwörungstheorien. Herumgeisternde Theorien, welche besagen, dass Geldwäsche und Erpressung die Haupteinnahmequelle gewesen sein soll. Genau aus diesem Grund seien seine Vermögenswerte für Außenstehende so undurchsichtig. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen? Steckt Wahrheit dahinter?

Ja! Ich denke, er ist in Erpressung verwickelt. Der Grund für diese Überzeugung ist ein Polizeibericht von Palm Beach, den ich gelesen habe. Das mutmaßliche Opfer Virginia Roberts (heute Giuffre), sagte laut Gerichtsakten aus, Epstein habe regelmäßig den Versuch unternommen, Informationen über seine hochrangigen Gäste aus ihr herauszubekommen. „Informationen sind Gold“ ließ er sie wissen. Bill Clinton erwähnte er auch, er war laut Epstein dort, weil er ihm einen Gefallen schulden würde.

Ich bleibe dabei, ich glaube, Epstein ist ein Betrüger! Da ist noch die Falschdarstellung über seinen Bildungsstand. Er saß im Vorstand der Rockefeller University und in seiner Biografie behauptet er, Physik an der Cooper Union studiert zu haben, bevor er zu Bear Stearns ging. Das ist die Unwahrheit, weder hat er einen Hochschulabschluss noch hat er dort studiert. Studiert hat er an der New York University.

Das gesamte Interview habe ich hier für Sie verlinkt!


Quelle: indoamedia.com


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