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Wirtschaft & Finanzen

„Deutschland – ein Nachruf“

2. März 2020

Ein ausgesprochen guter Kommentar in der FINANZ und WIRTSCHAFT, den ich bereits im November 2018 an dieser Stelle veröffentlicht habe. Heute war mir danach, ihn zu wiederholen.

An Klarheit nicht zu überbieten. Die Highlights:

  • „Der Zusammenhalt (in Deutschland) findet sich nur noch in Parteitagsreden, nicht mehr in der Gesellschaft. Eine Phase der Stabilität geht in Deutschland zu Ende, und ihre Totengräber feierten sich ein vielleicht letztes Mal. Zusammenführen, das wollte die Kanzlerin nach eigener Aussage, doch die Spaltung ist unübersehbar.“ – Stelter: Das kann man wohl so sagen. Treffend auch die Charakterisierung der CDU als Totengräber.
  • „Taktisch ist die Position der Merkel-CDU und ihrer immer widerwilliger angetrauten CSU bequem. Ganz wie es das Medianwählertheorem vorhersagt, ruiniert die Positionierung der Christdemokraten die andere Volkspartei (SPD), die nun keine mehr ist und wohl nie mehr sein wird, und so führt heute in der Regierungsbildung kein Weg an der CDU vorbei. Die Taktik, alles rechts der CDU als Nazigefahr abzutun, erweist sich manchmal gar als selbst erfüllende Prophezeiung. Beide taktischen Positionen werden langfristig aber zu einer Strategie der Spaltung der Gesellschaft und des Niedergangs auch der verbliebenen Volkspartei – der eigenen.“ – Stelter: Ich denke, das trifft es gut und ist eine passende Beschreibung der politischen Verschiebung, die wir erlebt haben.
  • „Obwohl Merkel nichts anderes tat, als Systemzwängen zu folgen, wurde sie zum Sündenbock der Euro-Fehlkonstruktion. Auf der einen Seite deutsche Exportweltmeister, leider alleiniges Resultat eines Euros, der schwächer ist als die D-Mark, (…).“ – Stelter: was nichts anderes bedeutet, als dass wir in einer Wohlstandsillusion leben.
  • „Die kühle Merkel zierte damals ausländische Titelseiten als weiblicher Hitler – was die Tochter eines sozialistischen Pastors hart treffen musste. Vermutlich bewog dieses im Raum stehende Moraldefizit, die angedichtete Herzlosigkeit, zu einer «Hypermoral». (…) es war gewiss nicht bloss Nächstenliebe, die ihre unbedachten Gesten motivierte und den widerrechtlichen Freibrief, hinfort diejenigen, die sich Schlepper leisten können, besser zu behandeln als die Menschen, die im Vertrauen auf deutsche Korrektheit den formalen Maßstäben der Legalität folgen.“ – Stelter: Auch das ist treffend beschrieben und zeigt nochmals überdeutlich, dass es um die persönlichen Eitelkeiten, nicht um das Land geht.
  • „Die Moral verkommt zur Reputationsangst von Mitläufern, eine Heerschar von Blockwärtern wacht über den Diskurs und will um jeden Preis moralisch erscheinen. Darum werden die Nazis nun in aller Inbrunst gut hundert Jahre zu spät bekämpft, was praktischerweise die CDU/CSU gegen «rechts» absichert, Gewalt gegen Andersdenkende legitimiert und Deutschland zum europäischen Spitzenreiter der Internetzensur macht.“ – Stelter: und vor allem die Kategorie von „rechts“ bereits sehr in der Mitte beginnen lässt.
  • „Deutschland ist eines der produktivsten Länder der Welt – Resultat einer historisch gewachsenen Hochvertrauenskultur. An dieser nährt sich aber auch parasitär ein Funktionärsapparat, der das kulturelle Kapital schleichend verkonsumiert. Jedes Jahr verlassen bereits viele tausend Unternehmer das Land und werden durch Wohlfahrtsstaatsklienten ersetzt.“ – Stelter: Darf man wohl nur noch in der Schweiz so schreiben. Bei uns wäre das schon „Hetze“.
  • „So wenig sich Migranten über den Kontinent gleichverteilen lassen, die gelockt vom deutschen Wohlfahrtsstaat am wenigsten Schuld am Debakel tragen und dennoch letztlich als Sündenbock in einem polarisierten Deutschland herhalten werden, lassen sich die Schieflagen einebnen, die in den Target2-Salden deutlich werden. Die Gleichmacherei, das Gottspielertum und die Realitätsferne der Funktionäre führen notwendig zu Zwang auf Grundlage einer ohnehin schon überforderten Staatsgewalt. Ständige Überwachung, Kapitalverkehrskontrollen, Bargeldverbot und militarisierte Polizei im Kampf gegen Wutbürger werden die Folgen einer politischen Taktik sein, der das christliche C und das demokratische D nur noch leere Etiketten sind, um sich selbst moralisch überlegen zu fühlen.“ – Stelter: und damit die Grundlagen des Gemeinwesens und des Wohlstands zu vernichten.
  • „Die Frustrationstoleranz der Deutschen ist Teil ihres sozialen Kapitals: Fleiss trotz enteignender Steuersätze, zivilgesellschaftliches Engagement trotz Politisierung aller Lebensbereiche, Loyalität trotz Bevormundung durch Politik und Medien. Noch lassen sich die Wutbürger auf den Straßen als Extremisten abtun. In Frankreich ist man es gewohnt, nach Straßenschlachten zur Tagesordnung überzugehen, wohl weil die französische Nation noch unhinterfragt Identität stiftet.“ – Stelter: Und wir werden angesichts unserer Geschichte und der medialen Begleitung freiwillig und glücklich den Niedergang hinnehmen. Außer jenen, die bereits auswandern.
  • „Die Deutschen, so achtbar im Einzelnen, werden die Welt weiterhin mit ihrem Fleiss, ihrer Klugheit, ihrer Verlässlichkeit und Kooperationsfähigkeit bereichern. Aber sie werden es wohl immer mehr außerhalb Deutschlands tun, wenn dort nicht die Sekundärtugenden ein wenig davon ablassen, die letzten paar Funken Klugheit, Mäßigung, Mut und Gerechtigkeit hysterisch auszutreten. In Deutschland werden sich dann die verbliebenen Funktionäre und ihre Klienten das Zusammenleben täglich neu aushandeln dürfen. Der Medianwähler wird dann nicht mehr in der Mitte der Gesellschaft liegen, sondern an den Rändern ihrer Trümmer.“ – Stelter: ein schlimmes Bild von unserem Land, dem man sich leider nur schwer entziehen kann.

Dr. Daniel Stelter –www. think-beyondtheobvious.com