„Deutschland – ein Nachruf“

Ein aus­ge­sprochen guter Kom­mentar in der FINANZ und WIRT­SCHAFT, den ich bereits im November 2018 an dieser Stelle ver­öf­fent­licht habe. Heute war mir danach, ihn zu wiederholen.

An Klarheit nicht zu über­bieten. Die Highlights:

  • „Der Zusam­menhalt (in Deutschland) findet sich nur noch in Par­tei­tags­reden, nicht mehr in der Gesell­schaft. Eine Phase der Sta­bi­lität geht in Deutschland zu Ende, und ihre Toten­gräber fei­erten sich ein viel­leicht letztes Mal. Zusam­men­führen, das wollte die Kanz­lerin nach eigener Aussage, doch die Spaltung ist unüber­sehbar.“ – Stelter: Das kann man wohl so sagen. Treffend auch die Cha­rak­te­ri­sierung der CDU als Totengräber.
  • „Tak­tisch ist die Position der Merkel-CDU und ihrer immer wider­wil­liger ange­trauten CSU bequem. Ganz wie es das Medi­an­wäh­ler­theorem vor­hersagt, rui­niert die Posi­tio­nierung der Christ­de­mo­kraten die andere Volks­partei (SPD), die nun keine mehr ist und wohl nie mehr sein wird, und so führt heute in der Regie­rungs­bildung kein Weg an der CDU vorbei. Die Taktik, alles rechts der CDU als Nazi­gefahr abzutun, erweist sich manchmal gar als selbst erfül­lende Pro­phe­zeiung. Beide tak­ti­schen Posi­tionen werden lang­fristig aber zu einer Stra­tegie der Spaltung der Gesell­schaft und des Nie­der­gangs auch der ver­blie­benen Volks­partei – der eigenen.“ – Stelter: Ich denke, das trifft es gut und ist eine pas­sende Beschreibung der poli­ti­schen Ver­schiebung, die wir erlebt haben.
  • „Obwohl Merkel nichts anderes tat, als Sys­tem­zwängen zu folgen, wurde sie zum Sün­denbock der Euro-Fehl­kon­struktion. Auf der einen Seite deutsche Export­welt­meister, leider allei­niges Resultat eines Euros, der schwächer ist als die D‑Mark, (…).“ – Stelter: was nichts anderes bedeutet, als dass wir in einer Wohl­stand­s­il­lusion leben.
  • „Die kühle Merkel zierte damals aus­län­dische Titel­seiten als weib­licher Hitler – was die Tochter eines sozia­lis­ti­schen Pastors hart treffen musste. Ver­mutlich bewog dieses im Raum ste­hende Moral­de­fizit, die ange­dichtete Herz­lo­sigkeit, zu einer «Hyper­moral». (…) es war gewiss nicht bloss Nächs­ten­liebe, die ihre unbe­dachten Gesten moti­vierte und den wider­recht­lichen Frei­brief, hinfort die­je­nigen, die sich Schlepper leisten können, besser zu behandeln als die Men­schen, die im Ver­trauen auf deutsche Kor­rektheit den for­malen Maß­stäben der Lega­lität folgen.“ – Stelter: Auch das ist treffend beschrieben und zeigt nochmals über­deutlich, dass es um die per­sön­lichen Eitel­keiten, nicht um das Land geht.
  • „Die Moral ver­kommt zur Repu­ta­ti­ons­angst von Mit­läufern, eine Heer­schar von Block­wärtern wacht über den Diskurs und will um jeden Preis mora­lisch erscheinen. Darum werden die Nazis nun in aller Inbrunst gut hundert Jahre zu spät bekämpft, was prak­ti­scher­weise die CDU/CSU gegen «rechts» absi­chert, Gewalt gegen Anders­den­kende legi­ti­miert und Deutschland zum euro­päi­schen Spit­zen­reiter der Inter­net­zensur macht.“ – Stelter: und vor allem die Kate­gorie von „rechts“ bereits sehr in der Mitte beginnen lässt.
  • „Deutschland ist eines der pro­duk­tivsten Länder der Welt – Resultat einer his­to­risch gewach­senen Hoch­ver­trau­ens­kultur. An dieser nährt sich aber auch para­sitär ein Funk­tio­närsap­parat, der das kul­tu­relle Kapital schlei­chend ver­kon­su­miert. Jedes Jahr ver­lassen bereits viele tausend Unter­nehmer das Land und werden durch Wohl­fahrts­staats­kli­enten ersetzt.“ – Stelter: Darf man wohl nur noch in der Schweiz so schreiben. Bei uns wäre das schon „Hetze“.
  • „So wenig sich Migranten über den Kon­tinent gleich­ver­teilen lassen, die gelockt vom deut­schen Wohl­fahrts­staat am wenigsten Schuld am Debakel tragen und dennoch letztlich als Sün­denbock in einem pola­ri­sierten Deutschland her­halten werden, lassen sich die Schief­lagen ein­ebnen, die in den Target2-Salden deutlich werden. Die Gleich­ma­cherei, das Gott­spie­lertum und die Rea­li­täts­ferne der Funk­tionäre führen not­wendig zu Zwang auf Grundlage einer ohnehin schon über­for­derten Staats­gewalt. Ständige Über­wa­chung, Kapi­tal­ver­kehrs­kon­trollen, Bar­geld­verbot und mili­ta­ri­sierte Polizei im Kampf gegen Wut­bürger werden die Folgen einer poli­ti­schen Taktik sein, der das christ­liche C und das demo­kra­tische D nur noch leere Eti­ketten sind, um sich selbst mora­lisch über­legen zu fühlen.“ – Stelter: und damit die Grund­lagen des Gemein­wesens und des Wohl­stands zu vernichten.
  • „Die Frus­tra­ti­ons­to­leranz der Deut­schen ist Teil ihres sozialen Kapitals: Fleiss trotz ent­eig­nender Steu­er­sätze, zivil­ge­sell­schaft­liches Enga­gement trotz Poli­ti­sierung aller Lebens­be­reiche, Loya­lität trotz Bevor­mundung durch Politik und Medien. Noch lassen sich die Wut­bürger auf den Straßen als Extre­misten abtun. In Frank­reich ist man es gewohnt, nach Stra­ßen­schlachten zur Tages­ordnung über­zu­gehen, wohl weil die fran­zö­sische Nation noch unhin­ter­fragt Iden­tität stiftet.“ – Stelter: Und wir werden ange­sichts unserer Geschichte und der medialen Begleitung frei­willig und glücklich den Nie­dergang hin­nehmen. Außer jenen, die bereits auswandern.
  • „Die Deut­schen, so achtbar im Ein­zelnen, werden die Welt wei­terhin mit ihrem Fleiss, ihrer Klugheit, ihrer Ver­läss­lichkeit und Koope­ra­ti­ons­fä­higkeit berei­chern. Aber sie werden es wohl immer mehr außerhalb Deutsch­lands tun, wenn dort nicht die Sekun­där­tu­genden ein wenig davon ablassen, die letzten paar Funken Klugheit, Mäßigung, Mut und Gerech­tigkeit hys­te­risch aus­zu­treten. In Deutschland werden sich dann die ver­blie­benen Funk­tionäre und ihre Kli­enten das Zusam­men­leben täglich neu aus­handeln dürfen. Der Medi­an­wähler wird dann nicht mehr in der Mitte der Gesell­schaft liegen, sondern an den Rändern ihrer Trümmer.“ – Stelter: ein schlimmes Bild von unserem Land, dem man sich leider nur schwer ent­ziehen kann.

Dr. Daniel Stelter –www. think-beyondtheobvious.com