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Blutverdünner scheinen bei Covid-19 die Überlebensrate zu erhöhen

13. Juni 2020

Bei Covid-19 kann es bei schweren Verläufen zu Thrombosen und Embolien mit tödlichem Ausgang kommen. Blutverdünner beugen Blutgerinnseln vor und könnten daher schwere Verläufe verhindern, so wird derzeit vermutet. Entgegen der üblichen Berichterstattung ist genau das aber nicht neu. Schon seit 1970 weiss man, dass selbst bei Grippe tödliche Lungenembolien eintreten können, die mit Blutverdünnern verhindert werden können.

(von Carina Rehberg)

Blutverdünner für Covid-19-Patienten

Wenn Covid-19-Patienten, die bereits in der Klinik liegen, gerinnungshemmende Medikamente erhalten (im Volksmund als Blutverdünner bezeichnet), erhöht diese Behandlung offenbar die Chance, das Krankenhaus wieder lebend zu verlassen – so Forscher vom Mount Sinai COVID Informatics Center in New York/USA. Die verbesserte Überlebenschance dank dieser Medikamente konnte sowohl auf Intensivstationen wie auch auf Normalstationen beobachtet werden.

Die entsprechende Studie wurde an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai (medizinische Fakultät der Mount Sinai Universität in New York) durchgeführt und am 6. Mai 2020 im Journal of the American College of Cardiology veröffentlicht (1).

Todesursachen bei Covid-19-Patienten: Embolien, Herzinfarkte, Schlaganfälle

Hintergrund der Studie war, dass sich bei einer grossen Zahl Covid-19-Patienten im Laufe ihres Klinikaufenthaltes lebensbedrohliche Blutgerinnsel bildeten, die zu potenziell tödlichen thromboembolischen Ereignissen führten, womit Infarkte, Schlaganfälle und Lungenembolien gemeint sind.

Das Forscherteam wertete nun die Daten von 2.773 bestätigten Covid-19-Fällen (aus fünf verschiedenen New Yorker Krankenhäusern) aus. Im Mittelpunkt stand insbesondere die Überlebensrate der Patienten in Abhängigkeit von einer Behandlung mit Blutverdünnern – denn Letztere verhindern die problematische Blutgerinnselbildung.

Berücksichtigt wurden dabei auch andere die Überlebensrate beeinflussenden Faktoren, wie das Alter, Vorerkrankungen und auch eine bereits bestehende Therapie mit Blutverdünnern.

Studie zeigt: Blutverdünner verbessern Covid-19-Verlauf

28 Prozent der Patienten erhielten in der Klinik nun im Durchschnitt drei Tage lang eine umfassende Behandlung mit Blutverdünnern. Die Ergebnisse sahen im Einzelnen wie folgt aus:

  • Von jenen Patienten, die schliesslich verstarben, überlebten jene, die Blutverdünner erhalten hatten, durchschnittlich 21 Tage lang. Patienten, die keine Blutverdünner erhalten hatten, starben im Durchschnitt bereits nach 14 Tagen (nach Einlieferung ins Krankenhaus).
  • Von den Patienten, die künstlich beatmet wurden, starben 62,7 Prozent von jenen, die keine Blutverdünner erhalten hatten. Von den künstlich Beatmeten hingegen, die Blutverdünner bekamen, starben nur 29,1 Prozent.
  • Von den Patienten, die künstlich beatmet wurden und schliesslich starben, starben jene, die keine Blutverdünner erhalten hatten, nach 9 Tagen, jene die Blutverdünner erhalten hatten, erst nach 21 Tagen.

Bei schweren Vorerkrankungen könnten Blutverdünner hilfreich sein

Bei allen Patienten fand eine Blutuntersuchung beim Eintreffen in die Klinik statt, wobei sich zeigte, dass Personen, die später Blutverdünner benötigten, schon bei Einlieferung erhöhte Entzündungswerte aufwiesen. Erhöhte Entzündungswerte weisen auf Vorerkrankungen hin. Vermutet wird daher, dass insbesondere jene, die schwere Vorerkrankungen haben, von einer möglichst frühen Blutverdünnergabe profitieren.

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass Gerinnungshemmer eine so wichtige Rolle in der Therapie von Covid-19-Patienten spielen könnten, dass Todesursachen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und Lungenembolien (die alle mit dem Coronavirus in Verbindung gebracht werden) verhindert werden könnten. Dabei ist es einerlei, ob die Mittel oral, subkutan injiziert oder intravenös verabreicht werden“, so Dr. Valentin Fuster, Chefarzt in der Mount Sinai Klinik (eine der renommiertesten kardiologischen Kliniken der USA) (2).

„Wenn Patienten in die Notaufnahme kommen und positiv auf Covid-19 getetest werden, sollte man überlegen, Blutverdünner einzusetzen, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Allerdings muss jeder Fall individuell beurteilt werden, insbesondere um das persönliche Risiko des Patienten für innere Blutungen gering zu halten.“

Nebenwirkungen der Blutverdünner-Therapie blieben im Rahmen

Bei einer Therapie mit Gerinnungshemmern besteht jedoch immer auch die Gefahr, dass es zu inneren Blutungen kommen könnte. In genannter Studie aber konnte man keinen Unterschied in der Zahl der Blutungsereignisse zwischen Patienten mit und ohne Gerinnungshemmer feststellen.

Hamburger Rechtsmedizin bestätigt häufige Thrombosen und Embolien bei Covid-19

Auch Gerichtsmediziner des Universitätsklinikums Eppendorf/Hamburg – u. a. Dr. Klaus Püschel, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin – berichten in einer Pressekonferenz vom 8. Mai 2020, dass ein hoher Prozentsatz der obduzierten Covid-19-Verstorbenen an Blutgerinnseln litten. Bei jedem zweiten Toten fanden sich Thrombosen in beiden Beinvenen und bei einem Drittel dieser Patienten Lungenembolien (3).

Studie aus 1970: Auch bei der Grippe kann es zu Lungenembolien kommen

Die gesamte Berichterstattung rund um die richtige Behandlung von Covid-19 klingt, als müsse man alles erst neu erforschen, weil Covid-19 eine so vollkommen neue Erkrankung sei. Das aber ist offenbar nicht der Fall.

In der Deutschen Medizinischen Wochenschrift von 1970 war ein Artikel aus der Abteilung für Pathologie I (Leiter: Prof. Dr. O. Haferkamp) und Sektion für Pulmonologie (Leiter: Dr. H. Matthys) im Zentrum für Innere Medizin und Kinderheilkunde der Universität Ulm erschienen (4). Der Artikel trug den Titel: „Grippe und Lungenembolien“ und handelt von der Grippe-Epidemie 1969/70. Damals seien „einige Besonderheiten im Verlauf und, bei letalem Ausgang, im anatomischen Bild aufgefallen“.

Von 16 verstorbenen Grippe-Patienten, die man obduziert hatte, war die Hälfte an Embolien „bis in die feinsten Verzweigungen der Lungen“ gestorben. Als Schlusssatz war zu lesen: „Nach Einführung einer Therapie mit Antikoagulantien (Blutverdünnern, Anm. ZDG-Red.) wurden keine zusätzlichen Todesfälle mehr unter den Grippe-Patienten verzeichnet, die während dieser Epidemie behandelt wurden, auch wenn wegen pulmonaler Insuffizienz bereits eine Respiratorbehandlung notwendig gewesen war.“

Das heisst, man weiss seit sage und schreibe 50 Jahren, dass man Menschen mit schweren Grippe-Verläufen, das Leben retten kann (selbst wenn sie bereits an die künstliche Beatmung angeschlossen waren), wenn man ihnen einfach nur Blutverdünner gibt, da man dann tödliche Lungenembolien verhindern kann.

Und an all das hat man jetzt nicht nur nicht mehr gedacht, sondern hat auch noch in den ersten Wochen der Corona-Krise Obduktionen verboten, in denen man die Lungenembolien hätte feststellen und somit auch entsprechend hätte lebensrettend behandeln können.

Aus naturheilkundlicher Sicht

Aus naturheilkundlicher Sicht lässt sich natürlich kaum noch etwas erreichen, wenn man erst einmal auf der Intensivstation liegt oder mit einer akuten Lungenproblematik ins Krankenhaus eingeliefert wird – und kein naturheilkundlich orientierter Arzt in der Nähe ist, der evtl. an eine Vitamin-C-Gabe denkt, die laut Studien den Aufenthalt auf Intensivstationen deutlich verkürzen kann.

Nach wie vor lautet daher das Geheimnis: Prävention! Gerade die oben festgestellten erhöhten Entzündungswerte und Vorerkrankungen können oft sehr gut naturheilkundlich beeinflusst werden – mit einer antientzündlichen Ernährung, individuell passenden Nahrungsergänzungen und regelmässig adäquater Bewegung. Selbst die Gerinnungsparameter kann man mit einer gezielten Ernährung und Nahrungsergänzung beeinflussen.


Quelle: zentrum-der-gesundheit.de