Die Macht der Plas­tik­kon­zerne! Kanada will plas­tikfrei werden – doch Plas­tik­kon­zerne klagen gegen das Verbot

Für die Her­stellung von Plastik benötigt man ziemlich viel Wasser und Energie, Res­sourcen, die knapp werden. Außerdem wird Plastik kaum recycelt, denn es ist wirt­schaftlich güns­tiger, immer wieder neues Plastik aus Rohöl her­zu­stellen. Wach­sende Bedenken hin­sichtlich der Plas­tik­ver­schmutzung in den Ozeanen, Geschichten über tote Wale mit Plastik im Magen und die Tat­sache, dass  Asien den Plas­tikmüll aus Indus­trie­staaten nicht mehr haben will, haben Länder wie Kanada dazu ver­an­lasst, dras­ti­schere Schritte zu unter­nehmen, um das Problem anzu­gehen. Kanada ver­bietet alle „schäd­lichen“ Ein­weg­kunst­stoffe. Das Gesetz wird im Dezember 2022 in Kraft treten. „Plas­tik­ver­schmutzung bedroht unsere natür­liche Umwelt. Sie füllt unsere Flüsse oder Seen und ins­be­sondere unsere Ozeane und erstickt die dort lebenden Wild­tiere“, so die Regierung in Kanada. „Kanadier sehen die Aus­wir­kungen der Ver­schmutzung von Küste zu Küste.“ 

Die Kanadier werfen jedes Jahr drei Mil­lionen Tonnen Plas­tikmüll weg, von denen nur neun Prozent recycelt werden. Pre­mier­mi­nister Justin Trudeau ver­sprach bereits 2019 Plastik verbieten zu wollen, um den Plas­tikmüll zu bekämpfen und den Kli­ma­wandel anzu­gehen. Doch jetzt ist genau das pas­siert, was auch schon Kenia, New York und Mexiko-Stadt bei ihrem Plas­tik­verbot erleben mussten. Die Kunst­stoff­in­dustrie ver­hindert das Verbot, not­falls vor Gericht. Als New York 2015 Ein­weg­plastik und Sty­ropor ver­bieten wollte, klagten die Che­mie­kon­zerne und es sollte noch vier weitere Jahre dauern, bis endlich das Plas­tik­verbot umge­setzt werden konnte. Kon­zerne wie BASF und Dow Che­mical wollten auch in Mexiko-Stadt das Plas­tik­verbot ver­hindern, doch Mexiko-Stadt ließ sich nicht ein­schüchtern und seit 01. Januar 2021 gilt: Natur­faser statt Plastik! Jubel auch in Kenia, nachdem das afri­ka­nische Land  es endlich schaffte, das Plas­tik­verbot umzu­setzen. Doch nachdem viele asia­tische Länder den Plas­tikmüll aus Indus­trie­staaten nicht mehr haben wollen, will das  Ame­rican Che­mistry Council,  zu den Mit­gliedern gehören auch BASF Cor­po­ration und Bayer Cor­po­ration, Kenia mit Plastik über­fluten. Möglich machen es die Frei­han­dels­ver­träge. BASF ist ein deut­sches Che­mie­un­ter­nehmen und mit einem jähr­lichen Umsatz von ca.60 Mil­li­arden US-Dollar eines der größten Kunst­stoff­un­ter­nehmen der Welt. Chevron ist nicht nur einer der größten Ölkon­zerne der Welt, sondern ist einer der größten Her­steller von Polyole­finen. Und auch Exxon­Mobil und DuPont / Dow Che­mical Company gehören zu den größten Pro­fi­teuren, sollte Plastik nicht ver­boten werden. DuPont / Dow Che­mical Company haben es sogar geschafft, dass Hanf ver­boten wurde. Und nicht nur die Chemie- und Ölgi­ganten pro­fi­tieren, sondern auch euro­päische Spit­zen­banken. Allein die acht euro­päi­schen Groß­banken,  dar­unter die Deutsche Bank und die Com­merzbank inves­tieren 146 Mil­li­arden Euro in Müll. Es geht um viel Geld und mit­tendrin Länder wie Kanada, die den Plas­tikmüll redu­zieren wollen. Auch in Kanada klagen jetzt die Kon­zerne, damit das Plas­tik­verbot ab Dezember 2022 nicht in Kraft treten kann. Wie Kanada hat auch Europa eine riesige Plastik-Lobby und die ist sehr erfolg­reich. Europa ist der größte Exporteur von Plas­tikmüll – weltweit! 

Kanada will plas­tikfrei werden und ver­bietet alle „schäd­lichen“ Einwegkunststoffe

Der Minister für Umwelt und Kli­ma­wandel, Jonathan Wil­kinson, kün­digte im Oktober 2020 die nächsten Schritte der Bun­des­re­gierung in Richtung ihres Plans an, bis 2030 keinen Plas­tikmüll mehr zu produzieren.

„Wenn ein Verbot in Kraft tritt, werden Ihre ört­lichen Geschäfte Ihnen Alter­na­tiven zu diesen Kunst­stoff­pro­dukten anbieten“, sagte Wil­kinson und fügte hinzu, dass er weiß, dass es schwierig ist, von einer Reise zum Lebens­mit­tel­ge­schäft ohne Einweg-Kunst­stoff­pro­dukte zurück­zu­kehren, ins­be­sondere Lebens­mit­tel­ver­pa­ckungen, aber das muss sich ändern.“

Unter Berufung auf die Not­wen­digkeit einer Kon­sul­tation wird die Regierung bis zum 9. Dezember 2020 um Feedback zu einem „Dis­kus­si­ons­papier“ bitten. Die end­gül­tigen neuen Vor­schriften würden erst Ende 2021 in Kraft treten“, so der damalige Umwelt­mi­nister, der seit 2021 als Minister für natür­liche Res­sourcen tätig ist.

Doch auch sein Nach­folger, Steven Guil­beault, führt den Kampf gegen Plas­tikmüll fort und verkündete am 20.Juni 2022 , dass Kanada die Her­stellung und den Import von Ein­weg­plastik bis Ende des Jahres ver­bietet, um Kunst­stoff­ab­fälle zu bekämpfen und den Kli­ma­wandel anzu­gehen. Ein­weg­kunst­stoffe machen den größten Teil des Plas­tik­ab­falls aus, der an kana­di­schen Küsten gefunden wird. Nach Angaben der Regierung werden jedes Jahr bis zu 15 Mil­li­arden Plas­tik­tüten an Kassen ver­wendet und täglich etwa 16 Mil­lionen Stroh­halme. Das Gesetz wird im Dezember 2022 in Kraft treten, und der Verkauf dieser Artikel wird ab Dezember 2023 ver­boten, um Unter­nehmen in Kanada genügend Zeit für den Übergang und den Abbau bestehender Bestände zu geben, sagte die Regierung.

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Plas­tik­ver­schmutzung ist eine globale Her­aus­for­derung, die sofor­tiges Handeln erfordert. Plas­tikmüll landet auf unseren Müll­de­ponien und in Ver­bren­nungs­an­lagen, ver­schmutzt unsere Parks und Strände und ver­schmutzt unsere Flüsse, Seen und Ozeane, indem er Schild­kröten, Fische und Mee­res­säu­ge­tiere tötet. Aus diesem Grund gab der Pre­mier­mi­nister Justin Trudeau 2019 bekannt, dass die kana­dische Regierung zusätz­liche Schritte unter­nimmt, um Kanadas Plas­tikmüll zu redu­zieren, Inno­va­tionen zu unter­stützen und die Ver­wendung erschwing­licher und sicherer Alter­na­tiven zu fördern.

Plas­tik­her­steller reichen Klage ein, um das geplante Bun­des­verbot für Ein­weg­plastik zu blockieren

Am 09.August 2022 twit­terte Steven Guil­beault, dass eine Handvoll Plas­tik­un­ter­nehmen ver­suchen, das Verbot schäd­licher Ein­weg­kunst­stoffe zu stoppen. Doch die Regierung wird weiter für die saubere, gesunde Umwelt kämpfen, die die Kanadier verdienen.

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Eine Koalition von mehr als zwei Dutzend nord­ame­ri­ka­ni­scher Plas­tik­her­steller hat geklagt, um den Plan der kana­di­schen Bun­des­re­gierung zu blo­ckieren, ver­schiedene Ein­weg­plas­tik­ar­tikel wie Stroh­halme, Besteck und Essens­ver­pa­ckungen zu verbieten.

Laut Canadian Plastics ist es die zweite Klage, die die Respon­sible Plastic Use Coalition (RPUC) bei Gericht ein­ge­reicht hat.

Die RPUC wurde 2021 als Reaktion auf die Ein­stufung als giftig“ gegründet und umfasst derzeit mehr als 30 Unter­nehmen,  dar­unter Berry Global Group Inc., CCC Plastics, Dow Inc., Ingenia Polymers, IPL, Lyon­del­l­Basell Indus­tries und Nova Che­micals Corp.

Die erste Klage wurde im Juni 2021 ein­ge­reicht und zielt darauf ab, die Ent­scheidung der Regierung zu kippen, Kunst­stoffe gemäß dem kana­di­schen Umwelt­schutz­gesetz (CEPA) als „giftig“ ein­zu­stufen. CEPA defi­niert eine Sub­stanz als giftig“, wenn sie unmit­telbare oder lang­fristige schäd­liche Aus­wir­kungen auf die Umwelt oder ihre bio­lo­gische Vielfalt“ haben kann. Die Ein­stufung als giftig, die im Mai 2021 nach einer wis­sen­schaft­lichen Bewertung von Kunst­stoff­ab­fällen erfolgte, ist erfor­derlich, damit die Regierung Stoffe ver­bieten kann, die als schädlich für die Gesundheit von Mensch, Tier oder Umwelt gelten. Diese erste Klage bleibt vor Gericht.

  • Die zweite Klage der RPUC – ein­ge­reicht am 15. Juli 2022 – fordert das Gericht auf, das Verbot auf­zu­heben und der Regierung zu ver­bieten, das Gesetz zur Regu­lierung von Ein­weg­kunst­stoffen zu nutzen und zu ver­hindern, dass das Verbot in der Zwi­schenzeit umge­setzt wird. Die zweite Klage besagt auch, dass die Regierung keine wirk­lichen Beweise dafür hat, dass Kunst­stoffe giftig sind. „Das [Verbot] wurde trotz eines Mangels an Fakten und Beweis­mitteln über die Art und das Ausmaß der Umwelt­ver­schmutzung und ‑schä­digung durch die SUPs [Ein­weg­kunst­stoffe] erlassen“, sagte RPUC. „Dem­entspre­chend kann das Verbot nicht als Aus­übung der dem Par­lament über­tra­genen straf­recht­lichen Befug­nisse gerecht­fertigt werden.“

Ver­gleichbar ist diese Aktion der Kunst­stoff­in­dustrie wie mit dem Verbot von Gly­phosat. Denn die Zulassung von Gly­phosat läuft in der EU aus und damit es weiter ver­längert wird, hat die Che­mie­lobby eine eigene Web­seite, die besagt, dass Gly­phosat doch nicht schädlich sei. Dr. Kristian Kather von der Bayer AG ist Vor­sit­zender der Gly­phosate EU Regu­latory Group‘ (GRG).   

Kanada wehrt sich gegen die Plastiklobby

In einer schrift­lichen Antwort auf die zweite Klage sagte Steven Guil­beault, der kana­dische Minister für Umwelt und Kli­ma­wandel, er erwarte, dass die Regierung in der Klage siegen werde. „Wir werden uns an die Fakten halten, die sehr deutlich zeigen, dass die Plas­tik­ver­schmutzung unserer Umwelt schadet und wir handeln müssen.“ Guil­beault sagte auch, die Regierung würde lieber mit der Industrie zusam­men­ar­beiten, um das Recy­cling zu ver­bessern, als den Sektor vor Gericht zu bekämpfen.

Das Verbot von Ein­weg­kunst­stoffen wurde am 20. Juni 2022 bekannt gegeben und ver­bietet u. a. Plas­tik­ta­schen, Besteck, Gas­tro­no­mie­ar­tikel, die aus pro­ble­ma­ti­schen, schwer zu recy­celnden Kunst­stoffen bestehen oder solche ent­halten, Ring­träger, Rühr­stäbchen und Stroh­halme (mit einigen Aus­nahmen). Das Verbot soll ab Dezember dieses Jahres schritt­weise ein­ge­führt werden. Die Sixpack-Ringe, mit denen Geträn­ke­dosen und ‑fla­schen zusammen ver­packt werden, werden im Juni 2023 in das Her­stel­lungs- und Ein­fuhr­verbot auf­ge­nommen, und ihr Verkauf wird im Juni 2024 ver­boten. Die Ausfuhr aller Pro­dukte muss im Dezember 2025 ein­ge­stellt werden.

Nur 9 % des kana­di­schen Kunst­stoffs wird recycelt

Immer mehr asia­tische Länder wollen keine Müll­halde für die Welt sein. Nachdem bereits China 2018 ein Gesetz erließ, welches den Import von Plas­tikmüll aus anderen Ländern ver­hindern soll und auch Indien dem Bei­spiel Chinas folgte, mussten Europa, die USA und auch Kanada neue Länder für ihren Plas­tikmüll suchen. So schickten 2019 unter anderem Malaysia, Phil­ip­pinen und  auch Indo­nesien den  Plas­tikmüll in die Her­kunfts­länder zurück, auch Kanada war betroffen. 

Indo­nesien schickt 100 Tonnen Abfall ein­schließlich Plastik an Her­kunftsland zurück

Genau diesen Grund geben die Kunst­stoff­gi­ganten in Kanada als Erklärung ab, warum wieder­ver­wert­bares Plastik depo­niert wird.

„Es war zu einfach, Plas­tikmüll nach China zu ver­senden“, sagte Joe Hruska, Vize­prä­sident für Nach­hal­tigkeit bei der Canadian Plastics Industry Asso­ciation. „Sie würden alles nehmen und tat­sächlich dafür bezahlen.“ Jetzt, da China seine Türen für  Abfall aus Kanada  geschlossen hat, muss die Regierung laut Hruska Anreize für Her­steller schaffen, hier zu Hause recy­celtes Material zu ver­wenden, um einen lokalen Markt zu schaffen.

Grund für diese Erklärung war eine Nach­for­schung, wo der Plas­tikmüll in Kanada wirklich landet. Denn nachdem kana­di­scher Plas­tik­abfall im Ausland an Orten wie den Phil­ip­pinen und Malaysia auf­ge­taucht waren, wollten Jour­na­listen von  CBCs Mar­ket­place den Lebens­zyklus von kana­di­schem Plastik ver­folgen. Sie  kauften recy­celbare Kunst­stoff­fo­li­en­ballen, ver­steckten Tracker darin und führten den Kunst­stoff dann wieder in den Recy­clingstrom in British Columbia ein – der Provinz, die dafür bekannt ist, das effi­zi­en­teste Recy­cling­pro­gramm in Kanada zu haben.

Als Waste Con­nec­tions die Plas­tik­ballen abholte, sagte das Unter­nehmen, es würde das Material zu einer Recy­cling­anlage schicken . Die Tracker zeigten jedoch, dass die Ballen auf einem Schrott­platz in Surrey, BC, sowie auf einer Deponie in Richmond, BC, lan­deten. Statt Recy­cling ver­schwindet der  Plas­tikmüll einfach auf Deponien. Eine aktuelle Studie des Bun­des­mi­nis­te­riums für Umwelt und Kli­ma­schutz ergab, dass Kunst­stoffe zu 86 Prozent depo­niert werden und nur 9 Prozent wird wirklich recycelt. Was die Jour­na­listen auf­deckten, sehen Sie im fol­genden Video:

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Wie mächtig diese Che­mie­gi­ganten sind, wird an dem Verbot von Hanf deutlich. Den einst all­täglich und nützlich und in den 1930er Jahren als „Mil­li­arden-Dollar-Ernte“ gefeiert, gelang es u. a. auch den Che­mie­gi­ganten, ihr Kon­kur­renz­produkt innerhalb kür­zester Zeit ver­schwinden zu lassen. Kunst­stoff statt Hanf, so lassen sich Mil­li­arden ver­dienen. Und so wurde Hanf als Droge bekannt und sein Anbau in der ganzen west­lichen Welt „geächtet“.  

Top 10 der Kunst­stoff­her­steller der Welt

Plastik wird kaum recycelt, denn es ist wirt­schaftlich güns­tiger, immer wieder neues Plastik aus Rohöl her­zu­stellen. Die Menge an Plas­tikmüll wächst alar­mierend. Früher wurden sie depo­niert oder ver­brannt – seit einiger Zeit werden sie einfach in die Meere und Ozeane gekippt. Das Ausmaß dieses Pro­jekts ist so groß, dass sich Plas­tikmüll in gigan­ti­schen Clustern ansam­melte und spe­zielle Inseln bil­deten, die aus dem Weltraum sichtbar sind. 

 

Top 10 Kunst­stoff­her­steller nach Markt­ka­pi­ta­li­sierung  (Stand November 2021

Name der Firma Markt­ka­pi­ta­li­sierung. (in US-Dollar) Land
SABIC  368. 40 Milliarden Saudi-Arabien
Exxon Mobil 256,51 Mil­li­arden Ver­ei­nigte Staaten von Amerika
Chevron Phillips 205,72 Mil­li­arden Ver­ei­nigte Staaten von Amerika
BASF  78,27 Milliarden Deutschland
ENI  45,10 Milliarden Italien
Dow­DuPont Inc. 44,08 Mil­li­arden Ver­ei­nigte Staaten von Amerika
Lyondell Basell Industries  37,62 Milliarden Nie­der­lande
INEOS  21,85 Milliarden Ver­ei­nigtes Königreich
Lanxess  6,36 Milliarden Deutschland
LG Chemie 5,3 Mil­li­arden Süd­korea

Top 10 Kunst­stoff­her­steller nach Umsatz 

Name der Firma Umsatz (in USD) Haupt­quartier
Exxon Mobil 178,57 Mil­li­arden Irving, Texas
BASF 71,9 Mil­li­arden Lud­wigs­hafen, Deutschland
ENI 69,88 Mil­li­arden Rom, Italien
INEOS 69 Mil­li­arden London, England, Ver­ei­nigtes Königreich
Dow Che­mical 38,5 Mil­li­arden Mit­telland, Michigan
SABIC 31,19 Mil­li­arden Riad, Saudi-Arabien
Lyondell Basell 29,3 Mil­li­arden Rot­terdam, Niederlande
LG Chemie 25,6 Mil­li­arden Seoul, Süd­korea
DuPont 21,56 Mil­li­arden Wilmington, Delaware
Che­vron­Phillips 8,43 Mil­li­arden Waldland, Texas

Es sind u.a. die gleichen Kon­zerne, die in der Kritik stehen, da sie durch die Ener­gie­krise ihre Gewinne vervielfachten.

INEOS

Eigentlich will Europa Vor­reiter im Kampf gegen den Kli­ma­wandel werden, doch Europas Kunst­stoff­in­dustrie steht vor einem Boom. Im bel­gi­schen Ant­werpen soll ein rie­siges und umstrit­tenes neues Che­miewerk ent­stehen. Dort hat BASF bereits einen Standort und zwar im  nörd­lichsten Teil des Ant­wer­pener Hafens. Und auch INEOS pro­fi­tiert von Ant­werpen, denn der Standort befindet sich innerhalb des inte­grierten Standorts der BASF Ant­werpen und erstreckt sich über eine Fläche von etwa 12,4 Hektar innerhalb des BASF-Komplexes.

Die Ineos Hol­dings Ltd. ( INEOS) ist die Mut­ter­ge­sell­schaft einer Gruppe von Unter­nehmen der Che­mi­schen Industrie mit Hauptsitz in London. Durch ein Management-Buy-out der petro­che­mi­schen Betei­li­gungen von BP in Ant­werpen (Belgien) wurde die Gruppe 1998 unter der Leitung von Jim Rat­cliffe, dem der­zei­tigen Vor­stands­vor­sit­zenden, gebildet.  Nur damit Sie sehen, wie eng alle mit ein­ander ver­flochten sind.

Lob­by­arbeit der Kunst­stoff­in­dustrie in der EU

Jedes Jahr fallen in der EU etwa 26 Mil­lionen Tonnen Kunst­stoff­ab­fälle an. Weniger als 30 % davon werden recycelt.

Das Par­lament for­derte in einer am 9. Februar 2021 ange­nom­menen Ent­schließung strengere Recy­cling­vor­schriften und ver­bind­liche Ziel­vor­gaben für den Mate­ri­al­einsatz und ‑ver­brauch bis 2030 .

Jetzt heißt es, dass man im Rahmen des Green Deals erst bis 2050 eine Kreis­lauf­wirt­schaft erreichen will, bedeutet, Abfall zu redu­zieren und Pro­dukte nach­hal­tiger zu gestalten.

Wie Kanada hat auch Europa eine riesige Plastik-Lobby!

Plastics Europe pro­du­zieren nach eigenen Aus­sagen über 90 % aller Polymere in Europa. Und wer hätte es gedacht? Plastik ist nach Aus­sagen der Kunst­stoff­in­dustrie „NACH­HALTIG“. Zu den Mit­glieder von Plastics Europe zählen alle großen Kunst­stoff­kon­zerne. Und ist bei Gly­phosat der Vor­sitzende Dr. Kristian Kather von der Bayer AG,  so ist es bei Plastics Europe Marco ten Brug­gencate von Dow. „Plastics Europe, der Verband der Kunst­stoff­er­zeuger in Europa, hat mit Marco ten Brug­gencate, Com­mercial Vice Pre­sident für Ver­pa­ckung und Spe­zi­al­kunst­stoffe EMEA bei Dow, einen neuen Prä­si­denten. Er folgt auf Dr. Markus Stei­lemann, CEO von Covestro“ so die Pres­se­infor­mation. 

 

Europa ist der größte Exporteur von Plas­tikmüll – weltweit! Nir­gendwo fällt in Europa pro Kopf mehr Ver­pa­ckungsmüll an als in Deutschland. Allein bei der Her­stellung und Ver­brennung von Plastik werden jedes Jahr weltweit rund 400 Mil­lionen Tonnen CO2 aus­ge­stoßen und aus­ge­rechnet der Vor­reiter für Kli­ma­schutz ist der größte Exporteur von Plas­tikmüll. Dieser landete bislang in Asien. Doch da Länder in Asien den Plas­tikmüll zurück­schicken, müssen neue Maß­nahmen her.

Das Euro­päische Par­lament stimmte im März 2019 mit 560 zu 35 Stimmen für das Verbot von 10 Ein­weg­kunst­stoffen, dazu gehören Stroh­halmen, Gabeln, Messern und Wat­te­stäbchen. Um der Umwelt­ver­schmutzung ent­ge­gen­zu­wirken wurden auch die Her­steller in die Ver­ant­wortung genommen, ihre Recy­cling­be­mü­hungen zu ver­stärken. Doch gleich nach Ver­kün­digung des Verbots meldete sich die Lob­by­gruppe Euro­Com­merce, zu deren Mit­gliedern Tesco, Lidl, Car­refour und Metro gehören, und for­derte ihrer­seits, dass die Regie­rungen auch ihren Beitrag leisten müssen, um das Recy­cling zum Erfolg zu führen.

Die EU hat 2021 ein Einweg-Kunst­stoff­verbot ein­ge­führt, jedoch wurde die Ent­schei­dungs­findung ver­langsamt, da die Poli­tiker ange­sichts der starken Lob­by­arbeit der Kunst­stoff­in­dustrie ver­suchen, zu ent­scheiden, was darin ent­halten sein soll.

  • So dürfen seit  Anfang 2022 Händler keine leichten Kunst­stoff­tra­ge­ta­schen mehr an ihre Kund­schaft aus­geben (mit einer Wand­stärke von 15 bis 50 Mikro­metern). Aus­ge­nommen sind besonders leichte Kunst­stoff­tra­ge­ta­schen mit einer Wand­stärke von weniger als 15 Mikro­metern. Dar­unter fallen ins­be­sondere soge­nannte „Hemd­chen­beutel“ bezie­hungs­weise „Kno­ten­beutel“, die Kunden für den Transport von stück­weise ange­bo­tenem Obst und Gemüse verwenden.

Warum gibt es kein gene­relles Verbot von Plastiktüten?

Antwort von der Bun­des­re­gierung Deutschland: Die sehr dünnen „Hemd­chen­beutel“ sind wei­terhin erlaubt. Für diese Beutel mit weniger als 15 Mikro­meter Wand­stärke sieht die ent­spre­chende EU-Richt­linie Aus­nahmen vor. Sie dienen dem hygie­ni­schen Umgang mit gekauftem Obst oder Gemüse und beugen der Ver­schwendung von Lebens­mitteln vor. Außerdem könnte ein Verbot dieser Tüten die Her­steller moti­vieren, mehr Pro­dukte stan­dard­mäßig in Plastik zu ver­packen. Zudem gibt es kaum umwelt­freund­liche Alter­na­tiven. Die Bun­des­re­gierung ver­folgt den Ansatz, dass ins­gesamt weniger Ver­pa­ckungen zum Einsatz kommen.

Komisch, denn Deutschland pro­du­ziert so viel Müll wie kein anderes euro­päi­sches Land. Unter dem Motto: „aus den Augen, aus dem Sinn“ wird der Plas­tikmüll nach Asien expor­tiert. Doch gerade dort gibt es ein wei­teres Problem: China, Indo­nesien, die Phil­ip­pinen, Thailand und Vietnam werfen mehr Plastik in die Ozeane als der Rest der Welt zusammen und genau hierhin wurde der Plas­tikmüll der EU exportiert.

Länder, die den meisten Plas­tikmüll produzieren

Das Land, das den meisten Abfall pro­du­ziert, sind die Ver­ei­nigten Staaten, gefolgt von Groß­bri­tannien. Auf diese beiden Länder folgen Süd­korea und Deutschland , ähnlich wohl­ha­bende Länder, die große Mengen an Plas­tikmüll erzeugen. Zusam­men­ge­nommen pro­du­ziert die Welt jedes Jahr etwa 300 Mil­lionen Tonnen Plastik, und den Behörden gehen einfach die „sicheren“ Orte aus, an denen sie es auf­be­wahren können.

Diese wohl­ha­bendsten Länder und Welt­wirt­schafts­führer haben wenig bis gar keinen Anreiz, auf Plastik zu ver­zichten (zumindest aus finan­zi­eller Sicht).

Wenn  Plastik nicht recycelt wird und wohl­ha­bende Länder sich nicht mit dem Plas­tikmüll befassen wollen, wird er meistens „anderswo“ ver­schifft, um das Problem von jemand anderem zu werden. Dies ist zum Teil der Grund, warum diese großen Länder, obwohl sie die größten Plas­tik­ver­brau­cher­ver­braucher sind, nicht den Anschein haben, dass sie den meisten Abfall haben.

Rang Land Plas­tikmüll pro Kopf Kilo­gramm pro Jahr
1 Ver­ei­nigte Staaten 105.3
2 Ver­ei­nigtes Königreich 98.66
3 Süd­korea 88.09
4 Deutschland 81.16
5 Thailand 69.54
6 Malaysia 67.09
7 Argen­tinien 60,95
8 Russland 58.66
9 Italien 55.51
10 Bra­silien 51.78

Aus den Augen, aus dem Sinn – Europa ist der größte Exporteur von Plas­tikmüll – weltweit!

Die EU recycelt nur ein Viertel der jährlich pro­du­zierten 25 Mil­lionen Tonnen Kunststoffabfälle.

Erst im Sep­tember 2020 haben wir erfahren, dass man, nachdem Asien den Plas­tikmüll aus Indus­trie­staaten nicht mehr haben will, jetzt Afrika damit über­fluten will.

Diesen Trend, dass Malaysia, die Phil­ip­pinen und auch Indo­nesien den Plas­tikmüll in die Her­kunfts­länder zurück­schicken, bekommen vor allen Japan, die USA und Deutschland zu spüren, die die größten Expor­teure von Plas­tik­ab­fällen sind. Den Daten der UN-Plattform Comtrade zufolge hat Japan im Jahr  knapp 926.000 Tonnen ins Ausland ver­schifft. In den USA wurden mehr als 811.000 Tonnen oder 16.200 Con­tainer befördert, während in Deutschland 701.000 Tonnen oder 14.000 Con­tainer befördert wurden.

Afrika ist weltweit führend bei Ver­boten von Plastiktüten.

Bereits in 31 afri­ka­ni­schen Ländern wurden Verbote erlassen und weitere Länder haben Verbote bereits ver­kündet. Kenia hat sogar das här­teste Gesetz gegen Plas­tik­tüten eingeführt.

Im Rahmen von Han­dels­ab­kommen soll jetzt Afrika mit Plastik über­flutet werden, so der Direktors des Ame­rican Che­mistry Council für inter­na­tio­nalen Handel, Ed Brzytwa. Zu den Mit­gliedern von Ame­rican Che­mistry Council gehören BASF Cor­po­ration, Bayer Cor­po­ration, Dow und  DuPont.

„Wir gehen davon aus, dass Kenia in Zukunft als Dreh­scheibe für die Lie­ferung von in den USA her­ge­stellten Che­mi­kalien und Kunst­stoffen an andere Märkte in Afrika dienen kann“, heißt es in dem Brief.

Statt andere Länder mit dem Plas­tikmüll zu über­fluten, will Kanada plas­tikfrei werden

„Wir haben ver­sprochen, schäd­liche Ein­weg­kunst­stoffe zu ver­bieten, und wir halten dieses Ver­sprechen“, schrieb Trudeau erst kürzlich in einem Tweet. Kanada wird außerdem den Export dieser Kunst­stoffe bis Ende 2025 ver­bieten, um die inter­na­tionale Plas­tik­ver­schmutzung zu bekämpfen.

„Bis Ende des Jahres werden Sie diese schäd­lichen Kunst­stoffe weder her­stellen noch impor­tieren können“, sagte Steven Guil­beault, Bun­des­mi­nister für Umwelt und Kli­ma­wandel. „Danach werden die Unter­nehmen damit beginnen, die nach­hal­tigen Lösungen anzu­bieten, die die Kanadier wollen, ob es sich nun um Papier­stroh­halme oder wie­der­ver­wendbare Tüten handelt.“

Wir hoffen, dass wie in New York oder Mexiko-City die Plas­tik­gi­ganten ver­lieren und die Umwelt gewinnt. Denn trotz Dro­hungen von BASF und Co. haben zwei der größten Metro­polen der Welt, dem Plas­tikmüll den Kampf angesagt – New York und Mexiko-City. 

„Kunst­stoff her­zu­stellen ist keine Kunst mehr, aber diesen Stoff zu besei­tigen, ist eine Kunst, denn Kunst­stoff ist nicht von Pappe.“  Gerhard Uhlenbruck

Netzfrau Doro Schreier


Quelle: netzfrauen.org