Titelbild: Eigene Bildmontage von Pravda.tv

Das Inter­na­tionale Aste­roiden-Warn­netzwerk hat eine Kam­pagne zur Über­wa­chung von 3I/ATLAS gestartet

In einer redak­tio­nellen Mit­teilung des Minor Planet Center (hier abrufbar) wurde bekannt gegeben, dass das inter­stellare Objekt 3I/ATLAS gerade Ziel einer neuen Kam­pagne einer von den Ver­einten Nationen unter­stützten Gruppe zur Ver­tei­digung der Erde gegen Welt­raum­ob­jekte geworden ist. Von Avi Loeb

Das Inter­na­tionale Aste­ro­iden­warn­netzwerk (IAWN) ist ein welt­weites Netzwerk von Orga­ni­sa­tionen und ein­zelnen Astro­nomen zum Schutz des Planeten.

Gemeinsam arbeiten sie daran, poten­ziell gefähr­liche Aste­roiden und erdnahe Objekte zu erkennen, zu über­wachen und zu cha­rak­te­ri­sieren. 3I/ATLAS ist das erste inter­stellare Objekt, das im Fokus der IAWN-Kam­pagnen steht.

Am Tag der Son­nen­kon­junktion von 3I/ATLAS relativ zur Erde, dem 21. Oktober 2025, machte IAWN die fol­gende Ankündigung:

Kometen stellen ein­zig­artige Her­aus­for­de­rungen für genaue astro­me­trische Mes­sungen und Bahn­vor­her­sagen dar. Kome­ten­körper sind mit mor­pho­lo­gi­schen Merk­malen (Komae und Schweif) aus­ge­stattet, die ihre Schwer­punkt­mes­sungen sys­te­ma­tisch von ihrem zen­tralen Hel­lig­keits­ma­ximum abziehen können, was die Abschätzung der Kome­ten­bahnen erschwert.

Das Inter­na­tionale Aste­ro­iden­warn­netzwerk (IAWN) kündigt eine Kome­ten­be­ob­ach­tungs­kam­pagne vom 27. November 2025 bis zum 27. Januar 2026 an, um Methoden zur Ver­bes­serung der Astro­metrie aus Kome­ten­be­ob­ach­tungen vorzustellen. 

Die Kam­pagne kon­zen­triert sich auf den Kometen 3I/ATLAS (C/2025 N1), um die Fähigkeit der Beob­achter zur Gewinnung prä­ziser Astro­metrie zu testen. Zur Vor­be­reitung der Kam­pagne ver­an­stalten wir einen Workshop zu Tech­niken zur kor­rekten Messung der Kome­ten­a­stro­metrie. (Warum werden Astro­nomen vom 27. November 2025 bis zum 27. Januar 2026 eine „spe­zielle Trai­nings­übung“ durch­führen, die sich aus­schließlich auf den Kometen 3I/ATLAS kon­zen­triert?)

Für den Workshop ist eine Anmeldung bis zum 7. November (hier) erfor­derlich und nur Teil­nehmer, die am Workshop teil­nehmen, können an der Kam­pagne teilnehmen.“

Inter­es­san­ter­weise folgt diese Ankün­digung einem Weißbuch, das ich am 30. Sep­tember 2025 in Zusam­men­arbeit mit Omer Eldadi und Gershon Tenenbaum bei den Ver­einten Nationen ein­ge­reicht habe (abrufbar hier und hier).

Dieses Weißbuch plä­dierte für eine Koor­di­nierung der welt­weiten wis­sen­schaft­lichen For­schung, um die Beob­ach­tungs­ab­de­ckung zu maxi­mieren und eine optimale wis­sen­schaft­liche Über­wa­chung inter­stel­larer Objekte wie 3I/ATLAS zu gewähr­leisten, die eine Bedrohung für die Menschheit dar­stellen könnten, wenn sie außer­ir­dische Tech­no­logie tragen.

Black-Swan-Ereig­nisse mit geringer Wahr­schein­lichkeit müssen ernsthaft in Betracht gezogen werden, wenn ihre Aus­wir­kungen auf die Zukunft der Menschheit groß sind.

Bislang wies 3I/ATLAS acht über­ra­schende Eigen­schaften auf, die ihm auf der Loeb-Skala (quan­ti­fi­ziert hier und hier) hin­sichtlich eines mög­lichen tech­no­lo­gi­schen Ursprungs einen Rang von 4 von 10 einbrachten:

  1. Seine Flugbahn ist mit einer Wahr­schein­lichkeit von 0,2 % auf 5 Grad genau auf die Eklip­tik­ebene der Pla­neten um die Sonne aus­ge­richtet (siehe hier).
  2. Im Juli und August 2025 zeigte er einen son­nen­wärts gerich­teten Strahl (Anti-Schwanz), der aus geo­me­tri­scher Sicht keine optische Täu­schung ist, anders als bekannte Kometen (siehe hier).
  3. Sein Kern ist etwa eine Million Mal mas­se­reicher als 1I/‘Oumuamua und tausend Mal mas­se­reicher als 2I/Borisov, während er sich schneller bewegt als beide, ins­gesamt mit einer Wahr­schein­lichkeit von weniger als 0,1 % (siehe hier und hier).
  4. Seine Ankunftszeit wurde so genau abge­stimmt, dass er sich bis auf mehrere zehn Mil­lionen Kilo­meter von Mars, Venus und Jupiter ent­fernt befand und im Perihel von der Erde aus nicht beob­achtbar war, mit einer Wahr­schein­lichkeit von 0,005 % (siehe hier).
  5. Die Gas­fahne um 3I/ATLAS enthält viel mehr Nickel als Eisen (wie es in indus­triell her­ge­stellten Nickel­le­gie­rungen vor­kommt) und ein Nickel-Cyanid-Ver­hältnis, das um Grö­ßen­ord­nungen höher ist als das aller bekannten Kometen, ein­schließlich 2I/Borisov, mit einer Wahr­schein­lichkeit von unter 1 % (siehe hier).
  6. Die Gas­fahne von 3I/ATLAS enthält nur 4 % Wasser, einen Haupt­be­standteil bekannter Kometen (siehe hier).
  7. 3I/ATLAS zeigte eine extreme negative Pola­ri­sation, die bei allen bekannten Kometen, ein­schließlich 2I/Borisov, bei­spiellos ist, mit einer Wahr­schein­lichkeit von unter 1 % (siehe hier).
  8. 3I/ATLAS kam aus einer Richtung, die mit dem Funk­signal „Wow!“ auf 9 Grad genau über­ein­stimmte, mit einer Wahr­schein­lichkeit von 0,6 % (siehe hier).

Mul­ti­pli­ziert man diese kleinen Wahr­schein­lich­keiten, ergibt sich eine kumu­lative Wahr­schein­lichkeit von weniger als einem Zehn­bil­li­ar­denteil (10^{16}).

Daher ist es sinnvoll, alle ver­füg­baren Beob­ach­tungs­an­lagen auf der Erde und im Weltraum zu nutzen, um die Natur von 3I/ATLAS zu ent­schlüsseln, wie von IAWN geplant.

Leider ver­fügen wir nicht über eine Raum­sonde, die 3I/ATLAS abfangen und aus der Nähe unter­suchen könnte. Dies erfordert Vor­aus­planung und eine früh­zeitige Erkennung, damit genügend Zeit bleibt, damit eine Raum­sonde die Bahn von 3I/ATLAS kreuzen kann.

In meinem Artikel mit Adam Hibberd und Adam Crowl (ver­öf­fent­licht hier) haben wir berechnet, dass die NASA-Raum­sonde Juno, wenn sie sich in der Nähe von Jupiter befunden hätte, 3I/ATLAS bei ihrer größten Annä­herung an Jupiter am 16. März 2026 hätte abfangen können, wenn sie über ihren ursprüng­lichen Treib­stoff­vorrat verfügt hätte.

Diese Mög­lichkeit wurde in dem visio­nären Brief der US-Kon­gress­ab­ge­ord­neten Anna Paulina Luna an den Inte­rims­ad­mi­nis­trator der NASA, Sean Duffy, vom 31. Juli 2025 emp­fohlen (abrufbar hier).

Das deut­lichste tech­no­lo­gische Merkmal von 3I/ATLAS wäre ein Manöver oder die Frei­setzung von Mini­sonden in der Nähe des Perihels am 29. Oktober 2025.

Der optimale Zeit­punkt für ein Manöver zur Beschleu­nigung oder Ver­lang­samung einer Raum­sonde ist die größte Annä­herung an die Sonne. Ein Impuls in Richtung der Spit­zen­ge­schwin­digkeit oder ent­ge­gen­ge­setzt dazu würde den Gewinn oder Verlust an kine­ti­scher Energie maximieren.

Auf­grund dieses soge­nannten Oberth-Effekts ist es für ein Raum­fahr­zeug­triebwerk am ener­gie­ef­fi­zi­en­testen, seinen Treib­stoff im Perihel zu verbrennen.

Wenn 3I/ATLAS ein mas­sives Mut­ter­schiff ist, wird er wahr­scheinlich seinen ursprüng­lichen Gra­vi­ta­ti­onspfad fort­setzen und schließlich das Son­nen­system ver­lassen, während er in der Nähe seines Perihels Mini­sonden frei­setzt, die die Gra­vi­ta­ti­ons­un­ter­stützung der Sonne nutzen könnten, um auf Pla­neten wie die Erde zuzusteuern.

Ich habe daher das For­schungsteam der Obser­va­torien des Galileo-Pro­jekts beauf­tragt, in den kom­menden Monaten in Erdnähe nach unge­wöhn­lichen Akti­vi­täten außer­ir­di­scher tech­no­lo­gi­scher Objekte zu suchen.

3I/ATLAS wird der Erde am 19. Dezember 2025 am nächsten kommen.

Wir hoffen, dass wir bis Weih­nachten mehr über unseren Dating-Partner bei diesem inter­stel­laren Blind Date wissen.

 

Quellen: PublicDomain/avi-loeb.medium.com am 28.10.2025

Der Artikel erschien zuerst bei pravda-tv.com.
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