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Der neue Bunker unter dem Weißen Haus: Nicht der abge­rissene Ost­flügel ist ent­scheidend. Sondern das, was dar­unter liegt

Ich habe früher in Washington, D.C. gelebt, wo das Weiße Haus nicht nur ein Gebäude, sondern ein Herz­schlag ist. Es pul­siert vor Geschichte und Wider­sprüchen – der Duft der Magnolien auf dem South Lawn, das ferne Summen von Marine One, die Tou­risten, die sich am Zaun drängen und auf einen Blick auf die Bestän­digkeit hoffen.

Als Trump beschloss, einen ganzen Flügel abzu­reißen, um einen Ballsaal zu bauen, weinte ich. Ich hatte nicht erwartet zu weinen, aber ich weinte. Und ich weinte nicht aus Nostalgie.

Ich weinte aus Unglauben darüber, dass das Haus des Volkes zum Pres­ti­ge­projekt eines ein­zelnen Mannes geworden war. Es fühlte sich an, als würde man jemandem dabei zusehen, wie er ein Grab aushebt, um eine Tanz­fläche zu bauen.

Dennoch weiß jeder Ein­wohner von Washington D.C. (oder in meinem Fall jeder ehe­malige Ein­wohner), dass das, was sich unter dem Ost­flügel befindet, weitaus wich­tiger ist als das, was darüber gebaut wird. Es ist außerdem unmöglich, nach oben zu expan­dieren, ohne das zu stören, was dar­unter liegt.

Der Abriss, der nicht statt­finden sollte

Trump ver­sprach, der Ost­flügel werde unbe­rührt bleiben. „Wir reißen nichts ab“, sagte er im Juli und betonte, sein Ballsaal werde „in der Nähe“ des Ost­flügels liegen, „aber wir werden ihn nicht berühren.“

Sicher. Wir alle wissen, was pas­siert, wenn Trump ver­spricht, etwas nicht anzu­fassen. (DUMBs: Tunnel, Magnet­schwe­be­bahnen, Bunker – die geheime Welt unter Hol­lywood)

Doch was noch schlimmer ist als seine dreiste Lüge: Der Abriss des Ost­flügels war nicht einmal legal. Der National Capital Planning Com­mission zufolge wurden keine voll­stän­digen Bau­pläne vor­gelegt – keine Ansichten, keine Bau­pläne, keine Baugenehmigungen.

Doch der Abriss hat bereits begonnen. Das Weiße Haus behauptet, die „Vor­ar­beiten“ müssten nicht über­prüft werden. Dieses kleine Schlupfloch ermög­licht es, einen ganzen Flügel des am besten geschützten Gebäudes Ame­rikas ohne Auf­sicht zu zerstören.
Auch die Grund­risse des neuen Ball­saals hat Trump nicht vor­gelegt. Was wir haben, sind die Grund­risse dessen, was früher dort stand – und was noch immer dar­unter liegt.

Denn unter den polierten Kor­ri­doren und Pres­se­büros befindet sich eine der sichersten Ein­rich­tungen der US-Geschichte: das Pre­si­dential Emer­gency Ope­ra­tions Center (PEOC) – ein Bunker aus dem Zweiten Welt­krieg, der tief im Lehm der Stadt Washington ver­graben ist.

Trumps Abriss des Ost­flügels löschte nicht nur die Geschichte aus – er legte den Boden dar­unter frei

Wäre der Ost­flügel eine Person, dann wäre er die sanft­mütige ältere Schwester, die still die Fami­li­en­ge­heim­nisse bewahrt, während alle anderen im Ram­pen­licht stehen. Offi­ziell beher­bergt er die Büros der First Lady und das Pressekorps.

Inof­fi­ziell befindet es sich auf dem sichersten Ver­steck des Landes – dem Pre­si­dential Emer­gency Ope­ra­tions Center (PEOC). Die US-Regierung errichtete den Bunker während der Amtszeit von Franklin D. Roo­sevelt, nachdem Pearl Harbor die Men­schen in Washington in Angst und Schrecken ver­setzt hatte.

Heute bezeichnen ihn die meisten Beamten des Weißen Hauses als „den Schutzraum“ oder PEOC (aus­ge­sprochen „Pi-ock“), wie das Geräusch, das die Grün­der­väter machten, wenn sie Trumps Reno­vierung sahen. Es handelt sich um einen fünf­stö­ckigen Bunker, der einen direkten Treffer über­stehen sollte – Stahl­beton, Stahl­türen, gefil­terte Luft, das ganze Paket „Welt­un­tergang, aber in Würde“.

Wenn man sich das Weiße Haus als Ame­rikas herr­schaft­liches Her­renhaus vor­stellt, dann ist das PEOC dessen Panikraum – ein nied­riges, fens­ter­loses Laby­rinth, in dem sich Prä­si­denten ver­sammeln konnten, während der Rest von uns im Dunkeln nur schwach leuchtete. 

Roo­sevelt nutzte es als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zentrum; Truman und Eisen­hower rüs­teten es während des Kalten Krieges auf; Dick Cheney wurde während der Anschläge vom 11. Sep­tember in sein Ver­steck geführt. 

Und jeder Prä­sident seitdem hat sich zumindest umge­sehen, nur für den Fall, dass sich die Demo­kratie jemals unter dem Tisch ver­stecken musste.

Nach dem 11. Sep­tember erkannte die Bush-Regierung, dass der Not­bunker des Weißen Hauses ungefähr so ​​modern war wie ein Wählscheibentelefon. 

Der Kon­gress finan­zierte still­schweigend eine massive Moder­ni­sierung, und 2010 begann Obamas Team mit der Aus­grabung unter dem North Lawn. Die offi­zielle Version? „Kli­ma­anlage und tech­nische Modernisierungen.“

Sicher. Denn wenn man eine zen­trale Kli­ma­anlage braucht, baut man nor­ma­ler­weise fünf neue unter­ir­dische Stock­werke und umhüllt das Ganze mit einem Geheimzaun. 2018 bestä­tigte der ehe­malige Washington Post- Reporter Ronald Kessler, was jeder in Washington bereits vermutete: 

Ein neuer Hightech-Kom­man­do­bunker war ent­standen, aus­ge­stattet mit modernsten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­temen, Com­putern, eigener Luft­ver­sorgung, Lebens­mit­tel­vor­räten und genügend Fil­ter­aus­rüstung, um die Apo­ka­lypse mit Stil zu überstehen.

Und Trump? Nun, Trump ent­schied offenbar, dass der Bunker nicht aus­reichte, wenn er nicht mit Kron­leuchtern aus­ge­stattet war.

Und hier ver­dichtet sich die Geschichte – oder besser gesagt: ver­tieft. Das PEOC war nicht nur ein Bunker; Gerüchten zufolge hat es sich im Laufe der Jahr­zehnte zu einem Laby­rinth aus Tunneln ent­wi­ckelt, die mit dem Finanz­mi­nis­terium, dem Eisen­hower Exe­cutive Office Building und mög­li­cher­weise sogar dem Lafayette Park ver­bunden sind. Washingtons Boden ist von Geheim­nissen durch­zogen – ein Ort, an dem die Metro nicht graben kann, ohne auf geheimen Beton zu stoßen.

Wenn Sie also hören, dass der Ost­flügel „vor­über­gehend wegen Bau­ar­beiten ent­fernt“ wurde, dann ver­stehen Sie, was das bedeutet: Das Dach über Ame­rikas Not­ruf­zen­trale wurde wie der Deckel einer Sar­di­nen­büchse abgezogen.

Und seien wir ehrlich: Man baut nicht einfach einen Ballsaal oben­drauf, ohne dar­unter etwas „umzu­ge­stalten“. Deshalb sollte dieses neue, in Geheim­nisse gehüllte und mit Blattgold ver­zierte Projekt die Ame­ri­kaner dazu bringen, sich die gleiche Frage zu stellen: Baut Trump einen grö­ßeren Ballsaal oder einen grö­ßeren Bunker?

Baut Trump einen Ballsaal für die nächste Regierung oder einen Bunker, damit es keinen mehr gibt?

Wenn Trump das PEOC wirklich umfunk­tio­nieren will, wozu dient es dann? Als sicherer Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kno­ten­punkt, der außerhalb der Reich­weite von Vor­la­dungen liegt? 

Als Kriegsraum der christlich-natio­na­lis­ti­schen Bewegung? Als Bun­kerbar nur für Spender? Viel­leicht als Tresor – Sie wissen schon, für die Über­reste der Demokratie.

Die Spen­der­liste liest sich wie der Steu­er­ab­schrei­bungsclub des Silicon Valley – Apple, Meta, Google, Microsoft, die üblichen Ver­däch­tigen. Doch zwi­schen den Unter­neh­mens­hei­ligen finden sich auch weniger bekannte Wohl­täter: Paolo Tiramani, Stephen Schwarzman, Kon­stantin Sokolov und Harold Hamm.

Und dann gibt es da noch einen Namen, den Sie sicher wie­der­erkennen werden: die Familie Lutnick. Ja, diese Familie Lutnick – Howard Lutnick, Han­dels­mi­nister, Autor des Pro­jekts 2025, Zoll­be­amter und För­derer von Kryp­to­wäh­rungen. Der Typ spendet für ein Bau­projekt, bei dem zufällig ein Kriegs­bunker im Spiel ist. Niedlich.

Um es klar zu sagen: Das Weiße Haus ist öffent­liches Eigentum – Betonung auf öffentlich. Warum also finan­zieren private Mil­li­ardäre seinen neu­esten Anbau? 

Und wenn sie die Rechnung bezahlen, was genau bekommen sie dafür? Füh­rungen durch Spender? Bun­ker­schlüssel? Eine „Gold Circle“-Paniksuite?

Trans­parenz stand offenbar nicht auf der Gäs­te­liste. Die National Capital Planning Com­mission behauptet nun, sie habe keine Zustän­digkeit für den Abriss.

Der Secret Service schweigt und ver­sucht, Jour­na­listen am Foto­gra­fieren zu hindern. Und Trumps eigene Aus­sagen beschränken sich auf bizarre Kritik an der Innenarchitektur.

Doch das wirklich Merk­würdige an diesem Debakel ist nicht, warum Amerika einen neuen Ballsaal braucht, sondern warum er so groß sein muss. Der Ballsaal wird rund 8.400 Qua­drat­meter groß sein und damit das Weiße Haus mit rund 5.100 Qua­drat­metern in den Schatten stellen.

Warum sollte man einen Ballsaal bauen, der so massiv ist, dass er die archi­tek­to­nische Aus­ge­wo­genheit des Weißen Hauses stört? Warum sollte man genau die Sym­metrie zer­stören, die Jef­ferson mit seiner Beratung zu seiner neo­klas­si­zis­ti­schen Form bewahrt hatte? 

Jef­ferson stellte sich das Prä­si­den­tenhaus als Tempel der Ver­nunft und Zurück­haltung vor, nicht als Palast für Spektakel.

Viel­leicht ist im neuen Weißen Haus die Form weniger wichtig als die Funktion.

Und viel­leicht ist diese Funktion nicht das Tanzen.

Quellen: PublicDomain/carlynbeccia.medium.com am 27.10.2025

Zuerst erschienen bei pravda-tv.com.
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