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Im Schlaf gestalten wir unseren nächsten Tag

Im Schlaf gestalten wir unseren nächsten Tag. Oder auch nicht. Während der Körper schläft, finden nicht nur Zell­re­ge­ne­ration und die Ver­ar­beitung von Erleb­nissen statt, sondern auch etwas viel Beson­deres: Das phy­sische Bewusstsein – der Teil von uns, der nor­ma­ler­weise den Wach­zu­stand steuert – wählt die Rea­lität für den fol­genden Tag aus.

Der Schlaf wird so zu einer Art stillem Schalter, an dem ent­schieden wird, wie der morgige Tag aus­sehen wird, noch bevor wir morgens die Augen öffnen. Inter­es­san­ter­weise gibt es beim Ein­schlafen einen Moment, der als Schei­deweg wahr­ge­nommen werden kann. Ent­weder erinnern wir uns an den Traum oder nicht.

Der Unter­schied liegt nicht nur darin, ob wir nach dem Auf­wachen die Geschichte erzählen können, sondern auch im Emp­finden der Nacht selbst.

Wenn wir erwachen und uns an nichts erinnern, emp­finden wir die Nacht oft als unge­wöhnlich kurz, als wäre sie „über­sprungen“ worden. In diesem Moment löst sich die Pro­jektion der Rea­lität auf – und im Schlaf scheint man aus der bio­neu­ralen Schnitt­stelle her­aus­zu­fallen, die einen mit dem Simu­lator unserer Rea­lität ver­bindet. Zwi­schen Ein­schlafen und Auf­wachen bleibt nur ein leerer Raum, ohne die Brücke der Erin­nerung, die beide Zustände mit­ein­ander ver­knüpfen würde.

Anders verhält es sich, wenn man sich an den Traum erinnert. Im Traum nimmt man ihn als Rea­lität wahr – nicht als Teil der Schein­rea­lität des hellen Tages, sondern als etwas Eigenes mit eigener Bedeutung, eigener Logik und eigener Präsenz.

Hier findet der ent­schei­dende Mecha­nismus statt: die Auf­zeichnung der Reak­tionen des Vor­tages auf phy­si­scher, men­taler und emo­tio­naler Ebene. Diese „Auf­zeichnung“ erfolgt nicht zufällig, sondern in schnellen Zyklen von etwa 1,42 bis 1,48 Sekunden, als würde der Schlaf unsere Erfah­rungen in fein struk­tu­rierten Wellen wie­der­geben und gleich­zeitig die von ihnen hin­ter­las­senen Impulse auf­zeichnen. Die so gesam­melten Sit­zungen werden dann in die Software unserer per­sön­lichen Rea­lität eingepflegt.

Es ist ein bild­haftes Bild, das dem gesamten Prozess Struktur ver­leiht: Es exis­tiert eine Art internes System, das Daten darüber ver­ar­beitet, was wir erlebt haben, wie wir reagiert haben, was uns ver­letzt, was uns gestärkt, was uns aus der Bahn geworfen und was uns im Gegenteil sta­bi­li­siert hat.

Diese Software prä­sen­tiert dem phy­si­schen Bewusstsein auf Grundlage der Aus­wertung ver­schiedene Optionen. Es handelt sich nicht um einen ein­zigen Weg, sondern um ein ganzes Feld von Vari­anten, die als Super­po­si­tions-Rea­li­täts­blasen bezeichnet werden.

Jede dieser Blasen enthält eine mög­liche Variante des fol­genden Tages. Es ist keine Pro­phe­zeiung oder ein fest­ge­legtes Sze­nario, sondern vielmehr ein Angebot meh­rerer mög­licher Fort­set­zungen, von denen jede einer leicht unter­schied­lichen Kom­bi­nation von Umständen, Bedürf­nissen und inneren Ein­stel­lungen entspricht.

In einer bestimmten Schlaf­phase ver­bindet sich das phy­sische Bewusstsein mit einer Blase, lädt das darin ent­haltene Pro­gramm und ver­gleicht es mit den aktu­ellen Bedürf­nissen des Schla­fenden. Es ist kein bewusster Ent­schei­dungs­prozess wie tagsüber, sondern eine unmit­telbare Bewertung der Kom­pa­ti­bi­lität: Was ist jetzt am besten für mich geeignet, was ist am wenigsten schädlich für mein System, was fördert das Gleich­ge­wicht, was unter­stützt den nächsten Schritt?

Und sobald ein Ver­gleich ange­stellt ist, geht es immer weiter. Das phy­sische Bewusstsein ver­bindet sich mit anderen Bewusst­seins­ebenen und ver­gleicht erneut. Das alles geschieht extrem schnell. Innerhalb einer ein­zigen „Pseu­do­se­kunde“ werden Hun­derte solcher Ebenen mit­ein­ander ver­bunden, als würde das Bewusstsein nahezu gleich­zeitig unzählige Simu­la­tionen durch­laufen und dabei die­jenige aus­wählen, die am besten zu unserem Wesen, unseren Eigen­schaften und unseren Bedürf­nissen passt.

Dieser Prozess bean­sprucht etwa zwei Drittel unseres Schlafs, sodass der größte Teil der Nacht nicht nur aus Ruhe besteht, sondern aus einem inten­siven „Aus­wahl­prozess“ mög­licher Fort­set­zungen unserer Geschichte.

Wenn die Blasen ver­bunden und aus­ge­wertet sind, kon­zen­triert sich das phy­sische Bewusstsein schließlich auf die optimale. In diesem Moment wird das Simu­la­ti­ons­pro­gramm geladen, das die Rea­lität des nächsten Tages für das jeweilige phy­sische Bewusstsein der jewei­ligen Indi­vi­dua­lität erschafft.

Anders aus­ge­drückt: Eine Blase wird aus den Mög­lich­keiten aus­ge­wählt und ihr „Code“ ver­ankert, sodass sie nach dem Auf­wachen als normale Erfahrung abläuft – als ein Tag, den wir als selbst­ver­ständlich und als den ein­zigen betrachten.

Und dann genügt eine winzige Bewegung: Das Pro­gramm ist ver­ankert, die Schnitt­stelle ver­bindet sich wieder, wir wachen auf. Wir öffnen die Augen und machen den ersten Schritt in den Morgen, ohne zu ahnen, dass wir gemäß diesem Konzept schon lange zuvor, irgendwo tief im Schlaf, begonnen haben, dessen Plan zu leben.

Der Artikel erschien zuerst bei anti-matrix.com.

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