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Kubricks letzter Film „Eyes Wide Shut“: Neue Enthüllungen

1999 erschien Kubricks letzter Film „Eyes Wide Shut“ über wohl­ha­bende Eliten, die sich in eng­li­schen Her­ren­häusern zu mas­kierten Ritualen mit sexu­eller Aus­beutung versammeln.

Frauen werden für diese Ver­an­stal­tungen miss­braucht. Wer Nach­for­schungen anstellt, wird bedroht oder gar getötet. Ein ein­fluss­reicher Mann erklärt dem Prot­ago­nisten, wie sich das System schützt und beteuert, dass nichts Unrechtes vor­ge­fallen sei. Alle kommen unge­schoren davon, außer den miss­brauchten Frauen.

Zwanzig Jahre später fand ich Doku­mente, die belegen, dass ähn­liche Prak­tiken in der Rea­lität statt­fanden, orga­ni­siert von Jeffrey Epstein und geschützt von den­selben Insti­tu­tionen, die Kubrick dar­ge­stellt hatte.

Was ich bei meinen Recherchen zum Film nicht erwartet hatte: Die Dreh­ar­beiten fanden in Anwesen statt, die Familien gehörten, die direkt mit dem Epstein-Netzwerk ver­bunden waren.

Die Drehorte

Laut Pro­duk­ti­ons­un­ter­lagen und Daten­banken wurden für die Somerton-Ritu­al­szenen drei ver­schiedene eng­lische Anwesen genutzt. Die Dreh­ar­beiten halten den Guinness-Welt­rekord für die längsten unun­ter­bro­chenen Film­drehs mit einer Dauer von über 15 Monaten.

Mentmore Towers diente als Außen­ku­lisse für „Somerton“, das Her­renhaus, in dem das mas­kierte Ritual statt­findet. Das Anwesen wurde in den 1850er-Jahren für Baron Mayer de Roth­schild erbaut und blieb bis in die 1970er-Jahre im Besitz der Familie Rothschild.

Elveden Hall wurde für die Innen­auf­nahmen der Ritu­al­szenen genutzt. Das Anwesen befindet sich seit 1894 im Besitz der Familie Guinness. Clare Hazell-Iveagh, Gräfin von Iveagh, hei­ratete 2001 in die Familie ein. Laut der Daily Mail zeigen Flug­pro­to­kolle, dass sie zwi­schen 1998 und 2000 etwa 32 Mal mit Jeffrey Epsteins Flugzeug reiste – genau in dem Zeitraum, in dem Kubrick den Film drehte und er in die Kinos kam.

Laut Podcast-Inter­views und Sekun­där­quellen gab Maria Farmer an, Hazell-Iveagh habe auf Les Wexners Anwesen in Ohio als ihre „Auf­pas­serin“ fun­giert. Ein Dokument des Auf­sichts­aus­schusses des Reprä­sen­tan­ten­hauses ver­merkt, dass Hazell-Iveagh in den Jahren, in denen diese Ereig­nisse angeblich statt­fanden, Prä­si­dentin der NSPCC-Orts­gruppe West Sussex war.

Sie bestreitet jeg­liches Fehl­ver­halten, und die NCA erklärte, sie verfüge über keine belas­tenden Infor­ma­tionen und habe zu diesem Zeit­punkt nicht gegen sie ermittelt.

Das Anwesen Luton Hoo diente als Kulisse für die Innen­räume von Victor Zieglers New Yorker Villa, in der die Eröff­nungs­szenen spielen. Das Anwesen befand sich im Besitz der Familie Wernher. His­to­rische Auf­zeich­nungen belegen, dass Sir Harold Wernher Lady Zia, ein Mit­glied des rus­si­schen Adels, hei­ratete und das Anwesen wei­terhin Ver­bin­dungen zur bri­ti­schen High Society pflegte.

High­clere Castle, das den meisten heute als Drehort von Downton Abbey bekannt ist, wurde laut Wiki­pedia und diversen Film­da­ten­banken eben­falls als Drehort genutzt. Das Anwesen gehört den Earls of Car­narvon. 1895 hei­ratete der 5. Earl Almina Wombwell, die unehe­liche Tochter des Ban­kiers Alfred de Rothschild.

Roth­schild zahlte eine Abfindung, die heute über 67 Mil­lionen Pfund Sterling ent­spräche, und beglich die Schulden des Earls. Dieses Roth­schild-Ver­mögen finan­zierte Howard Carters Ent­de­ckung des Grabes von Tutanchamun im Jahr 1922. Die Drehorte befanden sich über­wiegend auf Anwesen, die mit der Familie Roth­schild oder mit Clare Hazell-Iveagh in Ver­bindung standen. Letztere wurde später in Epsteins Flug­pro­to­kollen erwähnt und in inves­ti­ga­tiven Recherchen über das Netzwerk namentlich genannt.

Lynn Forester de Rothschild

Wenn Sie meine Arbeit ver­folgt haben, wissen Sie, dass ich die Ver­bin­dungen zwi­schen Lynn Forester de Roth­schild und dem Epstein-Netzwerk doku­men­tiert habe. Sie hei­ratete Sir Evelyn de Roth­schild im November 2000, ein Jahr nach dem Erscheinen von „Eyes Wide Shut“.

Laut ihrem Wiki­pedia-Eintrag und diversen Pro­filen wurden sie 1998 auf der Bil­derberg-Kon­ferenz in Schottland von Henry Kis­singer ein­ander vor­ge­stellt. Die Clintons luden sie ein, ihre Flit­ter­wochen im Weißen Haus zu verbringen.

Ihre doku­men­tierten Ver­bin­dungen zu Epsteins Netzwerk umfassen Folgendes:

Transport: Ihr Vater, J. Kenneth Forester, gründete 1946 den Flug­be­trieb am Flug­hafen Teterboro. Ihr Bruder leitete dort Million Air. Million Air ist in Epsteins Adressbuch verzeichnet.

Wohnen: Laut meh­reren Berichten stellte sie Ghis­laine Maxwell 1991, unmit­telbar nach Robert Max­wells Tod, eine Wohnung in Man­hattan zur Ver­fügung. Laut einer Recherche von Business Insider in Steu­er­un­ter­lagen ver­kaufte sie im Oktober 2000 ein Stadthaus in Man­hattan an eine Brief­kas­ten­firma mit der­selben Adresse wie Epsteins Geschäftsbüro für rund 8,5 Mil­lionen US-Dollar unter dem geschätzten Marktwert von über 13,4 Mil­lionen US-Dollar.

Business Insider merkte an, dass sie nicht unab­hängig bestä­tigen konnten, dass es sich bei der Ver­käu­ferin um die­selbe Lynn Forester han­delte, die in Epsteins Flug­pro­to­kollen auf­tauchte. Maxwell zog in das Anwesen ein.

Bank­wesen: Laut „Der Spiegel“ trat sie im Juli 2013 dem Beirat der Deut­schen Bank bei. Aus den Ver­gleichs­ver­ein­ba­rungen geht hervor, dass die Deutsche Bank Epstein etwa einen Monat später als Kunden annahm, obwohl er als Sexu­al­straf­täter regis­triert war.

Bekannt­schaften: Alan Der­showitz gab öffentlich an, sie habe ihn Epstein vor­ge­stellt und ihn als „inter­es­santen Auto­di­dakten“ bezeichnet. Laut Ghis­laine Max­wells Aussage im Rahmen eines Geständ­nisses, die 2025 ver­öf­fent­licht wurde, stellte Lynn Forester de Roth­schild Prinz Andrew Epstein vor.

Die von Kubrick erfundene Figur: Victor Ziegler exis­tiert nicht in Arthur Schnitzlers Novelle „Ein Traum“ von 1926, die als Vorlage für den Film diente. Kubrick schuf diese Figur eigens. Er erfand eine wohl­ha­bende, ein­fluss­reiche Per­sön­lichkeit, die sowohl die gehobene Welt ver­körpert, nach der Bill strebt, als auch die Ver­bindung zwi­schen Bills nor­malem Leben und der Geheim­ge­sell­schaft, die das Mas­ken­ritual organisiert.

Kubrick besetzte die Rolle zunächst mit Harvey Keitel. Keitel verließ die Pro­duktion, nachdem er angeblich unzählige Takes einer ein­zigen Szene gedreht hatte. Später sagte er, Kubrick habe „einige Dinge getan, gegen die ich Ein­wände hatte“.

Kubrick ersetzte ihn durch Sydney Pollack, der selbst Regisseur war, jemand, der ver­stand, wie Systeme funk­tio­nieren und wie man sie rational erscheinen lässt, während man ihre Funk­ti­ons­weise verschleiert.

In der auf­schluss­reichsten Szene des Films erklärt Ziegler Bill haar­genau, wie das System funk­tio­niert. Die Frau, die bei dem Ritual starb? Laut Ziegler war sie nur eine „Pro­sti­tu­ierte“, die an einer Über­dosis starb. Nichts Beson­deres. Falls Bill wissen will, wer bei dem Ritual dabei war, sagt Ziegler ihm, dass er dann „nicht mehr so ​​gut schlafen“ würde.

Ziegler erklärt die Regeln: Man darf zusehen, man darf sogar pro­fi­tieren, aber wer ermittelt, muss mit Kon­se­quenzen rechnen. Das Leben geht für alle, die etwas zu sagen haben, weiter. Die Frauen, die benutzt wurden, sind austauschbar.

Genau so funk­tio­nierte das Epstein-Netzwerk jahrzehntelang.

Was Film­kri­tiker sagten

Rich Cohen brachte es 2020 in der „Paris Review“ auf den Punkt: „Eyes Wide Shut ist keine Fiktion. Es ist ein Doku­men­tarfilm. Es war eine Ent­hüllung in ver­schlüs­selter Form. Er ent­hüllte eine Dynamik, die sich in Teilen der Eli­te­ge­sell­schaft schon lange abge­spielt hatte, aber erst in unserer Zeit, einem Zeit­alter der Skandale – allen voran der Skandal um Jeffrey Epstein –, sichtbar wurde.“

Tim Kreider schrieb in einer ein­fluss­reichen Analyse: „Die wahre Por­no­grafie dieses Films liegt in seiner anhal­tenden Dar­stellung des scham­losen, nackten Reichtums der New Yorker Mil­len­nials und dessen obs­zöner Wirkung auf die Gesell­schaft und die mensch­liche Seele.“

Der Titel selbst wird als eine in Geheim­bünden gebräuch­liche Phrase beschrieben, die so viel bedeutet wie: „Ich sehe über deine Mis­se­taten hinweg, Bruder.“ Die Anony­mität der Teil­nehmer ist uner­lässlich, da sonst die Elite ent­larvt würde.

Das Ende

Die Schluss­szene des Films spielt in einem Spiel­zeug­laden während des Weih­nachts­ein­kaufs. Bill und Alice ver­söhnen sich nach all dem Gesche­henen. Ihre Tochter Helena geht weg.

Wer genau hin­sieht, erkennt, dass Helena mit zwei älteren Männern in Anzügen weggeht. Sie ver­lässt mit ihnen den Bild­aus­schnitt. Keiner der Eltern bemerkt es. Die Kamera ver­weilt in diesem Moment. Dann geht die Szene weiter, als wäre nichts geschehen.

In der Schluss­szene im Spiel­zeug­laden folgt Helena zwei Männern, die mit Zieglers Party in Ver­bindung stehen, was Spe­ku­la­tionen darüber auslöst, dass dies eine Strafe für Bills Fehl­ver­halten ist.

Das ist kein Zufall. Kubrick war akri­bisch. Der lange Drehplan war berüchtigt für unzählige Takes und präzise Bild­kom­po­si­tionen. Wenn Helena in der Schluss­szene mit zwei fremden Männern weggeht, dann war das Kubricks Absicht.

Kubrick ver­stand, dass solche Machen­schaften Gene­ra­tionen prägen. Kinder werden zur Währung. Familien werden ver­wi­ckelt und zu Kom­plizen. Der Preis der Zuge­hö­rigkeit ist Schweigen über das Gesehene.

Kubricks Tod

Stanley Kubrick starb am 7. März 1999. Wenige Tage zuvor hatte er den Warner Bros.-Managern die finale Fassung von „Eyes Wide Shut“ gezeigt.

Er war 70 Jahre alt. Die offi­zielle Todes­ur­sache war ein Herz­in­farkt im Schlaf. Seine Frau Chris­tiane fand ihn im Bett.

Der Film kam am 16. Juli 1999 in die Kinos. Nicole Kidman erin­nerte sich später: „Aber an dem Wochenende, an dem der Film her­auskam, dem 16. Juli 1999, starben JFK Jr., seine Frau und ihre Schwester. Ein wirklich fins­teres Wochenende. Und dass Stanley vor dem Kino­start gestorben war … Es fühlte sich alles so düster und seltsam an.“

Warner Bros. nahm Berichten zufolge vor der Ver­öf­fent­li­chung Kür­zungen am Film vor. Kubrick war zu diesem Zeit­punkt nicht mehr am Leben und konnte daher an den Ent­schei­dungen der Post­pro­duktion nicht mehr teil­nehmen. Einige Berichte deuten darauf hin, dass das Studio Material ent­fernte, wobei die genaue Menge umstritten ist.

Ob Kubrick nun über spe­zi­fische Kennt­nisse ver­fügte oder ein tiefes Ver­ständnis für die Funk­ti­ons­weise von Macht besaß, der Film funk­tio­niert heute wie eine Dokumentation.

Ich per­sönlich glaube, dass jemand, der so viel Wert auf Details legte, nicht zufällig aus­ge­wählt hat. Die Bot­schaft war für auf­merksame Zuschauer unmissverständlich.

Er zeigte uns genau, wie es funk­tio­niert, und dann starb er. Zwanzig Jahre später erfuhren wir, dass es Rea­lität war.

Ich behaupte nicht, dass Kubrick im Detail über Epsteins Machen­schaften Bescheid wusste. Er mag das Muster einfach gut genug ver­standen haben, um es präzise darzustellen.

Aber was mich immer wieder beschäftigt: Ein legen­därer Fil­me­macher, bekannt für seine sub­tilen Bot­schaften in seinen Werken, ver­brachte dreißig Jahre mit der Vor­be­reitung eines Films über sexuelle Aus­beutung in eli­tären Kreisen.

Er drehte ihn auf Anwesen, die mit den­selben Familien in Ver­bindung standen, deren Mit­glieder später nach­weislich die Infra­struktur für einen realen Men­schen­han­delsring bereit­stellten oder in Ermitt­lungs­be­richten darüber genannt wurden. Er starb unmit­telbar nach Fer­tig­stellung des Films.

Dieser Film zeigte Prak­tiken, die erst zwanzig Jahre später öffentlich bekannt wurden.

Er nannte ihn „Eyes Wide Shut“. Unsere Augen sind weit geöffnet und doch innerlich verschlossen.

Wir sehen es, aber wir tun so, als sähen wir es nicht.

Quellen: PublicDomain/Collective Evo­lution am 06.03.2026

Zuerst erschienen bei Pravda-tv.com.

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