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Tod auf Rezept: Autis­ti­scher Jugend­licher in den Nie­der­landen euthanasiert

Nach dem tra­gi­schen Tod der Spa­nierin Noelia Ramos findet das Problem der Eutha­nasie erneut größere Auf­merk­samkeit. In den Nie­der­landen wurde jetzt ein 16-jäh­riger Jugend­licher mit Autismus ein­ge­schläfert. Mit dem Einzug des mate­ria­lis­ti­schen Men­schen­bildes und dem Verlust des Glaubens geht derzeit ein Untergang des Respekts vor der Würde der mensch­lichen Person einher, unter dem besonders die Schwächsten und Wehr­lo­sesten unserer Gesell­schaft leiden.  (von David Berger)

Ein Bericht über den Tod eines autis­ti­schen Jugend­lichen in den Nie­der­landen sorgt derzeit inter­na­tional für Bestürzung. Medi­en­be­richten zufolge soll der min­der­jährige Junge, der seit 5 Jahren psy­chische Pro­bleme hatte, auf eigenen Wunsch hin eutha­na­siert worden sein. Der Fall steht exem­pla­risch für eine Ent­wicklung, die man nur mit wach­sender Sorge beob­achten kann: neben dem Mas­senmord an unge­bo­renen Kindern die Aus­weitung der aktiven Ster­be­hilfe auf Men­schen, deren Leiden nicht kör­per­licher, sondern see­li­scher Natur ist.

Nie­der­lande: Jedes Jahr 10.000 Euthanasien

Die Nie­der­lande gelten seit 2001 als eines der libe­ralsten Länder weltweit in Fragen der Ster­be­hilfe. Vor­aus­setzung ist laut Gesetz, dass ein Patient „uner­träglich leidet“ und keine Aus­sicht auf Bes­serung besteht. Diese Kri­terien gelten aus­drücklich auch für psy­chische Erkran­kungen. Doch genau hier liegt eines der wesent­lichen Pro­bleme: Während kör­per­liche Erkran­kungen oft klar dia­gnos­ti­zierbar und pro­gnos­ti­zierbar sind, bleibt die Ein­schätzung see­li­schen Leidens natur­gemäß unsicher. Studien zeigen, dass viele Betroffene, die Ster­be­hilfe bean­tragen, kom­plexe Dia­gnosen haben – häufig mit sui­zi­dalen Ten­denzen ver­bundene Depres­sionen, Traumata oder Autismus.

Zugleich wächst die Zahl ent­spre­chender Fälle. Allein im Jahr 2024 stieg die Zahl der Eutha­nasien in den Nie­der­landen auf fast 10.000 – dar­unter auch eine zuneh­mende Zahl von Men­schen mit rein psy­chi­schen Leiden. Besonders beun­ru­higend: Viele junge Men­schen unter 30 sind dar­unter, auf­fällig viele Min­der­jährige. Zum Ver­gleich: In Deutschland, wo aktive Ster­be­hilfe noch ver­boten ist, lag die Zahl 2024 bei ca. 1200 Fällen.

Kost­spielige und „nutzlose“ Per­sonen sauber entsorgen

Hier zeigt sich eine gefähr­lichen Ver­schiebung, die aber ange­sichts des immer mehr Raum grei­fenden Trans- und Post­hu­ma­nismus vor­aus­sehbar war. Was ursprünglich angeblich als Aus­nahme für unheilbar kör­perlich Kranke gedacht war, hat sich zu einem Instrument zu ent­wi­ckelt, das auch bei sozialer Iso­lation, Ein­samkeit oder psy­chi­scher Über­for­derung ein­ge­setzt wird. Und um kost­spielige, dem System angeblich nutzlose Per­sonen nach außen hin „sauber und legal“ zu ent­sorgen. Oder wie mir ein ne3iderländischer Tierarzt mit ver­zwei­feltem Spott sagte: „Bevor die sich vor ein Zug oder ein Auto werfen und ein rie­siges Chaos anrichten, machen wir das sauber und ganz legal im Kran­kenhaus“. Offi­ziell sagt man das natürlich nicht so. Sondern, wie schon Papst Benedikt XVI. fest­stellte, stets „mit dem Umhang mensch­lichen Mit­leids mas­kiert“. Tat­sächlich zeigen Unter­su­chungen, dass Fak­toren wie Ein­samkeit und feh­lende soziale Unter­stützung – neben dem Ein­fluss gewis­sen­loser Ärzte – eine zen­trale Rolle bei solchen Ent­schei­dungen spielen.

Gerade bei Autismus wird die Debatte besonders sen­sibel geführt. Experten weisen darauf hin, dass es sich nicht um eine „töd­liche Krankheit“ handelt, sondern um eine Form neu­ro­lo­gi­scher Vielfalt. Wenn Betroffene dennoch den Tod als ein­zigen Ausweg sehen, ist dies nicht selten auch ein Hinweis auf gesell­schaft­liches Ver­sagen – etwa vor­aus­ge­hende psy­chisch zer­stö­rende medi­zi­nische Behand­lungen (Trans­kon­ver­sionen bzw. Puber­täts­blocker bei Kindern), durch gesell­schaft­liche Ver­än­de­rungen ermög­lichte trau­ma­tische Erleb­nisse (sexuelle Gewalt) sowie man­gelnde Inte­gration, unzu­rei­chende Unter­stützung oder feh­lende The­ra­pie­an­gebote (extreme Über­lastung der Kinder- und Jugend­psych­ia­trien seit dem Lockdown).

Die Schwächsten der Gesell­schaft als erste Opfer

Und dann sind da noch weitere drän­gende, aber ver­drängte Fragen: Können Min­der­jährige über­haupt eine derart end­gültige Ent­scheidung treffen? Sind die bestehenden Schutz­me­cha­nismen aus­rei­chend? Und sendet die Mög­lichkeit der Eutha­nasie womöglich ein fatales Signal – dass manche Leben als weniger lebenswert gelten?

Innerhalb der Nie­der­lande wächst inzwi­schen die Skepsis. Auf­sichts­be­hörden mahnen inzwi­schen zur „größten Vor­sicht“ bei Fällen mit psy­chi­schen Erkran­kungen und fordern strengere Prü­fungen.  Der Fall des jungen Mannes mag juris­tisch korrekt abge­wi­ckelt worden sein. Doch er wirft eine unbe­queme Frage auf, die weit über nationale Grenzen hin­ausgeht: Ob eine Gesell­schaft, die den Tod als Antwort auf see­li­sches Leiden anbietet, nicht Gefahr läuft, ihre ver­letz­lichsten Mit­glieder im Stich zu lassen. Und welch ver­queres Men­schenbild über­haupt erst all das Unheil ange­richtet hat, mit dem wir nun kon­fron­tiert werden.

Oder um wieder mit Papst Benedikt XVI. zu sprechen: „Eine Gesell­schaft wird nicht danach beur­teilt, wie sie die Starken schützt, sondern wie sie die Schwächsten behandelt.“ – Und weiter: „Die wahre Antwort besteht nicht darin, das Leben zu beenden, sondern darin, dem Lei­denden Nähe zu zeigen, ihm zu helfen, das Leiden zu tragen und ihm Liebe zu schenken.“

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Der Artikel erschien zuerst bei philosophia-perennis.com.

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