Foto: KI (ChatGPT)

»DEUTSCH­LANDS BESTRAFUNG!« – So hoch waren die Repa­ra­tionen an die Alli­ierten wirklich! (2)


132 Mil­li­arden Goldmark: Mit dieser gigan­ti­schen Summe sollte Deutschland nach dem Ersten Welt­krieg zur Kasse gebeten werden. Was als Wie­der­gut­ma­chung ver­kauft wurde, wurde für die junge Wei­marer Republik zur poli­ti­schen und wirt­schaft­lichen Zer­reiß­probe. Zah­lungs­druck, Ruhr­be­setzung, pas­siver Wider­stand und Hyper­in­flation trieben das Land an den Rand des Zusam­men­bruchs. Dieser zweite Teil zeigt, wie die Repa­ra­ti­ons­frage Deutschland lähmte, die Republik ver­giftete und jenen Kräften Auf­trieb gab, die Ver­sailles zum Kampf­be­griff machten. Selbst der bri­tische Premier David Lloyd George warnte früh vor den Folgen eines Friedens, der als unge­recht emp­funden wurde – und dessen Schatten nur zwanzig Jahre später wieder über Europa lagen.

TEIL 2


1921 wurden die Repa­ra­tionen auf gigan­tische 269 Mil­li­arden Goldmark in 42 anstei­genden Jah­res­raten fest­gelegt. Die Reichs­re­gierung pro­tes­tierte erfolglos dagegen.

Dennoch wurde auf der Lon­doner Kon­ferenz im Mai 1921 von den soge­nannten Entente­mächten (USA, Groß­bri­tannien, Frank­reich, Italien) eine Repa­ra­ti­ons­summe von ins­gesamt 132 Mil­li­arden Goldmark vorgeschrieben.

Natürlich konnte Deutschland diese Ver­pflich­tungen nicht erfüllen, die Wirt­schaft zerfiel fort­schreitend, gleichwohl die Währung.

Abb.: Vor dem Reichs­tags­ge­bäude finden Demons­tra­tionen gegen den Ver­sailler Frie­dens­vertrag statt (15. Mai 1919)

(Foto­quelle: https://www.bpb.de/izpb/55958/kampf-um-die-republik-1919–1923) (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mass_demonstration_in_front_of_the_Reichstag_against_the_Treaty_of_Versailles.jpg)

 

Dazu schreibt der Wis­sen­schaft­liche Dienst des Deut­schen Bun­des­tages (Fach­be­reich WD 1: Geschichte, Zeit­ge­schichte und Politik) im Juni 2006:

»Die vom Deut­schen Reich zu erbrin­genden Repa­ra­tionen stellten die Reichs­re­gie­rungen innen- und außen­po­li­tisch vor beträcht­liche Her­aus­for­de­rungen. Ihr Ziel war es, durch eine Revi­si­ons­po­litik kurz- und mit­tel­fristig die Redu­zierung der Repa­ra­tionen und län­ger­fristig deren Ein­stellung bei den Alli­ierten zu erreichen. Anfänglich ver­suchten sie dabei im Rahmen einer ‚Erfül­lungs­po­litik‘ die Uner­füll­barkeit der alli­ierten Repa­ra­ti­ons­for­de­rungen nach­zu­weisen. Das Hauptziel deut­scher Außen­po­litik in der Wei­marer Republik war die Revision des Ver­sailler Ver­trages insgesamt.«

Und: »Die außen­po­li­tische Aus­ein­an­der­setzung um Repa­ra­ti­ons­leis­tungen eska­lierte schließlich zwi­schen Deutschland und Frank­reich in der Besetzung des Ruhr­ge­bietes durch fran­zö­sische und bel­gische Truppen, die unter Hinweis auf angeblich unvoll­ständige deutsche Repa­ra­ti­ons­leis­tungen im Januar 1923 erfolgte. Die Reichs­re­gierung ver­suchte ihr durch eine Politik des pas­siven Wider­standes zu begegnen. Letz­terer wurde durch eine starke Ankur­belung der Geld­pro­duktion finan­ziert, was eine Hyper­in­flation im Deut­schen Reich zu Folge hatte. Die rasante Geld­ent­wertung, die zahl­reiche private Ver­mögen und Erspar­nisse in Deutschland ver­nichtete, konnte erst durch eine Wäh­rungs­reform im November 1923 – mit der eine neue Wäh­rungs­ordnung in Kraft trat – erfolg­reich beendet werden.«

1924 wurden im soge­nannten Dawes-Plan ver­sucht, die Repa­ra­ti­ons­zah­lungen an die Leis­tungs­fä­higkeit der deut­schen Wirt­schaft auf eine jähr­liche Höhe von 2,5 Mil­li­arden Reichsmark fest­zu­legen, was immer noch zu hoch war. 1929 folgte der Young-Plan, der die deut­schen Ver­pflich­tungen auf jährlich 2 Mil­li­arden Reichsmark für 27 Jahre bestimmte. Infolge der Welt­wirt­schafts­krise wurde natürlich auch Deutschland zahlungsunfähig.

Im Hoover-Mora­torium von 1931 und auf der Kon­ferenz von Lau­sanne 1932 wurde wei­teres fest­gelegt. Erneut zitiere ich den Wis­sen­schaft­lichen Dienst des Deut­schen Bun­des­tages (Fach­be­reich WD 1: Geschichte, Zeit­ge­schichte und Politik):

»Vor dem Hin­ter­grund der Ende der 1920er Jahre aus­ge­bro­chenen Welt­wirt­schafts­krise, in deren Folge es auch in Deutschland unter anderem zu einem starken Anstieg der Arbeits­lo­sigkeit, einem deut­lichen Rückgang der Pro­duktion, einer Krise der Banken und einer Ver­schärfung der Finanz­si­tuation der öffent­lichen Haus­halte kam, wurden mit dem ‚Hoover-Mora­torium‘ vom 20. Juni 1931 alle inter­na­tio­nalen Zah­lungs­ver­pflich­tungen aus­ge­setzt und die deut­schen Repa­ra­tionen für ein Jahr gestundet. Mit dem Abkommen von Lau­sanne vom 9. Juli 1932 wurden nicht nur die Bestim­mungen des ‚Young-Plans‘ auf­ge­hoben, sondern fak­tisch auch das Ende der deut­schen Repa­ra­ti­ons­ver­pflich­tungen beschlossen. Den Deut­schen wurde auf der Kon­ferenz ein Ende aller Repa­ra­ti­ons­leis­tungen gegen eine letzt­malige Ein­mal­zahlung von drei Mil­li­arden Goldmark angeboten.«

Und: »Zu einer Ver­wirk­li­chung des Abkommen bzw. zur Leistung der Abschluss­zahlung von deut­scher Seite kam es aber nicht mehr. Aller­dings standen die ‚Dawes-Anleihe‘ sowie die ‚Young-Anleihe‘, die als Anschub­fi­nan­zie­rungen für deutsche Repa­ra­ti­ons­zah­lungen gedient hatten, in keinem unmit­tel­baren Zusam­menhang zu den Repa­ra­ti­ons­re­ge­lungen nach dem Ersten Welt­krieg. Sie fielen nicht unter den Repa­ra­ti­ons­stopp der Lau­sanner Kon­ferenz vom Juli 1932, da es sich bei ihnen um finan­zielle Ver­pflich­tungen des Deut­schen Reiches gegenüber pri­vaten Gläu­bigern aus diversen Ländern gehandelt hatte.«

Franz von Papen erreichte 1932 die dies­be­züg­liche Schluss­zahlung von 3 Mil­li­arden Reichsmark. Hitler hin­gegen lehnte später die Zahlung von Repa­ra­tionen ab …

Der bri­tische Pre­mier­mi­nister David Lloyd George (1863–1945) ersah selbst die Gefahr, die sich aus diesem Ver­sailler Vertrag für den Frieden ergab. In einer Denk­schrift vom 26. März 1919 schrieb er fol­ge­richtig: »Sie mögen Deutschland seiner Kolonien berauben, seine Rüs­tungen zu einer bloßen Poli­zei­macht und seine Flotte zu einer Macht fünften Grades her­ab­setzen. Es ist schließlich alles gleich, wenn es sich im Frieden von 1919 unge­recht behandelt fühlt, wird es Mittel finden, um an seinen Besiegern Rache zu nehmen (…) Unsere Bedin­gungen dürfen hart, sogar erbar­mungslos sein, aber gleich­zeitig können sie so gerecht sein, dass ein Land, dem sie auf­erlegt werden, in seinem Herzen fühlen wird, dass es kein Recht zur Klage hat. Aber Unge­rech­tigkeit und Anmaßung, aus­ge­spielt in der Stunde des Tri­umphes, werden nie ver­gessen und ver­geben werden. Aus diesem Grunde bin ich auf das Schärfste dagegen, mehr Deutsche, als uner­lässlich nötig ist, der deut­schen Herr­schaft zu ent­ziehen, um sie einer anderen Nation zu unterstellen.«

Weiter: »Ich kann kaum eine stärkere Ursache für einen künf­tigen Krieg erblicken, als dass das deutsche Volk, das sich zwei­fellos als eine der kraft­vollsten und mäch­tigsten Rassen der Welt erwiesen hat, rings von einer Anzahl klei­nerer Staaten umgeben werden soll, von denen viele aus Völkern bestehen, die noch nie vorher eine selb­ständige Regierung auf­ge­stellt haben, aber jedes breite Massen von Deut­schen umschließt, die die Ver­ei­nigung mit ihrem Hei­matland fordern.« Und: »Der Vor­schlag der pol­ni­schen Kom­mission, 2 100 000 Deutsche der Auf­sicht eines Volkes von anderer Religion zu unter­stellen, das noch nie im Laufe seiner Geschichte die Fähigkeit zur Selbst­re­gierung bewiesen hat, muss meiner Beur­teilung nach früher oder später zu einem neuen Krieg in Ost­europa führen (…) Von jedem Stand­punkt aus, will mir daher scheinen, müssen wir uns bemühen, eine Ordnung des Friedens zu ent­werfen, als wären wir unpar­tei­ische Schieds­richter, die die Lei­den­schaften des Krieges ver­gessen haben.«

David Lloyd George mah­nende Worte sollten sich nur zwanzig Jahre später auf eine unheil­volle Weise erfüllen. Der Ver­sailler Vertrag wurde in Deutschland von fast allen als unge­recht emp­funden und eigentlich von nahezu allen poli­ti­schen Kräften abge­lehnt. So ermög­lichte er auch den Natio­nal­so­zia­listen, die Massen im Kampf gegen diese his­to­rische »Unge­rech­tigkeit« zu mobilisieren.

Der Wis­sen­schaft­liche Dienst des Deut­schen Bun­des­tages (Fach­be­reich WD 1: Geschichte, Zeit­ge­schichte und Politik: »Die natio­nal­so­zia­lis­tische Reichs­re­gierung stellte dennoch bereits im Jahr 1934 unge­achtet aller vom Deut­schen Reich ein­ge­gan­genen Ver­pflich­tungen den Zins­dienst aus beiden Anleihen für fast alle Tranchen im Jahr 1934 ein. Gemessen an der ursprünglich für Deutschland von den alli­ierten Sie­ger­mächten nach Ende des Ersten Welt­krieges vor­ge­ge­benen Repa­ra­ti­ons­summe, ist bis zum Juli 1932, als auf der Repa­ra­ti­ons­kon­ferenz von Lau­sanne das fak­tische Ende der deut­schen Repa­ra­ti­ons­leis­tungen beschlossen wurde, tat­sächlich ein Teil­betrag davon gezahlt worden. Aller­dings ist sich die his­to­rische For­schung bis heute nicht darüber einig, wie viele Repa­ra­tionen Deutschland bis zum Ende der Wei­marer Republik tat­sächlich gezahlt hat. Einige Schät­zungen gehen von einer Summe in Höhe von rund 25 Mil­li­arden Goldmark (Deut­sches His­to­ri­sches Museum 2008c) aus.«

Weiter: »Auch wenn die Repa­ra­ti­ons­zah­lungen im his­to­ri­schen Rück­blick für die Wei­marer Republik finanz- und wirt­schafts­po­li­tisch eine bedingte Belastung dar­stellten, führten sie innen­po­li­tisch – ins­be­sondere in der Aus­ein­an­der­setzung der demo­kra­ti­schen Par­teien und der von ihnen getra­genen Reichs­re­gie­rungen mit den anti­de­mo­kra­ti­schen Kräften der extremen poli­ti­schen Rechten – zu einer ernst­haften Belas­tungs­probe für die erste deutsche Republik. Die Repa­ra­ti­ons­frage und mit ihr die Kriegschuld­frage wurde nach 1918 von der extremen Rechten neben der so genannten ‚Dolch­stoß­le­gende‘ (eine Ver­schwö­rungs­therorie, die die Schuld der mili­tä­ri­schen Nie­derlage des Deut­schen Reiches im Ersten Welt­krieg u.a. der Sozi­al­de­mo­kratie und dem »bol­sche­wis­ti­schen Judentum« gibt/GG) als zen­trales Instrument zur innen­po­li­ti­schen Mobi­li­sierung der anti­de­mo­kra­ti­schen Kräfte und zur Bekämpfung der Wei­marer Republik verwendet.«

Und: »Dabei ver­schwiegen sie bewusst, dass im selben Zeitraum, in dem Deutschland die von ihnen ange­pran­gerten Repa­ra­ti­ons­raten in Mil­li­ar­denhöhe ent­richtete, im Rahmen von ver­schie­denen öffent­lichen und pri­vaten Anleihen hohe Summen aus­län­di­schen Kapitals nach Deutschland flossen und dort wichtige wirt­schaft­liche Impulse auslösten.«

FORT­SETZUNG FOLGT!

Zuerst erschienen bei GuidoGrandt.de.


Hier »> ERHÄLTLICH!


 

 

  • Top Artikel

  • Service-Hotline:
    0179-6695802

  • Servicezeiten:
    Mo. und Do.: 10:00 - 12:00 Uhr
    Mi.: 15:00 - 18:00 Uhr