Foto: Bundesarchiv, Bild 101I-464-0383I-26 / Kleiner / CC-BY-SA 3.0 Nemmersdorf (Ostpreußen), ermordete Deutsche (Oktober 1944)

ZWEITER WELT­KRIEG: »Pan­op­tikum der Grau­samkeit« – Der ver­drängte Terror der Roten Armee (2)


Während die bar­ba­ri­schen Ver­brechen der Natio­nal­so­zia­listen zu Recht bekannt sind, wissen nur wenige, mit welcher Bru­ta­lität sowje­tische Pro­pa­ganda den Hass auf alles Deutsche schürte. »Töte den Deut­schen!« – mit solchen Parolen wurden Mil­lionen Rot­ar­misten indok­tri­niert. His­to­riker, Zeit­zeugen und sogar sowje­tische Offi­ziere doku­men­tierten später eine Spur von Gewalt, Ver­geltung und Kriegs­ver­brechen, die sich vor allem gegen deutsche Zivi­listen richtete. Warum wird über dieses dunkle Kapitel der Geschichte bis heute so selten gesprochen?


Es war der rus­sische Schrift­steller und Jour­nalist Ilja Ehrenburg, der offi­ziell vom sowje­ti­schen  Dik­tator Stalin beauf­tragt worden war, Hass gegen Deutsche zu pro­pa­gieren. Dabei machte er keinen Unter­schied zwi­schen Mili­tär­per­sonen und Zivilisten.

Ehrenburg gab bei­spiels­weise zum Besten[i]:

– »Deutsche sind keine Men­schen. Deutsche sind zwei­beinige Tiere, abscheu­liche Geschöpfe, Bestien. Wir sagen nicht mehr ‚Guten Morgen oder gute Nacht‘. Wir sagen am Morgen: ‚Töte den Deut­schen‘ und in der Nacht: ‚Töte den Deutschen‘.«

– »Töte den Deut­schen, wo du ihn antriffst. Spreng ihn mit der Granate, stich das Bajonett in ihn, die Mist­gabel, spalte ihn mit dem Beil, setze ihn auf den Pfahl, zer­schneide ihn mit dem Messer, aber töte! (…) Überall musst du die Bestie schlagen! Wenn er Halt macht und schläft – zer­fleische den Schla­fenden. Geht er durch den Wald – wird er dort den Tod finden. Ist er unterwegs – eine Mine soll ihn zer­reißen. Fährt er in der Eisenbahn – lass den Zug entgleisen.«

– »Zer­drücke, zer­spalte, zer­steche ihn im Wald, auf dem Feld, auf den Straßen, ver­nichte ihn überall!«

– »Die Deut­schen sind keine Men­schen. Von jetzt ab ist das Wort ‚Deut­scher‘ für uns der aller­schlimmste Fluch.«

– »Wenn Du im Lauf eines Tages nicht wenigstens einen Deut­schen getötet hast, so ist es für Dich ein ver­lo­rener Tag gewesen.«

– »Wehe Dir Deutschland! (…) Wir werden totschlagen!«

–  »Die deut­schen Frauen werden die Stunde ver­fluchen, in der sie ihre Söhne – Wüte­riche – geboren haben. Wir werden nicht schänden. Wir werden totschlagen.«

– »(…) für uns gibt es nichts Lus­ti­geres als deutsche Leichen.«

– »Zähle nicht die Tage. Zähle nicht die Kilo­meter. Zähle nur eines: die von dir getö­teten Deutschen.«

– »Töte den Deut­schen – dieses bitte dich deine greise Mutter. Töte den Deut­schen – dieses bitten dich deine Kinder. Töte den Deut­schen – so ruft die Hei­materde. Ver­säume nichts. Versieh dich nicht. Töte.«

Der rus­sische Sys­tem­kri­tiker und Schrift­steller Alex­ander Sol­sche­nizyn berichtete darüber, dass am Grenz­übergang nach Deutschland Schilder auf­ge­stellt worden waren, mit der Auf­schrift: »Rot­armist, Du stehst jetzt auf deut­schem Boden – die Stunde der Rache hat geschlagen.«[ii]

Sol­sche­nizyn war es auch, der unter anderem wegen Kritik an dem rus­si­schen Dik­tator Josef Stalin und seines Ein­satzes gegen diese bar­ba­rische Behandlung Unschul­diger, später ver­haftet und in den Archipel Gulag (rus­sische Umer­zie­hungs- und Arbeits­lager) ver­bannt wurde.

Das­selbe Schicksal erlitten auch Major Lew Kopelew und andere sowje­tische Offi­ziere, die sich für einen huma­neren Umgang mit der deut­schen Zivil­be­völ­kerung ein­setzten, Offi­ziere und Sol­daten, die nicht Rache üben wollten.[iii]

Sol­sche­nizyn schrieb ein Gedicht über seinen Auf­enthalt im ost­preu­ßi­schen Nei­denburg, das noch heute das Grauen jener Zeit plas­tisch vor Augen führt[iv]:

(…)

Noch kein Brand, doch wüst, geplündert.

Durch die Wand gedämpft – ein Stöhnen:

Lebend find ich noch die Mutter.

Waren’s viel auf der Matratze?

Kom­panie? Ein Zug? Was macht es!

Tochter Kind noch, gleich getötet.

Alles schlicht nach der Parole:

NICHTS VER­GESSEN! NICHTS VERZEIH’N!

BLUT FÜR BLUT! Und Zahn für Zahn.

Wer noch Jungfrau, wird zum Weibe,

und die Weiber Leichen bald.

Schon ver­nebelt, Augen blutig,

bittet: »Töte mich, Soldat!«

Ein ver­waister Kin­der­wagen

ganz in Rüschen, him­melblau

drum ein Knäuel von Soldaten:

»Guck, der Säugling, auch ein Deutscher!

Wird mal groß, setzt auf den Helm;

war’s nicht besser – gleich abknallen?

Hat die Führung doch befohlen:

Blut für Blut.«

(…)

Zwi­schen­durch die Frau erschossen;

Teppich rot mit Blut bespritzt,

und den kranken Mann im Bette

gleich in einem auskuriert (…)

 

In einem Memo­randum über das Ver­halten der Roten Armee auf deut­schem Gebiet vom 22. Februar 1945, hieß es unter anderem[v]:

– »Dem Ein­bruch der Roten Armee auf Reichs­gebiet war eine sys­te­ma­tische Hetze durch die poli­ti­schen Abtei­lungen der Truppe vor­aus­ge­gangen. Der Truppe wurde durch Armee- und Front­zei­tungen, bei poli­ti­schen Ver­samm­lungen und Vor­trägen gesagt, dass sie in Deutschland gegenüber der Bevöl­kerung freie Hand hätten (…) Als Folge dieser sys­te­ma­ti­schen Hetze scheinen die Aus­schrei­tungen einer Reihe von Trup­pen­teilen und Ver­bänden einen der­ar­tigen Umfang ange­nommen zu haben, dass die Dis­ziplin gefährdet wurde und die Truppe der Führung ent­glitt. Aus diesem Grunde sieht sich die sowje­tische Führung offenbar gezwungen, zurzeit den gröbsten Über­griffen Einhalt zu gebieten (…)«

– »Durch erbeutete Tage­bücher  (nebst Augenzeugenberichten/GG) und Feld­post­briefe werden Ein­zel­heiten dieses bes­tia­li­schen Vor­gehens bestätigt.«

– In solchen Feld­briefen hieß es unter anderem: »Von den Deut­schen sind nur Greise und Kinder da, junge Frauen sehr wenige. Doch werden auch diese totgeschlagen.«

Oder: »Wir befinden uns weit in Ost­preußen, wo wir die Preußen aus­räu­chern, so dass die Federn nur so fliegen. Unsere Jungens haben bereits alle deut­schen Frauen ausprobiert.«

Die unbe­queme Wahrheit:

Die von His­to­rikern, Völ­ker­rechtlern und sogar von rus­si­schen Intel­lek­tu­ellen und Offi­zieren selbst vor­ge­legten Doku­mente und Aus­sagen belegen: Die Grau­sam­keiten der Roten Armee waren kein Mythos, sondern Rea­lität – Aus­druck einer sys­te­ma­tisch geschürten Hass­po­litik, die sich in Völ­ker­rechts­brüchen und bes­tia­li­scher Gewalt gegen deutsche Sol­daten und Zivi­listen entlud. Dass diese Ver­brechen – im Gegenteil zu jenen, die die Wehr­macht verübte  – bis heute in der öffent­lichen Erin­ne­rungs­kultur kaum the­ma­ti­siert werden, ist ein Skandal und ver­deut­licht die Ein­sei­tigkeit zeit­his­to­ri­scher Auf­ar­beitung. Wer Gerech­tigkeit fordert, darf nicht länger nur eine Seite der Geschichte erzählen.


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Quellen:

[i] Franz W. Seidler: Ver­brechen an der Wehr­macht – Kriegs­greuel  der Roten Armee, Selent 2015, S. 40, 41, 42; Klaus Rainer Röhl: Ver­botene Trauer – Ende des deut­schen Tabus, München, 2002, S. 143; PA, Kult, Pol. Geheim. Akten des VAA von zur Mühlen 148. Siehe dazu auch Ehren­burgs Buch, Moskau 1943, Bd. 2, S. 22f. und in einem Artikel der Front­zeitung Krasnaja Swesda. Zitiert nach: Alfred M. de Zayas: Die Wehr­macht-Unter­su­chungs­stelle für Ver­let­zungen des Völ­ker­rechts – Doku­men­tation alli­ierter Kriegs­ver­brechen im Zweiten Welt­krieg, München 1979, S. 28

[ii] Alex­ander Sol­sche­nizyn: Ost­preu­ßische Nächte, Neuwied 1976, zit. nach Röhl, S. 143

[iii] Alfred M. de Zayas: „Die deut­schen Ver­trie­benen – Keine Täter, sondern Opfer – Hin­ter­gründe, Tat­sachen, Folgen“, Graz 2006, S. 85

[iv] Alex­ander Sol­sche­nizyn: Ost­preu­ßische Nächte, Neuwied 1976, zit. nach Röhl, S. 1445, 146 und: Alfred M. de Zayas: Die deut­schen Ver­trie­benen – Keine Täter, sondern Opfer – Hin­ter­gründe, Tat­sachen, Folgen, Graz 2006, S. 83, 84

[v] Alfred M. de Zayas: Die deut­schen Ver­trie­benen – Keine Täter, sondern Opfer – Hin­ter­gründe, Tat­sachen, Folgen, Graz 2006, S. 78–82

 

Zuerst erschienen bei GuidoGrandt.de.

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