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Wis­sen­schaftler sagen, dass die Erd­kruste unter der Zen­tral­türkei in einem selt­samen kreis­för­migen Muster absinkt, und sie glauben, endlich den Grund dafür zu kennen

Wis­sen­schaftler haben im tür­ki­schen Konya-Becken ein Gebiet mit starker Absenkung ent­deckt. Diese unge­wöhn­liche Land­ab­senkung steht im Zusam­menhang mit tief­grei­fender tek­to­ni­scher Akti­vität, bei der sich ein dichter Teil der Erd­kruste ablöst und absinkt. Über­mä­ßiger Grund­was­ser­ver­brauch ver­schärft die Situation. Dieses geo­lo­gische Ereignis zeigt, dass Kon­ti­nente nicht sta­tisch sind und ihre Form im Laufe der Zeit ver­ändern können.

Auf den ersten Blick mag das Konya-Becken in der Zen­tral­türkei stabil erscheinen. Das Gebiet ist weit­läufig, trocken und relativ flach, geprägt von Ackerland, Wüs­ten­land­schaften und Sen­kungs­ge­bieten. Jüngste Satel­li­ten­be­ob­ach­tungen und geo­phy­si­ka­lische Ana­lysen haben jedoch gezeigt, dass es im Becken Abschnitte gibt, die in uner­wartet hoher Dichte langsame Absen­kungen aufweisen.

Laut einer 2024 in Nature Com­mu­ni­ca­tions ver­öf­fent­lichten Studie ist diese Absenkung im zen­tralen Bereich des Beckens am stärksten ausgeprägt.

Wis­sen­schaftler konnten so eine Region mit besonders starker Absenkung iden­ti­fi­zieren, die sie als „Ziel­scheibe“ bezeichnen. Dies ist ein ent­schei­dender Punkt, da die Defor­mation nicht gleich­mäßig über die gesamte Zen­tral­türkei ver­teilt ist, sondern sich stark auf das Zentrum des Beckens kon­zen­triert. In einigen Gebieten sanken die Böden jährlich um bis zu mehrere zehn Mil­li­meter. Auch wenn dies zunächst unbe­deutend erscheint, wird eine solche Absenkung zwangs­läufig schwer­wie­gende negative Aus­wir­kungen auf die Infra­struktur haben.

Diese Ent­de­ckung erregte Auf­sehen, da sich das Absinken nicht ohne Wei­teres durch andere Theorien wie Sedi­ment­ab­la­ge­rungen oder groß­flä­chige Ver­for­mungen der kon­ti­nen­talen Kruste erklären lässt. Die Studie von For­schern der Fach­zeit­schrift Nature Com­mu­ni­ca­tions kommt zu dem Schluss, dass der Prozess vielmehr mit einem tiefer lie­genden tek­to­ni­schen Vorgang in großen Tiefen zusammenhängt.

Dieses Phä­nomen beruht ver­mutlich auf der Ablösung und Sub­duktion des unteren Teils der Litho­sphäre unter Zen­tral­ana­tolien, einem Prozess, der als Man­tel­li­tho­sphären-Tropfen bekannt ist . Ver­ein­facht gesagt scheint sich ein dichter Bereich der Erd­kruste und des Erd­mantels abzu­lösen und unter seinem eigenen Gewicht abzusinken.

Wis­sen­schaftler glauben, dass die Erd­kruste aus der Tiefe nach unten gezogen wird.

Es mag zunächst unglaublich klingen, doch Geo­logen zufolge kor­re­liert das Phä­nomen mit zahl­reichen Daten aus ver­schie­denen Gebieten der Region.

Den Erkennt­nissen zufolge deuten sowohl seis­mische Refle­xi­ons­mes­sungen, Gra­vi­metrie, Topo­graphie und satel­li­ten­ge­stützte Mes­sungen der Land­de­for­mation auf eine anhal­tende Abtragung der Litho­sphäre unter Zen­tral­ana­tolien hin. Besonders inter­essant ist dabei, dass sich das größere zen­tral­ana­to­lische Plateau trotz des Absinkens des Konya-Beckens weiter hebt. Dies bedeutet, dass in der Region zwei gegen­läufige Pro­zesse der Krus­ten­be­wegung gleich­zeitig stattfinden.

Geo­logen führen diesen beson­deren Prozess darauf zurück, dass die tiefere Abtragung der Litho­sphäre oft unter­schied­liche Reak­tionen an ihrer Ober­fläche auslöst, was in einigen Gebieten zu Hebungen und in anderen zu Ein­stürzen in lokale Becken führt. In diesem Sinne funk­tio­niert das Konya-Becken ähnlich wie ein Becken, das sich innerhalb eines sich hebenden Pla­teaus bildet.

Die Grund­was­ser­nutzung kann die Situation in den oberen Boden­schichten weiter ver­schärfen. Zudem ist das Konya-Becken stark von unter­ir­di­schen Was­ser­vor­kommen für Land­wirt­schaft und Trink­was­ser­ver­sorgung abhängig.

Der US Geo­lo­gical Survey (USGS) gibt an, dass über­mäßige Grund­was­ser­ent­nahme zu Sedi­ment­ver­dichtung und ver­stärkter Boden­ab­senkung in ohnehin schon anfäl­ligen Gebieten führen kann.

Daher sind Wis­sen­schaftler über­zeugt, dass zwei unter­schied­liche Kräfte gleich­zeitig auf das Gebiet ein­wirken könnten: tiefer lie­gende tek­to­nische Mecha­nismen und ober­fläch­liche, durch Was­ser­nutzung bedingte Prozesse.

Dieses Sze­nario erscheint besonders beun­ru­higend, da das Gebiet Zen­tral­ana­to­liens bereits durch spek­ta­kuläre Erd­fälle infolge von Karst­land­schaft und Grund­was­ser­ver­knappung gekenn­zeichnet ist.

Genau auf­grund dieser Merkmale besitzt das Konya-Becken wis­sen­schaft­liche Bedeutung. Während die meisten Men­schen Bewe­gungen der Erd­kruste durch vul­ka­nische und seis­mische Akti­vität wahr­nehmen, ist es wichtig zu wissen, dass sich die Erd­kruste auch ohne diese über Jahre hinweg langsam bewegen kann, während in ihren tie­feren Schichten eine Art stiller Umbau stattfindet.

Wie Experten in einem Artikel in Nature Com­mu­ni­ca­tions erwähnen, liefert das Konya-Becken ein her­vor­ra­gendes Bei­spiel für litho­sphä­ri­sches „Abtropfen“ in der Neuzeit.

Dichtes Material in den unteren Bereichen der Erd­kruste und des oberen Erd­mantels löst sich langsam ab und sinkt ab, wodurch sich das Kräf­te­gleich­ge­wicht in den darüber lie­genden Land­massen ver­ändert. Dies trägt zu Ver­än­de­rungen von Hoch­ebenen, Becken und der Struktur der Kon­ti­nente bei. Dieser Fall beweist gleich­zeitig, dass die moderne Wis­sen­schaft zunehmend auf die Kom­bi­nation ver­schie­dener Ansätze setzt.

Die Boden­be­wegung kann mit­hilfe von InSAR und GNSS aus dem Weltraum erfasst werden, während seis­mische und gra­vi­me­trische Mes­sungen tiefer in die Erde blicken. Geo­lo­gische Modelle ver­einen schließlich alle Erkennt­nisse in einer ein­zigen Theorie.

Für die Men­schen, die in der Region leben, ist das Problem jedoch weit mehr als nur eine aka­de­mische geo­lo­gische Unter­su­chung. Die Folgen von Erd­fällen, Boden­rissen und Boden­sen­kungen können sich direkt auf Land­wirt­schaft, Straßen, Gebäude und unter­ir­dische Gewässer aus­wirken. Diese Bewe­gungen werden zur all­täg­lichen Rea­lität, noch bevor es zu einer Kata­strophe kommt.

Die Aus­wir­kungen reichen sogar noch weiter als nur bis in die Türkei. Das Bei­spiel des Konya-Beckens lehrt Geo­logen, dass die Land­massen, die wir Kon­ti­nente nennen, nicht sta­tisch und unbe­weglich sind. Sie können dünner werden, aus­ein­an­der­brechen, sich heben, absinken und ihre Kon­fi­gu­ration ständig verändern.

Der Artikel erschien zuerst bei anti-matrix.com.
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