Ein Atom­schlag gegen Deutschland wird immer wahrscheinlicher

Mit immer weit­rei­chen­deren Waf­fen­lie­fe­rungen an die Ukraine wächst das Risiko einer direkten Kon­fron­tation zwi­schen der NATO und Russland. „Ansage“-Autor warnt ein­dringlich vor einer gefähr­lichen Eska­la­ti­ons­spirale, die Europa an den Rand eines ato­maren Kon­flikts führen könnte – und fordert eine grund­le­gende Neu­be­wertung der west­lichen Sicher­heits- und Ukrainepolitik.

Auf der Website der bri­ti­schen Regierung findet sich eine Ver­laut­barung des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­riums vom 18. Juni 2026, in welcher die Aus­lie­ferung von 350 Abfang­ra­keten, einigen Radar­an­lagen und 150.000 Kampf­drohnen bis zum Jah­resende ange­kündigt wird. Die Zahl wurde inzwi­schen auf 170.000 auf­ge­stockt. Ent­gegen dem Kom­mentar des Minis­te­riums ist das Profil dieses Lie­fer­pakets kaum dazu geeignet, den „Schutz unschul­diger ukrai­ni­scher Men­schen“ zu ver­bessern. Dagegen pusht es jetzt ein Vor­haben mit Vehemenz voran, welches der CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ordnete Roderich Kie­se­wetter bereits 2024 pro­pa­giert hatte, nämlich „den Krieg nach Russland zu tragen“. Groß­bri­tan­niens Regierung führt zum wie­der­holten Mal die Riege der Lie­fer­länder an, welche sich mit immer wir­kungs­vol­leren und immer tiefer in rus­si­sches Ter­ri­torium vor­drin­genden Waf­fen­sys­temen her­vortun, wie bereits mit Marsch­flug­körpern und radio­ak­tiven DU-Geschossen. Bereits die mas­siven Beschä­di­gungen von Anlagen der Ölwirt­schaft und die Beschlag­nahmung rus­si­scher Tank­schiffe in den letzten Wochen haben der roten Linie bedenklich näher geführt, an der die rus­sische Regierung vor eine harte Ent­scheidung gestellt wird. Diese Gefahr wird durch jüngste EU-Schritte gegen Russ­lands eis­bre­chende LNG-Trans­port­flotte dras­tisch verschärft.

Donald Trump, der einzige west­liche Poli­tiker mit den not­wen­digen Macht­mitteln, um die west­liche Allianz noch recht­zeitig zur Kor­rektur des Selbst­mord­kurses zu bewegen, hat nach dem weit­ge­henden Scheitern seiner Mili­tär­mission im Iran massiv an Auto­rität ver­loren. Indem Mili­ta­risten diese Schwä­che­phase des US-Prä­si­denten für den finalen Eska­la­ti­ons­schub gegen Russland nutzen, beweisen sie ent­weder erschüt­ternde Nai­vität oder kalte Ver­ant­wor­tungs­lo­sigkeit. Auch wenn Poli­tiker und Medien die Gefahr beharrlich her­un­ter­spielen, kann die Annahme als wirk­lich­keits­fremd gelten, dass die stärkste Atom­macht der Welt es dau­erhaft hin­nehmen wird, dass ihre Infra­struktur, ihre wirt­schaft­liche Basis und ihre mili­tä­rische Kapa­zität im kon­ven­tio­nellen Krieg gegen eine nume­risch über­legene west­liche Allianz auf­ge­rieben werden.

Unklare Option hochwahrscheinlich

Eine detail­lierte Analyse der ver­schie­denen betei­ligten Psy­chome­cha­nismen bestätigt die Wahr­schein­lichkeit einer nuklearen Option. Dagegen ist die Oppo­sition des mora­li­schen Ver­bün­deten China gegen Atom­waf­fen­einsatz uner­heblich, da Peking aus diplo­ma­ti­schen Gründen gar nicht anders kann und in keinem Fall helfend ein­greifen wird. Wenn Europas Poli­tiker ihre Bürger jetzt blind oder ver­ant­wor­tungslos in eine so ele­mentare Gefahr führen, lässt sich das als Wie­der­holung und Stei­gerung nie auf­ge­ar­bei­teter his­to­ri­scher Fehl­ent­schei­dungen in der langen Kette desas­tröser Mili­tär­ein­sätze von Vietnam bis Afgha­nistan iden­ti­fi­zieren. Die Fehler lagen schwer­punkt­mäßig auf der psy­cho­lo­gi­schen Ebene. Unter anderem wurde die Bevöl­kerung mit bru­talen Ver­hören, Ernied­ri­gungen und Zer­störung ihres Eigentums den mili­tä­risch bekämpften Milizen in die Arme getrieben, während statt demo­kra­ti­scher Idea­listen ein kor­rupter Klüngel Zugang zur Macht erhielt.

Solche ver­werf­lichen und kon­tra­pro­duk­tiven Prak­tiken wären bei unge­störtem Infor­ma­ti­ons­fluss abge­stellt worden. Doch die Geschichte der öffent­lichen Irre­führung und Ver­schleierung von Kriegs­pla­nungen durch Medien im Westen reicht lange zurück; spä­testens seit dem Beginn des Phil­ip­pi­nisch-Ame­ri­ka­ni­schen Krieges 1899 schirmen sich US-Militär und Geheim­dienste vor uner­wünschten kri­ti­schen Ein­blicken ab – stets im Namen der “natio­nalen Sicherheit”. Ein – tref­fendes – KI-Urteil lautet: „Es waren das US-Militär und die CIA, die den phy­si­schen und infor­ma­tio­nellen Zugang zu den fatalen Fehl­ent­wick­lungen an der Quelle kom­plett absperrten. – Dem standen private Groß­medien und Nach­rich­ten­agen­turen gegenüber, die die offi­zi­ellen, geschönten Nar­rative aus Washington weit­gehend unge­prüft über­nahmen und mul­ti­pli­zierten.

Brü­chiges Dogma

Der Spur des Chaos, den ein demo­kra­tisch völlig unzu­rei­chend kon­trol­lierter west­licher (Un)Sicherheitsappart weltweit hin­ter­lassen hat, folgt jetzt die logische Fort­setzung im eigenen Kul­turraum. Es ist die­selbe schön­fär­be­rische Bericht­erstattung durch Militär und Main­stream­m­edien wie während der ver­gan­genen kon­tra­pro­duk­tiven Mili­tär­ein­sätze, die den Mili­ta­risten aus Mili­tä­risch-Indus­tri­ellen Komplex (MIC) und NATO auch jetzt ermög­lichen, ohne großen öffent­lichen Wider­stand weiter zu eska­lieren. Auf der Gov.UK-Homepage heißt es zur Aus­lie­ferung der 170.000 Drohnen bis Jah­resende – über 900 pro Tag –unver­blümt: „The UK is putting pressure on Putin to nego­tiate“ – „Groß­bri­tannien übt Druck auf Putin aus, zu ver­handeln“. Das ist ent­weder wirk­lich­keits­blind oder zynisch: Es war der damalige bri­tische Pre­mier­mi­nister Boris Johnson, der das bereits unter­schrifts­reife Eini­gungs­papier von Istanbul im März 2022 blo­ckierte – und es ist die ukrai­nische Führung, die am 17. Mai 2022 die Ver­hand­lungen abbrach und ihnen seither mit rea­li­täts­fernen Vor­be­din­gungen ausweicht.

Vor einer Erör­terung der Gefah­renlage bleibt noch ein Sach­verhalt gera­de­zu­rücken: Auch wenn Medien – oder das bri­tische Ver­tei­di­gungs­mi­nis­terium auf seiner Regie­rungs­homepage – die Phrase vom „unpro­vo­zierten rus­si­schen Angriffs­krieg“ gebets­müh­len­artig bedienen, hat diese ein­seitige Bewertung bei fairer Analyse der Vor­ge­schichte keinen Bestand. Die mil­lio­nen­fache Wie­der­holung zeigt vielmehr die Brü­chigkeit eines Dogmas, das sich nur mit solchen geld­ge­pushten Pro­pa­gan­da­mitteln stützen lässt. Denn ein sach­licher Diskurs, der hier gescheut wird, führt – ohne die rus­si­schen Rechts­ver­stöße zu beschö­nigen – die vielen und teil­weise mas­siven Pro­vo­ka­tionen west­licher Mili­ta­risten von 1999 bis Februar 2022 vor Augen.

Kara­ganovs dras­tische Warnungen

Sergey Kara­ganov ist ein rus­si­scher Hard­liner, genauer gesagt ein poli­ti­scher Intel­lek­tu­eller, der nach bit­teren Erfah­rungen im Ver­laufe der letzten 30 Jahre einen tiefen Wandel durch­ge­macht hat – von einem Freund Europas zu einem, der diesem Kon­tinent mit Ablehnung gegen­über­steht. Als Ehren­vor­sit­zender des Rates für Außen- und Ver­tei­di­gungs­po­litik und infor­meller Regie­rungs­be­rater hat Kara­ganov auch ohne poli­tische Ämter einen weit­rei­chenden Ein­fluss. Mit ihm führte der ame­ri­ka­nische Jour­nalist Tucker Carlson im Januar 2026 ein Interview, das jeder Europäer gehört oder als Tran­skript gelesen haben sollte, um auf­zu­wachen: “If Russia comes ever close to a defeat, that would mean that Russia now would use nuclear weapons and … Europe will be finished phy­si­cally.” Diese sehr dras­tische Per­spektive grenzt Kara­ganov an anderer Stelle geo­gra­phisch ein. Seine Wahl fiele auf Groß­bri­tannien – und noch eher auf Deutschland. Die unüber­sehbare Expo­sition des Ver­ei­nigten König­reichs stellt ein kom­pli­ziertes Thema dar.

Bei Deutschland liegen dagegen klare Gründe für eine prä­fe­rierte Position unter den Zielen für einen ato­maren Warn­schlag vor: „When a Chan­cellor … of Germany is talking about recreating … Bun­deswehr, to be the strongest army in Europe… That means that he dooms his country for eli­mi­nation”.  (“Wenn ein deut­scher Kanzler davon spricht, die Bun­deswehr wieder zur stärksten Armee Europas zu machen … Dann heißt das, dass er sein Land der Aus­lö­schung weiht.“) Diese Ein­schätzung erinnert an die Mari­ne­ex­pansion des Deut­schen Kaisers vor dem 1. Welt­krieg, die in Groß­bri­tannien als Miss­achtung der Rang­ordnung auf den Welt­meeren wahr­ge­nommen wurde. Die heutige Situation Deutsch­lands ist aller­dings deutlich ungüns­tiger. Russland könnte jederzeit auf Bruch des Waf­fen­still­standes vom 8. Mai 1945 erkennen, eine erneute Kapi­tu­lation erzwingen und Deutschland damit von seinen Bünd­nis­partnern iso­lieren. Die hier­zu­lande lagernden ame­ri­ka­ni­schen Atom­waffen stellen als stra­te­gische Angriffs­ziele für Prä­ven­tiv­schläge vor allem eine Gefährdung für die deutsche Bevöl­kerung dar, während sie in der Abschre­ckungs­wirkung weit­gehend versagen.

Fünf vor zwölf

Rea­lis­ti­scher­weise unter­stellt Kara­ganov, dass sich die USA bei einem rus­si­schen Atom­schlag in Europa generell nicht ein­mi­schen würden; umso mehr gilt das, wenn der Schlag nur ein ein­zelnes Land wie Groß­bri­tannien oder Deutschland träfe. Der rele­vante Artikel 5 des NATO-Ver­trages ist – zum Glück! – der­maßen schwammig, dass ein solcher nuklearer Warn­schlag kei­neswegs auto­ma­tisch in einen großen Atom­krieg führen würde. Auf jeden Fall würde die dras­tische Klar­stellung der mili­tä­ri­schen Rang­ordnung den naiven Poli­tikern in Europa klar­machen, dass sie nicht nur ihre Ver­ant­wortung für das Leben der ‚ver­tei­digten‘ (aber niemals gefragten) Men­schen in den umkämpften Gebieten und in ihren eigenen Ländern aus dem Blickfeld ver­loren haben, sondern auch den Respekt gegenüber dem Gegner.

Die Uhr steht inzwi­schen auf kurz vor 12. Es bleibt wenig Zeit, um die von Mahatma Gandhi und Martin Luther King ver­kündete Ein­sicht ernst zu nehmen, dass ein sta­biler Frieden ein Ver­stehen des (tat­säch­lichen oder ver­meint­lichen) Feindes zur Vor­aus­setzung hat. Dieses Ver­stehen der Motive der Gegen­seite stellt wie­derum die Vor­aus­setzung für die recht­zeitige Ent­stehung von gegen­sei­tigem Respekt dar – noch recht­zeitig, um die Sta­bi­li­sierung in Gesprächen her­zu­stellen. Dagegen desta­bi­li­siert feh­lender Respekt so lange, bis er in einem Kräf­te­messen erzwungen wird. Vor allem die EU-Kom­mission sowie die Poli­tiker Groß­bri­tan­niens und Deutsch­lands sind dabei, ihren Gegner Russland in die Enge zu treiben, bis dieser den feh­lenden Respekt mittels eines dras­ti­schen Warn­schlages ein­fordert. Respekt wird danach auch der ent­schei­dende Brems­faktor sein, der die Ent­fes­selung des vollen ato­maren Zer­stö­rungs­po­ten­zials verhindert.

Der Beitrag erschien zuerst bei ANSAGE.ORG.

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