Diesel für 95 Cent pro Liter: Steuer-Abzock­staat und EU Klima-Vor­gaben lassen Sprit­preise explo­dieren, nicht die Mine­ral­öl­kon­zerne — Studie ent­hüllt: In Deutschland wäre Sprit euro­paweit am güns­tigsten — wenn der gierige Steu­er­staat nicht wäre

Zuletzt haben die Benzin- und Die­spel­preise wieder kräftig ange­zogen. Mehr als 2,50 Euro pro Liter Diesel sind keine Sel­tenheit an der Tank­stelle. Doch der Blick auf die Zahlen offenbart Über­ra­schendes: Deutsch­lands Preise sind vor Steuern am güns­tigsten, doch dann schlägt der gierige Steu­er­staat zu.

Die Debatte um Benzin und Diesel an den Zapf­säulen gewinnt wieder an Schärfe, sobald die Abge­ord­neten nach Berlin zurück­kehren. Viele Stimmen aus der SPD brand­marken die Gewinne der Mine­ral­öl­un­ter­nehmen und fordern scharfe Ein­griffe: Über­ge­winn­steuer, Preis­deckel, im Zweifel sogar die Zer­schlagung von Firmen.

Laut einer WELT-Recherche kor­ri­giert die Studie der Bera­tungs­firma Frontier Eco­nomics im Auftrag des Wirt­schafts­ver­bands Fuels & Energie (EN2X) den sozia­lis­ti­schen Popu­lismus von Finanz­mi­nister Lars Klingbeil mit harten Zahlen.

Deutschland als euro­päische Bil­lig­tank­stelle – sobald der Staat draußen bleibt

Ohne staat­liche Auf­schläge und Markt­re­gu­lie­rungen läge Deutschland nämlich beim Die­sel­preis am unteren Ende der euro­päi­schen Preis­ta­belle und beim Benzin auf dem zweiten Platz — von unten. Die Unter­su­chung von Frontier Eco­nomics kommt zu diesem über­ra­schenden Befund, nachdem sie alle Steuern, Abgaben und regu­la­to­ri­schen Lasten her­aus­ge­rechnet hat. Der Verband EN2X, dem unter anderem BP, Shell und Esso ange­hören, hatte die unab­hängige Analyse in Auftrag gegeben.

Sechzig Prozent Steuern: Die Steuern sind höher als der eigent­liche Preis des Produkts

An deut­schen Tank­stellen ent­fallen rund 60 Prozent des Ben­zin­preises auf Steuern, Abgaben und Regu­lierung, beim Diesel immerhin die Hälfte. Ener­gie­steuer, natio­naler CO2-Preis auf Kraft­stoffe und Mehr­wert­steuer treiben die Kosten. Das ist bekannt. Die Studie macht jedoch einen wei­teren, oft über­se­henen Posten sichtbar: die Folgen der EU-Richt­linie für erneu­erbare Energien.

Brüssel ver­teuert den Liter um fast 20 Cent – und Deutschland zahlt besonders viel

Die RED-Vor­gaben zwingen die Mine­ral­öl­wirt­schaft, CO2-Emis­sionen zu senken und erneu­erbare Kraft­stoffe ein­zu­setzen. Die Umsetzung fällt von Land zu Land unter­schiedlich aus. In Deutschland dürfen Bio­kraft­stoffe nur zu höchstens 4,4 Prozent aus Nah­rungs­pflanzen stammen, in Frank­reich sind 7 Prozent erlaubt. Das deutsche Min­de­rungsziel liegt höher als in den meisten anderen EU-Staaten, lediglich die Nie­der­lande und Dänemark sind strenger. Dazu kommen besonders hohe Strafen bei Zielverfehlung.

Um Buß­gelder zu ver­meiden, kaufen Unter­nehmen hier­zu­lande Zer­ti­fikate, die ander­weitige Emis­si­ons­min­de­rungen belegen – etwa von Elek­troauto-Fahrern. Die meisten EU-Länder kennen dieses System nicht. Aus den Zer­ti­fi­kats­preisen leitet Frontier Eco­nomics die zusätz­lichen Kosten ab: 18 Cent je Liter Diesel und 17 Cent je Liter Benzin. Nur in den Nie­der­landen liegen sie noch höher. Für die übrigen Staaten schätzen die Gut­achter drei bis neun Cent.

Zieht man diese Lasten von den durch­schnitt­lichen Tank­stel­len­preisen der Monate Mai bis August ab, bleibt in Deutschland ein Net­to­preis von 95 Cent (!) je Liter Diesel übrig – nur Polen liegt dar­unter. Beim Benzin landet die Bun­des­re­publik auf dem dritten Platz hinter den Nie­der­landen und Polen. Aus den ursprünglich 2,23 Euro für den Liter Diesel werden so fast zwei Drittel Staat und Regulierung.

Zer­schlagung und Preis­deckel machen es nur noch teurer

Die Industrie ver­sucht mit diesen Zahlen, den poli­ti­schen Aktio­nismus zu dämpfen. Die schwarz-rote Koalition hat bereits das Kar­tell­recht ver­schärft, die Mit­tags­preis­regel ein­ge­führt und zeit­weise einen Tan­krabatt gewährt. Doch der SPD reicht das immer noch nicht. Ein Frak­ti­ons­be­schluss nennt es inak­zep­tabel, dass Mine­ral­öl­her­steller in der Krise extra kas­sierten. Wenn der Markt versage, müsse der Staat ein­greifen – etwa durch einen Preis­deckel nach luxem­bur­gi­schem Vorbild. Auch eine euro­päische Über­ge­winn­steuer und die Prüfung einer Zer­schlagung oli­go­pol­ar­tiger Struk­turen werden gefordert.

EN2X-Chef Christian Küchen hält dem Finanz­mi­nister eine Grafik der deut­schen Raf­fi­ne­rie­an­teile ent­gegen: Zwölf Unter­nehmen teilen sich die Kapa­zi­täten, Shell und die Klesch-Gruppe liegen vorn. Nur drei Betreiber ver­fügen zugleich über ein Tank­stel­lennetz. Länder mit Preis­re­gu­lierung wie Belgien oder Luxemburg hätten ten­den­ziell höhere Kraft­stoff­preise als Deutschland, weil sich ihre Deckel an den Rot­ter­damer Pro­dukt­preisen ori­en­tierten. Die vor­ge­schla­genen Ein­griffe würden das Problem eher vergrößern.

Europa leidet durch den rus­si­schen Ölmangel

Dass die Gewinne der Kon­zerne und die Margen der Raf­fi­nerien kräftig gestiegen sind, stellt Küchen nicht in Abrede. Er führt sie auf globale Markt­ver­hält­nisse zurück: Weltweit fehlen Raf­fi­ne­rie­ka­pa­zi­täten. Deshalb sind die Kraft­stoff­preise stärker gestiegen als der Roh­öl­preis, und die Raf­fi­nerien kas­sieren die Differenz.

Der Ukraine-Krieg hat diesen Effekt ver­schärft. Seitdem rus­sische Anlagen von ukrai­ni­schen Drohnen zer­stört wurden, liefern diese keinen Kraft­stoff mehr ins Ausland, Russland impor­tiert statt­dessen aus China. Auf dem Welt­markt fehlen große Die­sel­mengen, der Preis hat sich vom Rohöl abge­koppelt. Auch in Deutschland ist der Abstand zwi­schen Rohöl und Fer­tig­produkt seit August gewachsen, wie Berech­nungen von Pro­fessor Johannes Schwanitz zeigen. Ob nationale Ein­griffe daran etwas ändern, ist höchst unwahr­scheinlich — wird aber von poli­ti­scher Seite suggeriert.

Wer Gewinne ver­teufelt, gefährdet Wett­bewerb und Innovation

Küchen warnt vor einem zweiten Risiko: Die öffent­liche Dis­kussion, Gewinne seien uner­wünscht, schade dem Inves­ti­ti­ons­klima. Wer Kapa­zi­täten knapper macht statt sie zu erweitern, ris­kiert dau­erhaft höhere Preise – unab­hängig davon, wie scharf der Staat die Kon­zerne anfasst.

Für die deut­schen Auto­fahrer bedeutet das zuge­spitzt: Sie zahlen für den Ukraine-Krieg mit jedem Liter, den sie tanken.

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