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Politik

Über Medienwirklichkeit und die Einschränkung des öffentlichen Diskussionsraums

6. April 2019

Immer mehr Menschen bekommen bewusst oder unbewusst mit, dass das, was in den sogenannten Mainstream-Medien berichtet, ja fast gepredigt wird, immer weniger der Wahrheit entspricht. Von Lügenpresse ist die Rede und selbst Politiker wie Donald Trump vertrauen den Medien gar nicht mehr. Sie veröffentlichen ihre Statements via Twitter, weil sie dort ungefiltert und ohne Mitwirkung Dritter ihre Zielgruppe erreichen. Ob diese Verfahrensweise angemessen ist, zumal für offizielle Verlautbarungen der Politik, sei dahingestellt. Ich denke, eher nicht. Doch das Trump-Beispiel zeigt überhöht, wie sehr das Vertrauen in die Medien verlorengegangen ist. Das liegt daran, dass in den letzten Jahrzehnten die Formung der öffentlichen Meinung zu einem eigenständigen Wirtschaftszweig geworden ist. Das heißt, die öffentliche Meinung ist nicht mehr ein freier Diskussionsraum, sondern sie wird von einer regelrechten Meinungsindustrie bestimmt, die uns Tag für Tag mit Nachrichten überschüttet und den Eindruck erweckt, sie informiere uns richtig und allumfassend. Doch die Nachrichten, die wir auf den entsprechenden Kanälen empfangen, sind gefiltert und sozusagen nach-gerichtet. Der Wahrnehmungspsychologe Rainer Mausfeld hat hinlänglich dargelegt, dass der öffentliche Diskussionsraum, also der Raum, in dem die Bürger über die Gestaltung der Gesellschaft debattieren dürfen, seit den 1970er-Jahren immer mehr geschrumpft ist. Zusammengeschrumpft zu einer “alternativlosen“ Mitte, die das repräsentiert, was in der Öffentlichkeit gedacht und gesagt werden darf. Jeder, der davon abweicht, wird entweder als Rechter, als Verschwörungstheoretiker oder als senil bezeichnet. Dementsprechend wird er abgestraft, diffamiert oder einfach nur mundtot gemacht.

Buchtipp:

Weil mich die Frage interessierte, was wohl berühmte Persönlichkeiten der Weltgeschichte über unsere moderne Mediengesellschaft denken würden, hab ich mir fiktive Gespräche ausgedacht, die ich zum Beispiel mit Sigmund Freud und C.G. Jung führe, also mit den Altmeistern der Tiefenpsychologie, oder mit Friedrich Nietzsche, der ja schon vor 130 Jahren dem modernen Industriekapitalismus den Spiegel vorgehalten hat. Auch wollte ich John F. Kennedy sprechen, weil er der letzte US-Präsident war, der es gewagt hat, sich mit dem System anzulegen. In einer herausragenden Rede vor den wichtigsten Zeitungsverlegern des Landes warnte er eindringlich vor diesem System, „das mit gewaltigen menschlichen und materiellen Ressourcen eine eng verbundene, komplexe und effiziente Maschinerie aufgebaut hat, die militärische, diplomatische, geheimdienstliche, wirtschaftliche, wissenschaftliche und politische Operationen kombiniert“. Heute würde man sagen, Kennedy hätte eine Verschwörungstheorie verlesen. Doch als Insider wusste er sehr genau, wovon er sprach.

Wen’s also interessiert, dem empfehle ich mein neuestes Pamphlet „Ein Sachse im Himmel“.

Text Buchrückseite: Nur mal angenommen, Sie hätten die Gelegenheit, berühmte Persönlichkeiten der Weltgeschichte zu treffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Worüber würden Sie sich unterhalten?

Peter Lemar begibt sich auf eine fiktive Reise. Er trifft viele Prominente, darunter Goethe & Schiller, Hitler & Wagner oder Lenin & Trotzki und spricht mit ihnen über Gott und die Welt. Aber auch über die eine oder andere Eselei, über verlorene Kriege und gesponserte Revolutionen. Sehr informativ und äußerst unterhaltsam!

Ein Sachse im Himmel, Romanhafte Erzählung, agenda Verlag, Münster, 2018, 133 Seiten, 14,90 €, ISBN 978-3-89688-616-3.

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