Neulich in Neu-Istanbul (ehem. Mannheim)

von Maria Schneider
Neulich war ich wieder mal in Neu-Istanbul. Kaum aus dem Zug draußen, fällt mir auf, dass ich genauso gut in der Türkei oder Afrika sein könnte. Wie immer gibt es einen ekla­tanten Über­schuss an her­um­lun­gernden, afri­ka­ni­schen und ori­en­ta­li­schen Männern. Es ist 15:30 Uhr und ver­mutlich machen sie gerade Pause nach einer anstren­genden Herz-OP, in der sie dank ihrer Fin­ger­fer­tigkeit wieder einmal ein Men­schen­leben gerettet haben.
Während ich auf meine Stra­ßenbahn warte, son­diere ich die Lage (seit Sep­tember 2015 ist dies wegen meiner zusätz­lichen Augen im Hin­terkopf ein Kin­der­spiel): Überall junge Frauen mit Kopftuch, begleitet von wehr­haften Männern, die stolz Kin­der­wagen mit ihrem auf­ent­halts­si­chernden Nach­wuchs schieben. Im Schatten sitzt auf­ge­reiht auf einem Bord­stein eine Sinti-Familie. Auf den spär­lichen Sitz­ge­le­gen­heiten sehe ich – wie so häufig – ein paar alte, ver­armte deutsche Urein­wohner, die mich an alko­hol­ab­hängige und resi­gnierte Indianer im Reservat erinnern.
Afri­ka­nische und ori­en­ta­lische Platz­warte –wohin man auch blickt
Ich wende meinen Kopf von diesem Elend ab und erblicke zwei kraft­strot­zende, junge, ori­en­ta­lische Männer. Beide tragen ärmellose T‑Shirts, um ihre Muskeln vor­zu­führen. Die Schenkel des Kräf­ti­geren werden von Jogging-Shorts umschmei­chelt, in denen man seine frei schwin­gende Männ­lichkeit nicht über­sehen kann. Er drückt seine Schultern nach hinten, seine Männ­lichkeit nach vorne, hebt sein Näschen arrogant nach oben und läßt bei seinem Kumpel einen ver­ächt­lichen Spruch über eine junge Deutsche ab, die ein enges Oberteil trägt. Danach setzt er sich breit­beinig auf die Bank und fährt fort, sein „Revier“ zu überwachen.
Mitt­ler­weile ist eine Stra­ßenbahn ein­ge­fahren. Ich weiß nicht, ob sie meine Hal­te­stelle anfährt und ver­suche, durch die her­aus­strö­menden Men­schen­massen hin­durch zum Aus­hang­fahrplan zu gelangen. Schließlich kann ich mich an einer voll­ständig in schwarz ver­schlei­erten Frau vor­bei­schlängeln, die keinen Mil­li­meter zur Seite weicht und mich in akzent­freiem Deutsch anherrscht: „He, passen Sie doch auf.“
Der Träger der befreiten Männ­lichkeit (in der Heimat des Block­warts undenkbar!) stimmt sofort – eben­falls in akzent­freiem Deutsch – mit ein: „He, hör’ auf, die zu schubsen. Wie respektlos kann man sein!“
Ich ant­worte: „Seit wann sind wir per „Du“?“ und ziehe mich dann in das Wagen­innere der Stra­ßenbahn zurück. Mehr kann ich nicht sagen, weil sich die Türen schließen, und mehr will ich auch nicht sagen, da ich heute nicht in Stimmung bin, mein Über­leben auszuhandeln.
Betrachtung:
Ich habe es als Deutsche gewagt, mich aus Angst, die Stra­ßenbahn zu ver­passen, an einer ver­schlei­erten Frau vor­bei­zu­drängeln. War nicht nett, war unhöflich, aber noch lange kein Grund für die frechen Ant­worten der beiden, deren Mutter ich hätte sein können.
Den totalen Islam leben – aber mit west­lichen Annehm­lich­keiten, wenn es paßt
In der Kultur der jungen Frau, die sie kraft Ver­schleierung aktiv bewirbt, gebührt Müttern große Ehr­erbietung und Respekt. Sie hätte mir daher mit Freude vor­aus­eilend Platz machen und mir sogar helfen müssen. Ihre Bemerkung würde in einer isla­mi­schen Gesell­schaft, der sie offen­kundig ange­hören will, nicht geduldet werden und harsche Sank­tionen nach sich ziehen. Tat­sächlich findet jedoch ein solches respekt­loses Ver­halten in ihrer Kultur gegenüber älteren Frauen (auch wenn sie drängeln) gar nicht statt, da sie als jüngere Frau ihren Platz kennt.
Muhammed Ali für Arme wie­derum scheint nur darauf zu warten, deutsche Frauen zu belehren, da sie – im Gegensatz zur ver­schlei­erten, sitt­samen Frau – nicht parieren und somit seine Achtung ver­wirkt haben. In seiner Kultur hat ein Mann jedoch erstens Frauen nicht anzu­blicken, zweitens darf er ihnen nicht in die Augen schauen und drittens sie schon gar nicht ansprechen. Diese drei Regeln gelten auch für den Umgang mit fremden Frauen — erst recht für ältere Frauen — und wurden von Ali mit Bedacht verletzt.
Respekt für Sei­nes­gleichen, ja. Für Deutsche? Fehlanzeige!
Beide ent­ehren somit durch ihr Ver­halten die Familie. Wäre Alis Vater in der Nähe gewesen, so hätte er wohl eine Ohr­feige bekommen und die gesamte Sippe hätte ihn in den nächsten Wochen so lange auf sein Ver­gehen hin­ge­wiesen und kol­lektiv beschämt, bis er die Bot­schaft wirklich ver­in­ner­licht hätte.
Es ist daher fest­zu­halten, dass Miss Burka und Mr Ali — stell­ver­tretend für eine zah­len­mäßig sehr große und stetig wach­sende Gegen­ge­sell­schaft an Hard­linern — auf Grund der strengen, patri­ar­chalen Erziehung zwar genau wissen, wie man sich zu ver­halten hat, sich aber Deut­schen gegenüber respektlos ver­halten. Mithin handelt es sich um Vorsatz, also eine bewusste Ent­scheidung, sich unter­schiedlich gegenüber Deut­schen und ihren Lands­leuten zu verhalten.
Trau­ma­ti­sierung, kul­tu­relle Sen­si­bi­li­täten oder sons­tigen Aus­reden recht­fer­tigen dieses Ver­halten nicht. Vielmehr handelt es sich um psy­cho­lo­gische Kriegs­führung, um durch Goril­la­gehabe und Abgrenzung das eroberte Revier abzu­si­chern und noch mehr Land zu besetzen.
Fazit
Wenn wir Deut­schen unser Land und unsere Freiheit behalten wollen, müssen wir daher endlich nicht nur entlang unseres Staats­ge­biets, sondern auch zwi­schen­menschlich wieder Grenzen setzen. Das ist nichts Schlimmes, sondern für die meisten Länder der Welt etwas ganz Selbstverständliches.
Um zu ver­deut­lichen, wie Grenzen und ein gesunder Abwehr­reflex funk­tio­nieren, stellen Sie sich einfach einmal einen jungen, deut­schen Macho-Mann in der Türkei als Platzwart vor, der eine gesetzte Türkin maß­regelt, weil sie eine deutsche Tou­ristin ange­rempelt hat. Noch nicht ver­standen? Ver­legen Sie einfach die Szene nach Afgha­nistan und lassen Sie dann Ihrer Fan­tasie freien Lauf.
All jene, welche nach wie vor die Augen fest vor den Folgen der Mas­sen­mi­gration ver­schließen wollen, möchte ich bitten, einen genauen Blick auf die wohl­ha­bende Skip­perin Carola Rackete zu werfen — unsere Heldin mit dop­peltem Netz und Boden — die gegen Bezahlung und ohne Ver­ant­wortung für die Folgen ihres Han­delns zu über­nehmen, mus­kulöse Afri­kaner an ita­lie­ni­schen Küsten absetzt. Echte Risiken wie­derum – wie die Unter­stützung saudi-ara­bi­scher Frauen bei der Flucht aus der Skla­verei, scheint die Dame mit der Pseudo-Revo­luzzer-Frisur — wie so viele Wel­ten­retter — zu scheuen.
Ich schließe mit einem Zitat des Säu­len­hei­ligen der Kom­mu­nisten — Bertolt Brecht — das heute aktu­eller denn je ist:
„Es ist klar aus allem, daß Deutschland seine Krise noch gar nicht erfaßt hat. Der täg­liche Jammer, der Mangel an allem, die kreis­förmige Bewegung aller Pro­zesse, halten die Kritik beim Sym­pto­ma­ti­schen. Wei­ter­machen ist die Parole. Es wird ver­schoben und es wird ver­drängt. Alles fürchtet das Ein­reißen, ohne das das Auf­bauen unmöglich ist.“
– Bertolt Brecht: Journal Schweiz vom 6. Januar 1948, GBA Band 27, S. 262


Maria Schneider war zehn Jahre lang eng mit einer syrisch-ortho­doxen Flücht­lings­fa­milie befreundet. Sie lernte ara­bisch und ara­mäisch und besuchte 2001 deren Ver­wandte 3 Wochen lang in Syrien. Dieser Besuch bestä­tigte ihre Erkenntnis, dass eher der Westen zer­malmt und zual­lererst die Frau­en­rechte ver­schwinden werden, als dass sich die archai­schen, patri­ar­chalen Gesell­schaften des Mor­gend­landes inte­grieren werden.