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Spiele sind gut für das Gehirn – die Wissenschaft hat den Beweis

28. Mai 2020

Videospiele sind schlecht, sie sind eine reine Zeitverschwendung und schaden unserem Gehirn und unserer Person – stimmt überhaupt nicht, denn inzwischen konnte die Wissenschaft reichlich Belege dafür finden, dass das Spielen von Videospielen tatsächlich positive Effekte auf das Gehirn hat. Zumindest sofern in Maßen und nicht exzessiv gespielt wird. Das verhält sich ähnlich wie beim Kaffeekonsum, der Studien zufolge in moderaten Mengen tatsächlich vorteilhaft für das Gehirn sein kann. Dem Anti-Videospiel-Klischee kann damit ganz offiziell widersprochen werden. Gamer schneiden den Studien zufolge in zahlreichen kognitiven und motorischen Fähigkeiten besser ab als Nicht-Gamer, zudem kann man mit Strategiespielen nicht nur sein Gehirn auf Trapp halten, sondern sogar Demenz vorbeugen und Alterungsprozesse verlangsamen.  

Die Studien widersprechen dem Anti-Videospiel-Klischee

Alle, die zumindest gelegentlich schon einmal Videospiele gespielt haben, wissen es bereits: Beim Spielen wird dem Spieler vieles abgefordert: Ausdauer, Konzentration, Aufmerksamkeit, Können, strategisches Denken sind nur einige der Fertigkeiten, die beim Spielen zum Tragen kommen. Wissenschaftliche Studien konnten nun belegen, dass sich das Spielen von Videospielen positiv auf unser Gehirn auswirkt und die Art, wie wir lernen und arbeiten verändert. Neuropsychologen der Ruhr-Universität Bochum kamen damit auf das Ergebnis, dass Menschen, die Spiele spielen, bei Lernaufgaben deutlich besser abschneiden als Nicht-Gamer. Im lernrelevanten Hirnbereich soll es bei Gamern zu einer erhöhten Aktivität kommen. Die Genfer Neurowissenschaftlerin und Professorin Daphne Bavelier beschäftigt sich besonders mit der Thematik der Shooter-Spiele, die in der Gesellschaft einen geringen Stellenwert genießen. Sie fand heraus, dass sie tatsächlich sowohl die Wahrnehmung als auch das Denkvermögen verbessern sollen, da  es sich um äußerst komplexe Spiele handelt. So fiel es Gamern in Studien leichter, kognitive Widersprüche aufzulösen und bewegten Objekten zu folgen sowie kleine Details zu erkennen. Zudem sollen Gamer besser zwischen verschiedenen Aufgaben wechseln können und zeigen allgemein eine höhere Aufmerksamkeit als Nicht-Gamer. Auch eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit soll durch das Spielen erreicht werden, was visuelle und motorische Leistungen kombiniert.

Strategie fördert das Gedächtnis

Auch reine Strategiespiele sollen sich positiv auf das Gehirn auswirken und vor allem das Gedächtnis verbessern und schnelles Denken fördern. Bei Strategiespielen gilt es, einem vorgegebenen, meist komplizierten Regelwerk zu folgen und darauf basierend kontinuierlich die strategisch klügsten Entscheidungen zu treffen. Strategiespiele umfassen beispielsweise das Brettspiel Schach, das auch offiziell eine Denksportart ist, oder das beliebte Kartenspiel Blackjack. Beim Schach wird über jeden Zug seiner Spielfigur gegrübelt, beim Blackjack muss man strategisch vorgehen und entscheiden, ob man die Karten splitten, verdoppeln oder aufgeben möchte, um den Dealer mit 21 Punkten zu schlagen. Auch Videospiele wie Age of Empires, dem Echtzeit-Strategiespiel, das es bereits seit 20 Jahren gibt, erfordern strategisch kluges Vorgehen vom Spieler. Die Fachhochschule Köln konnte in Studien herausfinden, dass derartige Strategiespiele dabei unterstützen, Herausforderungen strukturierter zu meistern und systematischer zu handeln. Zudem sollen Strategiespiele bei gedächtnisbezogenen Störungen helfen, das Gedächtnis und die Denkfähigkeit zu verbessern.

Das Gehirnjogging und Spielen gegen Demenz

In diesem Zusammenhang wurde sich bereits die Frage gestellt, inwiefern Spiele, die sich positiv auf das Gehirn auswirken, auch Senioren dabei helfen können, die Gehirnaktivität zu verbessern und Alterungsprozesse zu verlangsamen oder gar vor Demenz zu schützen. Simone Kühn vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin führte eine Studie mit Probanden im Alter von über 60 Jahren durch, die mithilfe von entsprechenden Spielen die Inhibition trainieren sollten. Sie konnte beweisen, dass mit Spielen gezielte Funktionen im Gehirn trainiert und verbessert werden können. Sie kam zudem zu dem Ergebnis, dass durch Spiele Abbauprozessen und Alterserscheinungen im menschlichen Gehirn entgegengewirkt werden kann. Genau wie dies für die körperliche Fitness gilt, hat dies auch für das Gehirn Bedeutung: Wer rastet, der rostet. Wer sein Gehirn bis ins Alter regelmäßig mit Denkaufgaben fordert, hält die grauen Zellen auf Trab und bleibt geistig fit. Der Begriff Gehirn-Jogging hat sich bereits etabliert, das das Training des Gehirns beschreibt. Wer im Geiste regelmäßig aktiv ist, kann bis ins hohe Alter Gedächtnis und Denkvermögen erhalten, sogar Defizite können sich mit Denkaufgaben aufarbeiten und Demenz damit vorbeugen.

Spiele haben eine positive Wirkung auf das Gehirn und helfen den Menschen, bis ins Alter geistig fit zu bleiben, das Gedächtnis zu stärken und generell das Denkvermögen zu verbessern – Wissenschaftler haben das bestätigt. Was Spiele in diesem Rahmen besonders hilfreich macht, ist, dass sie Spaß machen und der positive Effekt dadurch noch bestärkt wird. So freut sich jeder, sein Gehirn fitzuhalten. Das negative Image von Videospielen kann dann damit offiziell begraben werden.