Gesundheit, Natur & Spiritualität

Versorgung mit Obst und Gemüse gefährdet: Neue Wege sind gefragt- Urban Farming könnte eine Lösung sein (+Video)

15. Februar 2021

Die Versorgung mit Obst und Gemüse aus dem Ausland sei wegen der Pandemie gefährdet, so aktuelle Warnungen. Die meisten Lebensmittel, die uns in Supermärkten zur Verfügung stehen, haben lange Transportwege hinter sich. Rechnet man die Entfernungen zusammen, die Lebensmittel von ihrem Produktionsort aus zurücklegen, bis sie dann letztendlich im Einkaufswagen landen, kommt man durchschnittlich auf 50.000 Kilometer. Schon längst werden Obst und Gemüse für Europa billiger in Afrika angebaut, Wer weiß wirklich noch, woher Obst und Gemüse kommen? Zwar werben die Supermärkte mit: „So gut ist Heimat“, doch schaut man sich die Werbungen an, die ins Haus geflattert kommen, muss der Verbraucher feststellen, dass die Bohnen und Zuckererbsen aus Kenia oder Senegal kommen, nennt sich dann FRISCHE QUALITÄT.

Dabei wird der Transport meistens von LKWs durchgeführt und zwar vom Senegal nach Mauretanien und Marokko, dann per Fähre nach Spanien u.s.w. Die Zwiebeln aus Neuseeland sind etwa sechs Wochen mit dem Schiff unterwegs, bevor sie einen europäischen Hafen erreichen, während europäische Zwiebeln  nach Afrika gekarrt werden. Damit der Verbraucher in Europa nicht erfährt, dass das Obst und Gemüse aus Drittländern kommt, incl. Pestizide, die in Europa verboten sind, bedient man sich betrügerischer Umetikettierung. Kennen Sie „Adoptivgemüse“? Europäisches Gemüse wird erst in Afrika gesät und kommt als Setzling nach Europa und wird dann in Europa als „Made in Europe“ verkauft. In Europa ist Spanien eines der Hauptlieferländer für Obst und Gemüse, doch aufgrund von der Pandemie drohen auch hier die Produzenten mit leeren Regalen im Handel. Die Furcht vor Nahrungsmittelknappheit  hat viele bereits motiviert, selbst Gemüse anzubauen. Denn gerade in Krisenzeiten boomen Gemüsegärten und so boomt auch der Verkauf von Saatgut. Die Saat der Begeisterung für einheimische Lebensmittel mag gesät worden sein, aber dies aufrechtzuerhalten ist unerlässlich. Eine kürzlich durchgeführte Studie ergab, dass Gemeinschaftsgärten und Kleingärten als Hotspots für die Bestäubung von Insekten dienen, da sie in der Regel eine Vielzahl von Obst- und einheimischen Pflanzen enthalten.

Urban Farming – warum die Welt nach der Pandemie mehr städtische Landwirtschaft braucht

Moderne Sklaven ernten Tomaten in Italien

Die Corona-Pandemie hält Europa weiter fest im Griff. Dennoch sind die Landwirte, wie schon in 2020, als die Grenzen wegen der Pandemie geschlossen waren, auf ausländische Saisonarbeitskräfte angewiesen. Als Europa seine Grenzen schloss, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, alarmierten die größten Anbauer von Obst und Gemüse die jeweiligen Regierungen, dass sie auf billige Erntehelfer aus anderen Ländern angewiesen seien, sonst wäre die Ernährungssicherheit in Europa gefährdet.

  • Doch es ging nicht nur um die Ernährungssicherheit der Europäer, denn schon längst schickt Italien bedingt durch die Ausbeutung von Migranten und EU-Subventionen günstig die Tomaten auf eine 18.000 Kilometer lange Reise nach Australien und zerstört dort den lokalen Markt. Währenddessen stecken in Europa in den grün-weiß-rot beflaggten Büchsen immer häufiger Tomaten, die aus dem rund 8000 km entfernten China kommen.
  • Auch in der Tiefkühlkost ist längst nicht Obst oder Gemüse aus Europa, denn Europa ist Hauptimporteur für gefrorenes Obst und Gemüse aus China.
  • Während in Spanien Zitrusfrüchte verfaulen, importiert Europa billiger aus Südafrika. Ebenso bei Bohnen, die werden von modernen Sklaven in Senegal angebaut, und zwar von einem Italienischem Konzern.
  • Während die vielen LKWs mit Nahrungsmitteln aus fernen Ländern die geschlossenen Grenzen überquerten, damit die Regale der Supermärkte gefüllt waren, riefen die großen Anbauer von Obst und Gemüse: „Wir müssen produzieren, um die Europäer zu ernähren.“

Wen ernährt Europa wirklich?

Nicht die vielen Sklaven, die in den vielen Gewächshäusern in der spanischen Provinz Almeria schuften oder in Italien in diesen Ghettos leben, damit die Mafia von der Ernte profitieren kann. In Foggia am Knöchel des italienischen Stiefels arbeiten sie in einer 12-stündigen Schicht und pflücken bei 40 ° C Tomaten. Auch die weiten landwirtschaftlichen Ebenen des Agro-Pontino in Mittelitalien sind heute eines der Hauptgebiete des Landes für die Lebensmittelproduktion, hier werden Zehntausende Sikhs aus Punjab in Nordindien ausgebeutet. Siehe Moderne Sklaven als Erntehelfer in Europa – „Wir erleben eine zweite Hölle auf Erden, die wir uns nie vorgestellt haben.“ – Slave labour on farms in Europe – ‘We are living a second hell on earth we never imagined’

Landwirtschaft geht auch anders

IDachfarm in Parins

Denn da das Obst und Gemüse aus fernen Ländern nach Europa gekarrt wird, werden oft auch Pestizide verwendet, die so schädlich sind, dass sie in Europa sogar verboten wurden. In Frankreich sind fast 80% der Ansicht, dass die Lebensmittel gesundheitsschädlich sind, und sie wollen Lebensmittel ohne Pestizide. Mittlerweile tragen bereits Obst und Gemüses das ‚Zero-Pestizid“‘-Label,  es sind sogar 25%, Tendenz steigend, sogar Kartoffeln ohne Pestizide!

Als der französische Landwirtschaftsminister Didier Guillaume bekannt gab, dass Frankreich die Verwendung von Glyphosat einstellen wird, forderte er auch zu ökologischem Anbau von Obst und Gemüse auf. Innerhalb eines Jahres schlossen sich über 3.000 Produzenten von Obst und Gemüse zusammen, die Pestizide vermeiden, indem sie Netze, unterschiedliche agronomische Techniken und Fruchtfolge verwenden. Mittlerweile gibt es  6.000 Produzenten und „Zero-Pestizid“ wird in den Supermärkten angeboten, denn besonders die Rückstände von Pestiziden stehen in Frankreich immer mehr im Fokus. Dazu auch: Das wollen wir auch – Frankreich macht es vor – der neue Trend! „Zero-Pestizid“! – „Zero pesticide“- France: „Proud of our products without Pesticides“

 

Jetzt hat Frankreich sogar eine neue  Umweltministerin, die als Glyphosat-Gegnerin bekannt ist. Barbara Pompili fordert die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt. Doch wie kann man gerade die Menschen in der Stadt nachhaltig ernähren? In Paris ist es die größte Dachfarm der Welt mit rund 14.000 qm. Bislang war die größte Dachfarm mit 7000 qm und einem riesigen Gewächshaus auf einem Fabrikgebäude in Chicagos South Side. Hier wächst bis zu 10 Millionen Stück Blattgemüse pro Jahr. „Urban Farming“ heißt der Trend, der in New York begann. In Paris wurden zwar bereits kleinere Farmen an anderen Standorten auf Dächern errichtet, doch dieses Projekt ist das größte in Europa. Siehe: Landwirtschaft geht auch anders! Der größte städtische Bauernhof Europas wurde auf einem Dach in Paris eröffnet – European largest urban farm has opened on a rooftop in Paris

 

Fruchtbare Ackerflächen und Wasser sind rare und begehrte Ressourcen, die weltweit immer knapper werden.

Regionale Produkte kaufen, weniger Müll produzieren – das Umdenken hat bei vielen bereits begonnen. Die Supermärkte sind voll mit Lebensmitteln, aber es handelt sich hauptsächlich um Importe aus anderen Ländern, und es gibt nicht viele Sorten. Missbildungen, Krankheiten und Viehsterben, das ist der tatsächliche Preis von Glyphosat & GVO! Die Probleme der modernen Landwirtschaft sind nicht von der Hand zu weisen.

Eine kürzlich durchgeführte Studie ergab, dass bei  richtiger Planung und Umsetzung  Kleingärten und Gemeinschaftsgärten der biologischen Vielfalt wirklich zugute kommen. Unfruchtbare Räume sollten nicht nur in grüne und produktive Parzellen umgewandelt werden, es ist auch wichtig, dass zwischen diesen Umgebungen Verbindungen bestehen, damit sich die Wildtiere zwischen ihnen bewegen können.

Gemeinschaftsgärten und Kleingärten dienen als Hotspots für die Bestäubung von Insekten.
Bild: Natur

Wir haben für Sie einen Beitrag von Dan Evans, Leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter in Physischer Geographie, Universität Lancaster und Jess Davies,  Lehrstuhl für Nachhaltigkeit, Universität Lancaster, übersetzt, warum der Anbau von Lebensmitteln nach COVID-19 in unseren Gärten, Städten und Gemeinden zu einem festen Bestandteil werden sollte.

Seit dem Lockdown ist das öffentliche Interesse am heimischen Obst- und Gemüseanbau stark gestiegen. Saatgut wird verkauft wie noch nie und die Wartelisten für Anbaubereiche und Schrebergärten explodieren wobei eine Gemeinde einen 300%igen Anstieg der Anträge verzeichnen konnte. Die Furcht vor Nahrungsmittelknappheit wird einige dazu motiviert haben, aber andere, die zu Hause mehr Zeit zur Verfügung haben, könnten versuchen, Stress durch eine gesunde Familienaktivität abzubauen.

Die Saat der Begeisterung für selbst angebaute Lebensmittel mag gesät worden sein, aber es ist wichtig, diese Begeisterung aufrechtzuerhalten. Der städtische Ackerbau hat nach der Pandemie viel zu bieten. Er könnte den Gemeinden helfen, die Widerstandsfähigkeit ihrer frischen Obst- und Gemüselieferungen zu erhöhen, die Gesundheit der Bewohner zu verbessern und ihnen zu einem nachhaltigeren Lebensstil verhelfen.

Hier sind vier Gründe, warum der Anbau von Nahrungsmitteln nach COVID-19 zu einem festen Bestandteil unserer Gärten, Städte und Gemeinden werden sollte.

  1. Grünere Städte wachsen lassen

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in städtischen Gebieten, und es wird erwartet, dass dieser Anteil bis 2050 auf 68% ansteigen wird. Im Vereinigten Königreich ist dieser Anteil sogar noch höher – es wird erwartet, dass bis zu diesem Zeitpunkt neun von zehn Menschen in Städten leben werden.

Der Anbau von Lebensmitteln und sein Verwachsen mit dem städtischen Leben könnte die Pflanzen- und die Tierwelt den Stadtbewohnern näher bringen. Der COVID-19-Lockdown hat dazu beigetragen, das Interesse am Anbau zu Hause wieder zu wecken, aber jeder achte britische Haushalt hat keinen Zugang zu einem Garten. Glücklicherweise gehen die Möglichkeiten der städtischen Landwirtschaft darüber hinaus: Dächer, Mauern – und sogar unterirdische Räume wie verlassene Tunnel oder Luftschutzkeller bieten eine Reihe von Möglichkeiten, die Nahrungsmittelproduktion in den Städten auszuweiten und gleichzeitig die städtische Umwelt kreativ umzugestalten.

Essbare Dächer, Mauern und Randstreifen können ferner dazu beitragen, das Hochwasserrisiko zu verringern, Gebäude und Straßen natürlich zu kühlen und die Luftverschmutzung zu reduzieren.

Paris beherbergt die größte städtische Dachfarm Europas. EPA-EFE/Mohammed Badra

Dazu auch: Landwirtschaft geht auch anders! Der größte städtische Bauernhof Europas wurde auf einem Dach in Paris eröffnet – European largest urban farm has opened on a rooftop in Paris

  1. Widerstandsfähige Lebensmittel

Die Diversifizierung, wo und wie wir unsere Lebensmittel anbauen, trägt dazu bei, das Risiko einer Unterbrechung der Nahrungsmittelversorgung zu verbreiten.

Die Abhängigkeit Großbritanniens von Importen hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Derzeit werden 84% des Obstes und 46% des Gemüses, die im Vereinigten Königreich konsumiert werden, importiert. Brexit und COVID-19 könnten die stetige Versorgung gefährden, während die durch den Klimawandel verursachten Probleme, wie z.B. Wasserknappheit, Gefahr laufen, die Einfuhr von Lebensmitteln aus dem Ausland zu stören.

Der Anbau von Obst und Gemüse in den Städten würde helfen, diesen Schocks zu widerstehen. Der während der Pandemie aufgetretene Arbeitskräftemangel bei der Ernte wäre vielleicht nicht so stark empfunden worden, wenn die städtischen Bauernhöfe Nahrungsmittel dort anbauen würden, wo die Menschen leben.

Vertikale und unterirdische Kulturen sind widerstandsfähiger gegen extreme Witterungsbedingungen oder Schädlinge, die Wachstumsbedingungen in Innenräumen sind leichter zu kontrollieren als auf dem Feld, und Temperatur und Feuchtigkeit sind unterirdisch stabiler. Die hohen Anlaufkosten und Energierechnungen für diese Art der Landwirtschaft haben dazu geführt, dass Indoor-Betriebe derzeit nur eine kleine Anzahl hochwertiger Feldfrüchte, wie z. B. Blattgrün und Kräuter, produzieren. Doch mit dem Reifeprozess der Technologie wird die Vielfalt der in Innenräumen angebauten Produkte zunehmen.

Siehe auch: Moderne Sklaven als Erntehelfer in Europa – „Wir erleben eine zweite Hölle auf Erden, die wir uns nie vorgestellt haben.“ – Slave labour on farms in Europe – ‘We are living a second hell on earth we never imagined’

  1. Gesünder leben

Der Ausflug in die Natur und die Gartenarbeit können Ihre geistige Gesundheit und körperliche Fitness verbessern. Unsere Forschungsergebnisse legen nahe, dass die Teilnahme am städtischen Nahrungsmittelanbau oder der Kontakt mit diesem im täglichen Leben auch zu einer gesünderen Ernährung führen kann.

Städtische Landwirte können aus einer ganzen Reihe von Gründen dazu gebracht werden, sich für gesündere Lebensmittel zu entscheiden. Sie haben besseren Zugang zu frischem Obst und Gemüse, und der Aufenthalt im Freien und in der Natur kann dazu beitragen, Stress abzubauen, sodass die Menschen weniger geneigt sind, sich ungesund zu ernähren. Unsere Studie legt nahe, dass der städtische Nahrungsmittelanbau auch dazu beitragen kann, die Einstellung zu Lebensmitteln zu ändern, sodass die Menschen mehr Wert auf Produkte legen, die nachhaltig, gesund und ethisch vertretbar sind.

  1. Gesündere Ökosysteme

Während die Verstädterung als eine der größten Bedrohungen für die biologische Vielfalt angesehen wird, hat sich gezeigt, dass der Anbau von Nahrungsmitteln in den Städten den Reichtum und die Vielfalt der Wildtiere fördert und ihre Lebensräume schützt.

Eine kürzlich durchgeführte Studie hat ergeben, dass Gemeinschaftsgärten und Kleingärten sich als Hotspots für bestäubende Insekten entpuppen, da sie in der Regel ein vielfältiges Spektrum an fruchtenden und einheimischen Pflanzen enthalten.

Gemüse, wie diese Zucchini, kann Blumen hervorbringen, an denen sich die Bestäuber erfreuen können.

Wenn Kleingärten und Gemeinschaftsgärten richtig konzipiert und umgesetzt werden, können sie der biologischen Vielfalt wirklich zugute kommen. Nicht nur unfruchtbare Flächen sollten in grüne und produktive Parzellen umgewandelt werden, sondern wichtig ist auch, dass es Verbindungen zwischen diesen Umgebungen gibt, damit sich die Wildtiere zwischen ihnen bewegen können.

Kanäle und Fahrradwege können als diese Wildtierkorridore fungieren. Wenn wir damit beginnen, die für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzten Flächen zu diversifizieren, insbesondere diejenigen auf unseren Dächern und unterirdisch, wird eine spannende Herausforderung darin bestehen, neue Wege zu finden, sie für die Tierwelt zu verbinden. Es hat sich gezeigt, dass Grünbrücken den Wildtieren helfen, verkehrsreiche Straßen zu überqueren – vielleicht könnten ähnliche Übergänge Dachgärten miteinander verbinden.

All diese Gründe und mehr sollten uns dazu zwingen, die Nahrungsmittelproduktion in den Städten zu erhöhen. COVID-19 hat uns Anlass gegeben, neu zu bewerten, wie wichtig städtische Grünflächen vor Ort für uns sind und was wir von unseren Hauptstraßen, Parks und Bürgersteigen erwarten. Nach den Verkäufen in den Gartenzentren, den zuzuteilenden Gärten und den sozialen Medien zu urteilen, haben viele Menschen beschlossen, mehr Obst und Gemüse auf diesen Flächen haben zu wollen. Stadtplaner und Bauträger haben jetzt die Gelegenheit, darüber nachzudenken, was die Einführung der Landwirtschaft in städtische Landschaften bieten könnte.

Netzfrau Ursula Rissmann-Telle


Quelle: netzfrauen.org