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Zerstört die subventionierte Fleisch- und Milchindustrie den Regenwald nicht nur für Soja, sondern auch für Palmöl als Tierfutter? (+Video)

17. April 2021

Die subventionierte Fleisch- und Milchindustrie in Europa zerstört den Regenwald. Dort vernichten riesige Sojaplantagen die einheimische Fauna und Flora. Soja, das zur Fütterung von Hühnern, Rindern und Schweinen in Europa benötigt wird, wächst in Südamerika mittlerweile auf einer Fläche von über elf Millionen Hektar — und die Nachfrage wächst rasant. Die EU ist ein führender Importeur von Waren, die auf  illegal gerodeten Land angebaut werden und trotzdem heißt es, dass Nachhaltigkeit ein wichtiger Treiber der Tierernährung sei. War Ihnen bekannt, dass auch Palmöl an Tiere verfüttert wird?

Und es heißt sogar, dass ein Verzicht auf Palmöl keinen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten würde. In der Schweiz sorgten Recherchen des Schweizer Fernsehens für Empörung, als Verbraucher erfuhren, dass die schweizer Bauern rund 5’000 Tonnen Palmöl an ihre Tiere verfütterten und zwar im Milchviehfutter, im Schweine-, Geflügel- und Kälbersektor. Für die Herstellung eines Kilogramms Rindfleisch werden etwa 24 Gramm Palmöl verwendet. Für Hühnchen sind dies sogar 44 Gramm und für Eier 17 Gramm. Besonders Hühner verbrauchen viel Palmöl, da etwa 2,5 Prozent ihres Futters daraus bestehen. Dies ist besonders dramatisch, da es völlig unnötig ist, Palmöl in Tierfutter zu verwenden, es wird hauptsächlich hinzugefügt, weil es billig ist. Dramatisch auch, da nicht nur Regenwälder in Indonesien wegen Palmöl zerstört werden, jetzt sogar der kostbare Regenwald in Afrika. Das Palmöl an Milchkühen verfüttert wird, entsetzt auch die Verbraucher in Kanada. Entdeckt wurde der Skandal durch einen sogenannten „Buttergate“. In den Sozialen Netzwerken beschwerten sich die Kanadier, dass irgendetwas nicht mit der kanadischen Butter stimmen würde und auch  Feinschmecker meldeten sich zu Wort, dass ihre Blöcke härter zu streichen sind als sonst.

Zerstört die subventionierte Fleisch- und Milchindustrie den Regenwald nicht nur für Soja, sondern auch für Palmöl als Tierfutter?

Dass die Futtermittelwirtschaft in Deutschland auch Palmöl im Tierfutter verwendet, zeigt ein Bericht vom raiffeisen.de, als der Branche vorgeworfen wurde, dass sie ihrer Verantwortung beim Einsatz von Palmöl nicht ausreichend nachkäme. In dem Bericht heißt es, dass Palmöl in Futtermitteln mit ca. 0,4 Prozent des gesamten Verbrauchs nur eine geringe Bedeutung habe, aber als pflanzliches Fett ein wichtiger Mischfutterbestandteil sei. Dennoch begrüßen der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) und der Deutsche Raiffeisenverband den zunehmenden Einsatz von nachhaltig erzeugtem Palmöl. Der Anteil nachhaltig zertifizierten Palmöls wächst stetig, so der Bericht. Auch heißt es, dass ein Verzicht auf Palmöl keinen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten würde.

Auch heißt es, dass der DVT im engen Kontakt mit dem Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) steht, mit dem Ziel einer weiteren Erhöhung des Anteils nachhaltig zertifizierten Palmöls. Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL)ist Gründungsmitglied und Förderer des FONAP.

Mittlerweile sollte bekannt sein, dass Palmöl nie nachhaltig sein kann – Daten zeigen: Auch auf zertifizierten Plantagen können illegale Waldbrände nicht verhindert werden.

Der Palmölkonflikt begann zunächst in Indonesien, dem weltweit größten Palmölproduzenten, als die Industrie große Teile des Regenwaldes abholzte und durch Ölpalmenplantagen ersetzte. Weniger bekannt ist die Zerstörung des kostbaren Regenwaldes im Kongo für die Produktion von Palmöl. Auch im Kongo brennt kostbarer Regenwald, für den Profit.. Der Kongo-Regenwald ist der zweitgrößte Regenwald der Welt und eine lebenswichtige Kohlenstoffsenke, die den Klimawandel verlangsamen kann. Und wie im Amazonas oder Indonesien, werden Menschen eingesperrt, gefoltert oder ermordet.

Viele kennen die Berichte aus Argentinien über das, was dort der massenweise Einsatz von Pestiziden wie Glyphosat verursacht hat. Die Provinz Córdoba erlangte durch schreckliche Missbildungen, hervorgerufen durch Glyphosat, traurige Berühmtheit. Mit einer Fläche von rund 280 Millionen Hektar ist Argentinien nach Brasilien das zweitgrößte Land Südamerikas und wie Brasilien der weltweit größte Sojabohnen-Produzent. Dass die subventionierte Fleisch- und Milchindustrie für die Zerstörung des Regenwaldes wegen Soja verantwortlich ist, sollte bekannt sein.

Deutschland ist nicht nur einer der größten Fleischproduzenten, sondern auch einer der größten Milchproduzenten weltweit. Subventioniert mit Steuergeld! 8 Millionen Tonnen Fleisch produziert Deutschland jährlich! Um überhaupt diese Menge an Fleisch produzieren zu können, braucht es Futter für die Tiere. Deutschland importiert den größten Teil des Sojas aus Lateinamerika.  Dieses Soja, meist genmanipuliert, wird für die Aufzucht von Hühnern, Schweinen und Rinder bzw. für die Herstellung von Fleisch, Eiern und Milchprodukten eingesetzt. Um diese Menge an Soja produzieren zu können, werden Wälder gerodet und abgebrannt. Ein außergewöhnliches Ökosystem mit hoher Artenvielfalt verschwindet.

Palmöl für die Tierhaltung

Palmöl wird in fast allen Tierfutterarten verwendet. Beispiel die Niederlande

Die Niederlande importieren jedes Jahr 114.000 Tonnen Palmöl zur Verwendung in Tierfutter. Etwas mehr als die Hälfte davon wird zur Fütterung von Tieren verwendet, deren Fleisch exportiert wird. Rund 46.500 Tonnen Palmöl werden zur Herstellung tierischer Produkte für niederländische Verbraucher verwendet. Während die Menge an Palmöl, die für Biokraftstoffe importiert wird, viel größer ist, sind die Auswirkungen der Tierhaltung auf die Palmölindustrie ebenfalls beträchtlich.

Für die Herstellung eines Kilogramms Rindfleisch werden etwa 24 Gramm Palmöl verwendet. Für Hühnchen sind dies sogar 44 Gramm und für Eier 17 Gramm. Besonders Hühner verbrauchen viel Palmöl, da etwa 2,5 Prozent ihres Futters daraus bestehen.

Auch in anderen EU-Ländern und Ländern außerhalb der EU wird Palmöl normalerweise Tierfutter zugesetzt. Durch den Verzehr tierischer Produkte tragen Sie erheblich zur Palmölindustrie und deren Zerstörung bei. Dies ist besonders dramatisch, da es völlig unnötig ist, Palmöl in Tierfutter zu verwenden. Es wird  hauptsächlich hinzugefügt, weil es billig ist.

Undurchsichtige Lieferantennetzwerke, gerodete Regenwälder und damit verbunden verlorene Lebensräume bedrohter Tierarten: 85 Prozent des weltweit produzierten Palmöls stammen aus Indonesien und Malaysia.  Doch auch in Lateinamerika und  Afrika wird Palmöl angebaut.

Bereits die Arbeitsbedingungen auf den Ölpalmplantagen sind durch Verstöße gegen nationales und internationales Recht und freiwillige Initiativen wie RSPO geprägt. Studien in Indonesien weisen auf Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Lohnsklaverei auf Palmölplantagen hin. Die Kritik am Palmöl-Raubbau wächst weltweit und vermehrt fordern  Kampagnen, in Zukunft auf Palmöl zu verzichten. Auch der auf Initiative des WWF gegründete Roundtable on Sustainable Palm Oil ( RSPO ) gerät vermehrt in die Kritik, denn laut  Kritikern hat die Organisation mit ihren Richtlinien wenig getan, um Abholzung auf der ganzen Welt aufzuhalten.

Allein der Name „Runder Tisch für Nachhaltiges Palmöl“ ist zum Lachen, beziehungsweise Weinen: Es gibt kein nachhaltiges Palmöl. Der Ölpalmenanbau und die Verarbeitung ist eine höchst umweltschädliche Industrie. Palmölplantagen laugen die Böden aus, sind sehr wasserintensiv und benötigen große Mengen an chemischen Düngern und Pestiziden. Siehe: Das schmierige Geschäft mit Palmöl – „Palmöl-Krieg“, Menschenrechtsverletzungen und rigorose Praktiken – mit Unterstützung durch Steuergelder

Das Palmöl an Milchkühen verfüttert wird, entsetzt auch die Verbraucher in Kanada

Entdeckt wurde der Skandal durch einen sogenannten „Buttergate“. In den Sozialen Netzwerden beschwerten sich die Kanadier, dass irgendetwas nicht mit der kanadischen Butter stimmen würde und auch  Feinschmecker meldeten sich zu Wort, dass ihre Blöcke härter zu streichen sind als sonst.

Buttergate: Warum beschweren sich die Kanadier über harte Butter?

Irgendetwas stimmt nicht mit der kanadischen Butter, sagen einheimische Feinschmecker, die sich seit Wochen darüber beschweren, dass ihre Blöcke härter zu streichen sind als sonst.

Diese so genannten „Buttergate“-Anekdoten haben sich im Internet verbreitet. Viele Kanadier beschweren sich darüber, dass ihre Butter bei Zimmertemperatur nicht weich wird.

Lebensmittelexperten haben Palmfett im Kuhfutter als wahrscheinlichen Schuldigen aufgedeckt

Die Milchindustrie besteht darauf, dass die Behauptungen unbegründet sind, hat aber eine Arbeitsgruppe gegründet, um Antworten zu finden.

Buttergate begann mit einer Frage, die von der kanadischen Kochbuchautorin Julie Van Rosendaal auf Twitter gestellt wurde: „Haben Sie bemerkt, dass er bei Zimmertemperatur nicht mehr weich ist?“

Hunderte von Hobbyköchen antworteten mit ähnlichen Butterproblemen

Frau Van Rosendaal vermutete letzte Woche in einer Kolumne in der Globe and Mail, dass die höhere Nachfrage nach Butter in der Pandemie zu Änderungen im Viehfutter führte, da die Landwirte versuchten, die Produktion zu steigern.

Die Nachfrage ist während der Pandemie sicherlich angestiegen

Der Molkereisektor des Landes – der in allen 10 Provinzen stark vertreten ist – legt seine Produktionsquoten auf der Grundlage von Nachfrageprognosen fest. Da mehr Kanadier zu Hause bleiben, stieg die Nachfrage nach Butter laut Dairy Farmers of Canada im Jahr 2020 um über 12 %.

Die Zugabe von Palmöl-basierten Energiestoffen zum Kuhfutter ist eine jahrzehntealte Praxis, die angeblich die Milchleistung der Kühe erhöht und den Fettgehalt der Milch steigert.

Seit dem Sommer haben Hunderte von Landwirten im ganzen Land ihren Einsatz von Palmölsubstanzen erhöht, um das Angebot zu steigern.Die kanadische Dairy Processors Association erklärte gegenüber Real Agriculture, dass es weder bei der Butterproduktion selbst noch bei den nationalen Vorschriften für die Inhaltsstoffe Änderungen gegeben hat.

Es gibt nur wenige Untersuchungen über die wahren Auswirkungen von Palmöl in Milchprodukten, aber Agrarexperten sagen, dass Butter von Kühen, die mit Palmöl gefüttert wurden, einen höheren Schmelzpunkt hat und daher bei Raumtemperatur schwieriger zu streichen sein könnte.

„Ein Buttergate ist nicht das, was die Industrie braucht oder was die Kanadier verdienen“, schrieb Sylvain Charlebois, Senior Director am Agri-Food Analytics Lab der Dalhousie University, in einem in dieser Woche veröffentlichten Meinungsartikel, der argumentiert, dass die meiste Butter des Landes definitiv härter geworden ist.

Herr Charlebois sagte, dass Palmfett eine legale Zutat in Milchkuhfutter ist, aber die Forschung zeigt, dass Palmöl das Risiko von Herzkrankheiten bei Menschen erhöhen kann

Seine Produktion schadet auch der Umwelt, sagte er, was sie zu einer „ethisch fragwürdigen“ Praxis für die Milchindustrie macht, die laut Charlebois stark von der kanadischen Regierung und damit von den Steuerzahlern abhängig ist.

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„Hoffen wir, dass die Milchindustrie sich selbst bereinigen kann, bevor ihr moralischer Vertrag mit den Kanadiern dauerhaft beschädigt wird“, schloss er.

Als Reaktion auf die Beschwerden veröffentlichte die Lobbygruppe Dairy Farmers of Canada am Freitag eine Erklärung, in der sie argumentierte, dass Palmprodukte dabei helfen, Kühe mit Energie zu versorgen, und dass keine unerwünschten Effekte durch die Verwendung in den Futterrationen der Kühe festgestellt wurden“.

Sie wiesen auch darauf hin, dass Landwirte in anderen Ländern, einschließlich Großbritannien und den Vereinigten Staaten, ebenfalls Zusätze von Palmölprodukten verwenden.

Die Gruppe sagte, dass sie dennoch ein Expertenkomitee zusammenstellen werde, das sich aus verschiedenen Interessenvertretern der Milchwirtschaft, einschließlich der Verbraucher, zusammensetzt, um die Bedenken auszuräumen.

Palmöl ist billig und allgegenwärtig

Es wird in Tausenden von Produkten des täglichen Bedarfs verwendet und ist das am häufigsten konsumierte Pflanzenöl der Welt. Sie können ein Kilo Palmöl für nur 2 Dollar bekommen. Die Nutzung ist jedoch nicht überraschend umstritten, da riesige Regenwaldflächen abgeholzt oder verbrannt wurden, um Platz für Palmenplantagen zu machen. Warum ist dieses Öl immer noch so billig und leicht erhältlich?

Netzfrauen Lisa Natterer und Doro Schreier


Quelle: netzfrauen.org