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Inzidenzen und Maskenpflicht – Niedersachsen: Maskenpflicht doch nicht aufgehoben trotz Inzidenz unter 35

25. Mai 2021

Die Inzidenzwerte fallen weiter und die Rufe nach Abschaffung der Eindämmungsmaßnahmen lauter. Umfragen zufolge sind die meisten Menschen das Corona-Dauerspektakel herzlich leid. Aber die Deutschen sind auch in zwei Lager geteilt: Es gibt etwa ein Drittel (je nach Umfrage) denen gar nicht genug eingedämmt werden kann, die panisch auf die Inzidenzwerte starren und nicht schnell genug geimpft werden können. Niedersachsen wollte bei einem Inzidenzwert von unter 35 die Maskenpflicht nach Pfingsten aufheben – und ging vor einem Twitter-Shitstorm in die Knie.

Man fragt sich, ob die Leute ihren Rechenunterricht in der Schule vollkommen vergessen haben. Was bedeutet denn eine Inzidenz von 100? Sie bedeutet, dass es einhundert positive Tests auf 100.000 Menschen gibt. Das ist EIN PROMILLE. Eine Inzidenz von 35 heißt 0,35 PROMILLE der Bevölkerung haben einen positiven PCR-Test. Und das ist das Wüten einer Pandemie.

Zur Information: Erstens sind längst nicht alle positiven Tests eine Infektion. Wir alle bekommen irgendwann mal so ein Covid-Virus in Nase oder Rachenraum. Ist das ein Trümmerstück eines vom Immunsystem erledigten Virus in dem Testabstrich, ist man bei einem PCR-Test mit 36-38 Kopiervorgängen bereits positiv. Und weiter: Wenn jemand infiziert ist, dann wird immer wieder ein Test genommen und er gilt erst als genesen, wenn ein Test zweimal ein negatives Ergebnis erbringt. Das bedeutet: Eine gar nicht mal so kleine Menge an positiven Tests entfallen auf dieselben, bereits getesteten Infizierten.

Aus Erfahrung mit einem engsten Angehörigen, der an Covid erkrankt und hospitalisiert war, wurden insgesamt über 10 PCR-Tests gemacht, alle positiv, bis zur Genesung mit zwei negativen PCR-Tests. Zuletzt: Es wird ja nicht nur zufällig herumgetestet. Wenn jemand positiv getestet ist, werden seine Kontaktpersonen getestet und da ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher als bei Zufallsfunden. Kurz und gut: Das Infektionsgeschehen ist sehr gering.

Das kann man den vollkommen Verängstigten aber nicht nahebringen. Sie glauben einfach blind an die grauenhafte Seuche, die uns alle dahinraffen wird, wenn wir uns nicht gehorsam den Corona-Panik-Porno täglich reinziehen, uns selbst in Isolationshaft begeben und das ohne Licht am Ende des Tunnels – wenn man sich nicht impfen lässt. Nur: Wie Geimpfte nun feststellen müssen, ändert sich für sie wenig. Sie dürfen fliegen. Toll. Aber Maskenfreiheit, Essen gehen, ins Fußballstadion? Fehlanzeige.

Ministerpräsident Laschet sagte, den Satz „Impfen ist der Weg in die Freiheit“ könne er nicht unterschreiben. Interessant. Und wozu sollte man sich dann impfen lassen und all die mit den Impfungen verbundenen Risiken auf sich nehmen? Das ist ja der Grund überhaupt, warum die Leute sich impfen lassen. Und die Inzidenzwerte waren doch bisher immer die Marken, die man anvisierte, um die Daumenschrauben wieder etwas zu lockern, oder?

Offenbar war die Landesregierung Niedersachsens auch so naiv, das zu glauben. Sie kündigte vorsichtig an, die Maskenpflicht aufheben zu wollen, sofern eine stabile Inzidenz unter 35 (0,35 PROMILLE an positiven Tests) vorliegt. So veröffentlichte die Landesregierung auch am 10. Mai einen „Stufenplan 2.0 – die drei Lockerungsschritte im Überblick“. Man könne, so lobte die Regierung die Bürger, Dank ihres „umsichtigen Verhaltens“ und der darob sinkenden Infektionszahlen diese Lockerungen beschließen. Doch das, was als Respons sofort kam, war ein Shitstorm auf Twitter unter dem Hashtag #diemaskebleibtauf. Ein Blick durch die Tweets zeigt, was in den Köpfen der Leute vorgeht.

 

 

 

Eine Durchsicht zeigt, dass aber durchaus eine Menge Leute ganz anderer Meinung sind und dass der Umgangston untereinander ziemlich ruppig ist.

Nun will die niedersächsische Landesregierung unter Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) die Entscheidung zur Aufhebung der Maskenpflicht noch einmal „sehr ernsthaft“ überdenken, ließ Regierungssprecherin Anke Pörksen Am Freitag vor Pfingsten wissen. Zuvor hatte die Landesregierung die Beschwerden und Forderungen des Handels gehört und da, nach Experteneinschätzungen, der Einzelhandel kein Treiber des Infektionsgeschehens ist, die Maskenpflicht aufheben wollen, zumal die berüchtigte Inzidenz in elf der 45 niedersächsischen Landkreisen und Großstädte unter 35 liegt, und in 16 Landkreisen unter 50.

Der laute Bevölkerungsteil hat gewonnen, und die Landesregierung lenkt sofort ein: Niedersachsens Gesundheitsminister, Frau Daniela Behrens (SPD), stellte kurz darauf und noch am selbigen Freitag fest: „Es wird keine Aufhebung der Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung in #Niedersachsen geben. #MNB rettet Leben“. Sieh mal an, auf einmal zählt Volkes Wille?

Ob Maske oder nicht, machen wir uns nichts vor. Die Inzidenzwerte unter Hundert, unter denen es etwas mehr Freiheiten geben sollte, wird gerade von Bundesgesundheitsminister Herrn Jens Spahn geschleift. Er übertrifft mit seinen neuen Inzidenzwert-Marken unter 20 auch noch die Forderung von Noch-Kanzler Frau Dr. Angela Merkel aus dem Frühjahr – und das will was heißen. Und er fordert ein Impfangebot für Schüler.

Interessanterweise aber sagt er auch, dass man aus dem vergangenen Sommer gelernt habe: „Damals haben die Auslandsreisen, häufige Verwandtschaftsbesuche in der Türkei und auf dem Balkan, phasenweise rund 50 Prozent der Neuinfektionen ausgelöst. Das müssen wir in diesem Jahr verhindern“.

Nanana, Herr Bundesgesundheitsminister Spahn! Das darf man nicht mal DENKEN!