Mil­lionen toter Quallen werden auf der ganzen Welt ange­spült — Der „Blob“ könnte daran schuld sein (+Video)

Kippt das Öko­system? Die Tat­sache, dass Mee­res­be­wohner oder See­vögel aus­ge­hungert ange­spült werden, sagt uns im Grunde, dass etwas aus dem Ruder läuft. Ohne unsere Ozeane würde es kein Leben auf dieser Erde geben. Die Zer­störung der Meere hat eine gigan­tische Dimension ange­nommen. Unsere Meere sind zu einer echten Müll­kippe geworden und leiden auch durch Über­fi­schung. Täglich wird von Mee­res­tieren berichtet, die aus­ge­mergelt und unter­ernährt an den Strand gespült werden. Für viele von ihnen kommt jede Hilfe zu spät. Dass es zu einem Mas­sen­sterben kommt, liegt daran, dass die Mee­res­tiere  ver­hungern, doch nicht nur die Über­fi­schung ist ein Problem, die Ozeane heizen sich deutlich schneller auf als die Luft. Und es betrifft nicht nur See­vögel, Wale, Delfine oder Robben, sondern es wurden auch Mil­lionen toter Quallen auf der ganzen Welt ange­spült. Der „Blob“ könnte daran schuld sein, so die Wissenschaftler. 

Die stabile Warmwasser“blase“- Spitzname „The blob“ –  erhöht die Tem­pe­ra­turen des Meeres, wie 2014 im Golf von Alaska, die bis 2016 andauerte. Ihre anhal­tende Präsenz stimmte mit den ersten Jahren des Mas­sen­sterbens der Mee­res­tiere überein. Doch auch danach hörte das Mas­sen­sterben, nicht auf .In Alaska kommt es seit nunmehr sechs Jahren in Folge zu einem regel­rechten Mas­sen­sterben von Mee­res­tieren und See­vögeln. Alle zeigten Zeichen von starken Abma­ge­rungen. Dies ist ein Zeichen für die globale Erwärmung. Wär­meres Wasser enthält weniger gelösten Sauer­stoff, und das Plankton und die win­zigen Krebs­tiere, die dort wachsen, sind weniger nahrhaft als die in käl­terem Wasser. Dies bedeutet, dass wan­dernde Arten wie z. B. See­vögel mög­li­cher­weise an Orten ankommen, an denen sie nor­ma­ler­weise Futter suchen und fest­stellen, dass ihr Futter fehlt, denn der „Kühl­schrank“ ist leer. Und es betrifft nicht nur Alaska, sondern in Afrika wurden tau­sende Rob­ben­föten an Land gespült. Weltweit hat die Erwärmung  erheb­liche Aus­wir­kungen auf das Mee­res­leben, wie auch die neue Studie zeigt.

Mil­lionen toter Quallen werden auf der ganzen Welt ange­spült. Der „Blob“ könnte daran schuld sein.

                                                                                                                                              1000’s of #Jel­lyfish wash ashore near Miami.

Wie ein Tourist auf einem Kreuz­fahrt­schiff ver­bringt die vom Winde ver­wehte See­manns­qualle (Velella velella) ihre Tage damit, ziellos durch das offene Meer zu treiben und sich an einem end­losen Buffet von ergän­zenden Lecker­bissen zu laben.

Die Qualle spreizt die Mee­res­ober­fläche mit einem starren Segel, das knapp über das Wasser ragt, und einer Reihe von lila Ten­takeln, die direkt dar­unter baumeln. Wenn das Segel Wind auf­nimmt, schwimmt die Qualle von Ort zu Ort und fängt winzige Fische und Plankton ein, wo immer sie umher­zieht. Blü­hende Velella-Kolonien können Mil­lionen von Indi­viduen umfassen, die alle zusammen im offenen Wasser feiern und fressen. Das Leben ist schön. Das heißt, bis der Wind eine Kolonie von Segel­quallen und See­pocken an Land treibt.

Jedes Jahr stranden an den Stränden der Welt Kolonien von ihnen zu Tau­senden. Dort trocknen sie aus und sterben und werden zu einem „knusp­rigen Teppich“ aus dehy­drierten Leichen, die den Sand bedecken, sagte Julia Parrish, Pro­fes­sorin an der Uni­versity of Washington und Mit­au­torin einer neuen Studie über Mas­sen­stran­dungen von Velella, in einer Erklärung.

                                                                                                                                                          Uni­versity of Washington

Seg­ler­qual­len­stran­dungen sind üblich, wenn die sai­so­nalen Winde ihren Kurs ändern, aber einige – wie ein Ereignis 2006 an der West­küste Neu­see­lands – sind auf einer ganz anderen Ebene, wobei die Qual­len­leichen nicht in die Tau­sende, sondern in die Mil­lionen gehen. Und warum? Welche Natur­gewalt lässt manche Velella-Stran­dungen so viel größer werden als andere?

Parrish und ihre Kol­legen wollten das her­aus­finden. In ihrer neuen Studie (die am 18. März 2021 in der Fach­zeit­schrift Marine Ecology Pro­gress Series ver­öf­fent­licht wurde) unter­suchten sie daher 20 Jahre lang Velella-Beob­ach­tungen, die entlang der West­küste der Ver­ei­nigten Staaten gemeldet wurden.

Die Beob­ach­tungen stammten von einem Pro­gramm namens Coastal Obser­vation and Seabird Survey Team, auch bekannt als COASST, das Bür­ger­wis­sen­schaftler dazu aus­bildet, ihre lokalen Strände nach ange­schwemmten See­vögeln und anderen unge­wöhn­lichen Tier­sich­tungen abzu­suchen. Das Netzwerk von COASST deckt laut der Website der Gruppe Hun­derte von Stränden ab, die sich von Nord­ka­li­fornien bis zum Polar­kreis erstrecken – und natürlich hatten einige Mit­glieder bereits Begeg­nungen mit Velella. Dazu auch: Hun­derte tote Wale, Robben und Tau­sende tote See­vögel in Alaska ver­hungert ange­schwemmt – Thousands of Dead Sea­birds Washed Up on Alaska’s Shores Again This Year

Die For­scher fanden fast 500 Berichte über Velella-Stran­dungen in der COASST-Datenbank, die an fast 300 Stränden gesichtet wurden. Diesen Berichten zufolge ereig­neten sich die mit Abstand mas­sivsten Abster­be­vor­gänge in den Früh­lings­mo­naten von 2015 bis 2019. In diesen Jahren lagen tote Quallen auf mehr als 620 Meilen (1.000 Kilo­meter) durch­ge­hender Küs­ten­linie, fanden die For­scher heraus.

2013 begann sich das Ober­flä­chen­wasser vor der Pazi­fik­küste in nie zuvor gemes­sener Höhe zu erwärmen, wie Live Science berichtete. Die intensive Erwärmung setzte sich bis 2016 fort, und zwar auf jeder Ebene der marinen Nah­rungs­kette und das End­ergebnis war ein Mas­sen­sterben von See­vögeln, Bar­ten­walen, See­löwen und andere Krea­turen. Laut der neuen Studie ist es wahr­scheinlich, dass der „Blob“ das Mas­sen­sterben der vom Winde ver­wehten See­wal­quallen ver­ur­sacht hat, von dem damals berichtet wurde.

Der Haken an der Sache ist, dass die Erwärmung des Mee­res­wassers für die Quallen sogar gut gewesen sein könnte, so die For­scher. Als der Blob die Ober­flä­chen­tem­pe­ra­turen des Ozeans erhöhte, pro­fi­tierten bestimmte Fische (wie z.B. die nörd­lichen Sar­dellen) von län­geren Laich­zeiten, die den Velella-Quallen mehr Nahrung boten, die sie früher im Jahr ver­schlangen. Dies könnte dazu geführt haben, dass die Qual­len­po­pu­la­tionen in die Höhe schossen, bevor sai­sonale Wind­än­de­rungen die Quallen im Frühjahr an Land trieben.

Mit anderen Worten, der Blob könnte dazu bei­getragen haben, dass die Velella-Quallen vor der Pazi­fik­küste gedeihen, was in diesen Jahren zu viel grö­ßeren Stran­dungs­er­eig­nissen führte. Die Segel­quallen könnten daher zu „Gewinnern“ des Kli­ma­wandels werden, da die globale Erwärmung die Häu­figkeit von Hit­ze­wellen im Meer erhöhen wird, schreiben die For­scher. Aber ihr Erfolg wird auf Kosten anderer, weniger glück­licher Lebe­wesen gehen – und einer ganzen Reihe von Quallen-Kadavern an unseren Küsten.

„Ein sich ver­än­derndes Klima schafft neue Gewinner und Ver­lierer in jedem Öko­system“, sagte Parrish in der Erklärung. „Aber erschre­ckend ist, dass wir diese Ver­än­derung tat­sächlich dokumentieren.“

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Netz­frauen Lisa Nat­terer und Doro Schreier


Quelle: netzfrauen.org