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#Peo­p­le­Not­Profit — Euer Profit kostet uns das Leben, denn ihr habt aus unserer Stadt, die gif­tigste Stadt der Welt gemacht (+Videos)

„Es ist die schlimmste Umwelt­ka­ta­strophe, die ich in 30 Jahren Praxis gesehen habe. Es gibt unbe­streitbare Beweise für eine massive Blei­kon­ta­mi­nation des Bodens in den umlie­genden Dörfern, die für erstaunlich hohe Blei­werte im Blut der lokalen Bevöl­kerung in Kabwe, ins­be­sondere bei sehr kleinen Kindern, gesorgt hat“, so Richard Meeran von Leigh Day. Und er hat schon viele Opfer von Umwelt­ka­ta­strophen vor Gericht ver­treten, ob Queck­silber- oder Asbest­ver­gif­tungen. In diesem Fall handelt es sich um Umwelt­schäden durch Blei, von dem drei Genera­tionen von Männern, Frauen und Kindern kon­ta­mi­niert werden. Kabwe war die größte Bleimine der Welt in Sambia. Der mul­ti­na­tionale Konzern Anglo Ame­rican aus London hat die Men­schen einfach mit dem  schreck­lichen Erbe der sam­bi­schen Bleimine in Stich gelassen. Trotz ihres Roh­stoff-Reichtums bleibt die Bevöl­kerung vieler Länder arm, während die Kon­zerne, wie der bri­tische Anglo Ame­rican, nach Glencore, Rio Tinto und Vale eines der größten Berg­bau­kon­zerne der Welt, Mil­li­arden Dollar Umsatz macht, leiden die Opfer ihrer Minen, die nie eine Ent­schä­digung bekommen haben. Im Gegenteil, im März 2022 bestreitet Anglo Ame­rican sogar, jemals Eigen­tümer der Mine gewesen zu sein. Es erinnert an Ecuador und das Erbe der ver­seuchten Gebiete durch den Erd­öl­konzern Chevron. Statt die erstrittene Ent­schä­digung in Höhe von 9 Mil­li­arden US-Dollar, sollte Ecuador plötzlich 112 Mil­lionen US-Dollar an Chevron zahlen. Das muss man sich mal vor­stellen – Konzern vor Men­schen­recht – einfach widerlich! „Euer Profit kostet uns das Leben, denn ihr habt aus unserer Stadt Kabwe, die gif­tigste Stadt der Welt gemacht,“ so die Mütter, die eine Sam­mel­klage gegen den  Berg­bau­konzern Anglo Ame­rican wegen Blei­ver­giftung ein­ge­reicht haben. 

Fast ein Jahr­hundert Blei­minen hat Genera­tionen von Kindern in Kabwe vergiftet

Als vor gut 100 Jahren in Kabwe reich­haltige Blei­vor­kommen ent­deckt wurden, schien das zunächst ein Segen zu sein. Doch mitt­ler­weile hat das Gift die Stadt und ihre Ein­wohner ver­seucht. Kabwe ist die Haupt­stadt der Zen­tral­provinz der Republik Sambia.

Eine Gruppe sam­bi­scher Frauen und Kinder hat im Oktober 2020 eine Sam­mel­klage gegen eine Toch­ter­ge­sell­schaft des Berg­bau­un­ter­nehmens Anglo Ame­rican wegen angeb­licher Blei­ver­giftung ein­ge­reicht. Am 15.März 2022 legten die Anwalts­kanz­leien Mbuyisa Moleele und Leigh Day, die bereits viele Opfer von Umwelt­ka­ta­strophen ver­treten haben, ihre Argu­mente vor einem süd­afri­ka­ni­schen Gericht vor. Anglo Ame­rican gab an, dass es sei nicht ver­ant­wortlich für die aktuelle Situation sei. 

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Schwarze Tod von Kabwe

Kabwe, die zweit­größte Stadt der Republik Sambia, ist mit Blei ver­seucht. Im Jahre 1902 wurden hier riesige Blei­vor­kommen ent­deckt. Eisenerze, in denen das Blei steckte, wurden abgebaut und geschmolzen, mit den Staub­par­tikeln ließen sich Schwer­me­talle auf den Boden in der näheren Umgebung nieder.

Kabwe-  Larry C. Price

Im Januar 2021 wandte sich AFRE­WATCH in einem Schreiben an den Aus­schuss der Ver­einten Nationen für die Rechte des Kindes (CRC) und for­derte Maß­nahmen gegen die anhal­tenden Schäden, die die Kabwe-Bleimine in Sambia bei Kindern verursacht.

Die Mine war von 1904 bis 1994 in Betrieb und bedeckte einen großen Teil des Gebiets mit Bleistaub aus der Schmelz­anlage, der bis heute im Boden ver­bleibt. In einem Bericht von Human Rights Watch über Kabwe aus dem Jahr 2019 heißt es:

„Zu den Folgen für Kinder, die hohen Blei­kon­zen­tra­tionen aus­ge­setzt sind und nicht behandelt werden, gehören Lese- und Lern­schwie­rig­keiten oder Behin­de­rungen, Ver­hal­tens­stö­rungen, Wachs­tums­stö­rungen, Anämie, Hirn‑, Leber‑, Nieren‑, Nerven- und Magen­schäden, Koma und Krämpfe sowie Tod. Nach län­gerer Expo­sition sind die Aus­wir­kungen irrever­sibel. Blei erhöht auch das Risiko von Fehl­ge­burten und kann sowohl über die Pla­zenta als auch über die Mut­ter­milch über­tragen werden. Medi­zi­nische Studien haben wei­terhin massive Blei­kon­zen­tra­tionen bei vielen Klein­kindern in Kabwe ergeben.

In seinem Schreiben an das UN-Komitee schrieb Emmanuel Umpula (Geschäfts­führer von AFRE­WATCH): „Die Situation in Kabwe ist äußerst besorg­nis­er­regend, und wir fordern das CRC dringend auf, die von den Klägern in der Sam­mel­klage gegen Anglo Ame­rican erho­benen Ansprüche zu unter­suchen. Das Ver­halten von Anglo Ame­rican während der 50-jäh­rigen Leitung und Über­wa­chung der Mine hat zu den heu­tigen Bedin­gungen geführt, durch die das Leben unzäh­liger Kinder ernsthaft gefährdet ist – ein­schließlich der Gefahr des Todes. Das Ver­säumnis von Anglo Ame­rican, Maß­nahmen zu ergreifen, um die anhal­tenden Schäden an der Gesundheit und der Umwelt der Gemeinden in Kabwe zu beheben, steht nicht im Ein­klang mit seinen öffentlich erklärten Ver­pflich­tungen. Das muss sich sofort ändern.“

Fast ein Jahr­hundert Blei­mi­nen­abbau und ‑ver­hüttung hat Genera­tionen von Kindern in Kabwe vergiftet

„Ich möchte Arzt werden“, sagt der sie­ben­jährige Martin und sitzt ruhig in seinem beschei­denen Haus in Kabwe, Sambia. Doch in Wahrheit kämpft Martin mit seinen Schul­auf­gaben, und es scheint unwahr­scheinlich, dass sein Traum Wirk­lichkeit wird.

Kabwe ist nach Ansicht von Umwelt­schutz­ex­perten die gif­tigste Stadt der Welt, in der eine massive Blei­ver­giftung mit ziem­licher Sicherheit die Gehirne und andere Organe von Genera­tionen von Kindern geschädigt hat – und in der wei­terhin täglich Kinder ver­giftet werden.

Fast ein Jahr­hundert Blei­bergbau und ‑ver­hüttung haben in der einst blü­henden Stadt mit 220 000 Ein­wohnern, 100 km nördlich der Haupt­stadt Lusaka und in der Nähe des zen­tral­afri­ka­ni­schen Cop­perbelt (Kup­fer­gürtel), ein wahrhaft gif­tiges Erbe hin­ter­lassen. Doch die tat­säch­lichen Aus­wir­kungen auf die Men­schen in Kabwe sind noch nicht voll­ständig bekannt, und während die ersten Schritte zur Sanierung ein­ge­leitet wurden, tauchen neue Gefahren auf, wenn ver­zwei­felte arme Men­schen auf der rie­sigen Schla­cken­halde, die als Black Mountain bekannt ist, nach Nahrung suchen.

„Ich war schon an etwa 20 toxi­schen Brenn­punkten auf der ganzen Welt und habe Quecksilber‑, Chrom- und viele Blei­ver­seu­chungen gesehen, aber das Ausmaß in Kabwe ist bei­spiellos“, sagt Prof. Jack Cara­vanos, ein Experte für Umwelt und Gesundheit an der New York Uni­versity, bei seinem vierten Besuch in der Stadt. „Hier sind Tau­sende von Men­schen betroffen, nicht nur Hun­derte wie in anderen Orten.“

Die Abgase der rie­sigen staat­lichen Hütte, die 1994 geschlossen wurde, haben den stau­bigen Boden in der Umgebung mit extremen Blei­kon­zen­tra­tionen belastet. Das Metall, das weltweit immer noch in Auto­bat­terien ver­wendet wird, ist ein starkes Ner­vengift und besonders schädlich für Kinder. Vor allem Klein­kinder ver­schlucken es am häu­figsten, vor allem wenn sie im Freien spielen und häufig die Hände in den Mund stecken.

Martin (links) und sein Bruder Gift leben in einer ehe­ma­ligen Berg­ar­bei­ter­un­ter­kunft neben den rie­sigen Abraum­halden der Kabwe-Mine und ‑Hütte. Foto: Larry C. Price/The Guardian

In diesem Alter bemerkte Martins Mutter, Annie Kabwe, zum ersten Mal, dass ihre Kinder Bauch­schmerzen und Fieber bekamen und an Gewicht ver­loren. „Ich dachte, es könnte HIV sein, aber die Tests waren negativ“, sagt sie. Dann wurden bei Blut­tests sehr hohe Blei­werte festgestellt.

„Ich dachte, sie würden sterben“, sagt Kabwe. Nachdem sie sich über die Gif­tigkeit des Staubs in ihrer Nach­bar­schaft infor­miert und die Blei­ex­po­sition ihrer Kinder durch häu­figes Hän­de­wa­schen und Waschen der Kleidung ver­ringert hatte, ist das Schlimmste noch nicht ein­ge­treten. „Das Problem ist, dass sie in der Schule nicht wirklich gut lernen, das Blei wirkt sich also immer noch auf sie aus“, sagt sie.

Cara­vanos sagt, dass eine Blei­ver­giftung für den Rest des Lebens bestehen bleibt und nicht rück­gängig gemacht werden kann. Nachdem er die extremen Blei­werte gesehen hat, die bei Kindern in meh­reren Town­ships gemessen wurden, sagt er, dass schwer­wie­gende und weit ver­breitete gesund­heit­liche Aus­wir­kungen sehr wahr­scheinlich sind, ein­schließlich Hirn­schäden, Läh­mungen und letzt­endlich Todes­fälle. „Ich bin besorgt, dass hier Kinder sterben“, sagt er.

Barry Mulimba, der als ehren­amt­licher Gemein­de­be­treuer viele betroffene Kinder gesehen hat, sagt: „Ich bin sehr, sehr traurig, vor allem für die Kinder, denn wir betrachten die Kinder als unsere zukünf­tigen Füh­rungs­kräfte, und wenn sie keine gute Aus­bildung bekommen, werden sie dazu nicht fähig sein.“

Die schlei­chende, heim­tü­ckische Natur der Blei­ver­giftung erfordert eine sorg­fältige epi­de­mio­lo­gische Arbeit, um die Aus­wir­kungen von anderen Ursachen zu unter­scheiden und das wahre Ausmaß der Krise zu ermitteln. Doch diese Arbeit hat gerade erst begonnen. „Es ist scho­ckierend, dass wir uns im Jahr 2017 befinden und das Problem, das wir seit Jahr­zehnten kennen, immer noch besteht“, sagt Caravanos.

Blei­ver­gif­tungen sind in Kabwe nach wie vor ein hoch­sen­sibles Thema, und Ver­treter meh­rerer Orga­ni­sa­tionen wei­gerten sich, mit dem Guardian zu sprechen, während die­je­nigen, die ver­suchen, das Problem anzu­gehen, sich darüber beschweren, dass die von den Behörden erho­benen Daten nicht ver­öf­fent­licht werden.

Kinder spielen mit Fla­schen­ver­schlüssen im Staub in der Gemeinde Chowa in Kabwe. Der Staub ist stark mit Blei belastet, das hoch­giftig ist. Foto: Larry C. Price/The Guardian

Eine lokale Quelle berichtet, dass es Kinder mit Hirn­schäden, Läh­mungen und Blindheit – alles klas­sische Sym­ptome einer Blei­ver­giftung – gibt, die nicht auf Blei getestet wurden, und dass einige Kinder mit Behin­de­rungen von ihren Familien aus Angst vor Stig­ma­ti­sierung ver­steckt werden. Eine zweite Quelle berichtet, dass sich die Kinder in Chowa, der Gemeinde, in der einst die Minen- und Hüt­ten­ar­beiter lebten, deutlich von denen in weniger ver­schmutzten Gemeinden unter­scheiden: „Ich bemerke eine Lang­samkeit bei ihnen, und sie brauchen viel länger, um Ideen zu begreifen.“

In Kabwe ist das Ausmaß der Ver­schmutzung ein­deutig. Ein großes Projekt der Weltbank, das 2011 abge­schlossen wurde, hat das Problem auf­ge­deckt, auch wenn es wenig zur Besei­tigung der Ver­schmutzung bei­getragen hat. In den betrof­fenen Gemeinden ist der Blei­gehalt im Boden etwa zehnmal so hoch wie der US-Sicher­heits­grenzwert und in Hot­spots noch viel höher.

Ein solcher Hotspot ist der staubige Hof der ein­zigen medi­zi­ni­schen Klinik in Chowa, die 14.000 Men­schen ver­sorgt. Cara­vanos ver­wendet einen trag­baren Detektor, um extreme Blei­kon­zen­tra­tionen im son­nen­ver­brannten Schlamm fest­zu­stellen, die häufig über 10.000 Teile pro Million (ppm) liegen und damit weit über dem in den USA gel­tenden Grenzwert von 400 ppm. Der Leiter der Klinik lehnte es ab, vom Guardian inter­viewt zu werden.

Auch die Blei­kon­zen­tra­tionen im Blut der Kinder in Kabwe sind bekann­ter­maßen sehr hoch

– eine kürzlich durch­ge­führte Studie ergab, dass jedes ein­zelne der 246 getes­teten Kinder über der Sicher­heits­grenze von 5 Mikro­gramm pro Dezi­liter Blut lag. Die über­wie­gende Mehrheit lag über 45 Mikro­gramm pro Dezi­liter, was zu Gehirn‑, Leber- und Gehör­schäden führt, und acht lagen über 150 Mikro­gramm pro Dezi­liter, was den Tod zur Folge haben kann.

Im Jahr 2015, 113 Jahre nach der Eröffnung der Hütte, begannen NRO mit der Sanierung der ersten Häuser, die von der deut­schen Orga­ni­sation Terrre des Hommes finan­ziert und von Envi­ronment Africa und Pure Earth mit Hilfe von Arbeitern aus der Gemeinde durch­ge­führt wurde. Bei mehr als 120 Häusern wurde die Erde in ihren Höfen durch saubere Erde von anderswo ersetzt.

„Es ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber wir sind froh, dass wir die am stärksten ver­schmutzten Haus­halte zuerst ins Visier genommen haben“, sagt Namo Chuma, Direktor von Envi­ronment Africa in Sambia. Chuma ist jedoch der Meinung, dass das Problem endlich auch offi­ziell aner­kannt wird: „Die Regierung erkennt jetzt an, dass es ein Problem gibt.“

Frauen und Kinder zer­kleinern Steine, um sie als Kies zwi­schen den hoch kon­ta­mi­nierten Abraum­halden des ehe­ma­ligen Berg­werks zu ver­kaufen. Foto: Larry C. Price/The Guardian

Paul Mukuka, Direktor für öffent­liche Gesundheit beim Stadtrat von Kabwe, sagt: „Die Regierung ist wie jede andere Regierung um die Gesundheit ihrer Bürger besorgt.“ Er sagt, es gebe jetzt einen Fonds von 16 Mio. Kwacha (etwa 1,7 Mio. Dollar), der für die Besei­tigung der toxi­schen Ver­schmutzung in Kabwe, die Bereit­stellung der bisher feh­lenden medi­ka­men­tösen The­rapien und die Repa­ratur des ver­stopften Kanals, der die Abwässer des Minen­ge­ländes ableiten soll, ver­wendet werden soll.

Wilford Chipeta, dessen Enkel ver­giftet wurde, ist noch nicht über­zeugt: „Uns wurde ver­sprochen, dass [früher] Medi­ka­mente kommen würden, aber es kam nichts. Sie reden immer, aber wir bekommen nichts.“

Mukuka wurde per­sönlich mit der Blei­krise kon­fron­tiert, als er vor einem Jahr nach Kabwe kam und ein sau­beres Viertel für seine Familie suchte: „Ich habe drei hübsche Mädchen zu Hause – wo sollen die denn spielen?“ Er sagt, der neue Plan ver­spreche auch neue Lebens­grund­lagen, um die Men­schen vom Plündern der Abraum­halden der Mine wegzulocken.

Auf Black Mountain graben barfuß und in Lumpen gekleidete Männer Blei aus der rie­sigen Schla­cken­halde aus, oft in langen, nicht abge­stützten Tunneln, die mit Hand­werk­zeugen gegraben und nur von Kerzen beleuchtet werden.

„Wenn man sie nicht richtig macht, werden die Leute einfach begraben“, sagt Provost Musonda, ein junger Vater von drei Kindern, und es sind schon viele Men­schen in der ver­narbten Höl­len­land­schaft von Black Mountain gestorben. Er ver­dient etwa 80 Kwacha (8,50 Dollar) pro Tag, es sei denn, seine Brust­schmerzen hindern ihn am Arbeiten. „Wenn ich einen anderen Job finden könnte, würde ich dorthin gehen. Aber es gibt keine andere Mög­lichkeit, unser Leben zu sichern.

Illegale Berg­leute suchen auf dem Black Mountain, einer rie­sigen Schla­cken­halde, nach Blei und setzen sich dabei extremen Blei­kon­zen­tra­tionen aus. Foto: Larry C. Price/The Guardian

Cara­vanos benutzt einen trag­baren Detektor, um die Blei­kon­zen­tration auf dem Black Mountain zu messen: Sie ist mit 30.000–60.000 ppm extrem hoch. „Dass Kinder hier spielen, ist wirklich unglaublich“, sagt er mit Blick auf sie in der Nähe.

In einem anderen Teil der Abraum­halde, jen­seits einer langen Git­ter­mauer mit großen Schildern mit der Auf­schrift „Achtung, nicht betreten“, sitzen Men­schen im Staub und brechen Steine, um sie als Bau­ma­terial zu verkaufen.

An einer Stelle schuftet eine junge Frau, Debola Kunda, und zwei ihrer kleinen Kinder gehen ihr zur Hand. Der Staub funkelt mit dem metal­li­schen Schimmer von Blei­glanz – reinem Blei­sulfid – und der Boden direkt neben ihrem vier­jäh­rigen Sohn Acili weist einen astro­no­mi­schen Wert von 37.900 ppm auf – 100 Mal über der Gefahrengrenze.

Sie macht sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder, die noch nicht auf Blei im Blut getestet wurden. „Aber was können wir tun, wenn niemand zu Hause ist, der sich um die Kinder kümmert? Was sollen wir essen, wenn wir zu Hause bleiben“, sagt sie.

„Ein neues 65-Mil­lionen-Dollar-Projekt für Kabwe und drei weitere Berg­bau­ge­biete im Kup­fer­gürtel wurde im Dezember von der Weltbank genehmigt, so der Bericht von The Guardian aus 2017,“ aber die sam­bische Regierung muss noch grünes Licht geben. Es könnte einen Wandel her­bei­führen – aber das muss erst noch geschehen.

„Ein Pro­gramm für mehr als 3.000 Kinder und Bürger von Kabwe würde einer stän­digen medi­zi­ni­schen Über­wa­chung und Behand­lungs­pro­grammen unter­zogen werden, und jeder, der einen hohen Blei­gehalt im Blut auf­weist, würde eben­falls behandelt werden“, sagt Sanjay Sri­va­stava von der Weltbank, der opti­mis­tisch ist, dass die Krise endlich in Angriff genommen wird. „Die Regierung hat endlich erkannt, dass es ein Problem gibt, und sie muss es angehen.“

Cara­vanos, der auch lei­tender wis­sen­schaft­licher Berater von Pure Earth ist, sagt, dass die Lösung für Kabwes giftige Pro­bleme klar ist: „Wir haben das Wissen – wir müssen nur die Kinder von der Expo­sition weg­bringen. Wird Kabwe jemals eine blei­freie Stadt sein? Nein, aber es kann eine blei­freie Stadt werden.

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Vier Jahre später, 2021 – Die gif­tigste Stadt der Welt – Dazu das Men­schen­rechtsbüro der Ver­einten Nationen im Juli 2021:

Laut ohchr.org: „Es ist auch wichtig, dass die Kinder nicht in die kon­ta­mi­nierte Umgebung zurück­kehren, sobald sie die Chelat­be­handlung abge­schlossen haben“, hieß es. Das bedeutet, dass Sambia alle Wohn­ge­biete voll­ständig und dau­erhaft sanieren muss.

„Die Regierung ist immer noch nicht in der Lage, die Blei­ver­schmutzung in Kabwe voll­ständig zu besei­tigen und nach­haltige Tests und Behand­lungen für die Ein­wohner von Kabwe zu gewähr­leisten“, so die Experten.

Die Experten betonten, dass Staaten und Berg­bau­un­ter­nehmen nach den Leit­prin­zipien der Ver­einten Nationen für Wirt­schaft und Men­schen­rechte die Pflicht und Ver­ant­wortung haben, Men­schen­rechte zu respek­tieren und zu schützen sowie gegen Men­schen­rechts­ver­let­zungen durch Unter­nehmen vorzugehen.

Im Rahmen eines von der Weltbank finan­zierten Pro­jekts, das 2016 ange­laufen ist, wurden einige Fort­schritte erzielt. Das Projekt befasst sich jedoch weder mit der Quelle der Ver­schmutzung, den Abfall­de­ponien der Kabwe-Mine, noch mit einer umfas­senden Sanierung der betrof­fenen Gemeinden.

In der Region ent­stehen neue Quellen der Blei­ver­schmutzung, da die sam­bische Regierung Lizenzen für kleine Minen erteilt, die nun neben nicht lizen­zierten Minen eröffnet werden.

Nach Ansicht der Experten haben die Behörden die Gesund­heits­ge­fahren durch den Klein­bergbau, der nach der Schließung der Hauptmine im Jahr 1994 wieder auf­lebte, nicht in Angriff genommen.

„Die Blei­ver­giftung in Kabwe stellt einen Angriff auf das Recht auf ein Leben in Würde, das Recht auf Gesundheit und das Recht auf eine saubere Umwelt dar“, so die Experten, „und wir fordern Sambia auf, Ver­ant­wortung zu über­nehmen und mehr zu tun, damit den Kindern des Landes Gesundheit, Wohl­ergehen und eine men­schen­würdige Zukunft gesi­chert werden.“

März 2022 in Kabwe – die gif­tigste Stadt der Welt

Hohe Blei­werte im Blut von Tau­senden von Kindern, die in der Nähe der Kabwe-Mine in Sambia leben Es wurden neue Beweise gegen das Berg­bau­un­ter­nehmen im Namen von über 100.000 Opfern eingereicht. 

Im Blut von Tau­senden von Kindern, die in der Nähe der Kabwe-Mine in Sambia leben, wurden hohe Blei­werte gefunden, wie Beweise belegen. Die Men­schen­rechts­an­wälte haben diese Beweise am 15. März 2022 vor dem South Gauteng High Court vor­gelegt. Die Berichte von Medizin- und Umwelt­ex­perten werden den Fall gegen den  Berg­bau­gigant Anglo Ame­rican South Africa Ltd wegen angeb­licher Ver­ur­sa­chung einer weit­ver­brei­teten Blei­ver­giftung rund um das Gelände, stärken.

Anglo Ame­rican hat sich der Sam­mel­klage wider­setzt. Das Unter­nehmen ver­suchte, die Schuld auf Zambia Con­so­li­dated Copper Mines abzu­wälzen, ein staat­liches Unter­nehmen, das 1974 den Betrieb der Mine übernahm.

Aber das Projekt wurde von Anglo Ame­rican viel länger und aktiver betrieben und muss daher für den Schaden auf­kommen, sagten die Anwälte. Eine Anhörung zur Ent­scheidung soll noch in diesem Jahr stattfinden.

Euer Profit kostet uns das Leben, denn ihr habt aus unserer Stadt, die gif­tigste Stadt der Welt gemacht

Netzfrau Lisa Natterer


Quelle: netzfrauen.org