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Linke Ver­schwö­rungs­theorien

Blick aus Österreich

(von Andreas Tögel)

Mit der Punze „Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker“ wird von Medien und linken Polit­funk­tio­nären dieser Tage recht leicht­fertig jedermann ver­sehen, der es wagt, eine vom pater­na­lis­ti­schen, immer tota­li­tärer agie­renden Wohl­fahrts­staat prak­ti­zierte Maß­nahmen infrage zu stellen oder zu kri­ti­sieren. „Ver­schwö­rungs­theorie“ ist zu einem in so gut wie allen Fällen pejo­rativ ver­wen­deten Kampf­be­griff mutiert. Wer Ver­schwö­rungs­theorien anhängt, wird ent­weder als ein Mensch schlichten Gemüts und „Alu­hut­träger“ dar­ge­stellt oder als ein an para­noiden Wahn­vor­stel­lungen lei­dender Narr, der nicht ernst zu nehmen ist.

Begriffs­be­stimmung

Im Inter­net­le­xikon Wiki­pedia findet sich der Eintrag:

Als Ver­schwö­rungs­theorie wird im wei­testen Sinne der Versuch bezeichnet, einen Zustand, ein Ereignis oder eine Ent­wicklung durch eine Ver­schwörung zu erklären, also durch das ziel­ge­richtete, kon­spi­rative Wirken einer meist kleinen Gruppe von Akteuren zu einem oftmals ille­galen oder ille­gi­timen Zweck.

Die KI „Deep Seek“ gibt fol­gende Auskunft:

Eine Ver­schwö­rungs­theorie ist eine Erklärung für ein Ereignis oder eine Situation, die besagt, dass geheime, oft bös­willige Gruppen oder Ein­zel­per­sonen hinter den Kulissen agieren, um bestimmte Ziele zu erreichen. Diese Theorien basieren häufig auf der Annahme, dass offi­zielle Erklä­rungen unvoll­ständig oder falsch sind und dass es eine geheime Agenda gibt, die ver­borgen bleibt. (…) Es ist wichtig, kri­tisch zu denken und Infor­ma­tionen aus ver­trau­ens­wür­digen Quellen zu über­prüfen, um zwi­schen Fakten und Spe­ku­la­tionen zu unterscheiden.

Dem letzten Satz ist voll­in­haltlich zuzustimmen.

His­to­risch doku­men­tierte Verschwörungen

Niemand kann behaupten, dass es so etwas wie Ver­schwö­rungen nicht gibt. Man denke bei­spiels­weise an die Mord­kom­plotte gegen Julius Cäsar oder den US-Prä­si­denten Abraham Lincoln.

Ver­schwö­rungen gab es und wird es auch in Zukunft geben. Das­selbe gilt auch für Ver­schwö­rungs­theorien, die zwar als dubios geframt werden, sich viele Jahre später aber doch als richtig erweisen. Als Bei­spiel sei der Sturz des ira­ni­schen Minis­ter­prä­si­denten Mos­sadegh im Jahr 1953 genannt, der – so die damals kol­por­tierte „Ver­schwö­rungs­theorie“ – angeblich vom US-Aus­lands­ge­heim­dienst CIA und dessen bri­ti­schem Pendant MI6 eige­fädelt wurde. 30 Jahre später – nach Freigabe der Archive durch die Behörden – stellte sich die ver­meint­liche Ver­schwö­rungs­theorie letztlich doch als wahr heraus. Der Sturz Mos­sa­deghs war tat­sächlich das Werk zweier west­licher Geheimdienste.

Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker in die rechte Ecke

Um frag­würdige Akti­vi­täten, welcher Art auch immer sie sein mögen, vor den Augen der Öffent­lichkeit zu ver­schleiern, bewährt es sich, lästige Kri­tiker als Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker zu denun­zieren und ihnen unlautere Motive, sach­liche Unkenntnis oder eine defi­zitäre intel­lek­tuelle Aus­stattung zu attes­tieren. Eine Dis­kussion um die zugrund­lie­gende Sach­frage findet nicht statt. Statt­dessen brand­markt man den Oppo­nenten als „Nazi“ und die Debatte ist damit beendet. Wer will schon mit „Nazis“ disputieren?

Der dank staat­licher Zwangs­be­schulung von Kin­des­beinen an auf Staats- und Obrig­keits­hö­rigkeit kon­di­tio­nierte Untertan ist nur allzu gern bereit, ans Gute in der Regierung und deren Sym­bi­onten in den öffentlich-recht­lichen Medien zu glauben. Dass eine auf­grund einer demo­kra­ti­schen Wahl zustande gekommene Regierung sich absichtlich gegen die Wünsche der Wähler stellen und kor­rum­pierte Medien ihn durch die Kol­portage von Halb­wahr­heiten und Lügen des­in­for­mieren könnte, ist für Otto Nor­mal­ver­braucher undenkbar. Und das, obwohl offen­sichtlich ist, dass die von vielen Regie­rungen west­licher Demo­kratien prak­ti­zierte Einwanderungs‑, Energie- oder LGBTQ+-Politik offen­sichtlich gegen ihre Inter­essen gerichtet ist.

Mit Blick auf die poli­tische Klasse gilt die Erkenntnis, die der Ökonom und Sozi­al­phi­losoph Friedrich Augst von Hayek (1899 – 1992) in seinem 1944 erschie­nenen Buch „Der Weg zur Knecht­schaft“ dar­legte, das ihm dank der Ver­breitung durch „Reader´s Digest“ welt­weite Bekanntheit ver­schaffte: Die Übelsten kommen an die Spitze. Ange­hö­rigen der poli­ti­schen „Elite“ auch nur ein Minimum an Ver­trauen ent­ge­gen­zu­bringen, ist ein schwerer Fehler, da es sich in den meisten Fällen, wie Hayek kon­sta­tiert, um eine Nega­tiv­auslese handelt.

Kul­tu­relle Hege­monie der Progressiven

Nachdem die Linke auf Basis der vom ita­lie­ni­schen Kom­mu­nisten Antonio Gramsci (1891 – 1937) erdachten theo­re­ti­schen Grundlage, die kul­tu­relle Hege­monie nach ihrem Marsch durch die Insti­tu­tionen erfolg­reich abge­schlossen hat, sind alle maß­geb­lichen staat­lichen Insti­tu­tionen wie Bil­dungs­wesen, Sozi­al­bü­ro­kratie und Justiz – sowie die Haupt­strom­medien und die Mehrzahl der mit Steu­ergeld sub­ven­tio­nierten „Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen“ – fest in der Hand pro­gres­siver – kul­tur­mar­xis­ti­scher – Kräfte. Es ist demnach kein Wunder, dass die Pro­duktion von Ver­schwö­rungs­theorien von den über die nahezu unein­ge­schränkte Deu­tungs­hoheit ver­fü­genden Linken so gut wie aus­schließlich dem „rechten“ Lager zuge­schrieben wird.

Dass sich inzwi­schen ein Großteil der von „Schwurblern“ und „Alu­hüten“ vor­ge­brachten Kritik an der Wirk­samkeit der zur Ein­dämmung der „Pan­demie“ dik­tierten Maß­nahmen als richtig erwiesen hat, wurde und wird medial kaum the­ma­ti­siert. Außerdem beherrscht ohnehin längst wieder der durch Corona nur kurz­fristig unter­bro­chene CO2-Ablass­handel im Rahmen der zeit­geis­tigen Kli­ma­wan­del­re­ligion die Berichterstattung.

Ver­schwörer stehen also, nach Ansicht des poli­tisch-medialen Kom­plexes, poli­tisch rechts. Aber stimmt das auch? Gibt es keine von Linken lan­cierten Verschwörungen?

Ver­schwö­rungs­theorien der Linken

Wer kennt nicht das aus der Feder des mar­xis­ti­schen Lite­raten Bertolt Brecht (1898 – 1956) stam­mende Gedicht

Reicher Mann und armer Mann standen da und sah’n sich an. Und der Arme sagte bleich: Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.

Damit greift Brecht den von Karl Marx geschaf­fenen Mythos auf, dass es sich bei der von ihm „Kapi­ta­lismus“ genannten Markt­wirt­schaft um ein Null­sum­men­spiel handle. Der Gewinn des einen sei der Verlust der anderen. Bis heute hält sich diese leicht als Unsinn erkennbare Zwangs­vor­stellung in Kreisen linker Agitprop-Akti­visten, Gewerk­schaftlern und Grünideo­logen. Dass die werk­tä­tigen Massen in markt­wirt­schaftlich orga­ni­sierten Gesell­schaften nicht ver­elenden, sondern heute in einem Wohl­stand leben, von dem zu Marx‘ Zeiten niemand zu träumen wagte, kann aus Sicht linker Ideo­logen nicht wahr sein, weil es – ihrer Ideo­logie zufolge – einfach nicht wahr sein darf.

Dass allein in China seit den 1978 von Deng Xiaoping ange­sto­ßenen wirt­schafts­li­be­ralen Reformen Hun­derte Mil­lionen Chi­nesen der Armut ent­ronnen und in die Mit­tel­schicht auf­ge­stiegen sind, wollen die Pro­gres­siven nicht zur Kenntnis nehmen.

Die von Marx pro­phe­zeite „Ver­elendung der Massen“, trägt zwei­fellos den Cha­rakter einer Ver­schwö­rungs­theorie. Flucht­be­we­gungen erfolgen stets aus sozia­lis­ti­schen Arbeiter-und-Bauern-Para­diesen in „kapi­ta­lis­tische“ Gesell­schaften – und niemals in umge­kehrter Richtung.

Auch der von Linken gerne erhobene Vorwurf der plan­mä­ßigen Umwelt­zer­störung durch den Kapi­ta­lismus, die durch eine links­grüne Räte­dik­tatur gestoppt werden könnte, fällt in die Kate­gorie Ver­schwö­rungs­theorie. Nir­gendwo wurden schwerere Umwelt­sünden begangen als in sozia­lis­ti­schen Kommandowirtschaften.

Eigentum befreit

Pri­vates Eigentum bildet die Basis von Frieden und Freiheit. Ludwig von Mises (1881 – 1973) schrieb 1927 in „Libe­ra­lismus“ (S. 17):

Das Pro­gramm des Libe­ra­lismus hätte also, in ein ein­ziges Wort zusam­men­ge­fasst zu lauten: Eigentum … Alle anderen For­de­rungen des Libe­ra­lismus ergeben sich aus dieser Grundforderung.

Nicht Arbeit, sondern Eigentum befreit von hoheit­licher Bevor­mundung und der Ent­ge­gen­nahme von Almosen, die durch die Sozi­al­bü­ro­kratie ver­teilt werden. Der Kampf gegen pri­vates Eigentum steht daher ganz oben auf der Agenda linker Pater­na­listen. Denn Linke hassen die Freiheit.

Die von ihnen lan­cierte Ver­schwö­rungs­theorie zielt darauf ab, pri­vates Eigentum unter Gene­ral­ver­dacht zu stellen, als unmo­ra­lisch abzu­werten und – siehe oben – die kon­tra­fak­tische Behauptung zu erheben, pri­vates Eigentum könne nur durch Raub oder Dieb­stahl ent­stehen. Der Früh­so­zialist Pierre-Joseph Proudhon (1809 – 1865) prägte dafür die ein­gängige Formel: Eigentum ist Diebstahl.

Der Zweck heiligt die Mittel

Höchst effi­ziente Mittel zum Zweck der Ent­eignung sind die rigorose Kon­trolle von Geld­be­we­gungen, die lückenlose Erfassung pri­vater Ver­mögen (man denke an das von der EU geplante „Ver­mö­gens­re­gister“) und der Kampf gegen Steu­er­betrug und Geld­wäsche. Selbst­ver­ständlich sind die behaup­teten Ziele dieser poli­ti­schen Akti­vi­täten nur vor­ge­schoben. In Wahrheit werden damit alle Bürger unter den Gene­ral­ver­dacht kri­mi­neller Machen­schaften gestellt und ent­rechtet, während die Staats­macht aus­ge­dehnt wird.

Die im Artikel 14 Absatz 2 des deut­schen Grund­ge­setzes nie­der­ge­legte Formel Eigentum ver­pflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der All­ge­meinheit dienen“, pos­tu­liert eine „Sozi­al­bindung“ des Eigentums und öffnet poli­ti­scher Willkür Tür und Tor. Eigentum, das seinen Namen ver­dient, ist mit einer „Sozi­al­bindung“ unvereinbar.

Durch die Ver­breitung linker Ver­schwö­rungs­theorien, Neid und Miss­gunst auf­zu­sta­cheln, bildet bis heute den Kern der sozia­lis­ti­schen Ideo­logie, die direkt auf den von Hayek beschrie­benen Weg zu Knecht­schaft führt. An dessen End­punkt stehen Unfreiheit, Armut und Elend für alle – außer für die Polit­no­men­klatura. Sozia­lis­tische Mus­ter­staaten wie Sim­babwe, Nord­korea oder Vene­zuela zeigen es mit aller Deutlichkeit.

Fazit

Linke Ver­schwö­rungs­theorien, die auf die dras­tische Ein­schränkung oder gar Abschaffung pri­vaten Eigentums abzielen und anstreben, alle Ver­fü­gungs­rechte darüber einer ver­meintlich all­wis­senden und mora­lisch über­le­genen Regierung und deren nicht demo­kra­tisch legi­ti­mierten Büro­kratie aus­zu­liefern, sind erheblich gefähr­licher als alles, was rechte Schwurbler und Aluhüte sich jemals aus­denken könnten.


Hinweis: Die Inhalte der Bei­träge geben nicht not­wen­di­ger­weise die Meinung des Ludwig von Mises Instituts Deutschland wieder.

Der Artikel erschien zuerst hier: misesde.org

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