Im Rausch der Dummheit handelt man kopflos und zugleich kalt kalkuliert. Es ist ein paradoxer Zustand. Vernunft wird durch Arroganz ersetzt, Denken durch Machtinstinkt. Genau so agieren Politiker, die von Macht besessen sind. Sie wirken impulsiv, ja irrational, verfolgen jedoch präzise ihre eigenen Interessen. Nicht Einsicht treibt sie an, sondern Ego. Nicht Verantwortung, sondern Vorteil.
(Von Antonio Messina)
Für solche Akteure sind Menschen keine fühlenden Wesen mit Würde, Biografie und Rechten. Sie sind Zahlen, Kollateralschäden, statistische Größen. Menschenleben werden verwaltet wie Material – nutzbar, verschiebbar, ersetzbar. Verantwortung wird delegiert, Schuld relativiert, Moral zur leeren Worthülse degradiert. Oft begleitet von Pathos und dem permanenten Verweis auf angeblich höhere Ziele.
Politiker dieses Typs, wie sie Präsident Donald Trump exemplarisch verkörpert, denken in Schwarz und Weiß. Zweifel gilt als Schwäche, Selbstkritik als Risiko. Wer nicht für sie ist, ist gegen sie. Widerspruch wird nicht ausgehalten, sondern bekämpft. Aus politischen Gegnern werden Feinde, aus Staatschefs wie Nicolás Maduro Objekte, die man delegitimiert, entführt oder entsorgt. Zunächst rhetorisch, zunehmend aber auch realpolitisch.
Ergänzend ist festzuhalten, dass Venezuela unter Präsident Nicolás Maduro die diplomatischen Beziehungen zu Israel aufgehoben und die Angriffe auf Gaza öffentlich als Menschenrechtsverletzungen kritisiert hat. Die venezolanische Außenpolitik positioniert sich damit ausdrücklich gegen militärische Eskalation und gegen die kriegerische Haltung der israelischen Regierung. Doch der Konflikt reicht weit über moralische oder humanitäre Fragen hinaus. Im Kern geht es um geopolitische Interessen. Venezuela verfügt über enorme Ölreserven und strategisch relevante Rohstoffe, darunter seltene Erden, die für westliche Industrien von zentraler Bedeutung sind. Ein politischer Kurs, der sich diesen Interessen widersetzt, macht das Land aus Sicht Washingtons zum Problemfall. Der angestrebte Regimewechsel folgt dabei einer bekannten Logik. Unter dem Deckmantel von Demokratie und Menschenrechten werden rechtmäßig gewählte Regierungen delegitimiert und ohne internationales Mandat politisch oder militärisch beseitigt. Was als Schutz der Demokratie verkauft wird, ist in Wirklichkeit Machtpolitik.
Trumpisten und vergleichbare politische Bewegungen weltweit reduzieren komplexe geopolitische, soziale und historische Zusammenhänge auf primitive Feindbilder. Diese Vereinfachung ist kein Zufall, sondern Methode. Sie erlaubt es, Gewalt zu legitimieren, ohne sie begründen zu müssen. Wer zum Feind erklärt ist, verliert seinen Anspruch auf Recht, Schutz und Mitmenschlichkeit.
Man könnte sagen, dass diese Politik Teil eines „heiligen Krieges des Westens“ ist, wie ich ihn in meinem gleichnamigen Buch beschrieben habe. Nicht religiös motiviert, sondern ideologisch verbrämt: unter dem Deckmantel von Demokratie, Menschenrechten und Sicherheit wird Macht global ausgeübt. Länder wie Venezuela werden als Hindernisse gesehen, die beseitigt oder ersetzt werden müssen.
Der Krieg ist heilig, weil er als moralisch gerechtfertigt dargestellt wird, während er in Wahrheit Rohstoffe, geopolitische Kontrolle und strategische Interessen sichert.
Im Kern ist diese Haltung zutiefst unmenschlich. Sie zerstört Vertrauen zwischen Staaten, innerhalb von Gesellschaften und zwischen Regierenden und Regierten. Sie vergiftet den öffentlichen Diskurs und senkt die Schwelle zur Gewalt. Zuerst sprachlich, dann politisch, schließlich militärisch.
Der Rausch der Dummheit ist dabei kein Mangel an Intelligenz. Er ist die bewusste Verweigerung von Verantwortung. Er entsteht dort, wo Macht nicht mehr kontrolliert, sondern vergöttert wird. Wo Stärke mit Rücksichtslosigkeit verwechselt wird und Entschlossenheit mit moralischer Leere.
Gerade darin liegt seine größte Gefahr. Dieser Zustand tarnt sich als Stärke, während er systematisch alles untergräbt, was menschlich, gerecht und zukunftsfähig ist. Recht, Würde, Empathie und Vernunft.
Was dem entgegengesetzt werden muss, ist kein neuer Machtblock und keine lautere Rhetorik, sondern etwas weit Radikaleres: ein Aufstand der Anständigen, ein Beharren auf Prinzipien, auch wenn sie unbequem sind. Ein Nein zur Entmenschlichung unabhängig davon, von wem sie ausgeht.
Denn dort, wo der Rausch der Dummheit zur politischen Leitlinie wird, ist Schweigen keine Neutralität mehr, sondern Komplizenschaft.
Liebe Leserinnen und Leser, ersetzen Sie im Text die Worte „Rausch der Dummheit“ durch „Rausch der Gewalt“. Es ändert sich erstaunlich wenig. Vielleicht, weil beides denselben Ursprung hat.
Artikelbild: Shutterstock 2609746353

























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