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VOM FRIE­DENSLAND ZUR KRIEGS­NATION! Deutsch­lands gefähr­liche Rückkehr zur „Kriegs­tüch­tigkeit” (2)


Neue Auf­rüstung, alte Denk­muster:  Was als „Zei­ten­wende“ ver­kauft wird, könnte mehr sein als nur Sicher­heits­po­litik. Deutschland rüstet auf – und plötzlich fällt wieder ein Begriff, der his­to­risch belastet ist: „Kriegs­tüch­tigkeit“. Ein Wort, das schon einmal benutzt wurde – etwa von Joseph Goebbels, um eine ganze Gesell­schaft auf Krieg ein­zu­schwören. Heute ist die Lage anders. Und doch – auch jetzt wird Deutschland wieder auf Krieg programmiert!


TEIL 2 – DER NEUE MILITARISMUS


Was im ersten Moment wie eine not­wendige Reaktion auf geo­po­li­tische Span­nungen erscheint, könnte in Wahrheit ein viel tie­ferer Umbruch sein.

Ein Umbruch, der nicht nur die Bun­deswehr betrifft.
Sondern das Selbst­ver­ständnis eines ganzen Landes.

Die „Zei­ten­wende“ fun­giert dabei als poli­ti­scher Türöffner.

Unter ihrem Dach werden Ent­schei­dungen getroffen, die noch vor wenigen Jahren poli­tisch kaum denkbar gewesen wären:

massive Auf­rüstung, neue mili­tä­rische Stra­tegien, eine sichtbare Rückkehr sicher­heits­po­li­ti­scher Härte.

Der Begriff „Kriegs­tüch­tigkeit“ zieht wieder in das Denken der Deut­schen ein, vorprogrammiert.

Es sind aus­ge­rechnet die Sozia­listen, die darauf auf­merksam machen:

So erschien am 9. Juli 1944, als die Nie­derlage der Wehr­macht bereits nicht mehr auf­zu­halten war, die natio­nal­so­zia­lis­tische Wochen­zeitung Das Reich mit der Schlag­zeile „Kriegs­tüchtig wie nur je“. Der Leit­ar­tikel aus der Feder von Pro­pa­gan­da­mi­nister Joseph Goebbels beschwört die „Kriegs­tüch­tigkeit“ Deutsch­lands und ver­langt, alle Kräfte der „Nation“ für den „Sieg“ zu mobi­li­sieren. Dieses Ziel ver­folgt die herr­schende Klasse auch heute wieder.

Quelle: https://www.wsws.org/de/articles/2023/11/12/mili-n12.html

Hier:

Quelle Screenshot/Bildzitat: https://www.wsws.org/de/articles/2023/11/12/mili-n12.html

In der Rund­funkrede vom 26. Juli 1944 erklärte NS-Pro­pa­gan­da­mi­nister Joseph Goebbels:

„Gerech­tigkeit muss sein, vor allem im Kriege. Wenn alle in gleicher Weise an den Lasten der schweren Zeit beteiligt werden, dann tragen sie sich leicht. So nur werden wir eine wahre Volks­ge­mein­schaft sein, die heute gemeinsam die Opfer des Krieges bringt und an seinem Ende gemeinsam die Früchte des Sieges ernten wird! Ich ver­spreche dem deut­schen Volke, nichts unver­sucht zu lassen, um in wenigen Wochen die Heimat in jeder Beziehung kriegs­tüchtig zu machen.“

Quelle: „Goebbels Reden“ (Hrsg. v. Heiber, Helmut): , Bd. 2, 1939–1945, München 1972, S. 354

Während einer Tagung der Reichs­leiter, Gau­leiter und Ver­bands­führer der NSDAP in Posen am 3. August 1944 hielt Goebbels eine weitere Rede zum Thema, mit der die NS-Funk­tionäre auf Linie gebracht werden sollten.

Darin führte er u.a. aus: „Sie müssen jetzt Ihre Gaue so kriegs­tüchtig machen …“

Quelle: „Goebbels Reden“ (Hrsg. v. Heiber, Helmut): , Bd. 2, 1939–1945, München 1972, S. 395

Der Jour­nalist Hubert Brieden meint, dass „Kriegs­tüch­tigkeit“ ein zen­traler Pro­pa­gan­da­be­griff der Nazis war.

Und weiter: „Bleibt die Frage: Wie kann ein deut­scher Ver­tei­di­gungs­mi­nister oder sonst wer, den Begriff ‚kriegs­tüchtig‘, der aus dem ‚Wör­terbuch des Unmen­schen‘ stammt, heute benutzen, um die gesamte Bevöl­kerung erneut zum Krieg zu mobilisieren?“

Quelle: https://ak-regionalgeschichte.de/wp-content/uploads/Kriegstuechtigkeit-das-Wort-Essay.pdf

Weitere Kri­tiker warnen ebenso: Es gehe nicht nur um Ver­tei­digung. Es gehe um einen grund­le­genden Para­dig­men­wechsel.

Früher galt das Militär als Aus­nahme.
Heute droht es, wieder zur Nor­ma­lität zu werden.

Dieser Wandel voll­zieht sich schlei­chend. Nicht durch einen großen Bruch, sondern durch viele kleine Schritte.

Durch neue Begriffe. Neue Prio­ri­täten. Neue Selbstverständlichkeiten.

Und genau darin liegt seine Brisanz.

Denn mit jedem Schritt ver­ändert sich auch die Wahrnehmung.

Was gestern noch undenkbar war, erscheint heute notwendig.

Was früher kri­tisch hin­ter­fragt wurde, wird zunehmend akzeptiert.

Die zen­trale Frage lautet deshalb: Geht es hier wirklich um Sicherheit?
Oder wird eine Gesell­schaft auf einen Zustand vor­be­reitet, den sie lange hinter sich gelassen glaubte?

Der Blick in die Geschichte macht diese Frage nicht einfacher.

Denn auch dort wurden Begriffe bewusst gesetzt, Stim­mungen erzeugt, Nar­rative aufgebaut.

Nicht laut, nicht abrupt – sondern Schritt für Schritt.

Natürlich ist die heutige Situation eine andere.
Doch die Mecha­nismen wirken vertraut.

Und so steht Deutschland heute an einem Punkt, an dem sich ent­scheidet, in welche Richtung es geht.

Zwi­schen Ver­tei­digung und Mili­ta­ri­sierung.
Zwi­schen Not­wen­digkeit und poli­ti­scher Stra­tegie.
Zwi­schen Rea­lität und Erzählung.

Am Ende bleibt ein Begriff, der all das zusammenfasst:

„Kriegs­tüch­tigkeit“.

Ein Wort, das mehr sagt, als es auf den ersten Blick scheint.

Ein gefähr­liches, ein vor­be­las­tetes Wort, das Deutschland auf einen neuen Krieg mit Russland vor­be­reiten soll!

Der Artikel erschien zuerst bei GuidoGrandt.de.

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