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Geheime Corona-Chats: Was wusste Drosten – und warum sollte die Öffent­lichkeit es nicht erfahren?

(David Berger) Sechs Jahre nach Beginn der Corona-Pan­demie drängen immer neue Doku­mente an die Öffent­lichkeit, die das offi­zielle Pan­demie-Nar­rativ zumindest in Teilen infrage stellen. Nun berichtet die Ber­liner Zeitung über bislang geheime Chat-Pro­to­kolle und interne Nach­richten zwi­schen füh­renden Wis­sen­schaftlern, dar­unter Anthony Fauci und Christian Drosten. Sie sollen zeigen, dass hinter den Kulissen deutlich inten­siver über einen mög­lichen Labor­ur­sprung des Coro­na­virus dis­ku­tiert wurde, als es die Öffent­lichkeit damals erfuhr.

Was in den Chats deutlich wird, ist vor allem eines: Die öffent­liche Dar­stellung und die internen Dis­kus­sionen liefen offenbar nicht immer par­allel. Während Kri­tiker der Labor­these jah­relang als unseriös oder gar als Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker abge­stempelt wurden, beschäf­tigten sich füh­rende Wis­sen­schaftler intern durchaus mit genau diesem Szenario.

Nach Angaben der Ber­liner Zeitung werfen die jetzt bekannt gewor­denen Unter­lagen die Frage auf, ob wis­sen­schaft­liche Debatten bewusst gesteuert wurden und ob poli­tische Erwä­gungen eine größere Rolle spielten als die offene Suche nach der Wahrheit. Im Mit­tel­punkt stehen dabei ins­be­sondere Anthony Fauci sowie der Ber­liner Virologe Christian Drosten.

Zu Drosten heißt es in dem Artikel: “ Was wusste Christian Drosten? Am 10. Februar 2022 teilte Garry ein PDF mit dem Titel: „Christian Drosten weist Vor­würfe einer Ver­tu­schung zurück“. Eddie Holmes ant­wortete: „Fas­zi­nierend. Ich mag nicht, wie er unsere Publi­kation mit dem Brief in The Lancet ver­mischt hat.“ Er bezog sich dabei auf einen Offenen Brief im Fach­ma­gazin The Lancet vom Februar 2020, in dem eine Gruppe von Wis­sen­schaftlern die These eines Labor­ur­sprungs als „Ver­schwö­rungs­theorie“ bezeichnete. Zu den Mit­un­ter­zeichnern dieser Stel­lung­nahme gehörten Drosten und Daszak. Andersen äußerte zudem intern Zweifel daran, dass Drosten keine Kenntnis von der WIV-For­schung gehabt habe: „Drosten soll nichts von der For­schung am WIV gewusst haben? Das fällt schwer zu glauben – zumal wir natürlich in der Tele­fon­kon­ferenz darüber gesprochen haben“, so Andersen. Drosten räumte die Teil­nahme an der Video­kon­ferenz zwar ein, bestritt jedoch stets, an der Publi­kation des Artikels in Nature beteiligt gewesen zu sein.“

Ver­nichtung angeb­licher Verschwörungstheoretiker

Für Mil­lionen Bürger dürfte dies kaum über­ra­schend sein. Bereits während der Pan­demie ent­stand bei vielen Men­schen der Ein­druck, dass bestimmte wis­sen­schaft­liche Posi­tionen von Beginn an bevorzugt wurden, während andere kaum Gehör fanden. Wer den Labor­ur­sprung auch nur als ernst­zu­neh­mende Mög­lichkeit dis­ku­tierte, ris­kierte gesell­schaft­liche Ächtung, Sper­rungen in sozialen Netz­werken oder beruf­liche Nach­teile. Heute dagegen gilt längst als unstrittig, dass ein Labor­unfall kei­neswegs aus­ge­schlossen werden kann. Mehrere ame­ri­ka­nische Behörden sowie inter­na­tionale Experten halten diese Mög­lichkeit inzwi­schen für plau­sibel oder zumindest ernsthaft prü­fenswert. Die kate­go­rische Zurück­weisung frü­herer Jahre wirkt deshalb im Rück­blick immer schwerer nachvollziehbar.

Doch die eigent­liche Brisanz liegt noch tiefer. Denn wenn füh­rende Berater von Regie­rungen intern wesentlich dif­fe­ren­zierter dis­ku­tierten, nach außen aber den Ein­druck ver­mit­telten, es gebe prak­tisch keinen wis­sen­schaft­lichen Zweifel, stellt sich zwangs­läufig die Ver­trau­ens­frage. Wis­sen­schaft lebt gerade nicht von Dogmen, sondern vom Zweifel (Des­cartes) und vom offenen Streit um die bes­seren Argu­mente. Genau dieser offene Streit wurde während der Corona-Jahre jedoch ver­hindert. Abwei­chende Wis­sen­schaftler ver­loren For­schungs­för­de­rungen oder öffent­liche Platt­formen. Ärzte wurden dis­zi­pli­na­risch ver­folgt. Kri­tische Bei­träge ver­schwanden aus sozialen Netz­werken. Medien prä­sen­tierten häufig den Ein­druck einer nahezu voll­stän­digen wis­sen­schaft­lichen Einigkeit, obwohl diese Einigkeit intern offenbar kei­neswegs in dieser Form bestand.

Die nun bekannt gewor­denen Chats passen deshalb in ein grö­ßeres Bild, das sich seit Monaten immer deut­licher abzeichnet. Bereits die Ver­öf­fent­li­chungen interner E‑Mails aus den USA hatten gezeigt, wie intensiv bereits Anfang 2020 über einen mög­lichen Labor­ur­sprung dis­ku­tiert wurde. Gleich­zeitig ent­standen wis­sen­schaft­liche Ver­öf­fent­li­chungen, die diesen Ver­dacht öffentlich ent­schieden zurück­wiesen und damit maß­geblich das welt­weite Nar­rativ prägten. Für viele auf­merksame Beob­achter, die sich nicht damit zufrieden geben wollen, dass jetzt „alles vorbei ist“, ist deshalb längst nicht mehr die ent­schei­dende Frage, ob das Virus tat­sächlich aus einem Labor stammt. Die eigent­liche Frage lautet vielmehr: Wurde die Bevöl­kerung während einer der größten Krisen der Nach­kriegs­ge­schichte voll­ständig und ehrlich informiert?

Zensur zer­stört Ver­trauen in die Mächtigen

Gerade in einer Demo­kratie ist Ver­trauen kein Luxus, sondern die Grundlage poli­ti­schen Han­delns. Dieses Ver­trauen ent­steht jedoch nur dort, wo auch unbe­queme Fragen gestellt werden dürfen und wis­sen­schaft­liche Unsi­cherheit offen kom­mu­ni­ziert wird. Die Corona-Pan­demie war von Anfang an eine außer­ge­wöhn­liche Situation mit vielen unbe­kannten Fak­toren. Irr­tümer gehören in einer solchen Lage zwangs­läufig dazu. Schwerer wiegt jedoch der Vorwurf, wenn Unsi­cher­heiten nicht als solche benannt, sondern durch den Ein­druck wis­sen­schaft­licher Gewissheit ersetzt wurden. Die Ver­öf­fent­li­chung der geheimen Chats wird die Corona-Auf­ar­beitung deshalb weiter befeuern. Sie liefert keine end­gül­tigen Ant­worten auf die Her­kunft des Virus. Sie wirft jedoch neue Fragen nach Trans­parenz, poli­ti­schem Ein­fluss auf wis­sen­schaft­liche Kom­mu­ni­kation und dem Umgang mit Kri­tikern auf. Gerade weil die Corona-Jahre tiefe gesell­schaft­liche Gräben hin­ter­lassen haben, braucht es heute keine weitere Ver­tei­digung alter Nar­rative, sondern eine scho­nungslose und unab­hängige Auf­ar­beitung – unab­hängig davon, wohin sie letztlich führt.

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