Die Wahrheit über Abtreibung, die dir keiner erzählt

(David Berger) Warum ent­scheiden sich Frauen für eine Abtreibung – und was könnte geschehen, wenn ihnen in ihrer Not tat­sächlich jemand zur Seite steht? Ein außer­ge­wöhnlich offenes Gespräch mit Kris­tijan Aufiero, dem Gründer der Lebens­rechts­in­itiative 1000plus, zeigt eine Wirk­lichkeit, die in der öffent­lichen Debatte über Abtreibung erstaunlich selten vorkommt.

Beson­deres Lob ver­dient dabei auch der „Ketzer der Neuzeit“, der Aufiero nicht mit den üblichen Schlag­worten oder vor­her­seh­baren Empö­rungs­ri­tualen begegnet, sondern ihm den Raum gibt, aus­führlich zu erklären, was Frauen in Schwan­ger­schafts­kon­flikten tat­sächlich erleben. Gerade diese ruhige, neu­gierige und zugleich klare Gesprächs­führung macht das Video so sehenswert.

Aufiero beschäftigt sich seit zwei Jahr­zehnten mit Frauen in Schwan­ger­schafts­kon­flikten. Und was er aus dieser Erfahrung berichtet, passt nur schlecht zu der ver­brei­teten Vor­stellung von Abtreibung als selbst­be­stimmter und sou­ve­räner Ent­scheidung. Hinter ihr stehen häufig Angst, Über­for­derung, finan­zielle Sorgen oder eine zer­bre­chende Beziehung – und besonders häufig ein Mann, der das Kind nicht will. Aufiero for­mu­liert deshalb einen Gedanken, der im Zeit­alter von „My body, my choice“ beinahe schon pro­vo­kativ klingt: Was viele Frauen in dieser Situation am drin­gendsten brauchen, ist nicht ein Mann, der sich „neutral“ her­aushält, sondern einer, der sagt: „Ich stehe zu dir, ich unter­stütze dich, lass uns dieses Kind bekommen.“

Dass Hilfe mehr bedeuten kann als gute Worte, zeigt die Arbeit von 1000plus: Beratung bei Bezie­hungs­pro­blemen, Unter­stützung bei finan­zi­ellen Schwie­rig­keiten und ganz kon­krete mate­rielle Hilfen sollen jene Pro­bleme besei­tigen, auf­grund derer eine Frau glaubt, ihr Kind nicht bekommen zu können. Nach Auf­ieros Angaben ent­schieden sich in den ver­gan­genen 20 Jahren rund zwei Drittel der von seiner Orga­ni­sation bera­tenen Frauen für ihr Kind.

Das Gespräch spart auch die Per­spektive aus, die in der poli­ti­schen Abtrei­bungs­de­batte fast immer zuletzt kommt: die des Kindes. Besonders erschüt­ternd ist Auf­ieros Begegnung mit Tim, dem als „Olden­burger Baby“ bekannt gewor­denen Jungen mit Down-Syndrom, der seine eigene Abtreibung über­lebte. Viel­leicht liegt gerade darin die Stärke dieses mehr als zwei­stün­digen Gesprächs: Es dis­ku­tiert Abtreibung nicht abs­trakt anhand poli­ti­scher Schlag­worte. Es spricht über Frauen, Männer und Kinder – und über die ganz kon­krete Frage, wie viele Abtrei­bungen ver­hindert werden könnten, wenn auf eine ver­zwei­felte Frau nicht zuerst das Angebot zur Abtreibung, sondern das Angebot wirk­licher Hilfe wartete.

„Die Wahrheit über Abtreibung, die dir keiner erzählt“ – ein langes Video, für das man sich Zeit nehmen sollte.

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