Patrik Baab, Sevim Dağdelen und Laura von Wimmersperg präsentieren die Solidaritätserklärung (c) Screenshot YT

„EU-Sank­tionen sind illegal”: Soli­da­rität mit Jacques Baud wächst

Ein breites Bündnis aus Wis­sen­schaftlern, Publi­zisten, Kul­tur­schaf­fenden und Poli­tikern hat einen offenen Protest gegen die jüngsten EU-Sank­tionen gegen den Schweizer Mili­tär­his­to­riker und Ex-Oberst Jacques Baud gestartet. (von David Berger)

Die Unter­stützer sehen in den Straf­maß­nahmen einen gefähr­lichen Ein­schnitt in die Mei­nungs­freiheit und einen Aus­druck eines zunehmend aggres­siven geo­po­li­ti­schen Kurses der Euro­päi­schen Union.

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„Unta­de­liger Wis­sen­schaftler und ein Ehrenmann“ (Ber­liner Zeitung)

Baud, der früher für die Schweizer Armee und den stra­te­gi­schen Nach­rich­ten­dienst gear­beitet hat, lebt in Brüssel und ist Autor meh­rerer geo­po­li­ti­scher Ana­lysen. Die EU hat ihn im Rahmen eines Sank­ti­ons­pakets unter anderem wegen angeb­licher Ver­breitung pro­rus­si­scher Pro­pa­ganda auf eine schwarze Liste gesetzt: Er darf die EU nicht mehr ver­lassen, sein Konto wurde ein­ge­froren und seine Bücher dürfen nicht ver­kauft werden.

In dem ver­öf­fent­lichten Soli­da­ri­täts­aufruf heißt es, es sei kein Ver­brechen, „die wahren Gründe“ des Ukraine-Krieges zu benennen oder kri­tisch auf west­liche Nar­rative hin­zu­weisen. Die Initia­toren betonen, Baud arbeite neutral und bringe unter­schied­liche Per­spek­tiven ein. Sie werfen der EU vor, nicht nur ihn, sondern ins­gesamt 59 Jour­na­listen und Wis­sen­schaftler mit will­kür­lichen Maß­nahmen mundtot machen zu wollen.

„Eine Zensur findet nicht statt“?

Der Appell kri­ti­siert die Sank­tionen nicht nur rechtlich, sondern auch poli­tisch: Sie würden Grund­rechte unter­graben und den Kriegskurs der EU stärken. In dem Text wird das deutsche Grund­gesetz zitiert („Eine Zensur findet nicht statt“), und die Bun­des­re­gierung sowie andere Par­la­mente werden auf­ge­rufen, die Maß­nahmen zurück­zu­nehmen und sich für kon­struktive Frie­dens­be­mü­hungen in der Ukraine einzusetzen.

Zu den Unter­zeichnern zählen pro­mi­nente Per­sön­lich­keiten aus dem In- und Ausland, dar­unter His­to­riker, Publi­zisten, ehe­malige Militärs, Poli­tiker und Kul­tur­schaf­fende. Sie sehen in dem Aufruf ein Zeichen gegen eine wach­sende Ein­schränkung des freien Dis­kurses und gegen das, was sie als zuneh­mende Kriegs­rhe­torik und poli­tische Into­leranz in Europa begreifen.

Dr. Michael Andrick gehört zu den Erst­un­ter­zeichnern. Er schreibt: „Ich hätte nicht erwartet, einmal Mit­in­itiator einer Erklärung zu sein, die auch Militärs meh­rerer Staaten unter­zeichnen. Uns eint, dass wir die rechts­widrige, auto­ritär-will­kür­liche Vor­ge­hens­weise der EU gegen kri­tische Geister ent­schieden verurteilen.“

Zum Unter­schreiben des Aufrufs: free-baud.org

Addendum: Hüseyin Doğru – EU lässt seine Kinder verhungern

In Berlin ver­hungern gerade ein Mann und seine zwei Klein­kinder, weil die EU ihn „sank­tio­niert“ hat. Heißt: Er kann weder sich noch seiner Familie Essen kaufen. Er darf aber auch nicht weg. Sein Name: Hüseyin Doğru.

Hüseyin Doğru ist ein in Berlin lebender, deut­scher Jour­nalist und Gründer des Online-Mediums red.media. Er berichtet seit Jahren kri­tisch über deutsche und EU-Politik.

Seit Mai 2025 steht Doğru auf der EU-Sank­ti­ons­liste, die eigentlich gegen Russland gerichtet ist. Er war einer von drei deut­schen Jour­na­listen, die dort auf­ge­nommen wurden.
Die EU behauptet, dass seine Medi­en­ak­ti­vi­täten enge finan­zielle oder orga­ni­sa­to­rische Ver­bin­dungen zu rus­si­schen Akteuren hätten und „Falsch­in­for­ma­tionen“ ver­breiten würden — eine Bewertung, die Doğru und unab­hängige Beob­achter ablehnen und als poli­tisch moti­viert kritisieren.

Kon­krete Folgen für ihn: Kon­to­sperrung & Rei­se­verbot. Seine Bank­konten wurden ein­ge­froren und ihm wurde ein EU-weites Ein- und Aus­rei­se­verbot auf­erlegt. Berufs­verbot: Er darf formal keiner bezahlten Arbeit nach­gehen — selbst ein jour­na­lis­ti­sches Anstel­lungs­ver­hältnis wäre laut Aus­wertung der Sank­tionen verboten.

„Gab es so was eigentlich schon mal früher in der Geschichte Deutsch­lands? Dass man jemanden wegen seiner Meinung sank­tio­nierte, so dass er nicht mal Baby­nahrung kaufen kann?“ fragt ein X‑User entsetzt.

Linke begeistert von Sanktionsliste

Begeistert zeigt sich unterdes die Links­partei von den Sank­tionen. Die euro­po­li­tische Spre­cherin der Links­fraktion, Janina Böttger, zur Frank­furter Rund­schau: „Rus­sische Des­in­for­mation ist ein mas­sives Problem, die bis­he­rigen Sank­tionen gegen von Russland finan­zierte und gestützte Pro­pa­gan­disten in der EU sind Instru­mente einer wehr­haften und hand­lungs­fä­higen Demo­kratie. In diesem Sinne ver­stehen wir auch die Ent­schei­dungen des Rates im Dezember.”


Der Artikel erschien zuerst bei philosophia-perennis.com.

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