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„Von der Politik ver­gessen” – Die ost­preu­ßi­schen Wolfs­kinder und das deutsche Schweigen! (1)


Litauen erinnert – Deutschland schweigt! Ein fremdes Land ehrt deutsche Kriegs­kinder, während hier­zu­lande kaum ein Wort fällt. Zehn­tau­sende „Wolfs­kinder“, die alles ver­loren hatten – ver­drängt aus dem eigenen Gedächtnis. Keine Debatte, keine Wür­digung, kein Auf­schrei. Warum bewahrt Vilnius die Erin­nerung – und Berlin sieht weg? Eine his­to­rische Schande!


Es ist eine Ent­scheidung, die eigentlich aus Berlin hätte kommen müssen – und doch kommt sie aus Vilnius:

Das litauische Par­lament erklärte im Juni 2024 den 14. Sep­tember zum natio­nalen Gedenktag für die ost­preu­ßi­schen Wolfs­kinder.

Damit setzt Litauen ein Zeichen, das weit über Sym­bol­po­litik hin­ausgeht. Es ist ein Akt der his­to­ri­schen Anerkennung.

Ein Bekenntnis zur Erinnerung.

Und zugleich ein stiller, aber unüber­seh­barer Vorwurf an Deutschland.

Denn während Litauen gedenkt, bleibt es hier­zu­lande erschre­ckend still.

Keine große poli­tische Erklärung.
Keine bun­des­weite Wür­digung.
Keine mediale Auf­ar­beitung, die diesem Thema gerecht würde.

Dabei handelt es sich nicht um irgendein Rand­ka­pitel der Geschichte.

Es geht um Zehn­tau­sende deut­scher Kinder.

Kinder, die nach dem Zweiten Welt­krieg alles ver­loren hatten – ihre Eltern, ihre Heimat, ihre Sprache, ihre Iden­tität. Kinder, die aus dem nörd­lichen Ost­preußen nach Litauen flohen, weil sie schlicht ver­hungert wären, wenn sie geblieben wären.

Viele dieser Kinder wurden von litaui­schen Familien auf­ge­nommen. Fremde Men­schen, die selbst unter Krieg, Besatzung und Not gelitten hatten, teilten das Wenige, das sie besaßen.

Diese Geste ist bis heute von einer Größe, die kaum zu begreifen ist.

Am 14. Sep­tember 2024 ver­sam­melten sich rund 400 Men­schen am Wolfs­kinder-Mahnmal im Memelland. Es wurde erinnert, gewürdigt, nicht relativiert.

Auch wenige Ver­treter Deutsch­lands waren vor Ort: der stell­ver­tre­tende deutsche Bot­schafter hielt eine Rede. Neben ihm der ehe­malige Bun­des­tags­ab­ge­ordnete und litauische Hono­rar­konsul für Baden-Würt­temberg, Wolfgang Freiherr von Stetten, sowie der Kom­mandeur der in Litauen sta­tio­nierten Bun­deswehr-Brigade, Oberst Christian von Blumröder.

Doch so wichtig diese Geste auch sein mag – sie bleibt ein iso­liertes Signal.

Denn während in Litauen öffentlich erinnert wird, bleibt die deutsche Öffent­lichkeit weit­gehend unbeteiligt.

Hier­zu­lande: kein poli­ti­scher Schwer­punkt.
Keine breite mediale Bericht­erstattung.
Kein gesell­schaft­licher Diskurs.

Ein nahezu voll­stän­diges Schweigen.

Warum?

Warum erinnert ein anderes Land an deutsche Opfer, während Deutschland selbst kaum hinsieht?

Warum wird dieses Kapitel der Geschichte bis heute nicht mit der gleichen Ernst­haf­tigkeit behandelt wie andere?

Die Antwort ist unbequem.

Weil das Leid deut­scher Zivi­listen – ins­be­sondere von Kindern – lange Zeit nicht in das domi­nie­rende Geschichtsbild passte. Weil man fürchtete, eine solche Erin­nerung könne miss­ver­standen werden. Weil man glaubte, es könne zu einer Rela­ti­vierung führen.

Doch das Gegenteil ist der Fall.

Erin­nerung ist keine Kon­kurrenz.
Leid kennt keine Hierarchie.

Und gerade deshalb ist das, was derzeit geschieht, so beschämend:

Ein anderes Land bewahrt die Erin­nerung – während Deutschland sie erneut zu ver­lieren droht.


✍️ Mein per­sön­licher Bezug:

Ich bin ein Nach­ge­bo­rener west­preu­ßi­scher Flücht­linge aus Danzig. Ich habe die Flucht nicht selbst erlebt, aber ich habe ihre Folgen gespürt. In den Erzäh­lungen, in den Brüchen der Bio­grafien, in den unaus­ge­spro­chenen Traumata meiner Familie väter­li­cher­seits. Und genau deshalb ist das heutige Schweigen der deut­schen Politik so schwer zu ertragen. Denn es zeigt, dass Geschichte nicht nur ver­gessen werden kann – sondern bewusst aus­ge­blendet wird. Sogar, wenn es um die Kleinsten geht – den Kindern!

 

 

 

 

 

 

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Quellen: https://low-hessen.de/kultur-geschichte/landeskulturtagung/landeskulturtagung-2024-der-landsmannschaft-der-ost-und-westpreussen-landesgruppe-hessen-e‑v/litauischer-gedenktag-fuer-wolfskinder?fbclid=IwY2xjawRdFodleHRuA2FlbQIxMABicmlkETExNWZvTG91a0k3U2dxQTJzc3J0YwZhcHBfaWQQMjIyMDM5MTc4ODIwMDg5MgABHkn_h2i65RaL2E9KxOLVEyKhT9RANQOtf2naMW1-JarIAVdsUeEl3YrQCtDC_aem_nqhDr4Z5LF14hT06FYjLXA; https://nationalgeographic.de/geschichte-und-zivilisation/2023/09/die-vergessenen-wolfskinder-ostpreussens/


Der Artikel erschien zuerst bei GuidoGrandt.de.

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