Bild: https://pixabay.com/de/illustrations/gott-jesus-apostel-schüler-7708931/

Warum ver­schwanden die Apostel aus den Geschichtsbüchern?

Ein­lei­tende Bemerkung

Viele Christen führen die Fehl­in­ter­pre­ta­tionen der Endzeit, ins­be­sondere die Irr­lehre des christ­lichen Zio­nismus, heute auf die Sco­field-Refe­renz­bibel (Erst­ver­öf­fent­li­chung 1909) und die Werke von John Nelson Darby (1800–1882) zurück. Meine For­schung legt etwas anderes nahe. Die Unter­wan­derung begann viel früher. Tat­sächlich war die Kirche von Anfang an einer uner­bitt­lichen Unter­wan­derung ausgesetzt.

Dieser Artikel ist der erste einer Reihe von Ad-hoc-Bei­trägen, die sich mit dok­tri­närer Sub­version im Laufe der Jahr­hun­derte befassen.

Die Stille im Zentrum

Aus Sicht der kon­ven­tio­nellen Geschichts­schreibung endet das Neue Tes­tament mit Schweigen. Die Apos­tel­ge­schichte schließt damit, dass Paulus in Rom unter Haus­arrest steht und „ganz offen und unge­hindert“ predigt (Apg 28,31). Doch die Bibel berichtet nicht, wie seine Geschichte wei­tergeht. Petrus, der Fels, auf dem Christus seine Kirche zu bauen verhieß, ver­schwindet nach der Beratung mit den anderen Aposteln in Jeru­salem (Konzil von Jeru­salem) aus der Erzählung. 

Jakobus, der Sohn des Zebedäus, wird von Herodes hin­ge­richtet (Apg 12,2), doch sein Bruder Johannes, der Lieb­lings­jünger, wird nicht weiter erwähnt. Andreas, Phil­ippus, Thomas und Bar­tho­lomäus – die zwölf Männer, die mit Jesus gegangen waren, die die Auf­er­stehung gesehen hatten und die den Auftrag erhalten hatten, bis an die Enden der Erde zu gehen – hin­ter­lassen keine Spur im kano­ni­schen Bericht.

Dennoch gibt es heute eta­blierte Kirchen, deren Auto­rität auf dem angeb­lichen Konzept der apos­to­li­schen Suk­zession beruht. Wenn diese Suk­zession so ent­scheidend war, warum haben sie dann kein maß­geb­liches, ori­gi­nales Kom­pendium über das Leben und Wirken der Apostel bewahrt?

Diese Frage beschäf­tigte Theo­logen durch die Jahr­hun­derte hin­durch. Was geschah mit denen, die den Herrn gesehen hatten? Schließlich waren es die Apostel und Paulus, die „die Welt auf den Kopf gestellt“ hatten (Apos­tel­ge­schichte 17,6). Sicherlich hätten christ­liche Chro­nisten des ersten und frühen zweiten Jahr­hun­derts – Männer, die die Zwölf, die Siebzig und ihre Familien per­sönlich kannten – ihre Berichte für die Nachwelt auf­zeichnen können.

Statt­dessen sind uns nur noch Über­lie­fe­rungen und Legenden geblieben. Jahr­hun­der­telang wurden diese durch nicht-kano­nische Texte wie die Petrus­akten, die Pau­lus­akten, die Tho­mas­akten und die Johan­nes­akten wei­ter­ge­geben.

Laut den in diesen Texten begrün­deten Über­lie­fe­rungen wurde Petrus in Rom kopfüber gekreuzigt, Thomas reiste nach Indien, Andreas starb an einem X‑förmigen Kreuz, und Johannes entging als Ein­ziger dem Mar­tyrium und erreichte in Ephesus ein hohes Alter.

Diese Berichte wurden ab dem späten zweiten Jahr­hundert von Autoren ver­fasst, die keinen per­sön­lichen Kontakt zu den tat­säch­lichen Prot­ago­nisten hatten. Wenn die frühe Kirche sich so viel Mühe gab, diese Legenden zu formen und zu bewahren, warum suchten ihre Vor­gänger dann nicht nach Berichten von Men­schen, die die Apostel tat­sächlich getroffen hatten, oder deren Familien und Nachkommen?

Ich habe eine Theorie zu diesem heiklen Thema. Viel­leicht waren sie zu sehr damit beschäftigt, „jüdi­schen Fabeln“ und den „ursprüng­lichen hebräi­schen Texten“ derer nach­zu­gehen, die Christus als Messias ablehnten und bis heute glauben, dass Jesus in der Hölle in Exkre­menten schmort. Dies war eine schwer­wie­gende Form des Abfalls vom Glauben – genau die Falle, vor der Paulus in Titus 1,13–14 warnte.

„Dieses Zeugnis ist wahr. Darum weise sie streng zurecht, damit sie im Glauben gesund seien und sich nicht jüdi­schen Mythen und den Geboten von Leuten zuwenden, die sich von der Wahrheit abge­wandt haben.“

Die Judai­sierer sorgten bereits in der frühen Kirche für Pro­bleme, wie Paulus wie­derholt warnte. Selbst Petrus, der Fels, war von ihrem ver­derb­lichen Ein­fluss nicht aus­ge­nommen (Galater 2,12). Der juda­is­tische Geist unter­gräbt die Kirche noch heute und führt die Men­schen von der Wahrheit ab. Man muss sich nur die kriegs­be­für­wor­tenden „Evan­ge­li­kalen“ ansehen, die das Weiße Haus umgeben.

Die apos­to­lische Chronik stellt daher eine ent­schei­dende Lücke dar, die die frühe Kirche nicht geschlossen hat. Diese Lücke bereitet auf­rich­tigen Theo­logen bis heute Kopfzerbrechen.

Aber Moment mal. Wussten Sie viel­leicht, dass es tat­sächlich eine Kir­chen­per­sön­lichkeit gab, die einige Taten der Apostel schriftlich fest­hielt? Dieser Mann war Papias von Hierapolis.

Wer war Papias?

Papias war Bischof von Hie­r­a­polis, einer Stadt in der römi­schen Provinz Asia (heutige Türkei), und lebte um 110–130 n. Chr. Seine Lebens­daten sind bedeutsam. Als er jung war, war die Zer­störung Jeru­salems (70 n. Chr.) noch in leb­hafter Erin­nerung. Die Gene­ration, die die Apostel gekannt hatte, neigte sich dem Ende zu, war aber noch nicht ganz verschwunden.

Papias teilt uns etwas über seine Methode mit, das jeden His­to­riker inne­halten lassen sollte:

„Ich hatte nicht ange­nommen, dass mir Dinge aus Büchern so viel nützen würden wie Dinge, die von einer leben­digen und noch exis­tie­renden Stimme stammen.“

Er reiste, befragte jeden, der die „Ältesten“ – also jene, die selbst die Apostel gekannt hatten – gekannt hatte. Seine Quellen waren keine Manu­skripte, sondern Men­schen: die Töchter des Evan­ge­listen Phil­ippus, Aristion, eine Gestalt namens Johannes, den er vom Apostel unter­schied, und unge­nannte Älteste, die Andreas, Petrus, Phil­ippus, Thomas, Jakobus, Johannes und Mat­thäus per­sönlich gekannt hatten.

Papias ver­fasste fünf Bände mit dem Titel „Aus­legung der Worte des Herrn“. Es war im Grunde der erste Versuch, die apos­to­lische Gene­ration chro­no­lo­gisch zu erfassen. Er war der Erste, der die Frage stellte: Was taten die Apostel eigentlich, nachdem sie Jeru­salem ver­lassen hatten?

Und dann ver­schwand sein Werk.

Was Papias bewahrte

Papias‘ Werk ist uns nicht erhalten. Was uns über­liefert ist, sind Frag­mente in Form von Zitaten, die von spä­teren Autoren, ins­be­sondere von Irenäus von Lyon und – iro­ni­scher­weise – von Eusebius von Caesarea, eben jenem Mann, der Papias‘ „Intel­ligenz“ abtat, über­liefert wurden. Doch diese Frag­mente genügen, um zu zeigen, dass Papias Dinge über die Apostel wusste, die die spätere Über­lie­ferung ent­weder vergaß oder unterdrückte.

Zu Markus: Papias bewahrte die Über­lie­ferung, dass Markus, nachdem er Dol­met­scher des Petrus geworden war, „alles, woran er sich erin­nerte, genau auf­schrieb, wenn auch nicht in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­folge“. Dies ist das frü­heste externe Zeugnis über den Ursprung des Mar­kus­evan­ge­liums und deckt sich gut mit wis­sen­schaft­lichen Analysen.

Es gibt uns Auf­schluss über Petrus, dessen Predigt keine sys­te­ma­tische Bio­grafie, sondern eine Reihe ein­zelner Punkte war, die er „nach Bedarf“ vortrug. Petrus pre­digte frei und ließ sich vom Hei­ligen Geist leiten. Es sagt uns auch etwas über Markus. Er war ein treuer Chronist von Petrus’ Zeugnis.

Kri­tiker des Evan­ge­liums ver­weisen oft auf die angeb­lichen chro­no­lo­gi­schen Dis­kre­panzen zwi­schen den vier Texten, doch Papias‘ Zeugnis legt nahe, dass die wahr­ge­nom­menen Dis­kre­panzen auf die ange­wandte lite­ra­rische Methode und nicht auf einen Irrtum zurück­zu­führen sind.

Zu Mat­thäus: Papias berichtete, dass „Mat­thäus die Aus­sprüche ( Logien ) in hebräi­scher Sprache (Ara­mäisch) sam­melte und jeder sie nach bestem Wissen und Gewissen aus­legte.“ Der Zöllner wird in Markus 2,14 und Lukas 5,27 Levi genannt, in Mat­thäus 9,9 jedoch Matthäus. 

Gibt es hier Wider­sprüche? Nein, Ost­christen haben übli­cher­weise einen Geburts­namen und einen Bei­namen oder Spitz­namen. Jesus änderte Simons Namen in Kephas (ara­mäisch), der später hel­le­ni­siert zu Petros (Petrus) wurde.

Papias‘ Aussage löste jedoch jahr­hun­der­te­lange Debatten darüber aus, ob das Mat­thä­us­evan­gelium ara­mäi­schen oder grie­chi­schen Ursprungs ist. Spielt das über­haupt eine Rolle? 

Wider­spricht die Wahl zwi­schen Ara­mäisch und Grie­chisch dem Wirken Christi? Doch selbst heute noch ist die Kirche von Vor­würfen über Bibel­über­set­zungen ins moderne Eng­lisch gespalten.

Das ist die Folge von men­schen­ge­machten Traditionen!

Zu Judas: Papias über­lie­ferte einen detail­lierten Bericht über Judas’ Tod, der Ein­zel­heiten enthält, die sowohl im Mat­thä­us­evan­gelium als auch in der Apos­tel­ge­schichte fehlen. Laut Papias’ Version erhängte sich Judas tat­sächlich, wie berichtet, doch fügte der Chronist einige makabre Details über die kör­per­liche Ver­wesung des Ver­räters hinzu. Es handelt sich um eine aus­führ­li­chere Über­lie­ferung, die Papias eigenen Angaben zufolge von den Ältesten erhalten hatte.

Zu den beiden Johannes: Papias unter­schied vor allem zwi­schen dem Apostel Johannes und dem älteren Johannes. In seiner Quel­len­liste hält er fest, „was Andreas oder Petrus, oder Phil­ippus oder Thomas oder Jakobus oder Johannes oder Mat­thäus gesagt hatten“, und dann separat, „was Aristion und der ältere Johannes, die Jünger des Herrn, sagten“.

Diese Unter­scheidung – zwi­schen einem Apostel, der zu den Zwölf gehörte, und einem sepa­raten „Ältesten“, der eben­falls ein Jünger war – deutet darauf hin, dass Papias ein dif­fe­ren­zier­teres Ver­ständnis der johannei­schen Tra­dition besaß als die spätere Tra­dition, die beide vermischte.

Der Feind des Papias: Eusebius

Wären Papias’ Werke erhalten geblieben, hätte dies womöglich unzählige Schismen und Häresien ver­hindert. Papias hatte jedoch ein Problem: Er glaubte an das tau­send­jährige Reich Christi. Er lehrte, dass Christus tausend Jahre auf Erden regieren würde, und beschrieb dieses Reich in wört­lichen, mate­ri­ellen Begriffen – etwa als Wein­stöcke mit zehn­tausend Reb­stöcken, von denen jeder fünf­und­zwanzig Maß Wein lieferte. 

Dies war für einen Bischof des frühen zweiten Jahr­hun­derts, der solche Beschrei­bungen mög­li­cher­weise von den Ältesten selbst gehört hatte, nicht unge­wöhnlich. Später geriet diese Vor­stellung jedoch aus der Mode.

Im dritten Jahr­hundert ent­wi­ckelte Origenes von Alex­andria eine alle­go­rische Methode der Schrift­aus­legung, die das Mill­ennium spi­ri­tua­li­sierte. Wohl­ge­merkt, Origenes war eine weitere Kir­chen­per­sön­lichkeit, die regel­mäßig jüdische Rab­biner und Gelehrte konsultierte.

Den gebil­deten Christen des vierten Jahr­hun­derts erschien Papias‘ Lite­ra­lismus pri­mitiv, ja sogar peinlich. Und Eusebius von Caesarea, der später als Vater der Kir­chen­ge­schichte bekannt werden sollte, war ein Origenist.

Eusebius hatte Zugang zu Papias’ Werk. Er zitierte daraus, lehnte es aber auch ab. In seiner Kir­chen­ge­schichte schrieb er über Papias:

„Er scheint ein Mann von äußerst geringer Intel­ligenz gewesen zu sein.“

Die Anklage ist ebenso ver­nichtend wie auf­schluss­reich. Die Jewish Ency­clo­pedia (1901) schreibt Fol­gendes über Eusebius:

Eusebius hatte offenbar einen jüdi­schen Lehrer, der ihn in Hebräisch unter­richtete und durch den er mit vielen Hag­gadot und jüdi­schen Tra­di­tionen ver­traut wurde; von denen er in seinen Werken zur Bibel­aus­legung Ver­wendung fand.

Hebräisch? Das „Hebräisch“ des 1. Jahr­hun­derts n. Chr. war nichts anderes als Ara­mäisch. Doch das wirft eine tiefere, grund­le­gende Frage auf: Warum sollte ein Ältester der Gemeinde die Syn­agoge Satans kon­sul­tieren? Meiner Meinung nach liegt hier der Ursprung des Pro­blems jeder christ­lichen Gemeinde und Nation. Was hat Licht mit Fins­ternis zu tun? Welche Über­ein­stimmung hat Christus mit Belial? (2. Korinther 6,14–15). Das kann nichts Gutes verheißen.

Keine Nation, Gemein­schaft oder „Kirche“, die sich spi­ri­tuell mit den Tal­mu­disten ver­bindet, wurde jemals gesegnet, weder in der Ver­gan­genheit noch in der Gegenwart. Die ein­zigen Früchte dieser sata­ni­schen Ver­mi­schung sind Zwie­tracht, Ver­wirrung und Selbst­zer­störung. Dies war seit den Tagen der frühen Kirche so und setzt sich bis heute fort.

Was ging verloren?

Eusebius unter­drückte Papias’ Werk nicht gänzlich, doch da es zur maß­geb­lichen Quelle für die frühe Kir­chen­ge­schichte geworden war, blieb sein Urteil bestehen. Papias’ fünf­bän­diges Werk ging schließlich verloren.

Der Verlust von Papias’ Aus­legung ist uner­messlich. Er war der Chronist, der der apos­to­li­schen Gene­ration nach den Aposteln selbst am nächsten stand.

Was hat Papias über die Apostel auf­ge­zeichnet? Wir wissen es nicht. Die erhal­tenen Frag­mente sind zwar viel­ver­spre­chend, aber spärlich. Hat er Über­lie­fe­rungen über den Tod des Petrus bewahrt? Kein ein­ziges Fragment erwähnt ihn. Hat er fest­ge­halten, dass Johannes in Ephesus ein hohes Alter erreichte? 

Ver­mutlich nicht – seine Unter­scheidung zwi­schen zwei Johannes deutet darauf hin, dass er den Apostel nicht mit dem Älteren ver­wech­selte, und die spätere Über­lie­ferung könnte den fried­lichen Tod in Ephesus erfunden haben, um zu erklären, warum Johannes als Ein­ziger der Zwölf nicht den Mär­ty­rertod erlitt.

Der Verlust ist besonders schmerzlich, weil Papias etwas tat, was in der frühen Kirche niemand sonst tat: Er bat sys­te­ma­tisch um per­sön­liche Berichte. Er suchte die lebenden Stimmen der Zeit­zeugen. Und dann, weil seine Chro­niken aus der Mode kamen, ging sein Werk verloren.

Am meisten fas­zi­niert mich jedoch der rab­bi­nische Ein­fluss auf frühe Kir­chen­his­to­riker wie Origenes und Eusebius. Spielten sie eine subtile Rolle bei der Aus­lö­schung der phy­si­schen Erin­nerung an die Apostel? Manche Rab­biner behaupten sogar heute noch, sie hätten keine Pro­bleme mit den Lehren Jesu, sondern mit dem „ pau­li­ni­schen Chris­tentum“. (Ja, das ist tat­sächlich ein Forschungsgebiet.)

Unter­scheidet sich das „pau­li­nische Chris­tentum“ grund­legend vom Glauben und den Taten von Mat­thäus, Thomas, Andreas und Philippus?

Darüber hinaus arbei­teten die von frühen Kir­chen­his­to­rikern befragten Rab­biner bereits an einer par­al­lelen hebräi­schen Bibel (Altes Tes­tament), die erst um 1000 n. Chr. fer­tig­ge­stellt wurde – ganze tausend Jahre nach Christus. Diese Version wird als maso­re­ti­scher Text bezeichnet und ver­fälschte viele Pro­phe­zei­ungen über Christus, dar­unter auch die über seine Jungfrauengeburt. 

Iro­ni­scher­weise ist dies die Version des Alten Tes­ta­ments, die heute von Pro­tes­tanten ver­wendet wird – von der King-James-Bibel bis zur ESV – und in gewissem Maße auch die latei­nische (katho­lische) Vulgata.

Wie konnte die Kirche eine soge­nannte „ursprüng­liche Version“ ver­ein­nahmen, die die Jung­frau­en­geburt Christi ablehnt? (Mehr dazu später).

Das Geheimnis des ver­lo­renen Textes

Papias’ fünf­bändige Aus­legung der Worte des Herrn (Logion Kyriakon Exegesis) war Berichten zufolge noch im späten Mit­tel­alter erhalten. Es gibt Hin­weise darauf, dass sich noch 1341 ein Exemplar in der Bibliothek eines Zis­ter­zi­en­ser­klosters in Tirol befand. 

Danach ver­liert sich der voll­ständige Text in den his­to­ri­schen Auf­zeich­nungen, wobei unklar bleibt, ob er zer­stört wurde, ver­loren ging oder einfach nie wieder kopiert wurde.

Ich bin fest davon über­zeugt, dass sie ent­weder ver­nichtet oder für immer weg­ge­sperrt wurden. Es wäre der kirch­lichen Tra­dition widersprochen. 

Denn wären Papias’ Schriften erhalten geblieben, hätten wir besser ver­standen, wie die Apostel die Urkirche lei­teten und wie sie in Einheit den Grund­stein für einen über­na­tür­lichen Leib Christi legten (Römer 12; 1. Korinther 12), anstatt des heu­tigen kon­fes­sio­nellen Chaos.

Warum ist das wichtig?

Das Neue Tes­tament, wie wir es kennen, ent­stand nicht in einem ein­zigen Augen­blick inspi­rierter Klarheit. Es ent­wi­ckelte sich über Jahr­hun­derte hinweg durch Debatten, Aus­ein­an­der­set­zungen und bewusste Auswahl. Meiner Meinung nach hätte es spä­testens um 120 n. Chr. abge­schlossen sein sollen.

Das Mura­to­rische Fragment (um 170 n. Chr.) enthält einen Großteil, aber nicht den gesamten Kanon. Atha­nasius von Alex­andria lie­ferte in seinem Fest­brief von 367 n. Chr. die erste Liste, die den heu­tigen 27 Büchern ent­spricht. Doch selbst dann gab es noch Debatten. 

Die Ost­kirchen zögerten hin­sichtlich der Offen­barung; die West­kirchen stellten den Hebrä­er­brief, den Jako­bus­brief und den Judas­brief in Frage. 

Martin Luther bezeichnete den Jako­bus­brief später als „Stroh­brief“, was ihm den Vorwurf ein­brachte, er wolle ihn aus der Bibel ent­fernen lassen. Zufäl­li­ger­weise kon­sul­tierte auch Luther regel­mäßig jüdische Gelehrte, die ihrer­seits für eine Aktua­li­sierung des Alten Tes­ta­ments die hebräische Maso­retik der grie­chi­schen Sep­tuaginta vor­zogen. So hielt der Dis­pen­sa­tio­na­lismus Einzug in den Pro­tes­tan­tismus. Das Alte Tes­tament konnte nun genutzt werden, um das zu fördern, was später als Zio­nismus bekannt werden sollte.

In diesem umstrit­tenen Prozess wurde Papias‘ fünf­bän­diges Werk schlichtweg nicht berück­sichtigt. Warum? War es bereits zu Luthers Zeiten ver­loren gegangen?

Eine Erklärung lautet, dass Papias’ Werk als nicht aus­rei­chend apos­to­lisch galt. Er selbst war kein Apostel, und seine chi­li­as­ti­schen Ansichten gerieten in Ungnade. Diese Erklärung hält jedoch einer genaueren Betrachtung nicht stand. Markus war kein Apostel, dennoch wurde sein Evan­gelium aner­kannt. Lukas war kein Apostel, dennoch wurden sein Evan­gelium und die Apos­tel­ge­schichte anerkannt. 

Das Kri­terium war nicht die Autor­schaft durch einen Apostel, sondern die apos­to­lische Auto­rität – die Auf­fassung, dass ein Text getreu wie­dergab, was die Apostel gepredigt hatten.

Papias’ Aus­legung war nichts anderes als die Über­lie­ferung der apos­to­li­schen Lehre. Er reiste, befragte die Apostel und hielt genau fest, was sie gesagt und getan hatten. Rein objektiv betrachtet, hätte sein Werk zu den wert­vollsten Doku­menten der frühen Kirche zählen müssen.

Es sei denn natürlich, das, was er auf­zeichnete, war unpassend.

Der Preis des Schweigens

Wir leben heute mit den Folgen. Kon­fes­sio­nelle Spal­tungen, dok­trinäre Ver­wirrung, die endlose Zunahme „christlicher/zionistischer“ Bewe­gungen, die wenig mit der Kirche der Apostel gemein haben – all das lässt sich zum Teil darauf zurück­führen, dass wir genau jene Chro­niken ver­loren haben, die uns gezeigt hätten, wie die Apostel selbst mit den Fragen umgingen, die uns heute spalten.

Quellen: PublicDomain/drmathewmaavak.substack.com am 30.04.2026

Der Artikel erschien zuerst bei Pravda-tv.com.

  • Top Artikel

  • Service-Hotline:
    0179-6695802

  • Servicezeiten:
    Mo. und Do.: 10:00 - 12:00 Uhr
    Mi.: 15:00 - 18:00 Uhr