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»Olig­archen, Mil­li­ardäre und Mil­lionäre« – Wem gehören Deutsch­lands Medien?

Die Wahrheit hinter Deutsch­lands Medi­en­macht: Nur wenige ver­mö­gende Familien und Kon­zerne beherr­schen große Teile der deut­schen Pres­se­land­schaft. Aber wer Zei­tungen, Fern­seh­sender und Online-Portale besitzt, verfügt über erheb­lichen Ein­fluss auf die öffent­liche Mei­nungs­bildung. Eine Recherche über Macht, Geld und die Frage, wie unab­hängig Deutsch­lands Medien wirklich sind.


„Die Presse ist das Sprachrohr der Mächtigen.“
Leo Tolstoi
(rus­si­scher Schriftsteller)

Täglich nutzen wir Zei­tungen, Fern­sehen oder Online-Portale, ohne zu hin­ter­fragen, wem sie eigentlich gehören.

Doch bei näherer Betrachtung wird klar: Deutsch­lands Medi­en­land­schaft ist fest in der Hand einiger weniger Mil­lionärs- und Mil­li­ar­därs­fa­milien und Kon­zerne. Es geht nicht nur um jour­na­lis­tische Vielfalt, sondern um Macht, Ein­fluss und ein System, das Kritik an sich selbst kaum zulässt.

Die größte Medi­en­holding Europas ist Ber­telsmann SE & Co. KGaA mit über 1.200 Ein­zel­firmen und weltweit mehr als 115.000 Mit­ar­beitern. Das Unter­nehmen befindet sich seit seiner Gründung 1835 im Fami­li­en­besitz der Familie Mohn (Gütersloh).

Zum Ber­telsmann-Imperium gehört u.a. die RTL Group mit Sendern wie RTL, VOX, n‑tv, RTL2, RTL Nitro und RTL Plus, BMG, Arvato, Ber­telsmann Mar­keting Ser­vices, Ber­telsmann Edu­cation Group, Ber­telsmann Investments.

Zudem hält Ber­telsmann die Mehr­heits­be­tei­ligung an Gruner+Jahr (stern, Bri­gitte, Geo) und ist Mit­ei­gen­tümer des welt­größten Buch­verlags Penguin Random House, wodurch ein Viertel des inter­na­tio­nalen Buch­handels kon­trol­liert wird.

Weitere bedeu­tende Olig­archen, Familien und Akteure, die Deutsch­lands Medi­en­land­schaft dominieren:

• Friede Springer und Mathias Döpfner (Axel Springer)
• Familie Bauer (Bauer Media Group)
• Hubert Burda (Burda Media)
• Familie Holtz­brinck (Holtz­brinck Verlag, z. B. DIE ZEIT)
• Familie Madsack (Madsack Verlag)
• Familie Dumont (Dumont Schauberg)
• Funke-Medi­en­gruppe (Zei­tungen, Zeit­schriften, Digitalangebote)
• Ippen-Gruppe (Netz­werke aus Regio­nal­zei­tungen und reich­wei­ten­starken Online-Portalen)
• und einige weitere …

99,5 Prozent der am Kiosk ver­kauften Tages­zei­tungen in Deutschland stammen von nur fünf großen Ver­lags­gruppen. Das muss man sich einmal vorstellen!

Die hiesige Medi­en­macht liegt also fest in den Händen weniger Mil­lionäre und Mil­li­ardäre, und das ist bei­leibe keine Ver­schwö­rungs­theorie, sondern Ergebnis der Studie „Zei­tungs­markt 2016“ von Horst Röper.

Der eigent­liche Skandal ist jedoch: Niemand scheint sich darüber zu empören.

Das Online-Portal etos.media schrieb über diese „Medi­en­macht in Deutschland“ treffend:

„(…) unser Pres­se­markt wird von Super­reichen beherrscht. Mil­li­ardäre sind Springer, Bauer, Burda und Ber­telsmann. Auf der Mil­lio­närs­ebene folgen Medien Union, Holtz­brinck-Verlag, Dieter von Holtz­brinck Medien, Funke, Münchner Merkur, M. DuMont Schauberg und Spiegel-Gruppe. Diese elf teilen sich im Wesent­lichen den Pres­se­markt auf.“

Und weiter: „Jour­na­listen sind Geiseln des Systems. Sie können nicht in der Presse über ihre Pro­bleme berichten. Ihre Selbst­be­schrei­bungen sind positiv. Ein anderes Bild erlangt man, wenn man sich ihre Arbeits­markt­si­tuation vor Augen führt. Diese beginnt bei dem irre­füh­renden Begriff ‚Verlage‘. Die Platz­hirsche sind nämlich Kon­glo­merate. Gemischt­wa­ren­kon­zerne, die weltweit mit Waren und Dienst­leis­tungen handeln, die nichts mit Jour­na­lismus zu tun haben. Ihre natürlich real vor­han­denen Redak­tionen und sons­tigen Medien sind nur ein zweck­dien­licher Teil davon. Kon­glo­merate beherr­schen die Mas­sen­medien mehr denn je. Unab­hängige Verlage mit Selbst­zweck-Jour­na­lismus gibt es kaum noch.“

Bereits 2015 warnte der 2017 ver­storbene Jour­nalist Udo Ulfkotte:

Hinter diesen Medien-Kon­zernen stehen Medien-Mil­li­ardäre mit unge­heurer Macht. Sie sind eng mit der Politik ver­flochten, fast alle Ver­leger sind mit der Bun­des­kanz­lerin oder Par­tei­führern befreundet. Sie wollen keine neuen poli­ti­schen Par­teien ent­stehen lassen.“

Für wahr: Diese geballte Medi­en­macht weniger Olig­archen ist mehr als ein medi­en­po­li­ti­sches Problem. Wo Eigentum kon­zen­triert ist, stirbt die Vielfalt. Wo Jour­na­lismus nur noch Teil glo­baler Kon­zerne ist, geht die Unab­hän­gigkeit flöten.

Die ent­schei­dende Frage lautet: Wie lange kann sich eine Demo­kratie einen Pres­se­markt leisten, der in Wahrheit längst kein freier Markt im eigent­lichen Sinne mehr ist?

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