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»DEUTSCHE SOL­DATEN AN DIE NEUE FRONT« – Mit offenen Augen in den Krieg! (2)

Deutschland bereitet sich auf einen Krieg vor, von dem alle behaupten, ihn ver­hindern zu wollen. Hun­dert­tau­sende Sol­daten und Reser­visten, neue mili­tä­rische Infra­struktur und immer weit­rei­chendere Mobi­li­sie­rungs­mög­lich­keiten: Unter dem Schlagwort „Abschre­ckung“ werden Struk­turen für den Ernstfall geschaffen. Doch was geschieht, wenn aus Abschre­ckung eine gefähr­liche Auf­rüs­tungs­spirale wird? Und wann stehen deutsche Sol­daten tat­sächlich an einer neuen Front?

Der Begriff klingt zunächst harmlos: „Gesetz zur Stärkung der Reserve“.

Doch betrachtet man das Reser­ve­stär­kungs­gesetz nicht iso­liert, sondern gemeinsam mit dem mas­siven Ausbau der Bun­deswehr, neuen NATO-Anfor­de­rungen und dem Ausbau mili­tä­ri­scher Infra­struktur, ergibt sich ein wesentlich grö­ßeres Bild.

Deutschland soll mili­tä­risch erheblich leis­tungs­fä­higer werden.

Die Bun­deswehr (und Bun­des­kanzler Friedrich Merz) selbst for­mu­liert das Ziel unmiss­ver­ständlich: Sie soll zur „stärksten kon­ven­tio­nellen Armee in Europa“ anwachsen.

Dafür braucht es nicht nur Panzer, Flug­zeuge, Raketen und Munition.

Es braucht vor allem „Men­schen­ma­terial“.

Aus frei­wil­ligen Reser­visten werden poten­ziell Verpflichtete
Gerade deshalb besitzt das Reser­ve­stär­kungs­gesetz eine Bedeutung, die weit über eine tech­nische Reform hinausgeht.

Die Bun­des­re­gierung schafft die Mög­lichkeit, ehe­malige Sol­daten auch außerhalb eines bereits fest­ge­stellten Span­nungs- oder Ver­tei­di­gungs­falls ver­pflichtend zum Reser­ve­dienst heranzuziehen.

Das bedeutet nicht, dass nun plötzlich Hun­dert­tau­sende Reser­visten ein­be­rufen werden.

Aber der recht­liche Mecha­nismus soll vor­handen sein.

Und genau das ist der ent­schei­dende Punkt.

Die Bun­des­re­publik ver­ändert ihre Struk­turen für eine Sicher­heitslage, in der mili­tä­rische Ver­füg­barkeit wieder einen wesentlich höheren Stel­lenwert erhält.

Der Krieg rückt wieder in die staat­liche Planung
Zur gleichen Zeit beschloss das Kabinett am 1. Juli ein Bun­deswehr-Infra­struk­tur­be­schleu­ni­gungs­gesetz. Mili­tä­rische Infra­struktur soll schneller aus­gebaut, moder­ni­siert und neu errichtet werden können.

Die Regierung begründet beide Vor­haben mit der „ver­än­derten Bedro­hungslage in Europa“, der Ver­tei­di­gungs­fä­higkeit Deutsch­lands und der Abschre­ckung innerhalb des Bündnisses.

Man kann diese Politik für not­wendig halten.

Man kann sie aber ebenso kri­tisch hinterfragen.

Denn Abschre­ckung funk­tio­niert stets nach dem­selben Prinzip: Die eigene Seite baut mili­tä­rische Fähig­keiten auf, damit der Gegner keinen Angriff wagt. Die Gegen­seite wie­derum kann genau diesen Aufbau als poten­zielle Bedrohung betrachten und ihrer­seits aufrüsten.

Aus Abschre­ckung ent­steht Gegenabschreckung.

Aus Auf­rüstung ent­steht Gegenaufrüstung.

Und damit wächst zwangs­läufig auch das mili­tä­rische Potenzial auf beiden Seiten.

Deutschland soll für einen mög­lichen großen Kon­flikt bereitstehen
200.000 ein­satz­be­reite Reser­visten sind keine sym­bo­lische Größe.

Zusammen mit min­destens 260.000 aktiven Sol­daten ergibt sich jene Ziel­größe von 460.000 mili­tä­ri­schen Kräften, die Deutschland nach Angaben der Bun­deswehr gegenüber der NATO zugesagt hat.

Das bedeutet nicht, dass diese Men­schen auto­ma­tisch „an die Front“ geschickt würden. Über kon­krete Ein­sätze, Bünd­nisfall, Span­nungs- oder Ver­tei­di­gungsfall gelten unter­schied­liche recht­liche und poli­tische Voraussetzungen.

Aber es bedeutet sehr wohl:

Deutschland baut heute die mili­tä­ri­schen Vor­aus­set­zungen auf, um in einem großen Bündnis- oder Ver­tei­di­gungsfall erheblich mehr Sol­daten mobi­li­sieren zu können als bisher.

Und die Politik muss den Bürgern offen sagen, was das bedeutet.

Die ent­schei­dende Frage lautet: Wohin führt dieser Kurs?
Wer vor Russland warnt, kann darauf ver­weisen, dass der rus­sische Angriff auf die Ukraine gezeigt hat, dass kon­ven­tio­nelle Kriege in Europa keine his­to­rische Erin­nerung mehr sind, sondern Realität.

Wer vor wei­terer Auf­rüstung warnt, kann dagegen darauf hin­weisen, dass mili­tä­rische Eska­la­ti­ons­spi­ralen ihre eigene Dynamik ent­wi­ckeln können.

Beides gehört zu einer ehr­lichen Debatte.

Was nicht genügt, ist die Vor­stellung, immer mehr Sol­daten, immer mehr Waffen, immer höhere Ver­tei­di­gungs­aus­gaben und immer wei­ter­ge­hende Mobi­li­sie­rungs­mög­lich­keiten seien lediglich admi­nis­trative Maß­nahmen ohne gesell­schaft­liche Konsequenzen.

Sie ver­ändern Deutschland.

Sie ver­ändern das Ver­hältnis zwi­schen Bürger, Arbeit­geber und Bundeswehr.

Und sie ver­ändern die Frage, was der Staat seinen ehe­ma­ligen Sol­daten im Ernstfall abver­langen darf.

Heute werden die gesetz­lichen Vor­aus­set­zungen geschaffen
Noch befindet sich das Reser­ve­stär­kungs­gesetz im par­la­men­ta­ri­schen Ver­fahren. Der Kabi­netts­be­schluss ist nicht gleich­be­deutend mit einem bereits gel­tenden Gesetz.

Auch das muss klar gesagt werden.

Doch ebenso klar ist die poli­tische Richtung.

Die Bun­des­re­gierung will die Reserve massiv stärken, die bis­herige dop­pelte Frei­wil­ligkeit auf­geben und die Bun­deswehr für Landes- und Bünd­nis­ver­tei­digung auf eine Grö­ßen­ordnung vor­be­reiten, wie sie Deutschland seit Jahr­zehnten nicht mehr kannte.

Die Frage lautet deshalb nicht nur:

Kann Deutschland im Ernstfall Krieg führen?

Die viel wich­tigere Frage lautet:

Tut Deutschland gleich­zeitig noch alles poli­tisch und diplo­ma­tisch Mög­liche, damit dieser Ernstfall niemals eintritt?

Denn Auf­rüstung mag einen Gegner abschrecken.

Sie ersetzt aber keine Diplomatie.

Und spä­testens wenn aus Plan­spielen Ein­be­ru­fungs­be­scheide, aus Reser­visten wieder Sol­daten und aus Abschre­ckung tat­sächlich Krieg werden sollte, wäre es für diese Debatte zu spät.

Deshalb muss diese Debatte jetzt geführt werden – bevor deutsche Sol­daten tat­sächlich an einer neuen Front stehen und erneut Richtung Russland geschickt werden, um dort „ver­heizt“ zu werden!

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