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Die geheimen Waf­fen­pro­jekte des Deut­schen Reiches

Gilbert Sternhoff

Die in diesem Beitrag vor­ge­stellten Deck­namen und Bezeich­nungen deut­scher Geheim­waffen gehen auf Äuße­rungen Werner Groth­manns zurück. Dieser hatte in den soge­nannten Grothmann-Pro­to­kollen nicht nur eine ent­spre­chende Num­me­rierung vor­ge­nommen, sondern für einen Teil auch den kon­kreten Waf­fentyp zuge­ordnet. Auf diese Quelle, deren Aus­sagen die her­kömm­liche Zeit­ge­schichts­for­schung vor erheb­liche Her­aus­for­de­rungen stellt, wurde im Nach­rich­ten­dienst „Unter Ver­schluss“ schon wie­derholt Bezug genommen. Ein Grund­satz­ar­tikel dazu erschien in der Ausgabe Nr. 6/2022 von Lars Müller, ver­sehen mit einem Vorwort des Her­aus­gebers Thomas Mehner.

Für neue Leser sei an dieser Stelle zur Ein­führung in die The­matik aus dieser Publi­kation zitiert: „Werner Grothmann ist unter Kennern der Geschichte des Dritten Reiches und besonders jener der SS kein unbe­schrie­benes Blatt. Als Chef­ad­jutant des Reichs­führers-SS, Heinrich Himmler, vom Herbst 1941 bis zur Gefan­gen­nahme seines Vor­ge­setzten durch die Briten am 21. Mai 1941, war er in viele Vor­gänge dieser mäch­tigsten Orga­ni­sation im dama­ligen Deut­schen Reich invol­viert, und von daher muss seinen Äuße­rungen, so sie denn echt sind, ein beson­deres Gewicht zuge­messen werden …Die Befra­gungs­pro­to­kolle beziehen sich auf mehrere statt­ge­fundene Gespräche über einen Zeitraum von zwei Jahren, beginnend im Sommer 2000.“ (1)

Zu den Bezeich­nungen der Geheim­waffen innerhalb der SS erklärte Grothmann, „dass sich bereits eine Linie ziehen ließ von der V2 bis zur V9, Pro­jekte also, die schon in der Vor­stufe der Ver­wirk­li­chung standen oder die doch schon ganz deut­liche Fort­schritte machten und die gleich­zeitig völlig unkon­ven­tionell waren.“ (2)

 

Welche Waf­fen­typen ver­bergen sich hinter dieser Num­me­rierung? Bevor ich einige Worte zur all­gemein bekannten Fern­rakete V2 ver­liere, möchte ich zur Rich­tig­stellung und als Ergänzung die Aussage des Vor­sit­zenden des US-Senats­ko­mitees für mili­tä­rische Ange­le­gen­heiten, Elbert D. Thomas, zur von Grothmann nicht extra auf­ge­führten V1 zitieren, die 1946 in einer US-ame­ri­ka­ni­schen Zeit­schrift wie­der­ge­geben ist und belegt, dass diese erste Ver­gel­tungs­waffe kei­neswegs so inef­fi­zient war wie oft behauptet: „Von 8070 V‑1-Geschossen, die von der Fest­land­küste während 80 Tagen im Sommer 1944 abge­schossen wurden, haben ins­gesamt 5394 England erreicht. Sie töteten 5964 Per­sonen und ver­wun­deten 40.372, zer­störten 24.491 Häuser und beschä­digten 102.688. Auf die Zeit und Bom­ben­tonnage umge­rechnet war die V‑1 von bedeutend zer­stö­re­ri­scher Wirkung als die Bom­ben­an­griffe der Alli­ierten auf Deutschland und dazu bedeutend bil­liger. Die Deut­schen ver­loren ein paar tausend V‑1-Geschosse ohne das Leben eines ein­zigen Fliegers. Die alli­ierten Angriffe auf Deutschland kos­teten 40.000 Flug­zeuge, davon jedes bedeutend teurer als eine V‑l, und das Leben von 158.546 bri­ti­schen und ame­ri­ka­ni­schen Fliegern.“ (3)

Zur Effi­zienz der für die damalige Zeit tech­nisch revo­lu­tio­nären Fern­rakete V2 exis­tiert meines Wissens keine ver­gleichbare Auf­wands-Nut­zen­analyse, hatte die bri­tische Regierung während des Krieges doch über ihre Aus­wir­kungen eine totale Nach­rich­ten­sperre ver­hängt. In meh­reren Ein­trägen der Goebbels-Tage­bücher, die sich auf Infor­manten in England stützen, werden diese als erheblich beschrieben und besonders die Schock­wirkung auf das öffent­liche Bewusstsein her­vor­ge­hoben. Goebbels und Hitler waren sich demnach bewusst, dass von den kon­ven­tio­nellen Spreng­köpfen dieser Waffe keine exor­bi­tante Wirkung aus­gehen konnte. Über längere Zeit musste ein mas­sen­hafter Beschuss von Groß­städten mit der V2 aber zwangs­läufig zu einer kaum zu beschrei­benden Panik unter der Zivil­be­völ­kerung führen, da die Ein­schläge ohne jeg­liche Vor­warnung erfolgten. Von daher – das sei an dieser Stelle in aller Deut­lichkeit erwähnt – muss die V2 zu Recht mehr als psy­cho­lo­gische denn als Ver­nich­tungs­waffe bezeichnet werden.

 

Zurück zu Groth­manns Angaben zu den SS-Geheim­waffen: Die Bezeichnung V3 wäre demnach für „die zwei durch­kon­stru­ierten Atom­bom­ben­typen für Uran und Plu­tonium gewählt worden … Schon im Februar 1945 hätte man damit begonnen, eine Ver­suchs­linie auf­zu­bauen, wo man den Seri­enbau in kleinem Maßstab aus­pro­bieren wollte. Aller­höchstens 20 Mann sollten innerhalb der nächsten Monate für eine Grund­aus­stattung mit Atom­bomben sorgen.“ (2)

Die Fern­ra­keten mit grö­ßerer Reich­weite, die Amerika-Rakete und wahr­scheinlich auch die Fest­stoff­rakete, die am 16. März 1945 von Thü­ringen aus in Richtung Nor­wegen test­weise gestartet wurde, liefen unter der Bezichnung V4. Laut Grothmann sollten im Herbst 1945 die ersten gegen Städte an der Ost­küste der USA gerich­teten Raketen mit Atom­sprengkopf den Atlantik über­queren. (2)

Eine weitere kon­krete Zuordnung von Waf­fen­typen zu den Nummern V5 bis V9 durch Grothmann ist in den Pro­to­kollen nicht erfolgt. Bestimmten Angaben kann jedoch ent­nommen werden, dass es sich in einem Fall um eine Strah­len­waffe gehandelt haben muss, die ich von daher als V5 bezeichnen möchte.

Nun wird die Existenz solcher Waffen zwar immer wieder in Zweifel gezogen, es gibt jedoch mehr als einen Hinweis für deren Existenz. In seinem Buch „Hitlers Bombe“ schrieb der His­to­riker Rainer Karlsch dazu: „Himmler hatte eine aus­ge­spro­chene Schwäche für ‚Wun­der­waffen‘. Pro­jekte, die von der For­schungs­führung des Heeres oder der Luft­waffe abge­lehnt wurden, lan­deten nicht selten bei der SS. Bekann­teste Bei­spiele dafür waren ver­schiedene Pro­jekte mit ‚Todes­strahlen‘. Himmler setzte auch dafür Kammler als Ver­ant­wort­lichen ein. Am 31. Januar 1945 wurde er zudem noch ‚Son­der­be­auf­tragter des Führers für Strah­len­waffen‘“. (4) Allein diese Ernennung Kammlers sollte die Prio­rität solcher Waf­fen­ent­wick­lungen unter­streichen. Einige Kri­tiker nehmen an, dass die Bezeichnung „Strah­len­waffen“ sich auf die Raketen- bzw. Flug­zeug­pro­duktion bezogen hätte. Dem kann ent­gegnet werden, dass Hermann Göring schon am 22. Januar 1945 Kammler zum „Son­der­be­auf­tragten für die Ent­wicklung, Beschaffung und Indus­trie­er­probung auf dem Gebiet der Kampf­mittel mit Rake­ten­an­trieb“ ernannt hatte, dem Hitler am 27. März die „Voll­macht über die Ent­wicklung und Pro­duktion der Strahl­flug­zeuge“ folgen ließ. (5)

Bei den Strah­len­waffen scheint es sich um ein ganzes Bündel sowohl defen­siver wie offen­siver Waffen gehandelt zu haben, wobei das Wort „Strahl“ im Sinne von viel­leicht Partikel‑, Licht- oder Laser­strahl nicht unbe­dingt wörtlich zu nehmen ist, sondern auch im Gebrauch der Bezeichnung „Feld“ als Aus­druck elek­tro­ma­gne­ti­scher Wech­sel­wir­kungen ver­standen werden kann. Hierzu einige Bei­spiele. In den Akten der „Ope­ration LUSTY“ (6) fand sich fol­gender Hinweis: „Ziel: Daimler-Benz. Stadt: Unter-Türk­heim/­Stuttgart. Akti­vität: Geheim­waffe. Auf­ge­nommen: 25. April 1945. Bemer­kungen: Stoppt Zünd­system eines Ben­zin­motors. Es gelang mit dem Apparat, ein Kraft­fahrzeug mit magne­ti­scher Zündung, nicht aber eines mit Bat­te­rie­zündung, auf eine Ent­fernung von zwei bis drei Kilo­metern zu stoppen.“ (7)

Der schon erwähnte Rainer Karlsch schreibt an anderer Stelle: „Expe­ri­mente mit elek­tro­ma­gne­ti­schen Wellen als Waffe wurden seit 1943 durch­ge­führt. Vor­be­reitet und aus­ge­führt wurden die ‚Motor­stopp Expe­ri­mente‘ von der Gesell­schaft für elek­tro­akus­tische und mecha­nische Apparate mbH, Berlin-Köpenick (GEMA) … For­schungen über die Wirk­samkeit elek­tro­ma­gne­ti­scher Felder fanden auf der Ver­suchs­stelle des Hee­res­waf­fen­amtes bei Lünow statt, ca. 10 km von Kum­mersdorf ent­fernt … Mitte 1943 wurde Teile des GEMA-Werkes nach Lie­gnitz und Lauban in Nie­der­schlesien verlegt … In der End­phase des Krieges fanden in Lauban Ver­suche mit Magnet­feldern statt. Darüber berich­teten pol­nische Zei­tungen nach dem Krieg. Demnach hatte die GEMA eine ca. 300 Meter lange Test­strecke auf der Straße zwi­schen Lauban und Görlitz ein­ge­richtet. Diese Strecke wurde für den Verkehr geschlossen. Autos, die auf der Test­strecke fuhren, wurden mittels elek­tro­ma­gne­ti­scher Wellen zum Halten gebracht … fest­zu­halten bleibt: es wurden von hoch qua­li­fi­zierten Wis­sen­schaftlern und ange­se­henen Firmen Expe­ri­mente zur mili­tä­ri­schen Nutzung von elek­tro­ma­gne­ti­schen Feldern durch­ge­führt.“ (8)

Ob mit dieser Tech­no­logie, wie oft behauptet, auch die Motoren von in großer Höhe flie­genden Flug­zeugen außer Betrieb gesetzt werden konnten, bleibt fraglich. Aus meiner Sicht kann es sich dabei bes­ten­falls um ein Zukunfts­projekt unter Einsatz deutlich stär­kerer elek­tro­ma­gne­ti­scher Felder gehandelt haben. Nicht uner­wähnt will ich lassen, dass anscheinend die­selbe Tech­no­logie Jahr­zehnte später im Zusam­menhang mit dem UFO-Ent­füh­rungs­phä­nomen zum Einsatz gekommen ist. Was wie­derum die von mir mit aller Kon­se­quenz bejahte Frage auf­wirft, ob nicht die Schöpfer dieser gleich­ar­tigen Tech­no­logien eng mit­ein­ander „ver­wandt“ sind.

Auch zu den Strah­len­waffen als „Todes­strahlen“ exis­tieren Über­lie­fe­rungen. So zitieren Edgar Mayer und Thomas Mehner einen Zeit­zeu­gen­be­richt aus Thü­ringen in ihrem Buch „Geheime Reichs­sache“. Im Objekt Polte 2 hätte sich demnach eine große Anlage befunden, welche unter anderem der Erprobung von Strah­len­waffen diente. „Die Strah­len­waffen wurden im Mit­tel­deut­schen Werk bei Arn­stadt erprobt und dann zur Luft­er­probung in das Polte-2-Werk gebracht. Diese Arbeiten wurden immer besonders von der SS über­wacht. Wir durften bei vier Pro­be­flügen diese aus 2000 Metern Höhe foto­gra­fieren. Dabei sahen wir, welche Wirkung die Strah­len­waffe hatte. Vom Flugzeug aus sahen wir, wie der Strahl abge­feuert wurde und mit welcher Genau­igkeit das Ziel getroffen und ver­nichtet wurde. Dabei wurde bei Bitt­städt einmal sogar die Strah­len­waffe an Kühen aus­pro­biert. Nach dem Abschuss und dem Treffen der Kühe war nur ein kurzes, helles glän­zendes Licht zu sehen, dann waren die Kühe ver­schwunden. Wir sind diese Stelle mehrmals abge­flogen, es war nichts mehr von den Tieren zu sehen, nur ein Brand­fleck war vorhanden.“

 

Was ver­birgt sich hinter den V6 bis V9?

Die Fort­schreibung der Nomen­klatur wurde von Grothmann anscheinend nach dem Ent­wick­lungs­stand der Son­der­waf­fen­pro­jekte vor­ge­nommen. Mit der V2 ange­fangen, die seit Herbst 1944 im Einsatz war, den Atom­bomben und Fern­ra­keten mit grö­ßerer Reich­weite, die Anfang 1945 in das Stadium der Pro­to­typen gelangten, zu jenen – wie wir sehen werden – in ihren Aus­wir­kungen und Per­spek­tiven noch fan­tas­ti­scheren Pro­jekten, die erst in den letzten Kriegs­mo­naten ihre Ent­wick­lungs­reife erlangten. Dieser Prä­misse folgend werde ich im wei­teren Verlauf die weitere Zuordnung der Waf­fen­systeme vornehmen.

Eines möchte ich noch her­vor­heben. Ich bin früher immer davon aus­ge­gangen, dass hinter einer dieser Waffen das Projekt „Die Glocke“ zu suchen ist. Davon bin ich zwi­schen­zeitlich abge­kommen. Mit „Die Glocke“ war Grund­la­gen­for­schung ver­bunden, die letzt­endlich zur Beherr­schung der Anti­gra­vi­tation sowie einer revo­lu­tionär neuen Methode der unbe­grenzten Ener­gie­ge­winnung führte. Diese wis­sen­schaft­lichen Durch­brüche dienten wie­derum als Vor­aus­setzung für die Ent­wicklung der V6 und V7.

Weit fort­ge­schritten scheint die Ent­wicklung der V6, des Super­spreng­stoffs RADgUM, gewesen zu sein, dessen finaler Test am 12. März 1945 auf dem TÜP Ohrdruf statt­ge­funden haben soll. Ich möchte an dieser Stelle nicht detail­liert auf die Eigen­schaften von RADgUM ein­gehen. Dazu ist in meinem Buch „Unter Ver­schluss“ in den letzten Jahren genug gesagt worden. Nur so viel: „Es handelt sich – um es kurz zu machen und ver­ein­facht dar­zu­stellen–, um eine bis heute der For­schung unbe­kannt gebliebene che­mische Sub­stanz, die bei ihrer Deto­nation mit dem Gra­vi­ta­ti­onsfeld bezie­hungs­weise der in ihm vor­han­denen Energie in Wech­sel­wirkung tritt, was letztlich eine unge­heure Ver­nich­tungs­kraft frei­setzt.“ (10) Der Bezug zum Projekt „Die Glocke“ ist nicht zu über­sehen, sowohl was die For­schungen zur Gra­vi­tation als auch, wie ich vermute, die zur kon­trol­lierten Ener­gie­ge­winnung angeht.

Die Bezeichnung V7 ist die einzige, welche sich über Jahr­zehnte als Kon­stante erwiesen hat und dürfte für jene revo­lu­tio­nären Flug­ob­jekte stehen, die gemeinhin als Nur­flügler, Flug­scheiben oder Flug­disken bezeichnet werden. Mehrere Typen waren Anfang 1945 in der Ent­wicklung. Einer, die ver­gleich­weise ein­fache Kon­struktion von Haber­mohls Flug­kreisel, soll am 14. Februar 1945 in Prag seinen erfolg­reichen Erstflug absol­viert haben. Inwieweit die Ent­wicklung von Miethes Flug­diskus zum Abschluss gekommen ist, bleibt unklar. Nach den Aus­sagen seines Kon­struk­teurs sei er fabri­ka­ti­onsreif gewesen. Nach dem Krieg kam es zu einer Renais­sance dieses Typs in Gestalt der seit 1947 weltweit beob­ach­teten UFOs. Eine detail­lierte Über­sicht zum Thema Ent­wicklung und Evo­lution des UFO-Phä­nomens gibt mein bei Jan van Helsing erschie­nenes Buch „Die Rückkehr der Dritten Macht“. (11)

In den Grothmann-Pro­to­kollen findet die V7 keine Erwähnung. Thomas Mehner hat mir gegenüber in einer pri­vaten Kor­re­spondenz erwähnt, dass Werner Grothmann hin und wieder auch Aus­sagen getroffen hätte, die nicht immer gleich pro­to­kol­liert worden wären. Demnach habe er auch über die Flug­scheibe gesprochen und berichtet, dass die größte 30 Meter Durch­messer hatte und bei Kriegsende vor den anrü­ckenden Russen gesprengt wurde.

Bei der V8 muss es sich um die so bezeich­neten Megra-Phiolen gehandelt haben. Thomas Mehner sagte dazu in einem Interview: „In eine andere Richtung gehen spe­zielle Phiolen (eine Phiole ist ein bir­nen­för­miges Glas­gefäß mit langem, engem Hals), welche bei ihrer ‚Inbe­trieb­setzung‘ damit beginnen, alle im Umfeld befind­liche Materie in ein bestimmtes che­mi­sches Element umzu­wandeln. Dieser Prozess kann nicht gestoppt werden, sondern endet erst, wenn die in der Phiole befind­liche Sub­stanz auf­ge­braucht ist. Die betroffene Fläche kann 50, 100 oder 1.000 Qua­drat­meter groß sein – aber auch so groß wie ganze deutsche Bun­des­länder. Nach oben hin gibt es keine Grenze.“ Ein Gegen­mittel exis­tiere nicht. (12) Diese Waffe fand erstmals Erwähnung in einem Brief an den tsche­cho­slo­wa­ki­schen Staats­prä­si­denten Edvard Beneŝ, ver­fasst im Januar 1946 von dem deut­schen Inge­nieur Helmut Lindner, mit dem er wohl darauf hin­weisen wollte, welche Gefahren sich durch gewisse Waf­fen­ent­wick­lungen auf dem Gebiet des ehe­ma­ligen Reichs­pro­tek­torats Böhmen und Mähren dort im Unter­grund ver­bergen. Im Brief wurden zudem die Aus­wir­kungen von RADgUM erwähnt und darüber hinaus aus­führlich das Ver­nich­tungs­po­tenzial einer wei­teren Geheim­waffe geschildert. (13)

Bei dieser, hier als V9 benannt, handelt es sich um eine „Strah­len­waffe“ völlig neuen Typs. Helmut Lindner schreibt: „… völlig gelöst ist das Problem, durch Strahlung vor allem Panzer und Flug­zeuge zu ver­nichten, aber auch Fes­tungs­werke und Muni­ti­ons­depots, den gesamten Nach­schub usw. Nur so die Strahlen auf Metall ein­fallen, werden sie wirksam, lassen alles damit Zusam­men­hän­gende in Flammen auf­gehen, sodass damit aber auch jeder ein­zelne Soldat, weil er Metal­li­sches an sich hat (Munition), ver­nichtet werden kann und somit prak­tisch jede Kriegs­führung des Gegners zum Erliegen kommen muss. Von ent­schei­denstem Wert aber ist diese Waffe wohl in der See­kriegs­führung zur Ver­nichtung jeder feind­lichen Schiffs­einheit. Prak­tische Ver­suche mit diesen Strahlen ergaben bereits eine ein­wand­freie Reich­weite von meh­reren Kilo­metern.“ (13)

Nachdem ich diesen Text das erste Mal gelesen hatte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen, ver­stand ich doch jetzt eine Aussage Groth­manns in den Pro­to­kollen, die mir über viele Jahre ein Rätsel geblieben war: „Ich bin der festen Über­zeugung, ein drei­viertel Jahr noch, und der Krieg wäre für uns unver­lierbar geworden … der Krieg wäre innerhalb von wenigen Tagen zu Ende gewesen, weil die Ame­ri­kaner die Russen nicht mehr mit Kriegs­gerät beliefert hätten, und wir mir einer Neu­ent­wicklung, die nach meiner Kenntnis so gut wie fertig war, jedoch noch nicht her­ge­stellt wurde, die Ost­front sta­bi­li­siert hätten.“ (2) Eine Waffe, die ganze Schiffs­konvois ver­nichten und Pan­zer­armeen ver­schrotten konnte, erklärt freilich alles. Das besagt wie­derum, Grothmann hatte genaue Kenntnis von der V9 und liefert damit indirekt eine Bestä­tigung für den Wahr­heits­gehalt des Briefes von Helmut Lindner.

Wenn sich RADgUM, die Megra-Phiolen und jene besondere, Metall ent­flam­mende „Strah­len­waffe“ nicht nur auf dem Gebiet des Pro­tek­torats ent­wi­ckelt worden, sondern, folgt man Lindner, auch dort noch im Unter­grund befinden sollen, stellt sich die Frage: Wo? Auch dazu hat uns Grothmann einen Fin­gerzeig gegeben, wie er ein­deu­tiger nicht sein könnte. Er sprach von neben dem AWO-Gebiet acht wei­teren Anlagen, die unter der Kon­trolle der SS standen und in denen „an fort­schritt­lichster Tech­no­logie für den ‚Endsieg‘“ gear­beitet wurde. (2) In meinem zuletzt erschie­nenen Buch „DER KONTAKT zur Dritten Macht“ habe ich alle diese Anlagen iden­ti­fi­ziert. (14) Eine davon befand sich im Pro­tek­torat, die noch „völlig intakt sein soll“. (2) Von Bedeutung ist in diesem Zusam­menhang noch eine andere Bemerkung Groth­manns: „Sehen Sie, wir haben zum Bei­spiel ein Bau­projekt gehabt, das ist auch fertig geworden, bei dem ist zum Bau ein Fluss umgleitet worden, und später hat man ihn dann wieder in sein altes Bett gelassen, gerade über die Anlage hinweg. Die soll noch dicht sein.“ (2) Damit ist klar, dass es sich dabei nur um die noch „völlig intakte“ handeln kann.

Nebenbei gesagt, beweist diese Aussage, dass um die Jahr­tau­send­wende die von mir so bezeich­neten WÄCHTER, von anderen „Grals­hüter“ genannt, nicht allein nur im AWO-Gebiet noch aktiv waren. Wie hätte Grothmann sonst davon wissen sollen?

Exis­tiert im ehe­ma­ligen Pro­tek­torat ein Ort, der genau jenen von Grothmann genannten Bedin­gungen ent­spricht? Ja, bei Stechowitz, auf dem Gelände des ehe­ma­ligen „SS-TÜP Böhmen“. Hier 25 Kilo­meter südlich von Prag gelegen, fließt der Fluss Moldau durch eine felsige Berg­land­schaft. Das Wahr­zeichen der Stadt ist heute die 124 Meter lange und 22,5 Meter hohe Stau­mauer. Der See selbst ist nur 80 bis 120 Meter breit, dafür aber an die zehn Kilo­meter lang. Als Teil der Moldau-Kas­kaden wurde das Staubecken zwi­schen 1937 und 1945 erbaut. (15) Das heißt, die Fer­tig­stellung fiel in die letzten Monate des Dritten Reiches. Vor Bau­beginn eines Stau­werks muss das ent­spre­chende Gebiet tro­cken­gelegt werden. Dazu werden in der Regel Umlen­kungs­stollen errichtet. Dabei handelt es sich um Tunnel, die als Umleitung des eigent­lichen Fluss­ver­laufes in die Tal­flanken gesprengt werden. Nach Fer­tig­stellung des Stau­werkbaus werden diese wieder geschlossen. Der Fluss fließt bis zur Stau­mauer nun wieder in seinem alten Bett.

Ein Zweifel ist damit gänzlich aus­ge­schlossen. Die von Grothmann erwähnte, noch intakte Anlage befindet sich direkt unter dem Stecho­witzer Stausee! Und dort, sofern sie bei Kriegsende nicht eva­kuiert worden sind, besteht die Chance auf For­schungs­un­ter­lagen, Teile des Fer­ti­gungs­pro­zesses und even­tuell sogar die kom­pletten Systeme von RADgUM, den Megra-Phiolen, jener mys­te­riösen „Strah­len­waffe“ und viel­leicht gar der V7 zu stoßen.

Machen wir uns auf den Weg! Diesen kleinen Scherz wird mir hof­fentlich niemand ver­übeln. Nein, im Gegenteil, wir sollten das Schicksal nicht her­aus­fordern. Dass an jener Stelle etwas zu finden wäre, ist seit Jahr­zehnten sicher auch Insti­tu­tionen bewusst, die finan­ziell und mate­riell ganz anders aus­ge­stattet sind. Warum hat sich von diesen nie eine dieser viel­ver­spre­chenden Aufgabe ange­nommen? Es muss die pure Angst vor den Kon­se­quenzen sein. Thomas Mehner hat mir in diesem Zusam­menhang mit­ge­teilt, ich zitiere: „Die Anlage unter dem Moldau-Stausee ist vermint. Man geht von 1.000 Minen aus. Mein dama­liger tsche­chi­scher Kontakt sagte, dass die Ver­ant­wort­lichen befürchten, dass, wenn die Minen hoch­gehen, Prag drei Meter unter Wasser steht.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Quel­len­ver­zeichnis:

(1) Müller, Felix: Die Grothmann-Pro­to­kolle, Unter Ver­schluss Ausgabe 6/2022, Kopp Verlag

(2) Grothmann-Pro­to­kolle, auf­ge­zeichnet von Wolf Krotzky 2000–2002

(3) Mayer, Edgar und Mehner, Thomas: Die Lügen der Alli­ierten und die deut­schen Wun­der­waffen, Kopp Verlag 2010

(4) Karlsch, Rainer: Hitlers Bombe, Deutsche Verlags-Anstalt, 2005

(5) Tyas, Steven und Witte, Peter: Himmlers’diary 1945, Fonthill Media 2014

(6) Wiki­pedia eng­lisch: Ope­ration LUSTY

(7) Cook, Nick: The Hunt for Zero Point, Arrow 2002

(8) Karlsch, Rainer: Die „Thü­ringer Pro­to­kolle“: Über den Wert oder Unwert von Zeit­zeu­gen­aus­sagen, 2006 (kann im

Internet abge­rufen werden)

(9) Mayer, Edgar und Mehner, Thomas: Geheime Reichs­sache – Thü­ringen und die deutsche Atombombe,

Kopp Verlag 2004

(10) Mehner, Thomas: Der Super­spreng­stoff RADgUM und SS-Ober­führer Emil Klein, „Unter Verschluss“

Ausgabe 1/2023, Kopp Verlag

(11) Sternhoff, Gilbert: Die Rückkehr der Dritten Macht, Amadeus Verlag 2021

(12) Die Warnung – ein Interview mit dem Chef­re­dakteur des Infor­ma­ti­ons­dienstes Unter Ver­schluss Thomas

Mehner, „Unter Ver­schluss“ Son­der­ausgabe 1/2022, Kopp Verlag

(13) Mayer, Edgar und Mehner, Thomas: Untätige Behörden, nicht gehobene „Alt­lasten“ und die einzige wirkliche

Wun­der­waffe, Unter Ver­schluss Ausgabe 6/2025, Kopp Verlag

(14) Sternhoff, Gilbert: DER KONTAKT zur Dritten Macht, HJB Verlag 2023

(15) visitvltava.cz/de/wasseranlage-stechovice/28/

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