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»9/11-GEHEIMNIS« – Musste ein Jour­nalist sterben, weil er zu viel wusste? (Teil 1)

2018 sorgte der grausame Mord an Jamal Khashoggi weltweit für Ent­setzen: Der sau­dische Jour­nalist, Regie­rungs­kri­tiker und frühere Ver­traute des sau­di­schen Macht­ap­pa­rates wurde im Kon­sulat seines Landes in Istanbul getötet. Acht Jahre später wissen wir wesentlich mehr über die Hin­ter­gründe des Ver­bre­chens. Doch eine bri­sante Frage ist bis heute unge­klärt: Welche Geheim­nisse kannte Khashoggi aus seiner Zeit in den sau­di­schen Macht­zirkeln – und wusste er mög­li­cher­weise mehr über die bis heute umstrit­tenen sau­di­schen Ver­bin­dungen zum 11. Sep­tember 2001?


Am 2. Oktober 2018 betrat Jamal Khashoggi das sau­dische Kon­sulat in Istanbul. Er wollte Unter­lagen für seine geplante Hochzeit abholen und kam nie wieder heraus.

Ein 15-köp­figes sau­di­sches Team war nach Istanbul gereist. Khashoggi wurde im Kon­sulat getötet. Seine Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

Saudi-Arabien ver­breitete zunächst mehrere wider­sprüch­liche Ver­sionen. Erst hieß es, Khashoggi habe das Kon­sulat wieder ver­lassen. Danach sollte er bei einem Streit ums Leben gekommen sein. Schließlich räumte Riad ein, dass die Tötung vor­sätzlich erfolgt war.

Doch inzwi­schen wissen wir erheblich mehr.

US-Geheim­dienst: Kron­prinz geneh­migte Operation

2021 ver­öf­fent­lichte die ame­ri­ka­nische Geheim­dienst­ko­or­di­nation ODNI eine zuvor geheim gehaltene Bewertung.

Der ent­schei­dende Satz lautet:

„Nach unserer Ein­schätzung geneh­migte Saudi-Ara­biens Kron­prinz Mohammed bin Salman eine Operation.“

Ziel dieser Ope­ration sei gewesen, Khashoggi „to capture or kill“ – gefangen zu nehmen oder zu töten.

Das ist bemer­kenswert deutlich.

Die US-Geheim­dienste begrün­deten ihre Ein­schätzung unter anderem mit der Kon­trolle Mohammed bin Salmans über die sau­di­schen Sicher­heits- und Geheim­dienst­or­ga­ni­sa­tionen sowie mit der Betei­ligung enger Mit­ar­beiter und Ange­hö­riger seiner per­sön­lichen Schutztruppe.

Noch bri­santer:

„The Crown Prince viewed Khashoggi as a threat“

Der Kron­prinz habe Khashoggi demnach als Bedrohung betrachtet.

Aber als Bedrohung weshalb?

Die nahe­lie­gende Erklärung lautet: wegen seiner immer offe­neren Kritik am sau­di­schen Herr­scherhaus und ins­be­sondere an Mohammed bin Salman.

Doch Khashoggi war nicht irgendein oppo­si­tio­neller Journalist.

Khashoggi kannte das sau­dische Estab­lishment von innen

Bevor er zum pro­mi­nenten Kri­tiker wurde, gehörte Khashoggi selbst über Jahre zum sau­di­schen Establishment.

Besonders inter­essant ist seine Ver­bindung zu Prinz Turki al-Faisal.

Turki war von 1977 bis 2001 Chef des sau­di­schen Geheim­dienstes und anschließend sau­di­scher Bot­schafter in Groß­bri­tannien und den Ver­ei­nigten Staaten.

Khashoggi arbeitete für ihn als Medienberater.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Khashoggi Zugang zu sämt­lichen Geheim­nissen des sau­di­schen Nach­rich­ten­dienstes besaß.

Aber es macht deutlich, dass er Kon­takte in Kreise hatte, die ein gewöhn­licher Jour­nalist niemals erreicht hätte.

Und genau hier beginnt die 9/11-Spur.

15 der 19 Atten­täter waren Saudis

Von den 19 Männern, die die Ter­ror­an­schläge vom 11. Sep­tember 2001 aus­führten, waren 15 sau­dische Staatsangehörige.

Seit Jahr­zehnten wird deshalb unter­sucht, ob Per­sonen mit Ver­bin­dungen zum sau­di­schen Staat ein­zelnen Atten­tätern in den USA geholfen haben.

Die offi­zielle 9/11-Kom­mission kam sei­nerzeit nicht zu dem Ergebnis, dass die sau­dische Regierung die Anschläge als Insti­tution unter­stützt habe.

Doch bereits die später frei­ge­ge­benen soge­nannten „28 Pages“ der Kon­gress­un­ter­su­chung ent­hielten einen bemer­kens­werten Befund:

„some of the Sep­tember 11 hija­ckers were in contact with, and received support or assis­tance from, indi­vi­duals who may be con­nected to the Saudi Government.“

Einige Atten­täter hätten also Kontakt zu Per­sonen gehabt und Unter­stützung von Per­sonen erhalten, die mög­li­cher­weise mit der sau­di­schen Regierung ver­bunden gewesen seien.

Das war kein Beweis für eine sau­dische Regierungsverschwörung.

Aber es war auch kei­neswegs bedeutungslos.

Die Spur zu Omar al-Bayoumi

Im Mit­tel­punkt steht seit Jahren ins­be­sondere ein Mann:

Omar al-Bayoumi.

Er half den spä­teren Atten­tätern Nawaf al-Hazmi und Khalid al-Mihdhar nach ihrer Ankunft in Kalifornien.

Bayoumi unter­stützte sie bei der Woh­nungs­suche, half bei orga­ni­sa­to­ri­schen Dingen und bewegte sich in einem Umfeld sau­di­scher Regie­rungs- und Religionsvertreter.

Lange wurde argu­men­tiert, diese Hilfe könne zufällig oder gut­gläubig erfolgt sein.

Doch FBI-Ermittler gingen der Sache später in der geheim gehal­tenen „Ope­ration Encore“ weiter nach. Die Ermitt­lungen brachten zusätz­liche Ver­bin­dungen zwi­schen sau­di­schen Regie­rungs­an­ge­hö­rigen bezie­hungs­weise Per­sonen mit Regie­rungs­bezug und dem Umfeld der Atten­täter ans Licht.

Und dann kam 2025 eine Ent­scheidung, die den gesamten Fall noch einmal veränderte.

US-Richter lässt Klage gegen Saudi-Arabien weiterlaufen

Am 28. August 2025 ver­wei­gerte US-Bun­des­richter George B. Daniels Saudi-Arabien die bean­tragte Abweisung der Klage von 9/11-Opfern und Hinterbliebenen.

In seiner Ent­scheidung stellte er fest, die vor­lie­genden Tat­sachen seien aus­rei­chend, um die Zustän­digkeit des Gerichts zu begründen und den Klägern die Mög­lichkeit zu geben, ihren Fall weiterzuverfolgen.

Besonders bemer­kenswert ist die Bewertung zu Bayoumi und dem sau­di­schen Geist­lichen Fahad al-Thumairy.

Daniels kam nach Wür­digung des Mate­rials zu dem Ergebnis, dass sich aus den Beweisen ver­nünf­ti­ger­weise ableiten lasse, dass beide bei ihrer Unter­stützung der spä­teren Atten­täter mit der sau­di­schen Regierung koor­di­niert haben könnten. Saudi-Arabien bestreitet eine Betei­ligung an 9/11 wei­terhin entschieden.

Damit ist auch 2026 kei­neswegs bewiesen, dass die sau­dische Regierung die Ter­ror­an­schläge geplant oder davon vorher gewusst hat.

Aber die Frage nach sau­di­schen Helfern der Atten­täter ist heute wesentlich schwerer vom Tisch zu wischen als noch vor einigen Jahren.

Und genau an diesem Punkt führt die Spur zurück zu Jamal Khashoggi.

Denn Khashoggi hatte über Jahre enge Kon­takte zu einem der mäch­tigsten Männer des dama­ligen sau­di­schen Geheimdienstapparates.

Was wusste er?

TEIL 2: Wollte Khashoggi über 9/11 aus­packen – und wurde ihm genau das zum Verhängnis?

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