Was wusste Jamal Khashoggi wirklich über die Hintergründe von 9/11? Der 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul ermordete Journalist war nicht nur ein Kritiker des Königshauses, sondern hatte zuvor enge Kontakte bis in die Spitze des saudischen Macht- und Geheimdienstapparates. Brisant: Neue Erkenntnisse und ein Verfahren vor einem US-Bundesgericht rücken mögliche Verbindungen von Personen mit saudischem Regierungsbezug zum Umfeld der 9/11-Attentäter erneut ins Licht. Kannte Khashoggi Geheimnisse über diese Verbindungen – und wollte er darüber auspacken? War das möglicherweise ein Grund, warum er zum Schweigen gebracht wurde?
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
2018 erschien die These, Khashoggi könne wegen seines Wissens über 9/11 getötet worden sein, unter anderem in einem Artikel der Strategic Culture Foundation.
Die Theorie lautete im Kern:
Khashoggi habe durch seine langjährige Verbindung zu Prinz Turki al-Faisal möglicherweise hochbrisantes Insiderwissen über saudisch-amerikanische Geheimdienstkontakte und die Hintergründe von 9/11 besessen.
Das ist zunächst einmal eine Hypothese.
Und hier liegt ein wichtiger Unterschied zu den inzwischen belegten Erkenntnissen über den Mord selbst.
Was wir heute tatsächlich wissen
Dass Khashoggi zum Ziel einer saudischen Operation wurde, ist inzwischen sehr gut dokumentiert.
Die amerikanischen Geheimdienste kamen zu dem Schluss, Mohammed bin Salman habe die Operation zur Gefangennahme oder Tötung Khashoggis genehmigt.
Sie stellten zudem ausdrücklich fest, dass der Kronprinz Khashoggi als Bedrohung betrachtete.
Khashoggi könnte aufgrund seiner früheren Verbindungen über sensibles Wissen verfügt haben.
Aber ausgerechnet die 9/11-Saudi-Spur wird immer brisanter
Genau deshalb ist die Entwicklung der vergangenen Jahre trotzdem bemerkenswert.
Denn unabhängig von Khashoggi sind neue Beweismittel zu möglichen saudischen Verbindungen aufgetaucht.
Dazu gehört Videomaterial von Omar al-Bayoumi.
Auf einer Aufnahme von 1999 filmte Bayoumi Washington und unter anderem das US-Kapitol. Klägervertreter interpretieren die Aufnahmen als mögliches Auskundschaften eines potenziellen Anschlagsziels.
Saudi-Arabien widerspricht: Es handle sich schlicht um das Video eines Touristen.
Auch Richter Daniels ging nicht so weit wie die Kläger. Er stellte fest, aus dem Video allein könne das Gericht lediglich schließen, dass Bayoumi Washington besucht und die Stadt gefilmt habe.
Ein Flugzeug, Berechnungen und ein Gerichtsstreit
Noch ungewöhnlicher ist eine Zeichnung eines Flugzeugs in Bayoumis Unterlagen.
Die Kläger ließen sie von Luftfahrtexperten untersuchen und argumentierten, Zeichnung und Berechnungen könnten sich damit beschäftigen, wie ein Flugzeug ein Ziel am Boden trifft.
Saudi-Arabiens Anwälte präsentierten eine vollkommen andere Erklärung: Bayoumi habe seinem Sohn bei Schulaufgaben geholfen.
Auch diese Frage gehört inzwischen zum Beweiskomplex des Verfahrens.
Das Entscheidende daran:
Diese Erkenntnisse wurden nicht von sogenannten Verschwörungstheoretikern im Internet erfunden.
Sie befinden sich mittlerweile in einem realen amerikanischen Gerichtsverfahren.
Der entscheidende Gerichtssatz
Besonders deutlich formulierte Richter Daniels 2025 seine Bewertung der bis dahin vorliegenden Beweislage.
Saudi-Arabien habe keine ausreichenden Gegenbeweise vorgelegt. Die angebotenen harmlosen Erklärungen seien teilweise widersprüchlich oder nicht stark genug gewesen, um die Schlussfolgerung zu entkräften, dass das Königreich Bayoumi und Thumairy eingesetzt haben könnte, um den Attentätern zu helfen.
Das Gericht hat Saudi-Arabien nicht wegen Beteiligung an 9/11 verurteilt.
Es hat entschieden, dass die Klage nicht einfach abgewiesen werden kann.
Saudi-Arabien legte Rechtsmittel ein. Im November 2025 wurden die weiteren Verfahren bis zur Entscheidung des zuständigen Berufungsgerichts ausgesetzt.
Und wo bleibt Khashoggi?
Damit schließt sich der Kreis – aber eben nicht vollständig.
Wir wissen:
Khashoggi kannte Prinz Turki al-Faisal.
Turki leitete den saudischen Geheimdienst jahrzehntelang und bis kurz vor 9/11.
Khashoggi arbeitete später eng für ihn.
Wir wissen außerdem inzwischen wesentlich mehr über mögliche Verbindungen von Personen mit saudischem Regierungsbezug zu zwei späteren 9/11-Attentätern.
Und wir wissen aus der freigegebenen amerikanischen Geheimdienstbewertung, dass Mohammed bin Salman Khashoggi als Bedrohung betrachtete und nach Einschätzung der US-Dienste eine Operation zu dessen Gefangennahme oder Tötung genehmigte.
Was wir nicht wissen, ist der entscheidende Punkt:
Ob diese beiden Geschichten miteinander verbunden sind.
Warum warnten die USA Khashoggi nicht?
Eine weitere Frage sorgte bereits unmittelbar nach dem Mord für Diskussionen.
2018 berichtete die Washington Post, amerikanische Geheimdienste hätten Kommunikation saudischer Regierungsvertreter abgefangen, aus der hervorging, dass Khashoggi ins Visier genommen worden war.
Der damalige Sprecher des US-Außenministeriums bestritt allerdings, dass die Vereinigten Staaten im Voraus Kenntnis von Khashoggis Verschwinden gehabt hätten.
Die in deinem alten Artikel zitierte Behauptung, die CIA sei gewissermaßen „Vermittler“ gewesen, geht über das hinaus, was die bislang veröffentlichten Beweise hergeben.
Die eigentliche Sensation ist inzwischen eine andere
2018 konnte man die saudische 9/11-Spur noch relativ einfach mit dem Hinweis auf die Ergebnisse der offiziellen Untersuchung abtun.
2026 ist das schwieriger.
Ein amerikanisches Bundesgericht hat entschieden, dass das mittlerweile vorliegende Material schwerwiegend genug ist, um die Klage der Opferfamilien gegen Saudi-Arabien nicht abzuweisen.
Damit steht eine Frage wieder im Raum, die seit einem Vierteljahrhundert nicht endgültig beantwortet ist:
Wie weit reichte die Unterstützung für die 9/11-Attentäter in saudische Strukturen hinein?
Und damit bekommt auch Khashoggis Vergangenheit neue Brisanz.
Denn er war eben nicht nur ein Regimekritiker.
Er hatte sich zuvor jahrelang in genau jenen Machtkreisen bewegt, über deren mögliche Verbindungen zu 9/11 bis heute gestritten wird.
FAZIT: Wurde Khashoggi wegen 9/11 ermordet?
Die Antwort muss 2026 lauten:
Wir wissen es nicht.
Es gibt bislang keinen belastbaren Beweis, dass Jamal Khashoggi geheime 9/11-Dokumente veröffentlichen wollte oder deshalb ermordet wurde.
Die öffentlich zugängliche US-Geheimdienstbewertung nennt dieses Motiv nicht.
Aber gleichzeitig sind die Fragen nach möglichen saudischen Verbindungen zum Umfeld der Attentäter heute keineswegs erledigt.
Im Gegenteil.
Neue beziehungsweise freigegebene FBI-Unterlagen, Beweismaterial aus Großbritannien und das amerikanische Gerichtsverfahren haben die Debatte neu entfacht.
Das macht aus der These noch keinen Beweis.
Aber es macht eine journalistische Frage legitim:
Was wusste Jamal Khashoggi aus seiner Zeit im Umfeld des saudischen Geheimdienstapparates – und gehörte dieses Wissen zu den Gründen, weshalb ihn das saudische Regime als Bedrohung betrachtete?
Solange keine entsprechenden Dokumente, Zeugenaussagen oder Geheimdienstunterlagen auftauchen, bleibt die Verbindung zwischen seinem Mord und 9/11 eine offene Hypothese – nicht die bewiesene Lösung des Mordmotivs.
Gerade das ist 2026 die spannendere Geschichte.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.























Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.