Kipping will Ein­setzung eines Beauf­tragten gegen Muslimfeindlichkeit

Die Linken-Chefin Katja Kipping hat sich der For­derung des Chefs des Zen­tralrats der Muslime, Aiman Mazyek, ange­schlossen, einen Bun­des­be­auf­tragten gegen Mus­lim­feind­lichkeit zu berufen. “Weil der Islam auch in Deutschland zu Hause ist, sollte es einen Beauf­tragten gegen Mus­lim­feind­lichkeit geben”, sagte Kipping der “Welt” (Don­ners­tags­ausgabe). “Es wäre ein Aus­druck unserer frei­heit­lichen Grund­ordnung, dass nicht nur alle hier lebenden Men­schen ihren Glauben prak­ti­zieren können, sondern dass wir Gläubige auch vor Hass und Dif­fa­mierung schützen”, so die Linken-Chefin weiter.Sie reagierte damit auf Mazyeks For­derung. Dieser hatte in der “Neuen Osna­brücker Zeitung” die Ein­setzung eines solchen Beauf­tragten als “not­wen­diger denn je” bezeichnet. Auch SPD und Grüne zeigten sich offen für die Idee. “Mus­lim­feind­lichkeit ist ein Thema, das wir sorgsam im Blick haben müssen”, sagte der Innen­ex­perte der SPD-Bun­des­tags­fraktion, Lars Cas­tel­lucci. Man werde mit “dem Zen­tralrat das Gespräch darüber suchen, welche Maß­nahmen geeignet sind, sich dem gemeinsam zu stellen”. Die Grünen-Bun­des­tags­ab­ge­ordnete Filiz Polat bezeichnete die For­derung des Zen­tralrats als “mehr als nach­voll­ziehbar”. Anti­mus­li­mi­scher Ras­sismus erfahre “trotz zuneh­mender Islam- und Mus­lim­feind­lichkeit in Deutschland ins­gesamt noch eine unzu­rei­chende Wahr­nehmung”, so die Grünen-Poli­ti­kerin weiter. Zögerlich auf die Idee reagierte die Uni­ons­fraktion. Zwar gelte es, islam­feind­liche Straf­taten “mit allen Mitteln des Rechts­staats ent­schlossen zu bekämpfen”, sagte Hermann Gröhe (CDU), Beauf­tragter der Uni­ons­fraktion für Reli­gi­ons­ge­mein­schaften. “Beharr­liche Werbung für die Werte unserer Ver­fas­sungs­ordnung ist jetzt wich­tiger, als die Schaffung eines neuen Amtes”, so Gröhe weiter. Die AfD bezeichnete die For­derung nach einem Beauf­tragten gegen Mus­lim­feind­lichkeit als “nicht ziel­führend”. Zwar müsse Angriffen und Gewalt gegen jeg­liche eth­nische oder reli­giöse Grup­pierung “ent­schieden” ent­ge­gen­ge­treten werden, sagte Volker Münz, der kir­chen­po­li­tische Sprecher der AfD. “Dennoch hilft es wenig, wenn für jede Gruppe ein Beauf­tragter der Bun­des­re­gierung ein­ge­setzt wird”, so der AfD-Poli­tiker weiter. Auch Ver­treter des libe­ralen mus­li­mi­schen Lagers lehnten den Vor­schlag ab. “Die For­derung nach einem eigenen Beauf­tragten gegen Mus­lim­feind­lichkeit dient vor allem dazu, Muslime als eine bedrohte Min­derheit zu sti­li­sieren”, sagte Abdel-Hakim Ourghi, Islam­wis­sen­schaftler an der Päd­ago­gi­schen Hoch­schule Freiburg. “Der Zen­tralrat der Muslime will vor allem berech­tigte Kritik an Islam­ver­ständ­nissen, die Ursachen für die Radi­ka­li­sierung benennt, und dabei auch Muslime in der Ver­ant­wortung sieht, als islam­feindlich abtun und kri­mi­na­li­sieren”, sagte Ahmad Mansour, Publizist und Mit­glied der Deut­schen Islam­kon­ferenz. Um Angriffe auf Muslime zu bekämpfen, brauche es keinen Beauf­tragten, sondern die “gesamte Gesellschaft”.
 

Unkom­men­tierte Nach­richt der dts Nach­rich­ten­agentur — Foto: Katja Kipping, über dts Nachrichtenagentur