Werden Mei­nungs-Säu­be­rungs­wellen direkt aus dem Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­terium heraus gesteuert und betrieben?

Vor einiger Zeit haben wir darüber berichtet, dass sich Jour­na­listen-Dar­steller, die sich weniger als Jour­nalist, denn als Denun­ziant in der Tra­dition von DDR-Block­warten, die im Namen des Regimes ihre Mit­bürger über­wacht haben, wähnen, nunmehr auch Telegram zur Ziel­scheibe gewählt haben.

Mit einem Beitrag am 23. Mai 2020 eröffnet der Deutsch­landfunk den Reigen. Der “Jour­nalist Felix Huesmann erklärt” dort, was es mit Telegram auf sich habe: “Telegram ist beliebt bei Rechts­extremen und Ver­schwö­rungs­my­thikern, aber genauso auch bei Akti­visten in Hongkong oder dem Iran”, so die fast schon dif­fe­ren­zierte Kern­aussage des Bei­trags. Mit Dif­fe­ren­zierung hat man beim ZDF, der Anstalt der groben Keile, eher nichts am Hut. Am 19. Juni erscheint dort ein Beitrag, in dem damit geprahlt wird, dass seit dem 19. Oktober 2019 Mit­glieder des “ZDFheu­te­Check-Teams mehrere rechte und rechts­extreme Telegram-Gruppen beob­achtet” hätten. Darin wird fest­ge­stellt, dass Telegram “ein sicherer Hafen für deutsche Rechts­extreme zu sein” scheint und beklagt, dass Inhalte, die die Mit­glieder des ZDFheu­te­Check-Teams für bedenklich oder auch strafbar halten, von Telegram nicht gelöscht, die Ver­ant­wort­lichen nicht an die Polizei gemeldet werden.

Am 4. August erscheint bei der ARD-Tages­schau ein Beitrag, in dem eine “noch nicht gesehene Radi­ka­li­sierung” bejammert wird. Gegen­stand auch dieses Mal Telegram, Gegen­stand auch dieses Mal, wie könnte es anders sein: Rechts­extre­mismus. Ein Josef Holn­burger sieht kri­tisch, “dass bei dem Mes­sen­ger­dienst niemand mit wider­spre­chenden Mei­nungen kon­fron­tiert werde und dass Behaup­tungen nicht über­prüft würden, wie es bei­spiels­weise Facebook und Twitter inzwi­schen tun. Es gebe bei Telegram lediglich “eine Berie­selung mit Ver­schwö­rungs­er­zäh­lungen”, sagt Holn­burger: “Deshalb stellen wir dort eine starke Radi­ka­li­sierung fest, die wir so auf anderen Kanälen noch nicht gesehen haben.”

Nun, wir sehen eine starke Radi­ka­li­sierung, bei denen, die die ARD als “Experten” anführen zu können glaubt, dienicht einmal ansatz­weise in der Lage sind, in Rechnung zu stellen, dass es auf Telegram auch andere, nicht nur Rechts­extreme gibt, sofern es sie denn gibt.

Wenn man diese Bei­träge, die zeit­ver­setzt erschienen sind, damit das Thema warm­ge­halten wird, prä­sen­tiert, dann denkt man als Sozio­logie an Iso­morphie, um die Wie­derkehr der gleichen Bei­träge zum selben Gegen­stand zu erklären, mime­tische Iso­morphie, um genau zu sein, deren Gegen­stand das pla­gi­ieren von Bei­trägen ist, die andere bereits gebracht haben. Ursache ist die eigene Phantasielosigkeit.

Diese Erklärung kann man so lange als Hypo­these ver­folgen, so lange man keine Infor­ma­tionen dafür gefunden hat, dass die plötz­liche Auf­merk­samkeit, die die Block­warte, die sich als Jour­na­listen tarnen, Telegram widmen, nicht orches­triert ist. Nun, wir haben ent­spre­chende Infor­ma­tionen gefunden. Und die Spur führt ins Bun­des­mi­nis­terium für FSFJ.

Im News­letter für den Monat Sep­tember für das Pro­gramm “Demo­kratie leben” findet sich der fol­gende Eintrag:

Die Schwer­punkt­re­cherche, die mit Steu­er­geldern finan­ziert wurde, hat sich in einem Bericht von ganzen 8 Seiten nie­der­ge­schlagen, der bereits im Juli 2020 ver­öf­fent­licht wurde. Der­artige Berichte haben eine Vor­laufzeit von min­destens drei Monaten, d.h. die Arbeit an dem Bericht wurde vor den Bei­trägen im Deutsch­landfunk, bei ZDF und ARD begonnen. Soll man vor diesem Hin­ter­grund glauben, dass die drei gleich­ge­rich­teten Berichte in den öffentlich-recht­lichen Medien auf Basis von Iso­morphie zu erklären sind, oder haben wir es hier nicht eher mit einem aus dem BMFSFJ orches­trierten Vor­gehen gegen Telegram zu tun, einer kon­zer­tierten Aktion, die der Sys­te­matik folgt, die wir gestern in unserem Modell der Sechs Stufen der poli­ti­schen Pro­pa­ganda beschrieben haben?

Ver­ant­wortlich für den Bericht ist “Jugend-Schutz.net”. Um Jugend-Schutz.net richtig ein­ordnen zu können, genügt ein Blick auf die Web­seite der gemein­nüt­zigen Gesell­schaft mit beschränkter Haftung, die sich so beschreibt:

“Als gemein­sames Kom­pe­tenz­zentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugend­lichen im Internet recher­chiert jugendschutz.net Risiken für junge Use­rinnen und User und drängt Anbieter, deren Rechte auf Teilhabe und Schutz besser zu gewähr­leisten. Die Stelle handelt mit gesetz­lichem Auftrag, agiert im Vorfeld jugend­schutz­recht­licher Auf­sichts­ver­fahren und wirkt in die Zivil­ge­sell­schaft hinein.”

Vor allem müssten junge User vor Extre­mismus geschützt werden, wobei die Sicht auf Extre­mismus, die das “gemeinsame Kom­pe­tenz­zentrum von Bund und Ländern” pflegt, ihrer­seits Extre­mismus dar­stellt, denn Extre­mismus gibt es für die Netz­schützer nur in Form von Rechts­extre­mismus und in Form von Isla­mismus. Von Links­extre­mismus haben die Netz­schützer offen­kundig noch nie etwas gehört:

Ein Jugend­schützer, der sich als “gemein­sames Kom­pe­tenz­zentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugend­lichen im Internet” ausgibt und Extre­mismus aus­schließlich auf der rechten Seite des poli­ti­schen Spek­trums und bei Isla­misten sucht (und findet), der ist kein Jugend­schützer, der ist ein poli­ti­scher Aktivist, einer dessen Ziel nicht Kampf gegen poli­ti­schen Extre­mismus, sondern die Ver­breitung von poli­ti­schem Akti­vismus ist. Und offen­kundig ist das “Jugenschutz.net” ein Netz, das man im BMFSFJ gerne zitiert und auf das man zum Zwecke des Arbeits­nach­weises im Rahmen von Demo­kratie leben gerne zurückgreift.

Was die direkte Frage auf­wirft, wie es zu dem Schwer­punkt­be­richt zu Telegram gekommen ist, der als Vor­läufer der oben dar­ge­stellten Bei­träge in Deutsch­landfunk, ARD und ZDF ange­sehen werden muss? Gibt es aus dem Minis­terium Wunsch­listen mit Zielen, die man im linken poli­ti­schen Spektrum als Orte, an denen noch jede Form von freier Mei­nungs­äu­ßerung möglich ist, bekämpft sehen will, Listen, die dann an die will­fäh­rigen, die von staat­licher Zuweisung der Steu­er­gelder abhängig sind, durch­ge­reicht werden?

Man kann den Ein­druck gewinnen, vor allem, wenn man sich den “Schwer­punkt­be­richt”, die Ergeb­nisse der Schwer­punkt­re­cherche, die auf acht Seiten Platz haben, zu Gemüte führt.

Man muss eigentlich nicht betonen, dass Berichte, die Anek­doten ver­sammeln und kei­nerlei Ein­ordnung ent­halten, direkt in den Müll­eimer geschoben werden können. Was soll man mit einem acht­sei­tigen Bericht, in dem all­ge­meine Behaup­tungen aus­ge­stellt werden, in dem nicht einmal der Versuch unter­nommen wird, die angeb­lichen Ergeb­nisse im Hin­blick auf das Gesamt­auf­kommen von Posts auf Telegram zu quan­ti­fi­zieren und in dem kei­nerlei Versuch unter­nommen wird, die angeb­liche Gefahr von rechts mit der Gefahr von Links ins Ver­hältnis zu setzen? Der­artige Berichte deutet auf zwei Moti­va­tionen hin:

  • Die Bereit­stellung eines Berichts, auf den poli­tische Reden und Maß­nahmen gestützt werden können, und zwar unab­hängig von Qua­lität und Inhalt des Berichts;
  • Die Finan­zierung des eigenen Ladens;

Wie mise­rabel der “Schwer­punkt­be­richt” ist, den man auf der Toi­lette zusam­men­schreiben kann, wollen wir nun entlang der Über­schriften dieses Mach­werks kurz verdeutlichen.

“Telegram als zen­trale Aus­weich­plattform für Rechtsextreme.”

Um diese Aussage begründet treffen zu können, muss man Kri­terien angeben, die es erlauben, Rechts­extreme als eben­solche, als rechts­extrem zu klas­si­fi­zieren. Dann muss man unter­suchen, wie viele “Rechts­extreme” sich im Internet auf den unter­schied­lichsten Platt­formen finden, von VK, über FB und Twitter, 4chan, Foren bis zu Telegram, dann bestimmen, wie viele dieser “Rechts­extremen” in den letzten Monaten zu Telegram gewechselt sind, um vor diesem Hin­ter­grund eine fun­dierte Aussage über die Bedeutung von Telegram für Rechts­extreme machen zu können. Nichts von dem wurde im Bericht gemacht. Die Über­schrift ist eine aus der Luft gegriffene Behauptung, die einzig dazu dient, Telegram zu diffamieren.

“Viel­fäl­tiges Angebot: Rechts­extremer Tummelplatz”

Diese Behauptung wird damit zu begründen ver­sucht, dass NPD, Die Rechte, Der III. Weg und die Iden­titäre Bewegung auf Telegram einen Kanal unter­halten. Das tun die ange­spro­chenen auch auf VK und Twitter, zudem haben alle Ange­spro­chenen eigene Blogs und sonstige Ver­brei­tungs­kanäle. Auch die zweite Behauptung dient einzig der Dif­fa­mierung von Telegram.

“Telegram als Des­in­for­ma­ti­ons­quelle und Verschwörungsschleuder”

Und wir dachten, die ARD sei die Des­in­for­ma­ti­ons­quelle. Man lernt nie aus. Dass Telegram eine Des­in­for­ma­ti­ons­quelle und Ver­schwö­rungs­schleuder sein soll, wird in diesem “Schwer­punkt­be­richt”, den wir jeden Erst­se­mester um die Ohren hauen würden, mit genau einem Bei­spiel zu belegen ver­sucht. Ein Verweis auf George Soros, über den “anti­se­mi­tische Ver­schwö­rungs­theorien” auf Telegram ver­breitet werden würden, ist der zweite Beleg. Nun werden Theorien über George Soros nahezu auf jeder Plattform des Internets ver­breitet, selbst Jugendschutz.net fühlt sich genötigt, Soros Raum zu geben, natürlich um ihn zu ver­tei­digen. Man beisst nicht die Hand, die einem (viel­leicht oder tat­sächlich) füttert.

“Schalt­zen­trale und Kno­ten­punkt für den ‘Info­krieg’”

Wir lassen Sie einmal mit dem, was man im BMFSFJ als Schwer­punkt­be­richt bezeichnet, allein:

Nicht einmal Colin Powell würde sich trauen, mit so wenigen Belegen und so all­ge­meinen Behaup­tungen die Behauptung auf­zu­stellen, dass Telegram der Tum­mel­platz von Rechts­extremen, die Schalt­zen­trale und der Kno­ten­punkt für den “Info­krieg” oder der Hort “rechts­extre­mis­ti­scher Pro­pa­ganda mit dem Ziel einer gewalt­samen Eska­lation sei. Die Idee eines Info­kriegs ist übrigens ebenso eine linke Idee wie die Idee, man könne Themen über kon­zer­tierte Aktionen und Shit­s­torms besetzen. Letztere Idee ist z.B. mit dem Namen Böh­mermann verbunden.

Was diesen Bericht in erster Linie aus­zeichnet ist die Mischung aus viel – erschre­ckender – Phan­tasie mit wenig, sehr wenig Belegen, die zudem in einer Weise prä­sen­tiert werden, die den Beleg nur vor­täuscht, denn ein ver­pi­xelter Screenshot ist kein Beleg. Man macht einen Screenshot und einen Zustand zu doku­men­tieren. Wenn man den Screenshot dann nach­träglich bear­beitet, um genau diesen Zweck zu ver­un­mög­lichen, dann stellt sich die Frage, warum man den Screenshot über­haupt gemacht hat.

Fassen wir zusammen:

  • Wir haben einen “Schwer­punkt­be­richt”, der im Wesent­lichen aus wilden Behaup­tungen, aus unge­prüften Ver­schwö­rungs­theorien besteht, denen man nur den Zweck der Dif­fa­mierung zuweisen kann, in dem aus kaum Daten weit­rei­chende Schlüsse darüber gezogen werden, was Telegram angeblich sei.
  • Der Schwer­punkt­be­richt ist im Rahmen von Demo­kratie leben finan­ziert und erstellt worden.
  • Das BMFSFJ hat den Bericht finan­ziert und beworben.
  • In kurzen zeit­lichen Abständen zum Bericht, finden auch Jor­u­na­listen-Dar­steller von Deutsch­landfunk, ARD und ZDF Gefallen daran, sich als Blockwart zu ver­dingen und die furchtbare Gefahr, die von Telegram aus­gehen soll, zu beschwören.

Glauben Sie, das alles ist Zufall?
Wir glauben es nicht.
Wir glauben, dass wir eine weitere Anwendung der sechs Stufen der poli­ti­schen Pro­pa­ganda vor uns haben, die ein Minis­terium als Auf­trag­geber sieht, der Kam­pagnen gegen – in diesem Fall – Platt­formen, auf denen freie Mei­nungs­äu­ßerung noch möglich ist, betreibt, um diese Platt­formen, die man in Deutschland nicht schließen oder regu­lativ an die Kandare legen kann, durch Dif­fa­mierung mög­lichst unat­traktiv zu machen. Wie so oft, wenn Sozia­listen ver­suchen, etwas mit Mani­pu­lation zu erreichen, werden sie mit ziem­licher Sicherheit das Gegenteil erreichen und Telegram nicht weniger attraktiv, sondern attrak­tiver machen, als Ort der freien Meinungsäußerung.

Demnach würde ein Minis­terium dafür bezahlen, dass Orga­ni­sa­tionen wie Jugenschutz.net Kam­pagnen gegen bestimmte Platt­formen fahren, mit dem Ziel, die Plattform als Refugium der Rechts­extre­misten zu dif­fa­mieren, um diese Dif­fa­mierung, die zwi­schen­zeitlich über MS-Medien trans­por­tiert worden ist, zum Anlass zu nehmen, um eine Ver­schärfung bestehender Gesetze auf den Weg zu bringen oder zu fordern und natürlich mit der Kam­pagne zu legitimieren.

Wir sind übrigens auch auf Telegram. Folgen Sie uns!

Was wir hier beschrieben haben, ist natürlich poli­tische Kor­ruption – also nichts Neues für Deutschland.


Quelle: sciencefiles.com