Top-Super­märkte und Fastfood-Ketten im Zusam­menhang mit der Ent­waldung in Bra­silien (+Videos)

Die Ent­waldung im bra­si­lia­ni­schen Ama­zonas-Regenwald erreichte 2020 ein 12-Jahres-Hoch. Die Zer­störung der Lunge unseres Pla­neten nimmt erschre­ckend zu. Doch nicht nur der rechts­extreme Prä­sident Jair Bol­sonaro steht in der Kritik, weil er die grüne Lunge der Welt jeden Tag ein bisschen mehr tötet, sondern auch der Invest­ment­gigant BlackRock. Der weltweit größte Investor in Ent­waldung finan­ziert Unter­nehmen, die für die Zer­störung des Ama­zonas ver­ant­wortlich sind.

Der Verband der indi­genen Völker Bra­si­liens (APIB) sandte in Januar 2021 einen offenen Brief an den CEO von BlackRock, Larry Fink, und for­derte das Finanz­im­perium auf, eine umfas­sende Politik für Wälder und Rechte indi­gener Völker zu ver­ab­schieden. Aber auch Top-Super­märkte und Fastfood-Ketten stehen im Zusam­menhang mit der Ent­waldung in Bra­silien. Nur wenigen Men­schen ist bewusst, dass sich ein unsicht­bares Band der Zer­störung von den euro­päi­schen Mas­sen­tier­an­lagen bis in die Wälder Süd­ame­rikas zieht. Dort ver­nichten riesige Soja­plan­tagen die ein­hei­mische Fauna und Flora. Soja, das zur Füt­terung von Hühnern, Rindern und Schweinen in Europa benötigt wird, wächst in Süd­amerika mitt­ler­weile auf einer Fläche von über elf Mil­lionen Hektar — und die Nach­frage wächst rasant. Die Lie­fer­kette des Schnitzels auf dem Teller beginnt in Bra­silien, auf Ackerland, wo vor einigen Jahren noch Regenwald stand, denn auch die Deutsche sub­ven­tio­nierte Fleisch- und Milch­in­dustrie zer­stört den Regenwald. Wie jetzt eine Recherche ent­hüllt, stehen auch Super­märkte wie Lidl und Fast-Food-Ketten wie McDo­nalds im Zusam­menhang mit der Ent­waldung in Bra­silien in der Kritik.

Die sub­ven­tio­nierte Fleisch- und Milch­in­dustrie zer­stört den Regenwald!

 

Deutschland ist nicht nur einer der größten Fleisch­pro­du­zenten, sondern auch einer der größten Milch­pro­du­zenten weltweit. Sub­ven­tio­niert mit Steu­ergeld! 8 Mil­lionen Tonnen Fleisch pro­du­ziert Deutschland jährlich! Um über­haupt diese Menge an Fleisch pro­du­zieren zu können, braucht es Futter für die Tiere. Deutschland impor­tiert den größten Teil des Sojas aus Latein­amerika. Dieses Soja, meist gen­ma­ni­pu­liert, wird für die Auf­zucht von Hühnern, Schweinen und Rinder bzw. für die Her­stellung von Fleisch, Eiern und Milch­pro­dukten ein­ge­setzt. Um diese Menge an Soja pro­du­zieren zu können, werden Wälder gerodet und abge­brannt. Ein außer­ge­wöhn­liches Öko­system mit hoher Arten­vielfalt ver­schwindet.  Aus der EU erhält die deutsche Agrar­lobby etwa 6 Mil­li­arden Euro und genau diese richten in anderen Ländern schwere Schäden an. Im Durch­schnitt zahlt jeder EU-Bürger 32 Cent am Tag für die EU-Agrarpolitik.

Jedes Jahr werden knapp 35 Mil­lionen Tonnen Soja­bohnen und Soja­schrot aus Nord- und Süd­amerika in die Euro­päische Union ver­schifft – rein rech­ne­risch 68 Kilo­gramm für jeden EU-Bürger. Ohne diese Importe wäre die Erzeugung tie­ri­scher Lebens­mittel auf dem der­zei­tigen Niveau nicht möglich. Denn Europa pro­du­ziert zu wenig eiweiß­reiche Fut­ter­pflanzen, um die großen Nutz­tier­be­stände – vor allem Schweine und Geflügel, aber auch Rinder – ernähren zu können. Mais wird vor allem auch für die Bio­en­ergie angebaut. Siehe Die sub­ven­tio­nierte Fleisch- und Milch­in­dustrie zer­stört den Regenwald!

Der Cerrado ist das Zuhause von 5% aller Arten der Erde. Doch er wird für Soja ver­nichtet. Ein Großteil davon geht als Tier­futter in die EU.

Land­wirt­schaft treibt die Ent­waldung voran

Im Juni 2020 zeigte Mon­gabay, dass die Land­wirte die Ent­waldung in Ron­donia im bra­si­lia­ni­schen Ama­zo­nas­gebiet vor­an­treiben. Mit der Ver­breitung von COVID-19 in ganz Bra­silien nimmt auch die Ent­waldung im bra­si­lia­ni­schen Bun­des­staat Ron­dônia zu. In den letzten Jahren hat der Holz­ein­schlag in Bra­silien zuge­nommen. Der Aus­bruch des Coro­na­virus scheint die Ent­wal­dungs­ak­ti­vität nicht ver­langsamt zu haben.

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Am 30. November 2020 zeigen die aktu­ellen Daten, dass die Abholzung des Ama­zonas in Bra­silien 11.000 km² über­steigt und ein 12-Jahres-Hoch erreicht.

 

  • Die Ent­waldung im bra­si­lia­ni­schen Ama­zo­nas­gebiet betrug nach Angaben des bra­si­lia­ni­schen natio­nalen Welt­raum­for­schungs­in­stituts INPE erstmals seit 2008 mehr als 11.000 Quadratkilometer.

Top-Super­märkte und Fastfood-Ketten im Zusam­menhang mit der Ent­waldung in Brasilien

Green­peace Unearthed und das Bureau for Inves­ti­gative Jour­nalism haben fest­ge­stellt, dass riesige Wald­flächen in einem Gebiet namens Cerrado abge­holzt werden, um Soja­bohnen anzupflanzen.

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Tesco, Lidl, Asda, McDo­nalds und Nando – alle Hühner werden mit Soja aus dem Cerrado, einer tro­pi­schen Biom-Region, gefüttert

  • Als Cerrado bezeichnet man die Savannen im Inland Südost-Bra­si­liens, die im Westen bis an die Grenze Boli­viens und im Süden bis Paraguay reichen. Mit einer Fläche von zwei Mil­lionen Qua­drat­ki­lo­metern umfassen sie ein Gebiet von der Größe Alaskas. Die Bun­des­staaten Goiás, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul und Minas Gerais sind von Cer­rados bedeckt, ebenso wie Teile von Maranhão, Paraná, Piauí und São Paulo.

Jüngste Ana­lysen des Grund­stücks, das seit 2015 im Besitz von Soja­lie­fe­ranten im Cerrado ist oder genutzt wird, ergaben 801 Qua­drat­ki­lo­meter Ent­waldung. Foto: Jim Wicken/Courtesy of Mighty Earth

Super­märkte und Fast-Food-Läden ver­kaufen Hühner, die mit impor­tiertem Soja gefüttert werden, das mit Tau­senden von Wald­bränden und min­destens 800 Qua­drat­ki­lo­metern Baum­räumung im bra­si­lia­ni­schen Cerrado ver­bunden ist, wie eine gemeinsame grenz­über­schrei­tende Unter­su­chung ergeben hat.

Tesco, Lidl, Asda, McDonald’s, Nando‘s und andere High-Street-Ein­zel­händler beziehen Soja, das vom Han­dels­gi­ganten Cargill, dem zweit­größten Pri­vat­un­ter­nehmen der USA, geliefert wird. Die Kom­bi­nation aus mini­malem Schutz für den Cerrado – einer weltweit wich­tigen Koh­len­stoff­senke und Lebensraum für wild­le­bende Tiere – mit einer undurch­sich­tigen Lie­fer­kette und ver­wir­renden Kenn­zeich­nungs­sys­temen bedeutet, dass Käufer ver­se­hentlich zu seiner Zer­störung bei­tragen können.

Zusatzinfo:

Kaum jemand kennt Cargill. Dabei mischt das Unter­nehmen überall mit: Ob Corn­flakes, Kat­zen­futter, Scho­kolade oder Wei­zenmehl – der US-Konzern kauft und ver­kauft weltweit Agrar­roh­stoffe. Doch Cargill wird vor­ge­worfen, die lokale Land­wirt­schafts­pro­duktion zu zerstören.

Das Forbes-Magazin ver­öf­fent­licht seit 35 Jahren eine jähr­liche Liste der größten pri­vaten Unter­nehmen in Amerika, wobei Cargill in allen bis auf zwei dieser Jahre den Spit­zen­platz ein­nimmt. Das Unter­nehmen belegte 2019 mit einem Umsatz von 113,5 Mil­li­arden US-Dollar den ersten Platz auf der Forbes-Liste. Mit dieser Summe gehört Cargill zu den Top 15 der Fortune 500-Liste der umsatz­stärksten Unternehmen.

Cargill wurde 1865 gegründet, hat ca. 131.000 Mit­ar­beiter und ist in 67 Ländern mit einem Jah­res­umsatz von durch­schnittlich 115 Mil­li­arden Dollar viermal so groß wie Coca-Cola.

Für Mighty Earth ist Cargill «das schlimmste Unter­nehmen der Welt». Dessen Spur führt – wie bei so vielen glo­balen  Kon­zernen – auch in die Schweiz. Die Toch­ter­firma Cargill Inter­na­tional SA hat ihren Sitz in Genf. Auf der Firmen-Website heißt es: «Die Schweiz ist ein wich­tiger Standort für Cargill weltweit durch den Handel mit Getreide und Ölsaaten in Genf; Hier ist auch unser glo­baler Hauptsitz für den Fracht­handel und den Schiffsbetrieb.»

  • Cargill ist bereit, an emp­find­lichen Öko­sys­temen in Bra­silien noch mehr ver­hee­renden Schaden anzu­richten und macht sich dabei die Zurück­nahme von grund­le­genden Umwelt­schutz­re­ge­lungen durch Prä­sident Bol­sonaro zunutze. 2014 ver­sprach Cargill, bis 2020 die Ent­waldung für alle Roh­stoffe in seiner Lie­fer­kette zu beenden. Ein Jahr vor diesem Termin schafft Cargill wei­terhin Anreize für die Ent­waldung und bleibt damit einer der schlimmsten Akteure auf der Welt­bühne. Nun steht das Unter­nehmen kurz davor, den Beginn einer von Bol­sonaro ein­ge­läu­teten Ära der Anarchie in den Wäldern Bra­si­liens auszunutzen.
  • Im November 2017 wurde Cargill von der Com­modity Futures Trading Com­mission mit einer Geld­strafe in Höhe von 10 Mil­lionen US-Dollar belegt, nachdem es jah­relang falsche Angaben zu den eigenen Han­dels­werten gemacht hatte – und zwar um bis zu 90 Prozent –, mit der Absicht, sowohl die Regierung als auch seine Han­dels­partner zu betrügen. Im Oktober 2018 wurde der für diese Ver­gehen ver­ant­wort­liche Direktor bei Cargill, David Dines, zum Chief Financial Officer befördert.
  • Mit Cargill ver­bundene Soja­plan­tagen in Bra­silien nehmen Land ein, das indi­genen Völkern gehört, die von den Wäldern abhängig sind. Sie werden von ihrem tra­di­tio­nellen Land ver­trieben und erfahren einen starken Anstieg an Krebs­er­kran­kungen, Geburts­fehlern, Fehl­ge­burten und anderen Krank­heiten, die mit im Soja­anbau ein­ge­setzten, häufig von Flug­zeugen direkt über ihren Köpfen ver­sprühten Pes­ti­ziden und Her­bi­ziden in Ver­bindung gebracht werden.
  • In der US-Lebens­mit­tel­in­dustrie ist Cargill mit mehr als einem Dutzend Umwelt­schad­stoffen, ein­schließlich Form­aldehyd, Blei, Asbest, Blau­säure und Queck­silber, in den Top Ten der Umweltverschmutzer.

Ent­hül­lungen zeigten, dass die Ver­braucher mehr Infor­ma­tionen über ihre Lebens­mittel erhalten müssten.

Der Radio­sprecher und Aktivist Chris Packham sagte in The Guardian, die Ent­hül­lungen zeigten, dass die Ver­braucher mehr Infor­ma­tionen über ihre Lebens­mittel erhalten müssten. „Die meisten Men­schen würden nicht glauben, ihr Stück Huhn, das sie bei Tesco kaufen, wäre ver­ant­wortlich für die größte Regen­wald­zer­störung seit langem, die durch den Soja­anbau geschieht“, sagte er. „Wir müssen auf die Tat­sache achten, dass das, was wir in bri­ti­schen Super­märkten kaufen, weit schäd­li­chere Aus­wir­kungen hat und so ein Para­de­bei­spiel für Umwelt­zer­störung ist.“

Das Ver­ei­nigte König­reich schlachtet jährlich min­destens eine Mil­liarde Hühner, was 15 Geflügel pro Person im Land ent­spricht. Viele werden mit Soja­bohnen gemästet, die von Cargill in das Ver­ei­nigte König­reich impor­tiert werden, das von Land­wirten im Cerrado ver­kauft wird, einer bewal­deten tro­pi­schen Savanne, die eine Fläche umfasst, die der Größe Groß­bri­tan­niens, Frank­reichs, Deutsch­lands, Ita­liens und Spa­niens entspricht.

Die Analyse der Schiffs­daten zeigt, dass Cargill in den letzten sechs Jahren bis August 2020 1,5 Mio. Tonnen bra­si­lia­ni­sches Soja nach Groß­bri­tannien impor­tiert hat. Export­zahlen auf Biome-Ebene, die von der Lie­fer­ketten-Über­wa­chung zusam­men­ge­stellt wurden, deuten darauf hin, dass fast die Hälfte der bra­si­lia­ni­schen Exporte von Cargill nach Groß­bri­tannien aus dem Cerrado stammt.

Zu den jüngsten Lie­fe­rungen gehörten 66.000 Tonnen Soja­bohnen, die im August mit einem von Cargill geleasten Mas­sengut-Tanker, BBG Dream, in den Docks von Liverpool lan­deten. Dies war der Schwer­punkt einer gemein­samen Unter­su­chung des Bureau of Inves­ti­gative Jour­nalism, von Green­peace Unearthed, ITV News und dem Guardian.

Der Laderaum des Schiffes war im Hafen­ter­minal von Cotegipe in Sal­vador (Bra­silien) mit Bohnen aus der Matopiba-Region des Cerrado beladen worden, dar­unter einige aus Formosa do Rio Preto, der am stärksten abge­holzten Gemeinde des Cerrado. Zu den Lie­fe­ranten gehörten neben Cargill auch Bunge (Bra­si­liens größter Soja­ex­porteur) und ADM (ein wei­terer füh­render US-Lebensmittelhersteller).

Siehe auch: ADM, Cargill, Nestlé und Deutsche Unter­nehmen beteiligt! Tau­sende Hektar Naturwald für Palm­öl­anbau in Gua­temala ver­nichtet – Deep in Guatemala’s jungle, drugs and murder are new neighbors to palm oil

Cargill imported 1.5m tonnes of Bra­zilian soya to the UK in the six years to August 2020. Pho­to­graph: Victor Moriyama/Greenpeace

Nach der Über­querung des Atlantiks wurde die gesamte Ladung in Car­gills Soja­b­re­cherei Seaforth in Liverpool ent­laden, wie aus den See- und Schiff­fahrts­un­ter­lagen her­vorgeht. Die Unter­su­chung ver­folgte die Art und Weise, wie das dort zer­klei­nerte Getreide dann per Last­wagen zu den Mühlen in Her­eford und Banbury trans­por­tiert wird, wo es mit Weizen und anderen Zutaten ver­mischt wird, um Vieh­futter her­zu­stellen. Von dort wird es zu Hüh­ner­farmen gebracht, die an Avara ver­geben wurden.

Avara ist ein Joint Venture zwi­schen Cargill und Fac­cenda Foods. Es mästet Vögel, die für den Ver­trieb an Tesco, Asda, Lidl, Nando’s, McDonald’s und andere Ein­zel­händler geschlachtet, ver­ar­beitet und ver­packt werden. Avara gedeiht in rela­tiver Dun­kelheit. „Viel­leicht haben Sie noch nie von uns gehört, aber es besteht eine gute Chance, dass Ihnen unsere Pro­dukte gefallen haben“, heißt es auf der website  des Unternehmens.

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Wo genau kommt dieses Soja also her?

Der Lie­ferant von Avara, Cargill, kauft Soja von vielen Lie­fe­ranten im Cerrado, von denen min­destens neun an der kürz­lichen Land­räumung beteiligt waren. Eine von der Bera­tungs­firma Aiden­vi­ronment durch­ge­führte Analyse des Landes, das diesen Unter­nehmen gehört oder seit 2015 von ihnen genutzt wird, ergab 801 Qua­drat­ki­lo­meter Ent­waldung – eine Fläche, die 16 Man­hattans ent­spricht. Es wurden auch 12.397 regis­trierte Brände festgestellt.

Erst letzten Monat zeigten Droh­nen­auf­nahmen aus Formosa do Rio Preto riesige Brände auf der Fazenda Par­ceiro, einer Farm, die von SLC Agrícola, einem Zulie­ferer von Cargill, betrieben wird. Satel­li­ten­daten zeigen, dass die Brände 65 Qua­drat­ki­lo­meter der Farm ver­brannten. Laut der Aiden­vi­ronment-Analyse wurden in den letzten fünf Jahren mehr als 210 km² auf dem Land von SLC Agrícola gerodet. Cargill sagte, es habe weder gegen Regeln noch gegen seine eigene Politik ver­stoßen, indem es von der frag­lichen Farm bezogen habe, und stellte klar, dass es nicht von illegal abge­holzten Flächen stamme. SLC Agrícola wurde um Stel­lung­nahme gebeten, lehnte diese jedoch ab.

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Trotz dieser Zer­störung können Pro­dukte aus diesen Gebieten in Bra­silien als legal und nach­haltig bezeichnet werden. Dies ver­deut­licht die Mängel eines inter­na­tio­nalen Han­dels­systems, das sich auf lokale Stan­dards stützt, die oft von Land­wirten beein­flusst werden, die auf kurz­fris­tigen wirt­schaft­lichen Profit aus­ge­richtet sind, statt auf lang­fris­tiges glo­bales Gut, das den Wert von Was­ser­sys­temen, Koh­len­stoff­senken und Lebens­räumen für Wild­tiere einschließt.

Als Koh­len­stoff­senke  (auch Koh­len­stoff­di­oxid­senke oder CO²-Senke) wird in den Geo­wis­sen­schaften ein Reservoir bezeichnet, das zeit­weise oder dau­erhaft Koh­len­stoff auf­nimmt und spei­chert. Der Begriff ist nicht mit dem des Koh­len­stoff­spei­chers zu ver­wechseln. Während der Speicher sta­tisch ist, also eine gewisse Menge an CO² binden kann, sind die Senken dyna­misch, sie sind also Speicher, die an Zuwachs gewinnen (z. B. neu­ge­gründete Wälder). Koh­len­stoff­senken sind aktuell auf Grund der glo­balen Erwärmung bedeutsam, weil sie das Treib­hausgas Koh­len­stoff­dioxid (CO²) aus der Atmo­sphäre auf­nehmen und damit der Erd­er­wärmung entgegenwirken.

Die bra­si­lia­nische Regierung hat die Kon­trollen der Ent­waldung in den letzten zehn Jahren kon­ti­nu­ierlich gelo­ckert – und manchmal still­schweigend gefördert -, vor allem durch die Lockerung des Wald­ge­setzes im Jahr 2012.

Dies gilt ins­be­sondere für den Cerrado, das zweit­größte Biom Bra­si­liens, das geopfert wird, um die Exporte anzu­kurbeln, die welt­weiten Nah­rungs­mit­tel­preise niedrig zu halten und die Aus­wir­kungen auf den Nachbarn, das Ama­zo­nas­gebiet, zu ver­ringern. Im Ver­gleich zum inter­na­tional unter­suchten Ama­zo­nas­gebiet können die Bauern in dieser Savanne einen höheren Anteil der Bäume legal fällen und verbrennen.

Farmers can legally cut and burn a higher pro­portion of trees in the Cerrado sav­annah com­pared with its neighbour, the Amazon. Pho­to­graph: Jim Wicken/Courtesy of Mighty Earth

Viele Bio­logen halten diese Politik für kurz­sichtig. Die Bäume, Sträucher und der Boden des Cerrado spei­chern das Äqui­valent von 13,7 Mil­li­arden Tonnen Koh­len­dioxid – deutlich mehr als die jähr­lichen Emis­sionen Chinas. Er ist der Ursprung so vieler Flüsse, dass er als „Geburtsort der Gewässer“ bekannt ist und 1.600 Vogel‑, Rep­tilien- und Säu­ge­tier­arten (dar­unter Jaguare, Gür­tel­tiere und Amei­sen­bären) sowie 10.000 Pflan­zen­arten behei­matet, von denen viele nir­gendwo sonst auf der Welt vorkommen.

Wis­sen­schaftler sagen, dass es schwierig – wenn nicht gar unmöglich – sein wird, Ama­zonien zu retten, ohne den Cerrado zu erhalten. Letz­terer hat jedoch doppelt so viel Abholzung erlitten, obwohl er nur halb so groß ist. Zwi­schen 50 % und 80 % des ursprüng­lichen Bioms wurden durch Rin­der­farmen und Soja­farmen ersetzt, sodass dies die am schnellsten expan­die­rende Agrar­wirt­schafts­grenze der Welt und eines der am schnellsten schrump­fenden Natur­ge­biete ist.

Unab­hängig davon, ob Bra­silien Soja aus diesem Gebiet für legal hält oder nicht, wollen viele Ver­braucher keine Pro­dukte kaufen, die mit Ent­waldung in Ver­bindung gebracht werden.

Das Ver­ei­nigte König­reich impor­tiert jährlich 700.000 Tonnen rohe Soja­bohnen, viele davon aus dem Cerrado. Es kauft auch fast die drei­fache Menge an ver­ar­bei­tetem Soja­futter, die meisten davon aus Argen­tinien. Die Aus­wir­kungen auf die Umwelt sind von Land zu Land sehr unter­schiedlich. Die Käufer haben jedoch kaum eine Mög­lichkeit zu erfahren, ob ihre Hähn­chen­brust oder ihr Burger zum Problem des Cerrado bei­getragen hat, da die Eti­ketten nur unzu­rei­chende Infor­ma­tionen über die Her­kunft liefern, Bohnen aus nach­hal­tigen und abge­holzten Ernten ver­mischt werden können und viele Firmen auf Kom­pen­sa­tionen ange­wiesen sind.

Die betei­ligten Unter­nehmen sagen, dass sie daran arbeiten, die Umwelt­aus­wir­kungen ihrer Angebote zu ver­ringern, aber die Fort­schritte sind unterschiedlich.

McDonald’s und Nando’s decken die Mengen an Soja, die sie für Hüh­ner­futter ver­wenden, mit Nachhaltigkeits-„Zertifizierungen“ ab, was den Kauf von „Credits“ ein­schließt – ähnlich wie beim Koh­len­stoff­aus­gleich. Die Gut­schriften unter­stützen Land­wirte, die nach­haltig pro­du­zieren, aber das eigent­liche Soja in der Lie­fer­kette stammt nicht unbe­dingt von diesen Pro­du­zenten und kann aus der Abholzung von Farmen stammen.

McDonald’s sagte, es habe das Ziel, die Ent­waldung bis 2030 aus seinen glo­balen Lie­fer­ketten zu eli­mi­nieren. Ein Sprecher sagte: „Wir sind stolz auf die Fort­schritte, die wir gemacht haben, erkennen jedoch an, dass es noch mehr zu tun gibt, und werden wei­terhin hart daran arbeiten, unsere Ziele zu erreichen.

Nando’s gab kein Ziel­datum für die voll­ständige Ein­stellung der Abholzung seiner Lie­fer­kette an, sagte aber, dass es nach Alter­na­tiven zu Soja suche. „Wir erkennen an, dass noch mehr Arbeit zu tun ist, weshalb wir auch in die For­schung nach nach­hal­ti­geren Fut­ter­al­ter­na­tiven inves­tieren und uns darauf freuen, die Ergeb­nisse so bald wie möglich bekannt geben zu können“.

Bereits 2017 machte Mon­gabay  auf die Abholzung des Ama­zonas im Zusam­menhang mit McDonald’s und bri­ti­schen Ein­zel­han­dels­gi­ganten aufmerksam

  • Asda und Lidl sagten, dass sie darauf hin­ar­beiten, bis 2025 nur „phy­sisch zer­ti­fi­ziertes“ nach­hal­tiges Soja zu kaufen, aber das kann ver­schiedene Dinge bedeuten. Asda ver­steht dar­unter „so wenig wie möglich“ Soja ohne Abholzung – was bedeutet, dass das eigent­liche Produkt in seiner Lie­fer­kette nach­haltig sein muss, damit es sein Ziel erreichen kann – aber Lidl stellte klar, dass es ein Schema ent­halte, in dem nach­hal­tiges Getreide mit Pro­dukten aus Abhol­zungs­farmen ver­mischt werden kann. Lidl sagte, er sei derzeit der größte Käufer von Emis­si­ons­gut­schriften (Koh­len­stoff Credits), um seinen Soja-Fuß­ab­druck auszugleichen.
  • Tesco sagte, dass es sich selbst ein „bran­chen­füh­rendes“ Ziel für seine Soja gesetzt hat, bis 2025 aus nach­weislich ent­wal­dungs­freien „Gebieten“ zu stammen. „Das Legen von Bränden zur Rodung von Land für Nutz­pflanzen muss auf­hören“, sagte ein Sprecher. „Wir haben eine füh­rende Rolle bei der Ein­be­rufung von Industrie und Regierung zum Schutz des Cerrado gespielt, ein­schließlich der Ver­pflichtung von 10 Mil­lionen Pfund zum Schutz der Arten­vielfalt der Region. Wir brauchen unsere Lie­fe­ranten, die Industrie, NGOs und Regie­rungen, die mit uns zusam­men­ar­beiten, um die Abholzung zu beenden und unsere natür­liche Umwelt zu schützen.
  • Avara, das Joint-Venture von Cargill, sagte, es stehe an der Spitze der bri­ti­schen Soja­ein­käufer, decke alle seine Soja­ein­käufe mit Zer­ti­fi­zierung ab und arbeite an einer viel höheren Trans­parenz in der Lie­fer­kette. „Wir begrüßen den Geset­zes­vor­schlag der bri­ti­schen Regierung, der auf illegale Abholzung abzielt, da er mit diesen Zielen über­ein­stimmt und ein wich­tiger erster Schritt ist“. Avara ist Teil der Unter­stüt­zungs­er­klärung für das Cerrado-Manifest und sitzt in der Len­kungs­gruppe dieser Initiative.
  • McDonald’s, Nando’s und die drei genannten Super­märkte haben öffentlich ihre Unter­stützung für ein neues Abkommen, ähnlich dem Mora­torium im Ama­zonas, zum Aus­druck gebracht, um die Abholzung für Soja im Cerrado zu stoppen, aber der Wider­stand in Bra­silien hat dazu geführt, dass sich nichts davon erfüllt hat.

Zusatz­in­for­mation

Die Kon­zerne, die ohnehin als Umwelt­sünder gelten, wie General Mills, IKEA, Johnson & Johnson, Kellogg, L’Oréal, Mars, Nestlé, PepsiCo, Procter & Gamble und Uni­lever, zer­störten laut einer Analyse in nur einem Jahr­zehnt 50 Mil­lionen Hektar Wald. Das ent­spricht der Größe von Spanien. Diese Kon­zerne hatten sich 2010 dazu ver­pflichtet hatten, die Ent­waldung in den nächsten zehn Jahren zu beenden. Paradox, werben diese Kon­zerne doch auch noch mit dem Slogan „Nach­hal­tigkeit“.

  • Seit 2010 ist die mit Soja bepflanzte Fläche in Bra­silien um 45% gestiegen,
  • die indo­ne­sische Palm­öl­pro­duktion um 75% und
  • der Kakao­fuß­ab­druck der Elfen­bein­küste um 80%
  • Bis 2050 wird der welt­weite Fleisch­konsum (und damit die Pro­duktion) vor­aus­sichtlich um 76% steigen,
  • die Soja­pro­duktion um fast 45%
  • und die Palm­öl­pro­duktion um fast 60%.

Cargill – einer der wich­tigsten Akteure in der Lie­fer­kette – hat sich öffentlich gegen ein Cerrado-Mora­torium ausgesprochen

Damals kün­digte es an, 30 Mil­lionen Dollar (22,6 Mil­lionen Pfund) zur Finan­zierung von Maß­nahmen gegen die Ent­waldung bereit­zu­stellen, gab aber nicht an, wo diese Mittel aus­ge­geben werden sollen. Der Guardian fragte Cargill, warum es ein Mora­torium abge­lehnt habe, aber das Unter­nehmen äußerte sich nicht dazu.

Cargill bekundete jedoch sein Enga­gement für eine Lie­fer­kette ohne Abholzung und für die Unter­stützung nach­haltig wirt­schaf­tender Land­wirte. Er sagte: „Cargill schätzt, dass 95,68% unserer Soja­mengen in Bra­silien für das Ern­tejahr 2018–19 frei von Abholzung und Umstellung waren“. Das Unter­nehmen baut sein Zer­ti­fi­zie­rungs­pro­gramm in Bra­silien und Paraguay weiter aus, legt aber den Schwer­punkt auf das bra­si­lia­nische Rechts­system. „Cargill trägt – zusammen mit unserer Industrie, den Land­wirten, den lokalen Regie­rungen und den Kunden – die Ver­ant­wortung für die Umwandlung der Lebens­mit­tel­ver­sor­gungs­kette, und wir arbeiten täglich mit den Inter­es­sen­gruppen zusammen, um Fort­schritte zu erzielen“, sagte der Kon­zern­spre­chers. „Die Ent­waldung dieses Bioms ist nach bra­si­lia­ni­schem Recht in den meisten Fällen ein kri­mi­neller Akt. Es muss so behandelt werden“.

Die Unter­su­chung zeigt jedoch, dass es nicht aus­reicht, sie nur als bra­si­lia­nische Ange­le­genheit zu behandeln.

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Netzfrau Lisa Natterer


Quelle: netzfrauen.org