Massive Pro­teste vor dem SPD-Par­teitag — und die Main­stream-Hof­be­richt­erstattung schweigt

Die West­fa­len­halle in Dortmund war dieses Wochenende Schau­platz einer Hul­digung — und einer zor­nigen Demons­tration. Die Hul­digung wurde von den Hof­be­richt­erstattern, wie schon immer in der Geschichte, mit schmei­chelnden Worten begleitet, der Zorn des Volkes vor den Toren der geschmückten Säle, wie immer in der Geschichte, igno­riert. Das Pack, draußen, vor der Tür, störte mit unüber­hör­baren Tril­ler­pfeifen die sal­bungs­volle Selbstinszenierung.

In der West­fa­len­halle in Dortmund feierte sich die SPD. Eine Band spielt Pop- und Rock­bal­laden, die Wehmut und herz­er­grei­fende Stimmung pro­du­zierten, die Genossen in den Sitz­reihen klat­schen rhyt­misch in die Hände, die Schein­werfer tauchen die Halle in warmes, kusch­liges Rot. Jenes Rot, das auch in Amü­sier­vierteln Abge­wirt­schaf­tetes schöner und begeh­rens­werter erscheinen läßt. Es erinnert irgendwie an die letzten Selbst­dar­stel­lungs-Fes­ti­vi­täten der DDR, als die Alt­ge­nossen sich hoch­leben ließen und die “Kra­wall­macher” draußen vor den Hallen als pöbelndes Pack einfach nicht zur Kenntnis nahmen.

Kanz­ler­kan­didat Schulz zieht ein, wie ein Volks­tribun. Hinter sich, wie Bug­wellen hinter einem stolzen Schiff,  Par­tei­vor­stand und Jusos. Die einst Wider­spens­tigen und Auf­müp­figen Jusos, noch in den Sieb­ziger Jahren in der Kult-Sendung “Ein Herz und eine Seele” von dem jungen Dieter Krebs trefflich ver­körpert, der jugend­liche Revo­luzzer, der gegen Arbeiter- und Spie­ßerpapa Alfred auf­be­gehrte und sich herr­liche Wort­ge­fechte mit Vadder am Resopal­tisch der Wohn­küche leistete … diese einst Auf­rechten, Wider­spens­tigen trot­teten beseligt grinsend hinter einem Martin Schulz her, der die Ferne und Abge­ho­benheit der SPD gegenüber der Arbei­ter­schaft ver­körpert, wie kein anderer vor ihm.

Aus den Höhen des EUlymp ent­stiegen hinab  zu den Sterb­lichen, wurde er als Heils­bringer gefeiert. Unter den Blinden ist der Ein­äugige König, so schein das Kalkül gewesen zu sein. Die ewige Kanz­lerin, die zu nichts wirklich Stellung nimmt, an der jeg­liche Vor­würfe und Kritik abprallen, alter­na­tivlos und unbe­lehrbar, reue- und emo­ti­onslos, schien eine Steil­vorlage für jeden SPD-Vollblut-Kanz­ler­kan­di­daten zu sein, der klare Kante zeigt und den rich­tigen Ton trifft. Allein, Martin Schulz ist nicht dieser Mann. Seine Zeit in Brüssel, und seine Zeit als glück­loser Buch­händler wie auch Bür­ger­meister in Wür­selen, brachten der SPD kein Mannsbild, das so rechten Glanz in die ehemals stolze und kampf­erprobte Arbei­ter­partei zurück­bringt. Der auf­stei­gende Stern erwies sich als kurz­lebige Sylvester-Rakete.

Die SPD hat die deut­schen Arbeiter längst als poli­tische Altlast ent­sorgt. Sie pro­ji­ziert ihre sozialen Ambi­tionen längst auf anderes Kli­entel. Ihre Ideale hat sie gegen Ideo­logie ein­ge­tauscht. Min­der­heiten aller Art, Rand­gruppen jeg­licher Couleur und Pro­ve­nienz, gewalt­tätige Anti­fanten, zu reso­zia­li­sie­rende Kri­mi­nelle, Migranten, ger­ma­no­phobe Künstler, Träumer, Sozio­logen, Flücht­linge, aka­de­mische Visionäre und deutsch­feind­liche Jour­na­listen sind heute die Hät­schel­kinder der Sozialdemokratie.
Der Malocher ist zu deutsch. Geht gar nicht.

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Die poli­tisch hei­matlos gewor­denen Arbeiter und “kleinen Leute”, auch gern von SPD-Poli­tikern “Pack” genannt, waren eben­falls zahl­reich zum Par­teitag erschienen. Aller­dings nicht ein­ge­laden und vor den ver­schlos­senen Türen der West­fa­len­halle. Sie machten ihrer Frus­tration laut­stark Luft: Die geplante Bür­ger­ver­si­cherung, TTIP, CETA, die Angst um Arbeits­plätze. Selbst Gewerk­schafter, einst das Kern­kli­entel der SPD waren unter den Protestlern.

Die Par­tei­tags­de­le­gierten dürften eine Ahnung davon erhascht haben, welches Ansehen die SPD unter den ein­fachen Leuten heute noch hat. Der Spieß­ru­tenlauf an den Pfei­fenden, schimp­fenden Leuten vorbei, sollte eigentlich bei ihnen Erin­ne­rungen geweckt haben, wie es den ver­dienten Genossen in den letzten Tagen der DDR ergangen ist. Und, wie damals, berichtete die sys­tem­treue Presse nicht, oder nur sehr abfällig, über den ran­da­lie­renden Pöbel.

Ganz anders können die Main­stream­m­edien, wenn es darum geht, Randale gegen jene gekonnt in Szene zu setzen, die als poli­tisch inkorrekt gebrand­markt werden. Putin, Trump, die AfD … hier werden deren Gegner gefeiert, aus­giebig gefilmt, ihr Mut gelobt, man läßt die Empörten ihre Empörung aus­giebig kundtun, die Kamera hält immer drauf. Die Öffentlich-Recht­lichen berichten bei AfD-Ver­an­stal­tungen und Par­tei­tagen sogar haupt­sächlich von den Gegen­de­mons­tra­tionen  — und das in einer Weise, daß man den Ein­druck bekommt, eigentlich erhebe sich die ganze Bun­des­re­publik gegen das leib­haftige Böse. Man fühlt sich geradezu auf­ge­fordert, sich diesen Pro­testen anzuschließen.

Die Öffentlich-Recht­lichen berich­teten aus­führlich und höchst wohl­wollend über den SPD-Par­teitag in der Halle. Kein Wort über die Men­schen vor der Halle. Quer durch die Nach­rich­ten­sen­dungen wie “heute”, “Tages­schau”, “Heute-Journal”, “Tages­themen”, „Berlin direkt“  wurde vom Par­teitag freundlich berichtet. In keiner ein­zigen dieser Sen­dungen auch nur ein Hinweis drauf, daß es Pro­teste vor der Halle gab.