© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

San­tiano oder wie man die Freiheit kielholt — Band­leader nennt AfD-Wähler Arschlöcher

Beim Kla­bau­termann! Fünf gestandene Männer, die Gesichter von Wind und Wetter gegerbt, singen aus rauen Kehlen Shantys und irische Folk­songs: Deutsch­lands aktuell erfolg­reichste Band San­tiano gibt sich die Ehre. Während auf der Groß­leinwand im Hin­ter­grund ein unver­kennbar deut­sches Welt­kriegs-U-Boot auf Feind­fahrt durch den Ozean pflügt klingt das Intro von „U96 – Das Boot“ durch die gut gefüllte Halle. Der Alters­durch­schnitt des Publikums liegt bei ca. 50 Jahren, wobei auch viele Kinder mit an Bord sind.
(Von Yorck Tomkyle)
Dann legen sie los, die Jungs von San­tiano. Sie singen Songs vom Leben auf und an der See, von Zusam­menhalt, Sehn­sucht, der Liebe und dem Tod. Und von der Suche nach Heimat und Freiheit. Sie singen alte See­manns­lieder wie „Kaper­fahrt“ und hul­digen die Lik­edeelern, den Piraten Klaus Stör­te­bekers und Gödeke Michels.
Wer dazu den Frontmann Björn Both mit seiner zer­furchten Glatze auf der Bühne stehen sieht, der spürt die Gischt auf der Haut und den Geruch von Teer und Tang in der Nase. Man nimmt ihm und seinen Jungs das ab, was sie da singen – da stehen welche auf der Bühne, die nichts zu tun haben mit dem aal­glatten Showbiz eines Dieter Bohlen oder dem Per­fek­tio­nismus einer Helene Fischer. Hier singen echte Männer und sie singen so, wie man es von echten Männern erwartet: schnör­kellos, rau, ungeschminkt.
Das Publikum dankt es ihnen, lässt sich mit­reißen auf die stür­mische See und wird zu einer Gemein­schaft mit der Band. Einer Gemein­schaft von See­leuten, die den Ele­menten des Lebens trotzen. Ein per­fekter Abend.
AfD, der Feind
Bis – ja bis es plötzlich ganz still wird und Sänger Both bedeu­tungs­schwanger ankündigt, nun etwas zum Thema Freiheit sagen zu wollen. Aus gege­benem Anlass.
Freiheit, so hebt er an, ver­schwinde nicht plötzlich mit einem großen Knall. Nein Freiheit werde oft frei­willig abge­wählt. Es gebe in Europa bereits Länder, in denen die Völker frei­willig Des­poten an die Macht gewählt hätten und auch hier­zu­lande sei die Freiheit in Gefahr. Es gebe auch bei uns im Par­lament inzwi­schen eine Partei – die AfD – die die Freiheit gefährde und gegen diese Soße, diese Arsch­löcher, gelte es, die Freiheit zu ver­tei­digen. Und darum, Freunde, sollten wir alle wachsam sein. Wachsam gegen die Feinde der Freiheit.
Nach dieser Ansprache badet sich Both mit selbst­ge­fäl­ligem Grinsen und aus­ge­brei­teten Armen im Jubel der Fans. Man sieht ihm seine Befrie­digung darüber an, dass er sich mutig den Feinden der Freiheit ent­ge­gen­ge­stellt hat. Ein rich­tiger Seebär eben. Aus echtem Schrot und Korn. Gera­de­heraus und unbe­stechlich, selbst wenn er dafür todes­mutig soeben den einen oder anderen AfD-Wähler unter seinen Fans im Saal als Arschloch beschimpfen musste. Schließlich kann man auf solche Idioten auch gut verzichten!
Während die Spö­ken­kieker auf der Bühne nun unver­drossen ihr musi­ka­li­sches Pro­gramm weiter durch­ziehen ist der Abend für so manchen Besucher des Kon­zerts gelaufen.  Das liegt wohl nicht nur daran, dass niemand gerne dafür bezahlt, als Arschloch bezeichnet zu werden. Der Grund für den plötz­lichen Schatten auf vielen Gesichtern in der Halle ist wohl auch der, dass die Sorgen um die eigene Heimat – was immer man auch dafür hält – bei Vielen inzwi­schen zu groß sind, als dass sie sich durch ein paar billige Worte eines alternden und selbst­ge­rechten Pop­stars weg­wi­schen ließen.
Die Freiheit, die wir meinen
Einigen Besu­chern sieht man an, dass sie am liebsten auf Boths Tirade ant­worten würden. Freiheit, Herr Both?! Was ist mit der Freiheit unserer Frauen, die sich nun schon nicht mehr am hell­lichten Tag an bestimmte Orte in ihrer Stadt oder ihrem Dorf trauen? Was ist mit der Freiheit der alten Leute, die aus Angst, beraubt, bestohlen und tot­ge­schlagen zu werden nicht mehr ihre Wohnung ver­lassen? Was ant­worten Sie auf die Frage, wie sich die Freiheit der Bewohner unseres Landes durch die mil­lio­nen­fache Auf­nahme junger Männer aus gewalt­a­ffinen Kul­tur­kreisen, die sich als Schutz­su­chende aus­geben und doch zumeist nur for­dernde Armuts­mi­granten sind, ver­ändern wird?
Was wird mit unserer Freiheit, wenn sich die nun bereits aus­ge­tre­tenen Pfade nach Deutschland erst mit denen füllen werden, die auf­grund der Bevöl­ke­rungs­explosion in Afrika und Asien ihre Heimat in den nächsten Jahren ver­lassen werden? Herr Both? Was ant­worten Sie denen, die sich Sorgen um ihre Heimat und um ihre Freiheit machen – dazu gehört übrigens auch die Freiheit, die Sie selbst genießen? Das sind alles Arsch­löcher, oder Herr Both?!
Freiheit, Herr Both, braucht erstens Regeln, denn eine Freiheit ohne Regeln mündet in Anarchie, in der sich der Stärkere seine Freiheit auf Kosten des Schwä­cheren nimmt. Freiheit braucht Regeln, die auch kon­se­quent durch­ge­setzt werden müssen. Und Freiheit, Herr Both, muss manchmal auch erkämpft und ver­teidigt werden. Dazu gehört ein wenig mehr, als mit bil­ligen Worten gefahrlos die Scheu­nentore der Mäch­tigen ein­zu­rennen und Anders­den­kende als Arsch­löcher zu beschimpfen.
Auch wenn Sie es nicht hören wollen, Herr Both: jeder AfDler, der sich von Leuten wie Ihnen bespucken lässt, um für die Freiheit dieses Landes ein­zu­stehen, ist sicher viel weniger Arschloch als jemand, der sich dafür feiern lässt, sinnlose Parolen abzu­sondern, die seine Plat­ten­firma gerne von ihm hören will.
So jemand wie Sie lässt die Freiheit über die Planke springen und merkt es noch nicht einmal.
Haupt­sache, gutes Gefühl, oder?
» Facebook-Seite von Santiano
 


Quelle: PI-News.net