Politik

Alles Leben ist Diskriminierung

8. Dezember 2018

Die Gleichheitsideologie ist seit der Französischen Revolution zu einer zentralen Denkfigur der Politik geworden. Seit mehr als 200 Jahren schallt der Ruf nach der Egalité durch die Gesellschaften der zivilisierten Welt und trotzdem wird dieser Wunsch auch weiterhin unerfüllt bleiben. Die Unmöglichkeit seiner Umsetzung liegt nicht (nur) an den zahlreichen weltanschaulichen und tiefgreifenden kulturellen Unterschieden der Menschen und Völker. Der Wunsch scheitert auch nicht an den weltweit so verschieden gestalteten politischen Verhältnissen. Die Unmöglichkeit der Gleichheit ist ganz einfach nur das Produkt aus den fundamentalen und unverrückbaren Gegebenheiten des Lebens. Die Natur und das Leben an sich sind wesenhaft so gestaltet, dass es eine allgegenwärtige Gleichheit niemals geben kann. Anders gesagt: Die Ungleichheit ist die Triebkraft des Lebens.

Das Prinzip des Lebens

Die Evolution beruht auf dem Grundsatz der Selektion. Das heisst, dass immer und überall das Prinzip der Auswahl regiert. Charles Darwin hat dieses Prinzip unter dem Begriff „The survival of the fittest“ zusammengefasst. Das Leben per se kann gar nicht anders, als sich an diesem seinem Wesensgrundsatz zu orientieren. Und wo ausgewählt wird, da wird auch unterschieden, abgewiesen und ausgeschieden. Das bedeutet nichts anderes als eine endlose und überall stattfindende Diskriminierung.

Trotzdem oder gerade deswegen ist die Sehnsucht nach der Gleichheit ein Desiderat, das schon in der Antike seinen Niederschlag fand. Vor allem die „Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz“ ist mittlerweile ein nahezu universeller Leitsatz geworden, der in den Menschenrechten und in den Verfassungen dieser Welt festgeschrieben ist und einen förmlich sakrosankten Status erreicht hat. Entwickelte und fortschrittliche Gesellschaften sehen heute überhaupt das Gleichheitsprinzip und das Diskriminierungsverbot als die zentralen Prämissen ihrer politischen Grundbedingungen.

Dabei wird aber gerade in den modernen und ausdifferenzierten Gesellschaften ein Paradoxon erkennbar: Mag die Gleichheit vor dem Gesetz gerade noch so halbwegs funktionieren, so wird sie schnell unmöglich, wenn man den juristischen Raum verlässt. Je energischer die Gleichheit aller Menschen von einer Gesellschaft auf allen Ebenen angestrebt wird, desto häufiger zerschellen die Gleichheitsprinzipien an den unverrückbaren Fakten des Lebens und am Menschen selbst. Die Menschen sind unterschiedlich, sie haben jeweils andere Begabungen, Fähigkeiten und Fehler, und sie unterscheiden sich im Aussehen, im Geschlecht, in der Attraktivität, in ihren charakterlichen Prägungen und in viele anderen Merkmalen. Ebenso sind die verschiedenen (sub-)kulturellen Bedingungen, in denen die Menschen leben, oft grundlegend anders, ja in mancher Hinsicht widersprechen diese sich sogar diametral.

Wer möchte zwangsverpartnert werden?

Man betrachte nur einmal die Partnerwahl in monogamen Gesellschaften: Jeder Mann, der um eine bestimmte Frau wirbt, diskriminiert damit alle anderen in Frage kommenden Geschlechtspartnerinnen. Und jede Frau, die einen bestimmten werbenden Mann unter ihren Verehrern auserwählt, tut dasselbe. Bei der monogamen Partnerwahl herrscht also ein erbarmungsloser Ausscheidungskampf nach dem K.o.- Prinzip. Diese Auswahl samt Bevorzugungen bzw. Diskriminierungen einschließlich der Ausscheidung von Unpassenden sind so alltäglich, dass sie uns gar nicht auffallen, obwohl sie unser ganzes Leben durchziehen und uns regelrecht steuern.

Es grenzt fast an ein Wunder, dass die hauptberuflichen Gleichheitsfanatiker noch keine Pläne ausgeheckt haben, wie man das „Recht auf einen Partner“ zum Menschenrecht und daher einklagbar machen könnte. Im Ernst: Jede auch nur ansatzweise gesetzlich geregelte Gleichmacherei am „Heiratsmarkt“ würde mit Zwang und Freiheitseinschränkungen verbunden sein und wäre für sich betrachtet wiederum gegen die Menschenrechte (nämlich gegen das Recht auf Freiheit) gerichtet und letztlich absurd. Diese Ungleichheit zwischen den Konkurrenten und die völlig ungleiche Chancenverteilung müssen wir also aushalten. Freuen tut das nur die Profiteure dieser Situation: Kosmetikkonzerne machen Milliardenumsätze und Plastische Chirurgen helfen den beim Aussehen schlecht Weggekommenen.

Auch Unfähige sollen tolle Jobs haben?

Ein anderes Beispiel ist der Arbeitsmarkt: Jeder Arbeitgeber wird aus naheliegenden Gründen nur die jeweils am besten passenden und fähigsten Bewerber anstellen. Ein echtes Gleichheitsgebot würde dort geradezu lächerlich und letztlich auch destruktiv wirken – wer kann wollen, dass man alle Bewerber gleich behandelt und Leute ohne Qualifikation oder gar vollkommen Unfähige die schwierigsten Positionen besetzen lässt? Das wäre haarsträubend, zum Nachteil aller und würde die Wirtschaft zerstören. Niemand fordert also ernsthaft die totale Gleichheit am Arbeitsplatz. Auch das beweist wiederum, wie rasch die Gleichheitsideologie an ihre Grenzen stößt.

Schule – der Ort der Klassifikation

Oder schauen wir in die Schulen: Mit Benotungssystemen wird die Leistung der Schüler differenziert bewertet, aber letztlich wird damit auch diskriminiert. Es gibt gute und schlechte Schüler und kluge und weniger kluge Kinder. Das wird im Zeugnis festgehalten. Mit der Einführung der schriftlichen Beurteilungen wurde vor einigen Jahren versucht, diese nicht wegzuleugnenden Unterschiede zwischen den Schülern zu verschleiern und einzuebnen. Dieses Vorhaben gilt als gescheitert, in Österreich kommen die Schulnoten zurück. Wir werden wieder auf Anhieb wissen, wer der Klassenbeste ist und wer der Schlechteste.

Olympische Gedanken

Ein weiteres Beispiel ist der Sport: Hier darf man noch am ehesten und ungestraft das Ausscheidungsprinzip so anwenden, wie es die Natur vorgibt. Bei jedem Wettkampf geht es um Sieg und Niederlage und bei jedem Match kann es nur einen Gewinner geben. Wer nicht zu den Besseren gehört, verliert. Das olympische Prinzip vermittelt uns zwar ein „Dabeisein ist alles“, aber wer fragt nach der Olympiade um die zahllosen Teilnehmer? Es zählt letztlich nur der Sieg oder zumindest der Nachweis, unter den Besten gewesen zu sein – und nur der Platz am Stockerl ist der Platz am Olymp.

Von der Natur zur Kultur

Wir als Menschen haben zwar den Sprung von der Natur zur Kultur vollzogen, aber wir konnten damit nicht die Grundbedingung namens „Auswahl“ verlassen. Mögen wir auch noch so verzweifelt nach der Gleichheit streben, sie wird uns ausserhalb des rechtlichen Bereiches nicht zuteil werden – und das ist gut so. Denn eine alles durchdringende Gleichheit müsste totalitär hergestellt werden, sie würde ein Leben in Mao-Uniformen bedeuten und widernatürliche, unterdrückende Situationen ohne Ende erzeugen. Am Ende würde sie jegliche Individualität zerstören und den Menschen auslöschen. Eine Gesellschaft der Klone wäre das horrible Finale. Wie das bisher größte Gleichheits-Experiment der Weltgeschichte ausgegangen ist, konnten wir übrigens bis 1989 im Osten beobachten.


Quelle: thedailyfranz


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