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Politik

EU-Bildungspolitiker verstehen nichts von Wissenschaft

10. Juni 2019

Lobbyismus und Politik greifen zu sehr in die Forschung ein, um Vorschriften zu machen und Ziele vorzugeben. Das ist in der Bundesrepublik und EU besonders ausgeprägt. Die Folge: Die großen bahnbrechenden Entdeckungen bleiben aus.

Das erklärte Ziel war einst, die europäischen Spitzenuniversitäten auf das gleiche Level wie die US-amerikanischen zu heben. Man wolle europäische Pendants zu Harvard, Stanford, Yale, Columbia, Berkeley und Princeton schaffen. Großbritannien hatte bereits Oxford und Cambridge. Aber Kontinentaleuropa?

Hier fing der erste Denkfehler an zu wirken, besonders seit den 1990er-Jahren. Europa orientierte sich an den »Rankings«. Diese sind nach angelsächsischen Kriterien konzipiert. Das Universitätssystem ist dort komplett anders. Man verglich Äpfel mit Birnen.

Also begann die Fehlentwicklung. Anstatt die Kriterien guter Bildung und Forschung mitzugestalten und eigene Maßstäbe zu entwickeln, wurde die angloamerikanische Version zum Alleinvorbild stilisiert. Prompt fanden sich alle europäische Universitäten in den Rankings nur im Mittelfeld wieder. Daraus folgte eine Reformwut. Europas Universitäten wurde kaputt reformiert, um ins angelsächsische Bildungs-Schema zu passen.

Der Bologna-Prozess begann sein Unheil zu nehmen, Bachelor und Masterstudiengänge wurden eingeführt, das Diplom wurde entthront. Akademiker werden zunehmend über die Quantität der Publikationen bewertet, was zu endlosen Publikationslisten führt, in denen jeder Kongressbeitrag als Artikel verwurstet wird. Der Mittelbau wurde ausgedünnt. Die Professoren bekamen mehr Macht. Die Forschungsgelder müssen zunehmend über Drittmittel eingetrieben werden. Ein guter Professor ist heute ein Drittmitteleintreiber.

Dann kam der Fokussierungswahn mit den Exzellenzclustern, DFG-Forschungsprojekten, Sonderforschungsbereichen (SFB) und all den anderen Zentralisierungsmaßnahmen. Forscher müssen nun ihre Gebiete irgendwie in größere Zusammenhänge bringen, die von der Bildungspolitik und den Universitätsspitzen definiert werden.

Trotzdem bleiben die Ergebnisse mager. Man vergisst fast, dass das Deutschland der Kaiserzeit und Weimarer Republik einst Wissenschaftsnation Nummer Eins in der Welt war. Kein anderes Land hatte damals mehr Nobelpreise gewonnen als Deutschland. Was war damals anders?

Der bekannte US-Astronom Carl Sagan, Verantwortlicher für viele NASA-Projekte, wurde einmal gefragt, auf welche Wissenschaftsprojekte man sich fokussieren sollte, in welche Themen und Forschungsbereiche man besonders investieren sollte.

Die Antwort von Sagan war klar und eindeutig: Die meisten großen wissenschaftlichen Entdeckungen seien auf völlig unerwarteten Wegen entstanden. Niemand kann vorausahnen, wo die nächste große Entdeckung geschieht. Je breiter man investiert und je freier man die Wissenschaftler forschen lässt, desto höher sind die Chancen, dass neue bahnbrechende Entdeckungen erfolgen. Doch wenn der Staat und Investoren Ziele vorgeben und die Forschung auf bestimmte Bereiche fokussieren wollen, wird das Blickfeld eingeengt, und desto geringer wird die Chance, dass außergewöhnliche Entdeckungen erfolgen.

Politiker und Manager verstehen das nicht. Sie wollen der Wissenschaft Ziele vorschreiben. Doch so funktioniert Wissenschaft nicht. Diese Art zu denken führt dazu, dass die Ausgaben für die Wissenschaft und Forschung und somit die Kosten für die Steuerzahler in die Höhe steigen, die Ergebnisse aber oft ohne bahnbrechende Entdeckungen bleiben.


Quelle: www.freiewelt.net

 


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