Bild: Wikimedia Commons, iranische Armeeparade, Bildquelle Tasnim News Agency, Bildlizenz CC BY 4.0
Politik

Wird Israel mit einem Präventivschlag gegen den Iran den Dritten Weltkrieg lostreten?

5. Juli 2019

Die düstere Musik des Säbelrasselns im Vorhof des Iran schwillt gerade wieder zu einem Crescendo an. Die Gruppe der JCPOA-Unterzeichnerländer (Atomabkommen mit dem Iran) warnt den Iran eindringlich davor, die angekündigte Urananreicherung auch tatsächlich durchzuführen. Die Iranische Führung erklärte nach Präsident Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen ihrerseits den Ausstieg und dass sie nun den Weg frei gebe zur Urananreicherung, was de facto die Vorbereitung zur Erlangung der Atombombe ist. Tatsächlich hat der Iran nun die in dem Abkommen festgelegte Obergrenze von 300 Kilo angereichertem Uran überschritten. Das bestätigte am Montag auch die Internationale Atomenergie-Agentur.

Das rief erwartungsgemäß heftige Proteste der Israelis hervor. „Ich sage es noch einmal: Israel wird es nicht zulassen, dass der Iran Atomwaffen entwickelt. Ich rufe jetzt auch alle europäischen Staaten, die sich im Fall einer Verletzung des Atomabkommens durch den Iran verpflichtet haben, dazu auf, den im UN-Sicherheitsrat vereinbarten Mechanismus automatischer Sanktionen einzusetzen. Ich sage euch: Tut es, tut es einfach”, zitiert der Pressedienst Israels Premierminister Benjamin Netanjahu. Die Führung des Irans bezeichnete die Aufregung als heuchlerisch, denn es waren die USA, die vor einem Jahr einseitig aus dem JCPOA-Abkommen von 2015 ausgetreten sind.

Anfang dieser Woche ging der israelische Außenminister so weit, dass er sagte, Israel könne auch „allein“ handeln, und den Iran daran hindern, sich Atomwaffen zu verschaffen.

Chinas Reaktion darauf war, die USA wegen ihrer „Maximaldruck“–Kampagne“ als Wurzel und Ursache der aktuellen Spannungen um den Iran zu benennen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Chinas Führung tritt seit einiger Zeit merklich entschlossener auf und scheut eine Konfrontation mit den USA keineswegs. Vor zwei Wochen richtete China eine dringliche Warnung an die ganze Welt, angesichts der gefährlich wachsenden Spannungen am Persischen Golf, Ruhe einkehren zu lassen, sich zurückzuziehen und die „Büchse der Pandora“ nicht zu öffnen. Der chinesische Staatsrat Wang Yi, ein Pekinger Spitzenbeamter, forderte die Vereinigten Staaten ausdrücklich dazu auf, ihre „Extrem-Druck“-Kampagne“ gegen den Iran einzustellen: „Wir fordern alle Seiten auf, vernünftig zu bleiben, Zurückhaltung zu üben und keine eskalierenden Maßnahmen zu ergreifen, die die regionalen Spannungen verschärfen, und nicht die Büchse der Pandora zu öffnen“, sagte Wang. Und er betonte: „Insbesondere die USA sollte ihre Extremdruck-Methoden ändern“.

In sehr unchinesischer Direktheit machte er gleichzeitig klar, wer bei einem neuen Dauerkrieg im Nahen Osten die Gewinner und die Verlierer sein würden: Sollten sich die USA und ihr Verbündeter Israel in einen weiteren, langwierigen Nahost-Dauerkriegs-Sumpf verzetteln, bräuchten sich China und Russland nur zurückzulehnen und würden sehr wahrscheinlich als Gewinner aus der ganzen Sache hervorgehen. Womit Herr Wang genauso wahrscheinlich Recht hat, was auch die Amerikaner wissen.

Und Europas Reaktion? Die EU-Unterzeichnerländer verlegen sich kühn darauf, „äußerste Besorgnis“ wegen der Verletzung der Urananreicherungsgrenze von 300 km zu artikulieren und fordern energisch einen „weiteren Dialog“, was aber ansonsten niemanden zu interessieren scheint. Israel dagegen betätigt sich derweil nach wie vor als hochaggressive Regionalmacht und übt sich in Kriegsrhetorik. Außenminister Israel Katz sagte gegenüber im israelischen Armeeradio, der jüdische Staat werde dem „Iran niemals erlauben, sich Atomwaffen zu verschaffen, auch dann wenn Israel ganz allein handeln müsse“.

Am Rande eines internationalen Sicherheitsforums sprach Katz davon, dass der Iran dabei sei, die „Grauzone“, wie Katz es nannte, zu verlassen. Man sei schnurstracks auf dem Weg in die „rote Zone“, und das heiße, in einen „militärischen Flächenbrand“, sagte er in einer Rede, berichtet Reuters. Und, wie um die Kriegsbereitschaft Israels noch zu unterstreichen, fügte Kerr Katz hinzu:

„Wir müssen darauf vorbereitet sein, und daher baut der Staat Israel weiterhin seine militärische Macht für den Fall aus, dass auf Eskalationsszenarien reagiert werden muss.“

In den ausländischen Medien wird längst entsprechend der Meldung von Reuters berichtet, dass Israel seit langem einen Präventivschlag gegen den Iran In Erwägung zieht:

„Israel has long threatened to take preemptive military action to deny Iran the means of making nuclear weapons. Tehran says it has no such designs. One of its senior lawmakers warned on Monday that Israel would be destroyed within “only half an hour” should the United States attack Iran.”

Übersetzung: Israel hat schon lange damit gedroht, vorbeugende militärische Maßnahmen zu ergreifen, um den Iran daran zu hindern, Atomwaffen herzustellen. Teheran sagt, dass es keine solchen Entwürfe gibt. Einer seiner hochrangigen Gesetzgeber warnte am Montag, dass Israel innerhalb von „nur einer halben Stunde“ zerstört werden würde, falls die USA den Iran angreifen sollten.

Laut der Webseite „Sott.net“ war es der ehemalige Vorsitzende des iranischen Nuklearausschusses, Mojtaba Zonnour, der diesen Ausspruch tat, und der hier wörtlich wiedergegeben wird mit: „Wenn die USA uns angreifen, hat Israel nur noch eine halbe Stunde zu leben.“

Diese Drohung scheint keine leere zu sein und lässt vermuten, dass der Iran schon eine einsatzbereite Atomwaffe hat. Denn die Entfernung zwischen dem Iran und Israel beträgt an der kürzesten Stelle 1000 Kilometer Luftlinie. Das schafft ein Bomber in einer halben Stunde. Und eine Waffe, mit der man ein relativ kleines Land, wie Israel vollkommen vernichten kann, dürfte mit ziemlicher Sicherheit eine Atombombe sein oder eine Wasserstoffbombe.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass es sich bei dieser Äußerung um einen Bluff handelt. Die schiitische Hisbollah als Proxy des Irans und die iranische Führung sind sich einig. Man hat die Absicht, sofort beim Beginn eines Angriffs auf den Iran massive Rache zu üben. Bedeutet: In dem Moment, wo auf dem iranischen Radar Raketen in Richtung Iran erscheinen, wird es einen Gegenangriff geben. Das können US-Vermögenswerte und die der westlichen Verbündete sein, oder auch ebenfalls Bomben. Das würde natürlich zuvörderst Israel treffen.

Ebenfalls dafür spricht, dass Russland die iranische Luftabwehr massiv verstärkt hat und Berater und Material zur Unterstützung entsandte. Mobile S-300-Luftabwehr-Raketenbatterien wurden an den Persischen Golf und den Golf von Oman verlegt. Der russische militärische Nachrichtendienst, Teile der elektronischen Kriegsführung und Berater für die iranische Luftabwehr wurden ins Land gebracht.

Die Reichweite der neuen Überwachung geht weit über die S-300-Reichweite von 200 Kilometern hinaus und deckt US-Drohnen- und Flugzeugbasen auf der arabischen Halbinsel sowie auch US-Kriegsschiffe im Persischen Golf und vor dem Golf von Oman ab. Die Frühwarnzeit vor US-Luft- und Seeangriffen liegt jetzt unter der alten iranischen Schwelle von 4 bis 6 Minuten. Das heißt: Sobald der Iran entdeckt, dass die USA einen Schwarm von Missiles auf iranische Luftverteidigungsanlagen, Uranminen, Reaktoren und Militäroperationsbunker abfeuern oder Ölproduktionsstätten, Raffinerien und Pipelines sowie Tankschiffe angreifen, wird der Iran seinen eigenen Raketenschwarm sowohl auf die US-Abschussrampen als auch auf Saudi-Arabien abfeuern.

Möglicherweise hat der Iran aber auch noch ein weiteres Ass im Ärmel. Der Kommandeur der Khatam ol-Anbiya-Luftabwehrbasis der iranischen Armee, Brigadegeneral Sabahi Fard, sagte am 04. Juli, der Iran verfüge über Geheimwaffen, die im Ernstfall eingesetzt werden könnten. Das mag ein taktischer Bluff sein. Nur nannte General Alireza Sabahi Fard einen konkreten Vorfall: „Unsere Abschreckung und unsere Geheimwaffen haben den schmutzigen Feind in der Straße von Hormus, 200 Meilen von der iranischen Grenze entfernt, aufgehalten“.

Das erinnert doch irgendwie an den Vorfall im Schwarzen Meer vom 12. April 2014. Der Zerstörer USS Donald Cook nahm eine demonstrative Position in der Nähe der russischen Hoheitsgewässer ein, was von Russland als Provokation gesehen wurde. Die „Donald Cook“ war mit dem modernsten Kampfsystem der Generation Aegis ausgestattet, ein integriertes System, das die Verbindung der Raketenabwehrsysteme aller Schiffe auf denen es installiert ist herstellt, wodurch ein großes, elektronisches Netzwerk geschaffen wird, das die Ermittlung, Verfolgung und die Zerstörung von Hunderten von Zielen zu gleicher Zeit garantiert.

Es näherte sich ein russischer Kampfjet SU-24. Er trug sichtbar keine Bewaffnung, sondern nur eine unter dem Rumpf montierte Gondel, die laut der russischen Zeitschrift Rossiyskaya Gazeta ein russisches elektronisches Kriegsgerät trug: ein „Jibiny“.

Als sich das russische Flugzeug der Donald Cook näherte, soll diese elektronische Waffe das Radar, alle Kontrollvorrichtungen und Übertragungen von Informationssystemen, usw. an Bord des US-Zerstörers außerstand gesetzt haben. Mit anderen Worten: Das großartige, hochmoderne Aegis System zur Verteidigung der modernsten Schiffe der NATO, wurde schlicht und einfach, wie ein Fernseher, mit einer Fernbedienung ausgeschaltet. Der unbewaffnete russische Su-24 Kampfjet simulierte zwölf Raketenangriffe gegen die USS Donald Cook, die buchstäblich taub, blind und hilflos auf dem Wasser lag, und flog dann davon.

Möglicherweise geschah das Ganze zum zweiten Mal im letzten Jahr vor der syrischen Küste. Es ist also nicht auszuschließen, dass Russland in der Auseinandersetzung um den Iran seine elektronischen Geheimwaffen gegen die USA und Israel einsetzen und dabei testen und weiterentwickeln will. Vielleicht blufft Brigadegeneral Sabahi Fard gar nicht.

 


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