In Mai/Juni 2019 hat Joël Imbangola (links) an Treffen zwischen Dorfbewohnern und Vertretern der deutschen Entwicklungsbank DEG teilgenommen (rechts) (© RIAO-RDC)
Politik

Palmölkonflikt, Kongo: Mord an Umweltschützer und Menschenrechtler Joël Imbangola – Wir fordern Aufklärung!

26. August 2019

Am Sonntag, 21. Juli 2019, wurde ein Mitarbeiter der kongolesischen Umwelt- und Menschenrechtsorganisation RIAO-RDC von einem Security-Angestellten des kanadischen Palmölkonzerns „Feronia Inc.“ umgebracht. Das Ganze geschah in der Demokratischen Republik, Kongo (DRC). (In der Nähe der von Feronia bewirtschafteten Boteka-Plantagen in der Provinz Eqauteur).

Joël Imbangola Lunea arbeitete als Fahrer eines Motorbootes, mit dem Menschen und Güter zwischen den Dörfern in der Umgebung der Boteka-Plantagen und der Stadt Mbandaka befördert werden. Mr. Imbangola setzte sich für die Belange der Menschen in den Dörfern ein und arbeitete als Mitglied des RIAO-RDC.

Ein feiger Mord

Am Sonntag, den 21. Juli 2019, gegen 15:00 Uhr, wollte Mr. Joël Imbangola Lunea mit mehreren Passagiere samt Gepäck auf seinem kleinen Boot losfahren, als er von Boketsu Ebuka, einem Sicherheitsbeamten der kanadischen Firma Feronia, angesprochen wurde. Mr. Ebuka warf Mr. Joël Imbangola Lunea vor, er habe gestohlenes Palmöl aus den Feronias Plantagen abtransportiert. Nach Zeugenaussagen der anderen Bootsfahrgäste hat Mr. Joël Imbangola Lunea die Beschuldigung zurückgewiesen. Daraufhin sei der Feronia-Security-Mitarbeiter ausgerastet, gewalttätig geworden und habe Mr. Joël getötet.

Dieser Mord ist offenbar nicht ganz unerwartet geschehen. Zunehmende Spannungen und Konfrontationen zwischen dem Unternehmen Feronia und den Dorfbewohnern im Umkreis der drei Plantagen von Feronia haben die Stimmung dort sehr aufgeheizt. Immer mehr Wald wird abgeholzt, Bewohner aus ihren angestammten Dörfern vertrieben, Menschen und Wildtiere vertrieben. Ein Raubbau sondersgleichen, um billiges Palmöl zu produzieren.

Vergebliche Vermittlungsversuche – Feronia sabotiert und schüchtert ein

Die Organisation RIAO-RDC soll sich intensiv um eine friedliche Lösung des Konflikts bemüht haben. 2017 startete man einen ersten Mediationsprozess, dem sich das Unternehmen Feronia schon nach wenigen Wochen einfach entzog. RIAO-RDC sprach von „sabotierten Mediationsbemühungen“. Im November 2018 begann RIAO-RDC, neun betroffene Gemeinden in einem weiteren Mediationsverfahren zu unterstützen, diesmal wählte man den Weg über den Internationalen Beschwerdemechanismus (ICM) der deutschen, niederländischen und französischen Entwicklungsbanken (die Feronia finanzieren).

Seither beobachtet RIAO-RDC verstärkt, dass Feronia beachtliche Anstrengungen unternimmt, um die Arbeit der Menschenrechts- und Umweltorganisation in den Gemeinden zu untergraben. Manager von Feronia haben RIAO-RDC öffentlich beschuldigt, ihretwegen könne Feronia keine Löhne auszahlen und RIAO-RDC würde ausländische Interessen durchsetzen. RIAO-RDC Mitarbeiter berichten, dass sie von der Feronia-Security immer brutaler eingeschüchtert werden. Mr. Joël Imbangola Lunea ist einer derer, die bedroht wurden.

Auch für die Dorfgemeinschaften rund um die Plantagen von Feronia gehören Schikanen und Einschüchterungen durch die Security von Feronia zum Alltag. Ständig werden Dorfbewohner beschuldigt, Ölpalmenfrüchte von der Plantage zu stehlen, obwohl diese Gemeinden seit Generationen und lange vor dem Auftauchen des Unternehmens Feronia in ihren Gemeindewäldern Palmölfrüchte anbauten, ernteten und verkauften.

Versuche, die Behörden einzuschalten, um diese Einschüchterungen abzustellen, verliefen fruchtlos. Auch dann, als ein Pygmäenpaar getötet worden war – ebenfalls nach Beschuldigungen wegen Palmöldiesbstahls.

Der Mord an Mr. Joël Imbangola Lunea muss aufgeklärt werden!

Das RIAO-RDC fordert die zuständigen Behörden der Demokratischen Republik Kongo und insbesondere den Gouverneur der Provinz Equateur dringend auf, eine sofortige Untersuchung der Ermordung von Mr. Joël einzuleiten. Das RIAO-RDC fordert auch die zuständigen internationalen Menschenrechtsorganisationen auf, diesen Vorfall zu untersuchen.

Mr. Joël Imbangola Lunea hinterlässt seine Frau und fünf Kinder. Er verdiente als Einziger ein Einkommen zur Ernährung der Familie.

Hier kann man die Petition zur Aufklärung dieses feigen Mordes unterschreiben:

https://www.regenwald.org/petitionen/

An: Präsident der Demokratischen Republik Kongo

Wir fordern die Aufklärung des Mordes an Joël Imbangola. Die Bedrohung der Organisation RIAO-RDC und der Einheimischen müssen aufhören.“

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