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Mobi­li­täts­wende – wohin eigentlich?

Zur Eröffnung der mut­maßlich vor­letzten IAA in Frankfurt gab Green­peace-Ver­kehrs­experte Tobias Austrup dem DLF ein Interview, in welchem er eine „radikal andere Ver­kehrs­po­litik“ und die Mobi­li­täts­wende for­derte. Konkret monierte er, dass gerade mal ein Viertel der gezeigten Modelle Elek­tro­autos seien. Ich halte das ja – ange­sichts des geringen Markt­an­teils – schon für ziemlich viel, aber Austrup fordert ja den „schnellen radi­kalen Wandel“ und das ist er zwei­felsfrei nicht. DLF-Mode­rator Heinlein wendet ein, dass die Kunden eben lieber weiter Diesel und Ben­ziner kaufen wollten und dass man dies den Kon­zernen ja kaum vor­werfen könne. Aus­trups Antwort ist es wert, in künf­tigen Mar­keting-Hand­bü­chern als Bei­spiel für abso­lutes Unver­ständnis der Kom­ple­xität mensch­licher Ent­schei­dungen zu dienen.
(von Roger Letsch)
Gucken wir uns die Werbe-Budgets an. Da sehen wir: Bei­spiels­weise das Drei-Liter-Auto, was VW vor vielen Jahren schon ent­wi­ckelt hat, das ist prak­tisch nie beworben worden. Die ganzen Werbe-Budgets gehen in die Werbung für Sprit schlu­ckende SUVs. Da wird auch ein Markt gemacht. Da ist es nicht so, dass der Kunde im luft­leeren Raum agiert. Die Auto-Kon­zerne haben ein großes Interesse daran, diese SUVs zu ver­kaufen. Damit lassen sich höhere Margen erzielen. Und ent­spre­chend werden sie auch gekauft. Das ist nicht allein der Kun­den­wille. Dieser Kun­den­wille ist erzeugt und gelenkt.“
Erzeugt und gelenkt also. Bedeutet nach Aus­trups Ver­ständnis, wenn die Auto­bauer nur mehr Geld in die Werbung für Elek­tro­autos stecken würden, gingen die Ver­käufe in diesem Segment durch die Decke. Das heißt aber auch, Austrup hält die Auto­kunden für lenkbare Zombies ohne eigenen Willen, denen man die rich­tigen Ent­schei­dungen einfach nur ein­blasen muss, damit sie „das Richtige“ tun. Mit dieser Meinung steht er natürlich nicht allein! Das ist ziemlich genau die geistige Basis all der grünen Welt­ver­bes­serer, die sich für Experten in Sachen Lebens­führung für jeden ein­zelnen Bürger halten.
Immer wenn man Ver­satz­stücke hört wie „unsere Politik besser erklären“ oder „die Men­schen mit­nehmen“, spricht da ein ent­täuschter Welt­ver­bes­serer, dessen Kopf-Utopia mit der mensch­lichen Rea­lität kol­li­diert ist. In der Politik heißt es dann regel­mäßig „Pech für die Rea­lität“. Auto­käufer sieht Austrup als eine Art dummer, lenkbare Ver­braucher, denen man die richtige Ent­scheidung durch ein Streich­konzert an Werbung nur geschickt ein­pflanzen muss. Der Gedanke, dass die Leute selbst am besten wissen könnten, was gut und schlecht für sie ist, blitzt ihm erst gar nicht durch die Birne.
Mobi­li­täts­wende früher und heute
Können Sie sich noch daran erinnern, viel­leicht aus dem Geschichts­un­ter­richt, welche Anstren­gungen die Regie­rungen zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts unter­nehmen mussten, um den Men­schen das Auto schmackhaft zu machen? All die Kauf­prämien und Abwrack­prämien für Pferde und Kut­schen, das sub­ven­tio­nierte Benzin, die Fahr­spuren nur für Autos…und all das nur, weil die Leute partout nicht von ihren Pferden lassen wollten? Nein? Das mag daran liegen, dass es all das nicht gab. Das Auto setzte sich durch, ohne dass der Staat ein­greifen musste. Es war einfach besser, prak­ti­scher, aus­dau­ernder und zuver­läs­siger als das Pferd, das seinen Platz räumen musste und fortan als Objekt nost­al­gi­scher Tier­liebe ein weitaus bes­seres Los hat.
Was der Staat unternahm, war, die Umstellung mit Gesetzen zu begleiten und den wach­senden Indi­vi­du­al­verkehr in geordnete Bahnen zu lenken, zum Bei­spiel durch Infra­struk­tur­pro­jekte. Gegen solche Maß­nahmen ist auch in Sachen E‑Mobilität nichts ein­zu­wenden, etwa bei der Lade-Infra­struktur. Dazu gehört nicht, den Kunden vor­zu­schreiben, was sie kaufen sollen. Eine ver­pflich­tende Quote für E‑Autos, wie etwa in China, ist eine ver­lo­ckende Sache für die Politik, die am liebsten alles quo­tieren möchte. In China wird die Quote übrigens mit mas­siven Sub­ven­tionen erkauft, was zu einem Stroh­feuer an E‑Auto-Startups führte, weil jeder etwas von der frei­giebig ver­teilten Staats­kohle abhaben wollte. Fast 500 Her­steller gab es im Reich der Mitte, die nun, da die Sub­ven­tionen wieder zurück­ge­fahren werden, rei­hen­weise das Handtuch werfen. Die Kunden, die die hoch­sub­ven­tio­nierten E‑Autos kauften, stehen dann natürlich blöd da. Das Ganze ist also nichts als ein Para­de­bei­spiel von Plan­wirt­schaft und staat­licher Lenkung und wann hat man je davon gehört, dass so etwas gut ausging?
Inter­essant ist in diesem Zusam­menhang die emo­tio­na­li­sierte Debatte um die beliebten SUV-Modelle mit Ver­bren­nungs­motor, die heute das Feindbild schlechthin für die Kli­ma­ak­ti­visten sind. Stra­ßen­panzer, schwer, Ver­schwendung von Res­sourcen und Platz, Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer…die Vor­würfe sind immer die­selben. Wenn jedoch berichtet wird, dass das chinesisch/deutsche Elektro-Modell „Byton“ 2020 auf den deut­schen Markt kommt, sucht man ver­geblich nach kri­ti­schen Stimmen bezüglich der Tat­sache, dass es sich dabei aus­ge­rechnet um einen aus­ge­wach­senen SUV mit über 2 Tonnen Leer­ge­wicht handelt, auf den sämt­liche SUV-Vor­ur­teile natürlich eben­falls zutreffen.
Der Platz­ver­brauch in der Innen­stadt – ein gern ver­wen­detes Argument gegen große Autos – ist für den Byton nicht geringer als für einen Audi Q7. Auch der ver­gleichs­weise günstige Preis, der nur durch die sehr viel gerin­geren Arbeits­kosten in Fernost dar­stellbar ist, ist kein Anlass für Kritik. Die Arbeits­be­din­gungen bei Foxconn mögen als Auf­reger taugen, aber Apple ist ja kein Player bei der Ver­kehrs­wende. Was in chi­ne­si­schen Werken für Akkus oder E‑Autos geschieht, geht dann schon in Ordnung, weil es einer höheren Sache dient. Erinnern Sie sich noch an die Stelle mit dem Splitter und dem Balken bei Mat­thäus (7,3)?
Herr Austrup erklärt die Marktwirtschaft
Wir haben riesige Sub­ven­tionen, die auch gerade in Sprit fres­sende Autos rein­gehen. Wenn wir uns anschauen, wie Dienst­wagen besteuert werden, dass Diesel deutlich geringer besteuert wird als Benzin – dort sieht man Anreiz­struk­turen, die von den Ver­kehrs­mi­nistern der letzten Jahre geschaffen wurden und erhalten wurden, die dazu führen, dass wir wei­terhin Autos haben, die viel zu viel Sprit ver­brauchen, dass wir bei der Elek­tro­mo­bi­lität viel zu langsam vor­an­kommen. Da haben Kon­zerne und Politik gemeinsam versagt und uns dieses Kli­ma­problem ein­ge­brockt, und das muss dringend geändert werden. Die kleinen leichten Elek­tro­autos müssen in die Masse rein­kommen. Das muss in den großen Markt kommen. Und natürlich ist es Aufgabe der Auto-Kon­zerne, ein Geschäfts­modell für die Zukunft zu ent­wi­ckeln, aber das ist, glaube ich, ziemlich klar, dass das nicht mehr allein der Verkauf von Autos sein kann, von Stückzahl, sondern dass sie sich viel mehr in Richtung Mobi­li­täts­dienst­leistung wei­ter­ent­wi­ckeln müssen. Das Modell eines klas­si­schen Industrie-Kon­zerns lässt sich, glaube ich, nicht in die Zukunft übertragen.“
Wo soll man ange­sichts dieser Zur­schau­stellung von Unkenntnis anfangen? Die Besteuerung von Dienst­wagen hat nichts mit deren Ver­brauch zu tun. Die Attrak­ti­vität ist aber an ein bestimmtes Preis­segment gebunden, weil der Vorteil als geld­werte Leistung ange­rechnet wird. In dem Preis-Segment tummeln sich übrigens auch die meisten Elek­tro­autos und wenn die dennoch sel­tener als Dienst­wagen ver­wendet werden, ist dies eher ein wei­teres Indiz für deren man­gelnde All­tags­taug­lichkeit bzw. für die fal­schen Vor­stel­lungen, die sich Austrup von der typi­schen Ver­wendung eines Dienst­wagens macht. Das Diesel geringer besteuert wird als Benzin, hat seine Ursache übrigens darin, dass fast der gesamte Güter­verkehr der „letzten Meile“ mit Diesel abge­wi­ckelt werden muss. Aber ich bin sicher, dass nach dem­nächst flä­chen­de­ckenden Fahr­ver­boten auch hier kräftig „nach­re­gu­liert“ wird, was neben dem sta­tio­nären Ein­zel­handel und Lebens­mit­tel­dis­countern auch Amazon, Zalando und DHL zu spüren bekommen werden – was soll da schon schief gehen!
Leicht, billig, Reichweite
Wer jetzt kein Auto hat, braucht keins mehr.

Leicht, billig, Reich­weite – das sind die drei Prä­missen der Elek­tro­mo­bi­lität. Man kann aber immer nur zwei Merkmale auf einmal haben. Die Vor­stellung, kleine, leichte E‑Autos auf den Markt zu bekommen, die dann auch noch billig sind, ist ein Mythos. Und das wird so bleiben, auch wenn es hier und da sicher noch Ver­bes­se­rungs­mög­lich­keiten gibt. Die Ener­gie­dichte der Li-Akkus ist kaum noch zu steigern, schließlich ver­wenden wir – ver­ein­facht gesprochen – mit Lithium schon das zweit­leich­teste Element zur Spei­cherung von Elek­tronen, welches zum Glück ein Metall ist. E‑Autos mit Akku sind also trotz des feh­lenden mas­siven Ver­bren­nungs­motors sehr schwer und das wird auch so bleiben.
Die Her­steller der heu­tigen E‑Autos sind, mal abge­sehen von Exoten wie Tesla, sehr erfahren in der Opti­mierung von Abläufen und in der effi­zi­enten Mas­sen­fer­tigung. Wenn also ein Renault Zoe, ein in Deutschland sehr beliebter elek­tri­scher Kleinst­wagen, in mini­maler Aus­stattung (mit Akku) 30.000 Euro kostet, während der kleinste Ben­ziner der­selben Marke für ein Drittel des Preises zu haben ist, liegt das kaum an Kin­der­krank­heiten oder feh­lenden Stück­zahlen. Wenn das also das neue „Ein­stiegs­segment“ sein soll, schneidet das breite Berufs­gruppen sehr sicher von indi­vi­du­eller, selbst­be­stimmter Mobi­lität ab. Aber denen bleibt natürlich noch die Mög­lichkeit, auf Pferd und Esel umzusteigen…
Ich kenne eine ganze Menge Leute, die zwar in Berufs­gruppen tätig sind, denen die Politik bei jeder Gele­genheit Honig ums Maul schmiert (Pflege, Polizei, Feu­erwehr, medi­zi­ni­scher Dienst…), die sich solche Autos jedoch schlicht nicht leisten können. Finan­ziell nicht und nicht mit einem Ein­satz­profil, das häufig ver­langt, dass man sich schon wieder auf den Weg zum nächsten Notfall macht, kaum ist man von dem vor­he­rigen nach Hause gekommen. Ich freue mich dann schon auf die Fens­ter­reden zur Weih­nacht oder Neujahr von Kanz­lerin und Prä­sident, wenn sie das Enga­gement dieser Berufs­gruppen wieder über den grünen Klee loben.
All­mende statt Eigentum
Wohin die Reise letztlich gehen soll, zeigt Aus­trups Zitat weiter oben sehr deutlich. „Neue Mobi­li­täts­kon­zepte“ bedeutet nichts anderes, als Miete statt Eigentum. Um die wahren Kosten zu ver­schleiern und zu ver­hindern, dass sol­vente Leute in Massen dazu über­gehen, sich E‑Autos zuzu­legen – und jeder Strom­ver­sorger betet jeden Ver­sor­gungstag zur hei­ligen Elek­tro­ma­gni­fizenz, dass die Netze halten, wenn ein neuer Tesla mit Schnell­a­de­station in der Gegend auf­taucht – argu­men­tiert man mit der Nut­zungs­in­ten­sität und sagt, die Autos stünden ja ohnehin die meiste Zeit nur herum. Warum also nicht Sharing-Systeme und Pay-as-you-go-Kon­zepte mit schicker App fördern, statt Autos wirklich noch zu kaufen, wenn die ohnehin uner­schwinglich werden? Ist Ihnen eigentlich schon auf­ge­fallen, dass Ihr Bett auch die meiste Zeit des Tages unge­nutzt her­um­steht? Genau wie Ihre Küche, Ihr Bad? Da werden sich doch sicher Sharing-Kon­zepte finden lassen…
Ich habe prin­zi­piell nichts dagegen, aber die Neben­wir­kungen sollte man schon im Auge behalten. Da sind zunächst die typi­schen Pro­bleme der All­mende, also jener Güter und Werte, die eher einer anonymen „All­ge­meinheit“ gehören und keinem kon­kreten Besitzer zuge­ordnet sind. Das ist zwar bei Car­sharing oder den aktuell so beliebten E‑Rollern streng genommen nicht der Fall, weil die schon noch jemandem gehören. Aber die Nutzung bereitet die­selben Pro­bleme, die auch die All­mende hat. Was scheinbar nie­mandem gehört, wird behandelt, als gehöre es tat­sächlich nie­mandem. Die E‑Roller in unseren Innen­städten leben im Schnitt einen Monat, diverse gerade erst ein­ge­führte Car­sharing-Pro­jekte in Deutschland geben schon wieder auf.
Car­sharing funk­tio­niert einfach nicht. Die Autos werden rück­sichtslos behandelt, ver­dreckt, beschädigt, irgendwo abge­stellt. Viele Men­schen kümmern sich eben nicht um Sachen, die nicht ihre eigenen sind. Unser Aufwand ist viel zu hoch.“ So wird ein Flot­ten­ma­nager in der FAZ zitiert.
Viel­leicht wird das ganze ja besser, wenn erst der „neue Mensch“ fertig erzogen ist, von dem grüne und linke Welt­ver­bes­serer träumen? Ich würde nicht damit rechnen. Am „Material Mensch“ sind schon Marx, Engels, Lenin, Stalin und Castro gescheitert. Was werden da wohl Hof­reiter, Baerbock und Kipping erreichen?
Auf dem Weg in die voll­ständige Elek­tro­mo­bi­lität hat man also die Wahl, in die All­mende-Falle, die Netzlast-Falle oder die Ver­ar­mungs­falle zu laufen. Und es lauert ein wei­teres Problem, das alle anderen in den Schatten stellt.
Kol­lek­ti­vismus statt Individualismus
Mieten statt kaufen – das ist ein Trend, der nicht nur in der Mobi­lität zu erkennen ist. Die Anreize des Staates durch Garan­tie­zah­lungen oder Sub­ven­tionen zielen nicht auf das erlangen von Eigentum und dessen Schutz, sondern auf die Sicherung kon­su­mis­ti­scher Mini­mal­stan­dards. Dieser Aspekt kommt zum Bei­spiel bei der Dis­kussion des BGE (Bedin­gungs­loses Grund­ein­kommen) voll­kommen zu kurz. Wer staat­liche Leis­tungen bezieht, macht sich abhängig von staat­lichen Leis­tungen und ein BGE kann auch an Bedin­gungen geknüpft oder mit Auf­lagen ver­bunden sein. Ist man auf Miet­zu­schüsse oder eine Sozi­al­wohnung ange­wiesen, muss man darauf hoffen, dass der Staat die Bedin­gungen nicht ändert und sich durch Wohl­ver­halten unsichtbar machen.
Auch bei der Mobi­lität verhält es sich so. Sie wollen ein Auto oder einen E‑Roller mieten? Mal sehen, was die App dazu sagt. Oder die Behörde, bei der die Daten über ihr Ver­halten, ihre Regie­rungs­kritik und ihre Bonität zusam­men­laufen. Sie wollen von A nach B fahren? Aber das sollten Sie viel­leicht gar nicht, weil in B heute eine Demo rechts­po­pu­lis­ti­scher Ele­mente stattfindet.
Nur über Eigentum können Sie unen­ge­schränkt ver­fügen, ein Nut­zungs­be­gehren kann abge­lehnt werden und man muss Ihnen dafür nicht einmal den Grund nennen. Das Sharing-Auto, in das Sie ein­steigen, kann ja auch ganz plötzlich „kaputt gehen”.
Eigentum ist Freiheit

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Eigentum ist Freiheit. Ein Staat, der Eigentum garan­tiert, macht schon mal eine wichtige Sache richtig. Gerade diese wichtige Garantie steht aber in unserem Land mächtig unter Feuer. Mora­lisch ver­brämt mit höheren Zielen wird jedes Bestands­recht aus­ge­höhlt. Hat der Staat erst mal von dieser Frucht genascht, ist kein Halten mehr. Kern­kraft­werke, Koh­le­kraft­werke, Die­sel­fahrer, Immo­bilien, Spar­gut­haben – was glauben Sie, wo das auf­hören kann? Aus­ge­rechnet vor Ihrer Tür? Unwahrscheinlich!
Der voll­di­gi­ta­li­sierte Mensch, dem nichts mehr gehört, der wegen jeder Lebens­äu­ßerung das unsichtbare Plazet des Staates braucht und auf dessen Wohl­wollen und Sub­sidien ange­wiesen ist, der in staat­lichen Woh­nungen lebt, staat­liche Beför­de­rungs­mittel nutzt, staatlich kon­trol­lierte Infor­ma­ti­onswege geht und von staatlich garan­tierten Medien beschallt wird, der Single ist, keine Familie mehr braucht und seine Selbst­de­fi­nition anhand staatlich geför­derter NGOs wahr­nimmt – kurz: das staats­un­mit­telbare Wesen, mit dem man schlicht alles machen kann. Ortbar, bere­chenbar, beein­flussbar, akti­vierbar – zu jeder gelenkten Empörung aber zu kaum einem eigenen Gedanken fähig.
Die Empörung über die SUVs, die trotz allen Gezeters immer beliebter werden (es wird offenbar noch nicht genug „Aktuelle Kamera“ geschaut), soll nach dem Prinzip „teile und herrsche“ die Auto­fahrer spalten. Das hat bei den Diesel-Fahrern ja auch schon gut funk­tio­niert. Aber jeder, der einen Klein- oder Mit­tel­klas­se­wagen fährt, sollte sich im Klaren sein, dass er mit abso­luter Sicherheit der nächste sein wird. Denn der Gegner ist nicht ein Emis­si­onswert, ein Fahr­zeug­ge­wicht oder eine Fahr­zeug­klasse. Gegner des Kli­ma­ak­ti­vismus ist die indi­vi­duelle Mobi­lität an sich.
Was den Grad indi­vi­du­eller Freiheit angeht, sind der Besitzer eines Corsa oder eines Bentley prin­zi­piell gleich­wertig. Der Bentley mag teurer, bequemer und schneller sein, doch auch mit dem Corsa kann man sich prin­zi­piell jederzeit überall hin auf den Weg machen, ohne die Regierung dafür um Erlaubnis bitten zu müssen oder von einer Software abhängig zu sein, die in Zukunft viel­leicht bei nied­rigem Sozi­al­punk­te­stand sagt: „Nicht du. Nicht heute. Nicht dorthin. Zur Demo „Kampf gegen Irgendwas” holt dich ein Bus ab.“ Wie gesagt: Eigentum ist Freiheit. Eine „Mobi­li­täts­wende”, die das zu unter­mi­nieren ver­sucht, führt in die Unfreiheit.

Der Autor Roger Letsch ver­öf­fent­licht seine sehr lesens­werten Bei­träge auf www.unbesorgt.de