Politik

Klimaschutz und Wohlstand – die Grünen versuchen sich mit Schwurbelparolen in der Quadratur des Kreises

5. November 2019

Eines haben sie nun doch bemerkt, die Grünen. Mit all ihren Forderungen und Kampfansagen gegen Diesel, SUVs und Kohlekraftwerken und dem praktisch zeitgleichen Einsetzen der Zerschredderung der deutschen Industriebranche Nummer eins, der Autoindustrie, wurden immer mehr Stimmen immer lauter: „Die Grünen mit ihrem Klimawahn ruinieren die Wirtschaft und machen uns arm!“

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Die Klimagretel hat mit ihrem wutverzerrten Gesicht und ihrem „How dare you!“-Geschrei auch viele Fans vor den Kopf geschlagen und ihren Zenit überschritten, die Massenentlassungen füllen jede Woche die Schlagzeilen. Desaströs für die Grünen. Denn das normale Volk, das arbeiten und Geld zum Leben verdienen muss und dabei auch Autos, Diesel und Laster fährt, findet Klima nur solange was Tolles, solange nicht sein Arbeitsplatz und seine Existenz gefährdet ist. Deutschland rattert aber gerade in eine handfeste Rezession, und das liegt auch am Klima- und CO2-Hype. Gut, sicher, nicht NUR, aber zu einem beachtlichen Teil.

Die Leute sind verunsichert, kaufen kein neues Auto, ein E-Auto können sich sowieso die wenigsten leisten. Auch eine neue Ölheizung wird vorsichtshalber gestrichen, die Grünen wollen die nämlich schon 2020 verbieten. Tausende Eigenheimbesitzer haben ihre bereits bestellte Ölheizung storniert. Die Auftragsstornierungen haben zu Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe geführt. Viele denken, wer weiß, was den Grünen noch einfällt, und nicht, dass man einen Kredit für eine neue Heizung oder ein neues Auto aufnimmt und die Grünen das quasi über Nacht verbieten und man bleibt auf den Schulden sitzen.

Kurz, in den Reihen der Grünen hat man wohl doch gemerkt, dass sie bei den Wählern nicht gerade als Wirtschaftsfachleute gelten. Frau Barbock drückt es gegenüber der dpa schon sehr professionell-politikerhaft aus:

„Wir sind noch nicht Hauptansprechpartner zu diesen Fragen“, sagte sie. Mit Besuchen bei Industriekonzernen wie ThyssenKrupp oder dem weltgrößten Stahlkonzern Arcelor Mittal habe sie in ihren ersten beiden Jahren als Parteichefin deutlich machen wollen, „dass wir nicht gegen diesen Teil der Wirtschaft oder Industrie sind, sondern im Gespräch mit ihnen“. Den Wandel, der sowieso komme, jetzt anzugehen sei eine Chance, den Industriestandort Deutschland zu halten. Produktion solle nicht aufgegeben werden. „Aber wir müssen wachsen im Sinne einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft, innerhalb der planetaren Grenzen“, sagte sie.

 „Wir sind noch nicht Hauptansprechpartner zu diesen Fragen“ ist wirklich hübsch formuliert. Und dann fordert sie wieder Digitalisierung und schnelleren Ausbau der Infrastruktur und der Netze. Als ob das den arbeitslos gewordenen Stahlarbeitern, Autozulieferern, Heizungsbauern, Autobauern etc. was nützte. Allenfalls beim digitalen Ausfüllen ihres Antrages auf Arbeitslosengeld am Computer, den sie sich vielleicht auch nicht leisten können.

Sehr unangenehmes Argument, nicht wahr? Nun, auch dafür haben die Grünen eine ganz tolle, fortschrittlich-geniale Idee: Wohlstand muss jetzt neu bemessen werden, nämlich „umfassender“. Der „Fortschritt beim ökologischen Umbau der Wirtschaft“ soll langfristig abgebildet werden, heißt es in dem „Leitantrag zur Wirtschaftspolitik“ für den Grünen-Parteitag, der Mitte November stattfinden soll. Darin erklären sie auch, warum das Bruttoinlandsprodukt (BIP: Wert aller Waren und Dienstleistungen, die in einer Volkswirtschaft produziert werden) kein Maßstab mehr für die Leistung einer Volkswirtschaft sein soll. Denn das BIP sei „blind für die sozialen Folgen und die ökologischen Schäden“ durch die Wirtschaft.

Wohlstand soll also fürderhin hierzulande nicht danach bemessen werden, wie gut es den Deutschen geht, sondern „den Fortschritt beim ökologischen Umbau der Wirtschaft langfristig abbilden“. Dabei soll nach der „Gemeinwohlbilanzierung“ gemessen und gewichtet werden. Privatunternehmen sollen zukünftig im Jahresabschluss auch einen Bericht zu sogenannten Nachhaltigkeitsindikatoren wie den CO2-Ausstoß einreichen.

Das ganze Wortgeklingel bleibt wohlweislich im nebulösen Bereich schöner Ideen. Denn des Pudels Kern sprechen sie nicht an. Gleichzeitig Klimaschutz und Wohlstand für alle geht nicht. Man möchte das aber den Deutschen nicht so klar sagen.

  • Wohlstand, der den Deutschen auch mal einen Kurzurlaub mit einem Billigflug erlaubt? Nein, das gibt es nicht mehr, sobald die Steuerbefreiung für Flugbenzin entfällt. Sorry, liebe Malocher, aber das Rumgefliege zum Spaß ist das Klimaschädlichste überhaupt. Mal nach Malle zu fliegen oder nach Italiens Küste hat ja auch nichts mit Wohlstand zu tun.
  • Ab 2030 wollen die Grünen keine Autos mehr mit Verbrennungsmotoren zulassen. Ein Ersatz für den Individualverkehr ist aber nicht in Sicht und E-Autos würden soviel Strom und giftige Rohstoffe für die Batterien erfordern, dass nur ein paar gut Betuchte sich das leisten können. Das wird sehr direkt und ziemlich brutal in den Lebensstil des normalen Volkes eingreifen.
  • Der Bürger fragt sich auch beklommen, womit er denn seine Wohnung heizen soll, wenn Ölheizungen praktisch schon nächstes Jahr und Gasheizungen ab 2030 verboten sein sollen? Alles mit Solar? Gerade im Winter, wenn es dauerdunkel ist? Kohle und Holz scheiden ja sowieso aus.

Diese ganzen Verbotslisten werden tief in die Lebensqualität aller eingreifen. Das wird überhaupt kein Spaß. Man wird sich teilweise mit mittelalterlichen Methoden behelfen müssen. Illegal Kanonenöfchen basteln aus Rohren in denen man alles verbrennen kann – wurscht, was die CO2-Bilanz ist, Hauptsache, man friert nicht?

Reden wir gar nicht davon, dass Klima eine globale Sache ist und das kleine Deutschland das globale Klima gar nicht retten KANN, selbst wenn wir die CO2-Emission auf Null brächten. Es geht auch um die Gesamtbilanz von Technologien. Was Windräder, sobald sie das Ende ihrer Betriebszeit erreicht haben, an Umweltbelastung mit sich bringen, ist unglaublich und steht in keinem Verhältnis zu ihrer Umweltfreundlichkeit während des Betriebes – abgesehen davon, dass sie Zigtausende Vögel und Abermilliarden Insekten töten. 30.000 Windkraftanlagen drehen ihre Rotorblätter in Deutschland und schreddern damit jedes Jahr zirka 600.000 Vögel und Fledermäuse.

Die Windparks sind ein Riesen-Müllproblem:
«Wir stellen mit massiven Subventionen Windräder auf, aber niemand hat sich Gedanken gemacht, was danach mit den Anlagen passiert, dass die eingesetzten Mittel zum Beispiel auch recyclingfähig sein müssen», sagt Herwart Wilms, der Geschäftsführer des größten deutschen Entsorgers „Remondis“.

Die Rotorblätter bestehen aus einer fest verklebten Mischung aus Glasfasern, Kohlefasern und Polyester-Harz. So ein Rotorblatt ist ca. 60 Meter lang und muss aufwändig und teuer mit Diamantsägen zerkleinert werden. Ab dem Zeitpunkt, wo solche Windparks stillgelegt werden, könnten 16.000 Tonnen Rotorblätter anfallen. Weltweit werden jährlich 50.000 Tonnen davon „entsorgt“. Michael Schneider von Remondis lässt keine Zweifel:

«Wir laufen auf ein Riesenproblem zu. Es ist kaum möglich, die mit Harz verklebten Fasern wieder zu trennen. Wir kriegen die nicht mehr auseinander.»

Bisher werden die Rotorblätter „energetisch verwertet“, im Klartext: verbrannt. Die Rückstände des Rotorenmaterials verstopfen aber die Filter der Verbrennungsanlagen und können daher nur in kleinen Chargen dem Brennmaterial zugesetzt werden. 16.000 Tonnen Glas- und Kohlefasern mit jeder Menge Polyester zu verbrennen ist eine reine Giftschleuder, erzeugt jede Menge CO2 und ist im höchsten Maße klima-unfreundlich.

Die Verschrottung von Zig-Millionen Autos und Ölheizungen in den nächsten zehn Jahren, um sie durch neue klimaneutrale Technologien zu ersetzen (wenn sie denn überhaupt entwickelt und in ausreichender Zahl produziert werden), wird wahrscheinlich immense Umweltschäden verursachen. Möglicherweise kommen die Herrschaften Grünen dann noch mit der begnadeten Idee, die noch funktionsfähigen Autos und Heizungen ärmeren Ländern zukommen zu lassen, um so in diesen Ländern auch deren Wirtschaft platt zu machen.

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Denn auch dort fordern die Menschen mehr Wohlstand und scheren sich wenig um das Klima. Und wie wollen die Grünen diesen Leuten das verweigern? Dort wird sich der ökologische Fußabdruck eher verbreitern. Es sei denn, die Billigwaren aus diesen Ländern dürfen nicht mehr tausende Meilen nach Europa geschippert werden, wegen des CO2-Ausstoßes. Dann haben die Grünen die interessante Situation geschaffen, dass hier die Unterschicht keine Billigmode, Billigmöbel, Billiglebensmittel, Billigspielzeug, Billighausrat etc. kaufen kann und an Lebensqualität verliert –  und gleichzeitig die Massenarbeitslosigkeit und Armut in den Entwicklungsländern sprunghaft ansteigt, weil die Arbeitsplätze in den Billigwaren-Fabriken wegbrechen. Dass diese Massenverarmung CO2 spart, wird wenige besänftigen.

Die böse, böse Wahrheit ist: Nur wenn die Masse richtig arm ist, konsumiert sie sehr wenig und spart CO2. Das bedeutet aber einen Lebensstandard wie vor dreihundert Jahren, vor der Industrialisierung. Wenig Infrastruktur, wenig Produkte, viel kleines Handwerk, Reisen ist nur Reichen vorbehalten, man versorgt sich aus lokalen Quellen. Insofern ist die von den Grünen eingeläutete Deindustrialisierung nur konsequent. In vielen Entwicklungsländern wird das noch einigermaßen gut gehen, da dort auch heute meistens noch genügend landwirtschaftliche Selbstversorgung möglich ist.

In den Industrieländern, besonders im dicht besiedelten Europa, bedeutet aber auch einen starken Rückgang der Bevölkerung, sprich „Not, Hunger, Kälte“. Mit den Produktionsmethoden von Siebzehnhundert-etwas kann man in den heutigen Industriestaaten die jetzigen Bevölkerungen nicht ernähren. Nur dünn besiedelte Länder, wie zum Beispiel Schweden oder Norwegen könnten vielleicht autark ihre Bevölkerungen mit Lebensmitteln versorgen.

Massenweise Wohlstand mit gleichzeitiger CO2-Reduktion und Umweltfreundlichkeit wird nicht gehen. Auch dann nicht, wenn man den „Wohlstandsbegriff“ kreativ umdefiniert. Außer, wenn technische Wundererfindungen das Ei des Kolumbus schaffen würden: Umweltfreundliche Massenproduktion an Gütern und Lebensmitteln in klimafreundlichen Fabriken und umweltfreundlicher Landwirtschaft, klimafreundlichen Infrastrukturen, die Zig-Millionen mit Häusern, Energie, Nahrung, Wärme, Fahrzeugen, etc. versorgen.

Das wäre vielleicht schon möglich gewesen. Wenn man klug und vorausschauend wäre und solche Technologien von langer Hand fördern würde. Das braucht aber Zeit. Das geht nicht in zehn Jahren von der Erfindung über die Perfektionierung in die Massenproduktion. Diese Chance haben die Grünen jetzt bereits vertan.


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