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Politik

Erfahrungsbericht als Lehrerin: Schüler mit Migrationshintergrund

9. Januar 2020

Ich stamme aus einer sehr materialistischen Familie mit Migrationshintergrund. Mein Großvater väterlicher seits war Rumänien-Deutscher und meine Großmutter, seine Frau, war halb Slowenin und halb Österreicherin. Sie lebten in Bosnien, wo mein Vater geboren wurde. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde es für meine Großeltern und deren Kinder als Christen zu gefährlich, dort zu bleiben. Die Gefahr drohte von Seiten der Serben. Diese benutzten die Gunst der Stunde des Kriegsausbruchs und bedrohten Muslime und Christen, welche bis dahin sehr harmonisch miteinander lebten.

(von Julia aus La Palma)

Eigentlich war es mein Herzenswunsch, Kosmetikern für Naturkosmetik zu werden. Doch das war für meine Eltern nichts, womit man sein Geld verdienen könne. So lies ich mich dazu überreden, zunächst mit der Grundausbildung zur Hauswirtschafterin zu beginnen, um dann Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin und schlussendlich Fachlehrerin (FL) für – damals noch Handarbeit und Hauswirtschaft, heute FL für Ernährung und Gestaltung – zu werden.

Nach fünfjähriger Grundausbildung folgte ein Jahr an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät, um Didaktik, Schuldidaktik, Psychologie, Pädagogik und Schulpädagogik zu studieren. Gekoppelt mit einem Praktikum an Schulen, um dem Unterricht von Fachlehrerinnen beizuwohnen und selbst die ersten Unterrichte zu halten. Hierfür gab es immer nur sehr auserwählte harmonische Klassen, in denen es nur vorbildliche Schüler gab. Konflikte mit Schülern schien es gar nicht zu geben.

Anschließend (1991-93) folgten 2 Jahre als Lehramtsanwärterin (so nennt sich das „Referendariat“ bei Fachlehrern). Doch bevor ich diese antreten durfte, musste ich erst die Nachweise erbringen, dass ich auch deutsch genug von der Abstammung her bin. Kein Scherz! Leider wahr! Schlussendlich hat man die ursprüngliche Deutschstämmigkeit meines Großvaters akzeptiert.

Nach drei Wochen Dienstzeit kam es zum ersten Vorfall seitens eines Baptisten, der sich über mich beim Schulleiter beschwerte, weil ich angeblich Okkultismus in der 2. Klasse verbreite und betreibe! Mein Schulleiter kam früh um 8 Uhr in meinen Unterricht, holte mich raus, sagte mir, dass ich unter keinen Umständen jetzt in der 2. Klasse weiterhin einen sog. „Hexenteppich“ weben lassen darf, denn das sei „okkultistisch“. Ich muss dazu erwähnen, dass im damaligen Lehrplan der 2. Klasse im Deutschunterricht Ottfried Preußlers „Kleine Hexe“ gelesen wurde und wir als Fachlehrer immer Verknüpfungen zu anderen Unterrichtsfächer herstellen sollten.

Als Neuling damit völlig überfordert, rief ich am Nachmittag meine Fachberaterin an, um sie um Rat zu bitten, wie ich denn weiterhin verfahren solle. Ich hatte bereits im Unterricht, aus purer Verzweiflung, den „Hexenteppich“ in „Indianerteppich“ umbenannt – was große Verwirrung stiftete, auch bei dem Kind des Baptisten. Meine Fachberaterin sagte mir, dass mein Schulleiter in diesem Fall überhaupt nicht das Recht hatte, in meinen Unterricht einzugreifen. Schließlich hatte ich mich korrekt an die Vorgaben des zugelassenen Lehrplans gehalten. Sie sprach mit dem damaligen Schulrat, welcher ein Fan von Ottfried Preußler war. Dieser ging wiederum zu meinem Schulleiter und verpasste diesem eine „Unterredung“, die ihm gar nicht gefallen hatte. Also kam mein Schulleiter wieder zu mir und beschuldigte mich, interne Probleme nach außen in die „Öffentlichkeit“ getragen zu haben. Das Schuljahr begann schon mal super…

Auch durfte ich mich mit den Besonderheiten der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas auseinandersetzten. Es handelte sich bei all dem zunächst um deutsche Schüler bzw. Eltern. Doch in meiner gesamten Ausbildungszeit, wurden wir zu keinem Zeitpunkt auf diese „Schwierigkeiten“ hingewiesen. Wie gehe ich mit Andersgläubigen um… Von den Lehrerkollegen und Kolleginnen bekam ich keine Unterstützung. „Da muss man nun mal durch!“ So manch ein Kollege schreckte auch nicht davor zurück, mich bei dieser Gelegenheit auch gleich mal sexuell zu belästigen. Mit meinen damals 22 Jahren war ich in der Tat in verschiedener Hinsicht überfordert.

Die Hauswirtschaft in der Hauptschule hatte ebenfalls seine Herausforderungen. Es mussten in der 7. Jahrgangsstufe alle Schüler am Hauswirtschaftsunterricht teilnehmen. Hier wurde ich nun erstmalig mit Konflikten unter Schülern „nicht deutscher Herkunft“ konfrontiert. Respektlosigkeit gegenüber Frauen war leider keine Seltenheit. Und da ich auch noch sehr klein gewachsen bin, war ich gleich doppelt „unten durch“. Dabei war ich völlig frei von Vorurteilen, habe ich doch selbst einen Migrationshintergrund. Mein langjährigster Freund ist Türke. Wir haben uns, als ich 12 war, in der orthopädischen Klinik kennen und schätzen gelernt. Selbst er überlegt derzeit, Deutschland auf Grund der Veränderungen zu verlassen und wieder in die Türkei zurück zu gehen. Dabei ist er sehr gut integriert!

Nach dem ersten Jahr wurde ich in ein anderes Schulhaus versetzt. In einer kleinen Dorfschule unterrichtete ich Handarbeit und in einer Kleinstadt Hauswirtschaft.

In der Dorfschule hatte ich wieder mit sexueller Belästigung seitens eines Lehrerkollegen zu tun. Wobei ich mich diesmal „schlagkräftig“ zur Wehr setzte. Danach hatte ich diesbezüglich meine Ruhe. In der Hauptschule hatte ich wieder Schüler, die aus anderen Kulturkreisen kamen. Sie unterhielten sich meist in ihrer Sprache, was für uns alle, nicht nur für mich, sondern auch für die deutschen Schüler, immer seltsam war. Trotz allem überstand ich das Schuljahr irgendwie mehr schlecht als recht, mit einem miesen Prüfungsergebnis (das ist jedoch eine ganz andere Geschichte) und war von daher erst mal ein Jahr ohne Anstellung, war schwanger (von einem Asiaten), hatte keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld (Vorstufe zum Beamtentum, sprich nicht in diese Kasse einbezahlt, also auch nichts draus beziehen können) ohne Wohnung …

Als ich 1994 wieder Teilzeit eine Anstellung bekam, durfte ich an eine Schule im Landkreis, die einen nicht zu verachtenden Anteil an Weißrussen und Türken hatte. Der Hauswirtschaftsunterricht wurde für mich zum reinsten Spießrutenlauf. Der Hass unter diesen beiden Bevölkerungsgruppen war so heftig, dass ich sowohl um das Leben der Schüler, als auch um mein eigenes bangte. Man bedenke bitte, dass es im Hauswirtschaftsunterricht nun einmal Messer gibt, mit denen sich diese Schüler in der Küche jagten. Der Versuch einzugreifen, endete mit einer Morddrohung an mich. Ich solle mich raushalten, das sei eine Ehrensache unter den Jungs!

Ich wandte mich an meinen türkischen Freund, fragte ihn nach dem muslimischen Glauben. Er erzählte mir, dass nach seiner Religion alle Frauen, die keine Muslima sind, grundsätzlich als Huren angesehen werden. Jemand wie ich sowieso, weil ich mit meinem Kind allein und unverheiratet war. Also gleich Hure hoch zwei. Er erklärte mir weiterhin, dass es nach dem Islam kein Verbrechen ist, eine nicht muslimische Frau zu vergewaltigen. Er selbst kann mit dieser Einstellung nichts anfangen. Deshalb zog er es vor, nachdem er als Jugendlicher zunächst mit seinen Eltern wieder in die Türkei zurück musste, nach seinem Abitur und Grundstudium wieder nach Deutschland zurückzukehren. Auch wenn er bei uns in Deutschland als „Kanake“, „Kümmeltürke“ oder „Knoblauchfresser“ beschimpft wurde, war die Situation in der Türkei, mit seinem deutschen Akzent, kein bisschen besser. Da wir beide keine Anhänger unseres jeweiligen religiösen Kulturkreises sind, konnten und können wir uns heute noch stets auf Augenhöhe begegnen. Anders als bei meinen Schülern. Mir wurde klar, dass ich mir keinen Respekt verschaffen konnte, da ich für sie nur eine dreckige Hure war.

Mein Gang zum Schulleiter war erfolglos. Mir wurde Inkompetenz vorgeworfen. Und ich solle doch nach Hause an den Herd, wo eine Frau, noch dazu eine alleinerziehende Mutter, die sich einen Braten hat unterschieben lassen, hingehöre! Tja, ich schaffte auch dieses Jahr zu überstehen und war froh, danach versetzt worden zu sein, ohne dass ein Schüleropfer zu beklagen war. Abgesehen von dem psychischen Dauerterror, der an der Tagesordnung war.
Ich landete an einer anderen Grund- und Hauptschule des Landkreises und durfte etwas zur Ruhe kommen. Zwar hatte ich dort auch mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen, doch die waren in meiner vegetarischen und vollwertköstlichen Lebensweise begründet. Schüler wollten mich immer wieder durch Diffamierungen zum Fleischverzehr zwingen lassen. Auch durfte ich mein Wissen über die Gefahren des Jodsalzes, Zuckers, der Vorsicht vor Milchprodukten und vor allem meine Ablehnung der Mikrowelle, nicht weitergeben. Der Schulleiter und auch der neue Schulrat verpassten mir regelmäßig einen Maulkorb. Half aber nicht. Ich ließ mir den Mund nicht verbieten!

Die wahre Hölle auf Erden begann für mich dann ab dem Jahr 2002 bzw. 2004. Nach einem sechswöchigen Klinikaufenthalt (aufgrund von Spätfolgen frühkindlicher Operationen an meinen Füßen) im Jahre 2004 landete ich in verschiedenen Schulhäusern der Innenstadt. Außerdem kam es in dieser Zeit zu einem Wechsel des Schulrates zu einer Schulrätin. Ich dachte, endlich ist dieser Schulrat weg, der glaubte, alles puncto Ernährung besser zu wissen, da seine Frau ja Gesundheitsberaterin einer renommierten Krankenkasse war. Es kann ja nicht schlimmer werden…

Weit gefehlt! Sie setzte mich an vier verschiedenen Schulhäusern ein, davon zwei Brennpunktschulen mit hohen Migrantenanteil. Zwischenzeitlich gab es eine einschneidende Änderung im Lehrplan. Zuvor gab es den Unterricht „Werken/Textiles Gestalten“ von der 1. bis zur 4. Jahrgangsstufe für alle Schüler gleich. Was uns schon erhebliche Schwierigkeiten mit muslimischen Schülern einbrachte bzw. mit deren Eltern. Häkeln, Sticken und Stricken lernen ist nun mal aus deren Sicht nichts für Jungs.

Ab der 5. Jahrgangsstufe wurde dann aufgeteilt in „Werkunterricht“ und „Textilunterricht“. Den Werkunterricht hielten dafür ausgebildete Fachlehrer ab und den Textilunterricht übernahmen wir Fachlehrerinnen, die auch den Unterricht in den Klassen 1-4 erteilten. Die Lehrplanänderung betraf uns alle. Denn nun gab es keinen getrennten Unterricht mehr ab der 5. Klasse, sondern er blieb gemischt. Wir Fachlehrer/Innen durften an verschiedenen Fortbildungen teilnehmen. Denn weder konnten die Werklehrer mit der Nähmaschine nähen, noch hatten wir Handarbeitslehrerinnen gelernt, einen Stromkreislauf zu basteln und vieles mehr. Wir schwammen nun also alle in einem unbekannten Terrain. Das wäre jetzt ja noch nicht mal das Schlimmste, nein, das wirklich üble daran war, dass nun die türkischstämmigen und russischstämmigen Jungs Nähen mit der Nähmaschine erlernen mussten! Nicht dass es schon genug Probleme im Hauswirtschaftsunterricht gegeben hatte, weil das ja schließlich „Weiberkram“ sei. Aber Nähen war für die „Ehre“ dieser Jungs absolut – tja, wie nenne ich es? – es war „schwul“! Sätze seitens dieser Jungs, wie „Hey Alter, was geht? Bin doch net schwul! Mach Dein Scheiß selbst!“ waren an der Tagesordnung. Auch rannten uns die Väter am Elternabend die Türen ein, dass ihre Jungs durch diesen Unterricht nun zu „Schlappschwänzen und Weicheiern“ erzogen werden und dass sie davon schwul werden würden. Komisch ist dabei nur, dass sich bei mir weder eine einzige Mutter noch ein einziger Vater darüber beschwert hatten, dass die Mädchen davon lesbisch werden könnten, wenn sie nun einen einfachen Stromkreislauf bauen, Papier schöpfen, Holzkonstrukte erbauen sollten…

Die Beleidigungen im Unterricht mir als Frau gegenüber waren zum traurigen Alltag geworden. Interessant war für mich zu beobachten, dass sich diese miese Stimmung extrem unter den Nichtdeutschen hochschaukelte. Einige Deutsche ließen sich mitreißen. Der Großteil hielt sich jedoch raus.

Im Hauswirtschaftsunterricht war es gerade in den 7. Klassen kein bisschen besser. Denn in der 7. Klasse war er für alle Schüler/Innen verpflichtend, erst ab der 8. Klasse konnte er abgewählt werden. Denn die 7. Klasse dient zur Orientierung, um in drei verschiedene Bereiche hinein zu schnuppern und sich dann ab der 8. Klasse langsam auf den qualifizierten Hauptschulabschluss vorzubereiten. Erkennen von Stärken und Schwächen …

Die Tatsache, dass ich nicht dasselbe Essen aß wie die Klasse, sorgte immer wieder für Diffamierungen und der Behauptung, dass ich die Schüler kein Fleisch zubereiten lassen würde usw. In der 7. Klasse beträgt der HW-Unterricht 90 Minuten. In denen muss Lehrstoff vermittelt werden, Zubereitungstechniken, es muss das zubereitete Essen gegessen, gespült und aufgeräumt werden. Für Anfänger ist da selbstverständlich das Braten von Schnitzeln ein Klacks! (Sarkasmus)

Einmal hatte ich eine Schülerin, die mit ihren damals 14 Jahren richtig auf Krawall aus war. Sie gab damit an, dass sie sich für russische Männer prostituierte. Und wenn ich etwas von ihr verlangen würde, was ihr nicht passte, drohte sie damit, dass mir diese Männer die Autoreifen zerstechen oder mir selbst nach der Schule auflauern und mir etwas antun würden. Das war mein Schulalltag.

Einerseits wollte man mich zum Verzehr von Fleisch zwingen, andererseits durften aber die Türken eigenes Kochgeschirr mitbringen, in dem kein Schweinefleisch zubereitet werden durfte. Eine Doppelmoral, die ich damals wie heute nicht nachvollziehen konnte/kann. Nur weil ich aus meinem eigenen ethischen Verständnis heraus freiwillig vegetarisch lebe, wurde dies nicht toleriert. Was wiederum ich nicht tolerierte. Ich ließ mich nicht zu etwas zwingen, was nicht meiner Überzeugung entsprach.

Ich war froh und dankbar, als man mir dann irgendwann den HW-Unterricht ersparte, und ich nur mehr „Werken/Textiles Gestalten“ unterrichten musste. Somit war zumindest die Essensfrage erledigt. Die Frage darüber, ob Jungs nun dazu gezwungen werden können, gegen ihre Weltanschauung, Nähen und andere Handarbeitstechniken zu erlernen, blieb.

Im Dezember 2010 versagte mir dann auf Grund dieses ganzen Druckes seitens Schulamt, Schulleitungen und Schüler, mein Körper seine Dienste. Vielmehr mein Gehapparat. Ich war nur noch an Krücken unterwegs, wurde krank geschrieben und brach an Weihnachten endgültig zusammen. Ich begab mich in neurologische Behandlung und wurde schlussendlich, nach einem Jahr hin und her, frühpensioniert. Was zuerst für mich ein Gefühl, versagt zu haben, hervorrief, stellte sich schlussendlich als Befreiung heraus!

Heute bin ich froh, dass ich nicht mehr in die Schule muss, dabei lehre ich sehr gern. Aber eben Dinge, die von mir kommen und nicht nach einem Lehrplan, der längst nicht mehr zeitgemäß ist, und auch keine Schüler, die kein Interesse haben.

Zwischenzeitlich tauchte in meiner Stadt ein neues Problem auf. Kaum wurden die Amerikaner abgezogen, wurden deren Häuser kernsaniert, neu möbliert, und leise still und heimlich entstanden daraus Asylantenheime. Dabei hätte die Stadt selbst die Wohnungen so dringend gebraucht. Wir sind eine Touristen- und Studentenstadt mit chronischem Wohnungsmangel. Doch die Stadt hatte sich zuvor, u.a. durch Brückenbauten, hoch verschuldet. Sprich, sie konnte das ehemalige Amigelände dem Bund nicht abkaufen. Da unsere Stadt von der Gesinnung her eher braun war und teils noch ist, auf der anderen Seite die grüne Lobby immer stärker wird, war und ist ein Asylantenheim ein heikles Thema. Es prallen nun zwei extreme Welten aufeinander.

Plötzlich tauchten in unserem Stadtviertel überall dunkelhäutige junge Männer auf. Sie standen und stehen noch, in Gruppen an Straßenecken, an denen ein guter und wahrscheinlich kostenloser WLAN-Empfang war. Die Gehsteige vor Döner-Läden waren voll von diesen jungen Männern. Ich begann mich völlig seltsam zu fühlen. Ich war nie sonderlich ängstlich, ging abends auch allein in Kneipen in der Stadt, ins Kino oder zum Essen. Klar kam mal eine blöde Ansage im Vorbeigehen, seitens angetrunkener Männer. Angst hatte ich allerdings nie vor denen. Ich fühlte mich nie ernsthaft bedroht. Und genau das veränderte sich plötzlich. Die Männer starrten mich an und wichen keinen Millimeter zur Seite. Letztlich fühlte ich mich so seltsam, dass ich vom Gehsteig auf die Straße auswich, um nicht durch diese Gruppe von Männern gehen zu müssen. Diese Situationen kamen immer häufiger vor.

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Ich holte mir sogar Rat bei einer lieben türkischen Freundin von uns, damit ich weiß, wie ich mich richtig verhalten sollte, um keine falschen Signale auszusenden. Und das im eigenen Land!
Allerdings erging es nicht nur mir so. Eine sehr liebe und obendrein bildhübsche Freundin wohnte in der Innenstadt, in der Nähe eines Döner-Ladens. Sie erzählte mir genau die gleichen Geschichten. Sie ging nicht mehr ohne Pfefferspray aus dem Haus. Einmal waren wir am Abend zusammen in der Innenstadt, was ich zu dem Zeitpunkt kaum mehr machte, da ich mich nicht mehr sicher fühlte. Beim nach Hause gehen standen überall Grüppchen junger, dunkelhäutiger Männer. Sie starrten uns an, sprachen untereinander, logischerweise in ihrer (arabisch, afrikanisch?) Sprache. Sie zeigten auf uns, waren sichtlich amüsiert und wir versuchten einen großen Bogen um sie zu machen. Wir waren glücklich, als eine Polizeistreife vorbeifuhr und nutzten die Gelegenheit, um zu verschwinden. Ich glaube, das war das letzte Mal, dass ich bei Nacht und ohne männliche Begleitung in der Innenstadt war.

Man eröffnete dann im ehemaligen Amigelände eine Polizeischule, damit sich die Bevölkerung ein bisschen sicherer fühlte und beruhigter war. Doch die Anzahl der Ladendiebstähle ist seither drastisch gestiegen, ebenso die Überfälle auf Privatpersonen, mal ganz abgesehen von der rasant angestiegenen Vergewaltigungsrate. Da nutzt auch die Polizeischule nicht viel.

Ich selbst habe mich aufgrund der Entwicklung in meiner Stadt, vor allem aber auch in ganz Deutschland dazu entschieden, auf die Kanareninsel La Palma zu ziehen, wo ich nun seit 2018 in meinem eigenen Haus lebe. Hier ist noch eine heile Welt vorhanden, wie ich sie noch aus meiner Kindheit aus Deutschland kenne. Hier herrscht Frieden, kein blödes Anmachen, kein Anstarren, keine Angst davor, dass mir etwas zustoßen könnte. Hier kann ich zu jeder Tages- und Nachtzeit allein durch die Gegend laufen, ob im Städtchen oder auf dem Land. Schlimmstenfalls würde höchstens jemand mit dem Auto anhalten und fragen, ob er mich irgendwohin mitnehmen und absetzen kann. Und ich würde auch sicher an meinem Ziel ankommen. Der gegenseitige Respekt wird hier sehr groß geschrieben. Sicherlich gibt es auch hier häusliche Gewalt. Das will ich gar nicht in Frage stellen. Doch auf der Straße würde niemals jemand die Hand gegen eine Frau erheben. Ich kann auch die Haustüre oder das Auto offen stehen lassen, es passiert nichts.

Selbstverständlich gab es noch viel mehr Gründe, Deutschland zu verlassen. Die Migranten allein waren es nicht. Die Erhöhung der Grundsteuer, der Klima-Wahn, die Bargeldabschaffung und so vieles mehr. Aber auch einfach das viel, viel mildere Klima hier auf der Insel, welches für mich allein aus gesundheitlichen Gründen das Leben erleichtert.

Leider sieht es so aus, dass sich die Situation in Deutschland nicht verbessern wird – eher das Gegenteil…